Leichenode.
Euphrosine wein, streue die goldenen
Locken hin auf das Grab dieses Eroberers!
Jede Tugend posaunt seinen unsterblichen
Ruhm den spätesten Enkeln zu.
Zepterwürdiger Fürst, Lorbeern verewigen
Deine Tapferkeit nicht; Musengesänge sind
Die Herolde der Zeit; sie nur verherrlichen
Und entreissen dem Tode Dich.
Schön war dein Aufgang O Stern! Minder dein Niedergang!
Deinen Frühling erhöhn Thaten der Menschlichkeit.
Zärtliche Thränen, und Dank glücklicher Sterblichen
Preisen dein gütiges Vaterherz.
Wenn das blutige Feld Mörder bevölkerten,
Häufiges Bruderblut floß, und der vertilgende
Donner die Schedel zerschlug; gossest Du Thränen hin,
Und warst Mensch und Bruder noch.
Wollte die Schönheit durch Reiz dein Herz abwürdigen;
Schloß dein Auge sich zu. Grösser als Scipio,
Weiser als jener Ulyß höhnst du die Weichlichkeit,
Und bekrönest die Tugenden.
Du hast rühmlich als Hirt Heerden vertheidiget;
Schüchtern entschleichet der Wolf; Friede nur heiliget
Deine Hütte, dein Feld; Ueberfluß giessest du
Auf die frohe Lämmerschaar.
Du hast die Musen geliebt; herrliche Tempel sind
Ihnen zur Ehre gethürmt; Griffel und Meissel und
Göttlicher Dichtergeist hebt deinen unsterblichen
Namen für die Nachtwelt auf.
Halt ein o Meucheldolch! Ach! mit diamantenen
Ketten fesselt der Tod ihn in dem Schattenreich;
Weine verlassene Burg, Städtebeherrscherinn,
Um den Vater des Vaterlands;
O Du verherrlichter Geist höre die Weinenden;
Sieh mit Redlichkeit die Herzen Dir huldigen;
Kehre zur Erde zurück; unüberwindlicher
Feldherr, schütze dein Königreich!
Welch ein plötzliches Licht, Himmel! bestralet mich!
Eduards Schatten umschwebt glänzend die Königsstadt.
Sein weissagender Mund segnet sein theures Volk;
Hört den frommen Orakelspruch!
Wünscht ihr die goldene Zeit, wünscht ihr den himmlischen
Frieden; so krönt die Stirn Sigismunds; ewige
Palmen schmücken sein Haupt; würdige Tugenden
Machen ihn siegreich, und kronenwerth.
So rief der Schatten, und floß zu den Belohnungen
Würdiger Könige, wo die Unsterblichkeit
Helden und Sieger belohnt, und die getrösteten
Völker bauen sein Ehrenmaal.