Selbstgespräch.

Eduard. Er verläßt mich! Wie bin ich beschämt! Welche erhabne Seele besitzest Du mein Freund! Du erniederst mich! —— Ich will dir nachfliegen kühner Adler! —— Ich eile unter dem Geräusche der Waffen meine Leidenschaft zu besiegen, zu vergessen! —— O Salinia, dich vergessen — Welchen schweren Kampf ficht mein Herz!

Serenade.

Erster Auftritt.

Der König, die Ehre mit ihrem Gefolge.

Die Ehre.

Wie lange wirst Du hier in träger Ruhe schlafen?

Sieh auf! Dort lächelt Dir ein schöner Lorbeerhain!

Ergreif mit Muth die edlen Waffen,

Durch sie allein kannst du verewigt seyn!

Der Weichling mag im Arm der Wollust lenzen,

Der, wenn er stirbt, vergessen ist;

Doch Helden, die mit Siegespalmen glänzen,

Die die Unsterblichkeit begrüßt,

Enteilen streitbar ihren Gränzen,

Weil sie ihr Geist in keine Welt verschließt.

Der König.

Willkommen Königinn der Erde!

Durch dich entflammt vergißt der Krieger die Beschwerde,

Die sich ihm stolz entgegenstemmt,

Und seine Riesenschritte hemmt.

Umarme mich, Du hast mein Herz bemeistert,

Ich fühle schon den göttlichen Instinkt,

Ein Blick von Dir hat mich begeistert.

Ich eile hin, wo mir dein theurer Lorbeer winkt.

Zweyter Auftritt.

Die Weichlichkeit, und ihr Gefolge, Vorige.

Die Weichl.

Wohin mein Sohn, entfliehst Du meinen Armen?

Die Ehre leitet Dich?

Ich seh Euch beide mit Erbarmen!

Held zaudre noch, und höre mich!

Du willst Dich kühn in die Gefahren wagen?

Ich schildre Dir das Bild von meinen sanften Tagen:

Früh wecket Dich die süsse Harmonie,

Dann eilst Du zu den Blumengärten,

Umringt von schmäuchelnden Gefährten.

Sie lieben dich, dein Blick beseelet sie.

Indeß bewaffnen sich mit Reizen alle Schönen;

Die Liebe buhlt um Dich in tausend Wollustscenen.

Ein jedes Wölkchen wird verscheucht.

Dann lädt Dich Bachus zu den Festen;

Du taumelst froh mit muntern Gästen,

Bis sich die Sonne roth zum Meere schleicht.

Dann rufen Dich Thaliens Spiele,

Und sie belebt dein Herz mit zärtlichem Gefühle.

Doch endlich reicht der frohe Tanz

Dir seinen bunten Blumenkranz.

Spät eilt der Schlafgott dich zu grüssen,

Und du entschläfst mit Amors süssen Küssen.

Hat dieses Leben keinen Glanz?

Was ist mein Freund, der eitle Ruhm?

Baust Du dein Glück auf Menschenknochen?

O flieh die blutigen Epochen,

Denn ihre Gleise sind zu krumm!

Hier ruhest du am schönsten Busen!

Hier lächeln Dir die sanften Musen,

Und hier ist mein Elisium!

(Izt umgaukeln ihn die Liebesgötter; die Grazien schmücken ihn mit Blumen, und er sinkt entzückt in ihre Arme. Der Friede krönt ihn.)

Chor des Gefolges der Weichlichkeit.

Freudige Chöre

Der Liebe zur Ehre

Erquicken das Ohr.

Zärtliche Lieder

Erheben izt wieder

Die Herzen empor.

Dritter Auftritt.

Donner und Blitz. Der Eckel und die Zwietracht mit ihrem Gefolge stürzen herein.

Der Eckel.

Wirst du denn nicht der schaalen Lüste müde?

Kannst du gewärmte Lust verdaun?

Ich sage Dir mein Fürst ganz im Vertraun,

Mir eckelt oft Gesundheit, Wohlseyn, Friede.

Ich schwöre Dir, mich quält dieß Einerley.

Die Zwietr.

Wir treten deiner Meinung bey.

Ich sehe diesen Hof bey allen Freuden gähnen.

Dein Schauplatz, O Monarch, ist niemals neu.

Man sieht beständig alte Scenen.

Ein altes Lächeln fort, wenn es zu oft erscheint!

Wähl lieber Krieg, wenn auch der Landmann weint,

So sind es doch ganz neue Thränen.

Hör, wie der Krieger murrt, wie frech dein Nachbar dräut,

Und sich bey deinem Schlummer freut!

Kannst du den Schimpf stäts so gelassen tragen?

Wirst du denn nicht Versuche wagen?

Begräbt die Weichlichkeit dein grosses Herz;

Betäubt den grossen Geist ein kleiner Liebesscherz?

Nein! Länger kann ich Dich nicht so entehret schauen,

Ich reisse selbst den Wollusttempel ein;

Ich will dem Ruhm Altäre baun!

Ich steige zum Olymp! Willst du Begleiter seyn?

Wir müssen Neid, und Haß, und Vorurtheil zerschmettern;

Dein Zögern heischt von mir izt eine kühne That.

Ich will mit Dir auf jenen Felsen klettern,

Wo die Unsterblichkeit den schönsten Tempel hat.

Willst du? So reiche mir die Hand!

Verlaß die kleinen Liebesspiele;

Verwirf dieß weichliche Gewand!

Dort nähern wir dem edlen Ziele,

Wo Herkules einst Lorbeern fand.

Der König.

Empfang von mir die erste Huldigung!

Ich folge froh dem Heldenwinke.

Ich bin zwar noch an Thaten jung;

Jedoch es treffe mich die härtste Züchtigung,

Wenn ich als Weichling je zurück zur Ruhe sinke,

Und je den Taumelkelch der Wollust trinke.

Auf Ehre! Komm, dein Ruf belebt!

Mein Blut beginnt izt feuriger zu wallen;

Ich höre schon die Kriegstrompete schallen,

O Götterton, der mich erhebt!

Laßt uns mit Muth das Siegesschwert ergreifen;

Bald werden uns die schönsten Palmen reifen!

O Heldengeist, der mich umschwebt,

Sieh, wie die Welt schon furchtsam bebt!

Chor des kriegerischen Gefolges.

Wir eilen, wir fliegen zum blutigen Kriege!

Dort pflücken wir Lorbeern, dort ärnden wir Siege,

Die über die Meere die Fama posaunt,

Bey denen die späteste Nachwelt erstaunt.