Laune.

Flieh Satyr fern von mir, du bist ein loser Bube!

Wie oft jagt ich dich schon aus meiner Stube!

Du schleichst dich immer wieder ein,

Und spielest mir am Hofe tolle Streiche.

Izt soll der Schluß von unsrer Freundschaft seyn,

Weil ich nicht lange mehr im Staube keuche;

Von Städtern fern, und fern von Dir

Will ich mir dort in stillen Buchen

Den ächten Busenfreund, Horazens Nachbar suchen;

Der lacht und scherzt mit mir,

Nicht so wie wir aus weiter Kehle lachten,

Wenn wir uns beide lustig machten.

Wie oft durchwühlten wir das grosse Narrenhaus,

Und zischten die Bewohner aus!

Zuerst bespähten wir die grossen Staatsperücken,

Und fanden selten ein Gehirn.

Dann prüften wir des Höflings hohe Stirn,

Und schätzten sie viel kleiner als die Mücken.

Bey Fräulein suchten wir die keusche Jungferschaft,

Allein sie wohnt nicht mehr in Gold und Taft;

Wie morsch und wie verwelkt sind ihre Herzen!

Mit Weibern pflegten wir zu scherzen;

Wir haben sie ein bischen ausgehöhnt,

Weil jede gern den theuren Gatten krönt;

Sonst sind sie leidliche Geschöpfe.

Dann spürten wir um die gelehrten Köpfe,

Allein wir fanden Rauch und Wind.

Die Schmäuchler, die am Hofe häufig sind,

Verdienen sicher ein Gelächter,

Denn sie vergöttern oft den reichen Pächter;

Ein goldner Pavian scheint ihnen wie ein Gott.

Sie fühlten auch Herr Bruder, unsern Spott.

Die Kriecher wurden nicht verschonet;

Die Gleißner auch mit Streichen reich belohnet.

Mit einem Wort ich prüfte jeden Stand;

Es ist gewiß das ganze hübsche Land

Nichts weiter als des Tespis Karren,

Und stolz im Harlekinsgewand

Spielt jeder seinen Lieblingsnarren.

Izt bin ich endlich ihrer satt.

Ich hasse diese Schellenkappen.

Ich fliehe gähnend Hof und Stadt,

Und suche Menschen ohne Wappen.

Vielleicht schmückt die Natur das Land.

Ich wünsche Mutterwitz, natürlichen Verstand;

Ein gutes Herz, und reine Sitten

Find ich vielleicht in kleinen Hütten;

Und hab ich das, was brauch ich mehr?

Ich schliesse ruhig meine Tage.

Dieß ist, was ich mein Faun, dir sage!

Dieß merk, sonst sprech ich deutlicher.

Zu Zeiten will ich deiner noch gedenken,

Und unsrer Freundschaft Blicke schenken;

Mehr aber Satyr fodre nicht,

Man macht sich Feinde, wenn man sticht.