Melodrama.
(Eine Laube. Salinia sitzt bey einem Marmortischchen, stützt mit einer Hand ihr müdes Haupt, und hält mit der andern die Feder. Hernach Eduard.)
Salinia.
Wie feurig dieser Busen wallt!
Wie ist mein Geist entflammt, beflügelt!
Und doch scheint mir ein jeder Ausdruck kalt ——
Nein dieser Brief wird nicht versiegelt!
(Sie zerreisst das Blatt und beginnt ein Neues.)
Wo ist die Flammenschrift,
Die meine heisse Liebe malet?
Wo ist ein Pinsel, der sich pralet,
Daß er das Ideal von meiner Sehnsucht trift? ——
Wie feurig fliegt vom warmen Herzen
Oft der Gedanke bis zur Hand!
Wie frostig schildert sie, was ich empfand;
Wie unempfindlich lallt sie meine Liebesschmerzen!
(Sie wirft die Feder weg.)
Vergebens ist mein thätiges Bemühn;
Nur Sylben stehen hier, der Geist fliegt hin!
(Sie steht auf.)
O Eduard, ich will dir nicht die Glut beschreiben,
Sie soll geheimnißvoll in meinem Busen bleiben!
(Sie betrachtet sein Bild)
O Meisterstück der zaubernden Natur,
Wie reissest du mich hin in ein Entzücken!
Ein sanfter Blick auf dich kann mich beglücken;
In dir find ich der Grösse seltne Spur.
Welch stolzes Adleraug, und welche Götterstirne!
O schließt man auf das Herz vom fürstlichen Gehirne,
Wie muß es groß und edel seyn! ——
Wie täuschend wiegt mich oft die süsse Hofnung ein,
Daß einst dein holder Blick mir lächelt! ——
O Zephyr, der so sanft um meine Haare fächelt,
Eil, flüstre leis ihm meine Triebe zu,
Der Zeuge meiner Glut, mein Busenfreund bist du!
Sag, daß Salinia die reinste Flamme nähret;
Stillschweigend sich um seine Gunst bewirbt;
Daß sie die Nachtigall stäts neue Seufzer lehret,
Daß sie hinschmachtet, schweigt und stirbt ——
Jedoch, warum soll mich die schönste Liebe tödten?
Ist nicht der Gegenstand ein Erdengott?
Warum soll ich beschämt erröthen?
Wo spricht ein dreister Mund mir Spott?
Von Eduard entflammt, wer wagt es mich zu höhnen?
So reine Liebe muß die Tugend selbsten krönen!
(Sie eilt fort, und zögert wieder)
Ich zeige dir mein Herz in seiner Unschuld bloß ——
Sey stolz mein Geist, dein Freund denkt groß! ——
Ach! Für mich viel zu groß! — Izt fliessen meine Thränen —
Der Abstand lockt mir Zähren ab.
Der stille Harm gräbt mir ein schwarzes Grab!
O der Gedanke macht die Hofnungen verschwinden!
Verlassen, einsam steh ich hier!
Wo soll ich Trost, und wo ein Labsal finden?
Auch nicht die Zukunft schmeichelt mir! ——
O Liebe, doch kehr ich entzückt zu dir,
Denn du allein beherrschest grosse Seelen;
Selbst die Verzweiflung trennt uns nicht! ——
Hör Eduard, was meine Lippe spricht:
Izt will ich mich mit dir vermählen! ——
Dies sey mein Brautaltar!
(Sie setzt das Bild auf den Tisch)
Ihr Sterne hört! Euch ruf ich izt zu Zeugen!
Dich Laube, die so oft mein Lieblingstempel war;
Euch Aeste, die sich hold auf meine Scheitel neigen;
Euch Sänger, die ihr auch die stille Nacht
Mit warmer Zärtlichkeit durchwacht;
Dich blasser Mond, der mich so freundlich grüsset;
Euch Schatten, die ihr mich in eure Arme schliesset;
Ihr edlen Zeugen alle hört!
Was izt Salinia zum höchsten Himmel schwört:
Eh wird mein Geist dies Flammenherz verlassen:
Eh wird die Brust sich selbsten hassen:
Als meine Zärtlichkeit für Eduard sich schwächt!
Und wäre je mein Busen so vermessen,
Die frommen Schwüre zu vergessen;
So strafe mich der Gott, der Eide rächt!
Dir Eduard, will ich die ganze Liebe geben;
Dir schlägt allein mein Herz, dir will ich leben!
Wenn mich der erste Blick der Sonne früh begrüßt;
Und wenn der Abendstern die Tage schließt,
Will ich von dir erfüllt für dich die Stunden zählen;
Auch wenn die Nacht der Welt zum Schlummer winkt,
Soll nur dein Bild mein Herz beseelen.
Selbst wenn auf mich ein sanftes Träumchen sinkt,
Soll mich allein mein Eduard umschweben!
So will ich ganz allein dir athmen, hauchen, leben!
Ich bin mit dir vermählt! —— Izt mag mein Vater dräun!
Izt mögen die Verwandten wüten,
Und ihre stolzen Plane brüten!
Ihr Freyer möget in Verzweiflung seyn!
Ich will mein Aug mit Worten nicht entweihn,
Die von profanen Flammen sprechen;
Fort Briefe, euer Stoff ist mir zu klein!
(Sie zerreißt alle Liebesbriefe)
Sieh Eduard, so will ich dich an ihnen rächen!
Mein Abgott, du allein bist warm geliebt;
Sieh wie Salinia dir stäts Beweise giebt.
Erkenne doch mit Dank die zarten Triebe;
Ich heische nichts von dir für so viel Liebe! ——
Ein Blick auf dieses Bild soll die Belohnung seyn.
(Man hört in der Ferne ganz leise eine kriegerische Musik)
Ach Eduard, du wirst uns bald entrissen!
Bald werd ich dich vom Feind umringet wissen.
Du eilst zur Schlacht, wo dir so viel Gefahren dräun!
O flieh Geliebtester, die blutigen Trophäen!
Mein Geist begleitet dich in jede Schlacht.
Oft muß ich dich verwundet sehen;
Oft schließt dein Auge schon die schwarze Todesnacht;
Ich rufe ganz bethränt dem kühnen Mörder zu;
Ich will den raschen Dolch von deinem Nacken reissen!
O Eduard, wie hart bist du!
Soll ich Geliebter, dich nicht grausam heissen?
Da du mir immer Stoff zu neuen Thränen giebst,
Und dich mein theures Gut so wenig liebst?
Jedoch, wie kann ich mich gerecht beklagen?
Erst muß ich dir die warme Liebe sagen.
Vielleicht entwafnet dich mein zarter Blick ——
Ich eile! —— Ja, er soll die schönste Flamme wissen! ——
Wo eilst du hin? —— Halt ein! ——
Du wirst verschmäht, verachtet seyn.
Soll wohl für dich sich Eduard entschliessen,
Den Lorbeer, den er liebt, zu missen?
Er, der die Liebe höhnt, der keiner Schönheit lacht,
Und selbsten mein Geschlecht, als schwach, verächtlich macht;
Der, wenn er nur auf stolzen Palmen thronet,
Die Zärtlichkeit und Seufzer nicht belohnet.
Was hilft es, wenn er auch die heisse Liebe weiß,
Verläßt er wohl für mich den Heldengleis? ——
So lebe wohl! Zieh hin! —— Nimm meinen Segen,
Der aus dem Herzen strömt!
O schone dich; sey nicht verwegen;
Schenk dich der Thräne Fürst, die meine Seufzer hemmt!
(Sie stürzt auf die Knie)
O Himmel, hör geneigt die fromme Bitte!
Dich fleh ich izt für ihn um Schutz und Güte;
Zähl meine Tage seinen bey;
Und heischt dein Wille sein Verderben,
So laß Salinia für ihren Gatten sterben,
Laß ihn für dieses Opfer frey! ——
Geliebter Eduard, erblicktest du die Zähren,
Und möchtest du die Seufzer hören ——
Er hört den Wunsch, und liebet dich!
Salinia.
Wer spricht? — Wer kömmt? Mein Geist verwirret sich —
(Sie springt auf)
Jedoch wenn ich mich nicht mit Träumen täusche;
So hört ich hier ein flüchtiges Geräusche ——
(Sie blickt schüchtern herum, geht zum Eingang der Laube. Eduard schleicht durch das Gebüsch, ergreift das Bildniß, besieht es beym Monde, und stürzt Salinien zu Füssen, welche auf einen Rasensitz sinkt.)
Eduard.
Du liebest mich! Ich bin entzückt, berauscht!
Vergieb, ich habe dich von ungefähr belauscht.
Die Gegenwart soll dich nicht in Verwirrung setzen.
Ich wollte mich von deinem Vater letzen.
Ich wählte mir die stillen Schatten aus,
Und bey der Dämmerung beschlich ich dieses Haus.
Ich wollte dich und ihn mit regem Danke segnen,
Und zitterte dem Blick der Gottheit zu begegnen,
Die dieses Herz allein besiegt ——
Verschmähe nicht den Freund, der dir zu Füssen liegt ——
Salinia.
Du liebst mich Eduard? — Ich fühle mich getrieben —
Mein Blick verräth das Herz — O Theurer, laß uns lieben!
Sieh, wie mein Busen dir entzückt entgegen wallt! ——
Jedoch entreiß dich mir! — Die Kriegstrompete schallt! ——
Ich höre meinen Vater kommen! ——
Lebwohl!
Eduard.
Den ersten Kuß! — Der Abschied ist genommen!
Ich eile hin, und ärndte Lorbeern ein,
Bald will ich sie zu deinen Füssen streun!
(Sie umarmen sich, und trennen sich gewaltsam.)