Scene.

Kabinet. Eduard, Alsin.

Als. Ich bitte meinen König um Gehör! ——

Edu. Du setzest mich in Erstaunung. Bin ich nicht dein Freund Eduard? —— Sprich!

Als. Izt sind es sechzig Jahre, die ich dem Dienste deines Vaters und dem Deinigen mit Vergnügen widmete. Ich sage dies nicht etwa aus eitler Ruhmredigkeit, sondern ich führe meine kleinen Verdienste mit Bedacht an, damit Du mir meine erste und letzte Bitte gewährest. Es betrift meine Ehre, den Ruhm meiner grauen Tage —

Edu. Ich staune! Bitte sagst du? Edler Mann, fodre die Hälfte meiner Krone, ich schwöre beym Himmel ——

Als. Ich kenne dein gütiges Herz. Eduard, besieg deine Liebe! Du liebst meine Tochter, und bist großmüthig genug ihr die Würde einer Königinn anzubieten. Unser Dank ist rege. Beraube mich nicht meines guten Rufes ——

Edu. Ich begreife nicht ——

Als. Die Welt würde sagen, daß mein Eifer, und meine Vaterlandsliebe nur ehrgeizige Absichten zum Grunde habe. Der Gott, der alle Herzen sieht, kennt meine Uneigennützigkeit. Eduard, bester der Könige, laß mich mit Ehre in das Grab meiner Väter eilen; wähl eine würdige Königinn zum Wohl deiner Staaten. Vergiß eine flüchtige Leidenschaft, und sey stäts Eduard! —— Hör mit Geduld eine kurze Moral ——

Das morgenländische Gemälde.

Die Morgenröthe warf ihre goldnen Stralen über die Gipfel der Berge, der Weise wusch sein Antlitz, und grüßte das schimmernde Tageslicht. Wohlthätige Sonne, sey den Sterblichen willkommen! Du giessest mit gleicher Huld auf Fromme und Böse deinen Segen. Wirf deinen gütigen Schimmer in das Schlafgemach des Königs, beleuchte seine schlummernden Augen, und lehr ihn wohlthätig wie Du zu seyn! O Vorsicht, warum lässest du durch grosse Fürsten die Kleinen unterdrücken? So seufzte der Weise, als ein glänzender Geist vor seinem Auge stand. Ich habe deine Klage gehört, ich will dich belehren. Was siehst Du dort? —— Ich sehe, sprach der Greis, eine einladende Quelle an einem blumenreichen Gestade; die Pilgrimme erquicken sich an dem kühlenden Wasser. Was erblickst du izt? fragte ihn der schimmernde Jüngling, Sieh, rief der Alte, eben diese sanfte Quelle schwillt zur stürmischen Flut empor, welche die Fluren verheeret, und die ländlichen Hütten niederstürzet. Was siehst du izt? war die Frage des Genius. Eine wohlthätige Flamme, die mich wärmet, und meine Speisen zur Verdauung kochet. Blick weiter! Rief der himmlische Geist. Gott! Ich sehe, jammerte der Greis, eine wütende Flamme, die alles verschlinget; Häuser und Menschen frißt! Aber izt fühle ich eine sanfte Luft, sie kühlet mein graues Haupt, und reizt meine Augen zum Schlummer. Aber ach! Sie wird zum rasenden Sturmwinde! Sieh, wie die höchsten Cedern zu Boden fallen! Hör dort die zerrissenen Haine klagen! —— Sey ruhig! Sprach der Geist lächelnd, was zeigt sich dir? —— Ich sehe, rief der Naturforscher eine grüne Ebne, welche mit dem Schmelzwerk der Blumen malerisch pranget. Doch, wie verwildert sich plötzlich dieß Eden! Die Erde bebt, die Abgründe öffnen sich; diese sonst so gütige Mutter verschlinget grausam ihre Kinder! —— Was soll O erhabner Lehrer, dieß wunderbare Gesicht bedeuten? Welch ein Widerspruch! —— Dieß ist ein Gemälde der Leidenschaften, so schloß der Genius, sie sind die edelsten Triebfedern aller menschlichen Handlungen; alle Tugenden keimen hervor, so lange sie von der Vernunft geführt und beherrscht sind; aber weh den Menschen, wenn ihre Leidenschaften die Gränzlinie verlassen, und die Schleussen durchbrechen, dann vertilgen sie alles. So rief der belehrende Geist und verschwand. Der Weise dankte, und segnete die Allmacht.