Scene.

König Theodor, König Friederich, Gefolge, Eduard, hernach ein Dichter.

(König Theodor sitzt in einem Kefig, Friederich auf einem Scheiterhaufen.)

Theod. Soll ich dem Sieger zum Gespötte dienen?

Fried. Will er mein Blut vergiessen?

Edu. Tyrannen, redlich kann ich mein Auge an eurer Strafe weiden! —— Wie oft habt ihr meine Güte verhöhnt, meine Friedensvorschläge verworfen, und das heilige Völkerrecht durch eure Grausamkeit entehrt! Ihr habt meine Gesandten mit Schande und Hohngelächter zurückgesandt, und meine gefangenen Krieger verstümmelt. — Kann der Thron solche Unmenschen schmücken? —— Sprecht selbsten, wie soll ich nach so viel Unbilden Euch behandeln?

Theod. Tödte mich!

Fried. Laß mich sterben!

Edu. Man mache sie frey! —— Ich habe Euch gedemüthiget! Lernet, daß Könige Menschen sind! — Kehret in eure Staaten, nehmet eure Kronen zurück, und löschet das Gedächtniß eurer vorigen Missethaten durch glänzende Tugenden aus. Ich bin euer Freund!

Theod. Deine Großmuth ist grösser als alle Siege!

Fried. Ich erröthe nicht mehr über meine Niederlage; es ist rühmlich unter königlichen Löwen zu fallen!

Edu. (indem er sie umarmt) Brüder, ich empfehle euch die Menschlichkeit!

(Indem Eduard sich entfernet, überreicht ihm ein Dichter eine Schrift. Eduard liest, zieht einen Ring vom Finger, und überreicht ihn dem Dichter.)

Edu. Ich vermähle mich mit den Musen!

Ode.

Welchen der Götter, und welchen der Helden

Singet ihr leyerbeherrschenden Lieder?

Nicht Macedoniens stolzem Eroberer,

Auch nicht dem weiseren Kämpfer am Rubikon

Tönet mein Siegespäan.

Ich will zu meinen erhabnen Gesängen

Meine Grundfeste unsterblich erbauen;

Wie auf zeittrotzendem Marmor erheben sie

Sicher das Haupt auf dir rühmlichste Tugend, und

Lächeln der Ewigkeit zu.

Viele denkwürdige Thaten entschlummern,

Weil sie des rühmlichen Dichters beraubt sind.

Aber Mnemosine, du überreichest mir

Arbeitbelohnende Lorbeern; ich kröne den

Grösten der Helden, der lebt!

Auf mein Geist! Spanne den goldenen Bogen;

Laß mich die Schönsten der Pfeile verschiessen,

Und mit beflügelter Eile die rauschendsten

Töne der Leyer entlocken, die göttliche

Thaten der Nachwelt posaunt.

Laß uns die heilige Rede beginnen!

Eduard, welcher von Königen stammet,

Liebet die Länderbeschützende Tapferkeit;

Ehret die Weisheit stets als die Erhalterinn

Eines aufblühenden Staats.

Lang hat sein weltenerschütternder Donner

Feindliche Städte bekriegt und zermalmet.

Staunend erzitterten ringsumher wohnende

Völker bey seiner herkulischen Tapferkeit,

Welche die Heere verschlingt.

Alle verehrten den Löwenbekämpfer,

Flehten mit Zittern die mächtige Huld an,

Und sie entflohn dem alles besiegenden

Schwerte durch Demuth. Er schonte die Reuigen,

Die er mit Füssen zertrat.

Angenehmlächelnder Friede, du Sohn der

Ewiggepriesenen Gerechtigkeit, bringe

Den diamantenen Schlüssel zum Thore der

Süssesten Eintracht, und lade gastfreundliche

Nachbarn an unser Gestad.

O laß den völkerernährenden Pflug, das

Weberschiff, und den kunstliebenden Meissel

Sichere Mauern bewohnen, und huldige

Unserm Eroberer, der dich verherrlichet,

Und dir den Tempel erbaut.

Aber ich schweige. Von Thaten zu singen,

Die selbst die göttliche Muse bewundert,

Ist für mich Kühnheit. Wer preist nicht die Heldenhand,

Die kein unschuldiges Blut noch entheiliget,

Weil es dem Vaterland floß.

Brief.
Eduard, an Alsin.

Die wenigen Augenblicke, welche mir meine häufigen Geschäfte frey lassen, kann ich nicht besser verwenden, als wenn ich sie dem theuersten meiner Freunde schenke. Aber was soll ich Dir sagen? Wenn ich Dir wiederhole, wie sehr ich Dich liebe, sage ich Dir eine gewöhnliche Sache. Von was soll also mein Brief handeln? Du liebst den Krieg nicht, und ich bin mitten unter Feinden. Ein so gutherziger Philosoph wie Du, hasset die blutige Zerstörung der Menschen. Es ist traurig genug für mich Deinen Zögling, daß mich barbarische Feinde zwingen, Menschenblut zu vergiessen.

Wir hatten wieder einen heissen Tag. Wir fochten mit Männern, denen ich zum Ruhme nachsagen muß, daß sie tapfere Krieger sind, die Kenntniß und Muth besitzen. Meine theuren Mitbrüder und Kriegsgenossen haben Wunder gethan. Schade ist es, wenn einige Tropfen von so edlem vaterländischen Blut vergossen werden! Welche Entschlossenheit, welche Treue, welcher Gehorsam! Freund, so ein edler Krieger überwiegt hundert feile Lohnbuben, die beym Anblick der ersten Gefahr zittern und entlaufen.

Ich sehe mich sehr oft in der traurigen Nothwendigkeit, die wackersten Streiter wegen übertriebenem Eifer zu strafen. Zu einer solchen Schlacht wünschte ich viele Könige einzuladen, damit sie lernten, was es ist, von seinem Volke geliebt zu seyn. Wenn ich einst im Treffen falle; so sey gewiß, daß kein Mann lebendig vom Schlachtfelde kömmt. Wenn ich winke; so stürzen die Geschwader unter die Feinde. Meine vortreflichen Kriegsleute rauben mir alles Verdienst. Von der tiefen Einsicht, Erfahrenheit und Gegenwart des Geistes meiner Anführer kann ich nicht rühmlich genug sprechen. Glückliches Vaterland, das so viele würdige Helden hervorbringt, welche ihren König beschämen, und mich täglich überzeugen, wie leicht mein Platz durch zehntausend Würdigere kann ersetzt werden.

Das freywillige Geschenk, womit meine geliebten Unterthanen mich überraschen, hat mich entzückt, es ist ein redender Beweis ihrer Liebe. Ich habe die Bothen belohnt, und das Geschenk mit dem dritten Theile der Beute zurückgesandt. Du sollst es meinen theuren Bürgern mit dem regesten Dank austheilen, und sie alle in meinem Namen mit dem väterlichen Gruß segnen. Es ist süß König über ein dankbares Volk zu seyn.

Noch etwas für dich und deine Weltweisen! —— Ich habe den besiegten Feinden den Frieden wie ein Bruder den Brüdern angeboten, und wünsche, daß sie weise genug sind, meine redlichen Absichten einzusehen. Mit dieser frohen Nachricht, wobey du gewiß lächelst, schliesse ich meinen Brief, indem ich Dich tausendmal umarme, und Dich versichere, daß Dich ewig liebt ——

Dein Eduard.

Brief.
Lusian an Marsis.

Zwey Worte in Eile! Bald treff’ ich dich im Lager. Der König verläßt schon das Winterquartier, und will zeitig den Feldzug beginnen. Es wird ein Stückchen Arbeit geben. Eduard hat sich schon von seinen Freunden und Freundinnen gelezt. Gelegentlich muß ich dir ein artiges Histörchen beyfügen. Er besuchte die schöne Salinia; sie unterhielt ihn mit Gesprächen, indeß ihr liebkosendes Schooßhündchen zu Eduard schlich, und unter dem sanften Streicheln seiner Hände entschlief. Er hatte dringende Geschäfte, weil er eben Briefe erhielt. Er verweilte um den kleinen Schläfer nicht zu erwecken. O! rief Salinia, du giebst den Thieren Ruhe, und machst den Menschen so viele schlaflose Nächte! —— Eine schöne Bemerkung für die würdige Tochter eines Philosophen ——

Bald mehr! Ich habe dir noch tausend Dinge zu erzählen. Izt meinen Bruderkuß! u. s. w.

Scene.

Ein Kabinet. Eduard, zu ihm Alsin.

Edu. O Salinia, du Perle deines Geschlechts, überall verfolget mich dein Bild! —— Du lehrest mein Herz die siegende Gewalt der reizenden Liebe! — Unwiderstehlich sind deine bezaubernden Züge, du hemmest den schönsten Lauf meiner Siege! — Ach! Umsonst locken mich die blühenden Lorbeern, du fässelst mich hier an! —— Eduard, erwache! Wie lang schläfst du! —— Welche feige Ruhe, welche Leidenschaft hält dich hier zurück! —— Weichling, wie niedere Plane schmiedest du! — Was hoffest du von Salinia? —— Willst du sie ihrem Bräutigam entreissen? Kannst du sie zur Königinn erheben? Gehörest du nicht deinem Volke; bist du nicht an höhere Pflichten gebunden; können Fürsten nach ihrem Herzen wählen? — Oder willst du den würdigsten Gegenstand deiner Liebe abwürdigen; willst du die reine Unschuld schlachten? — Könntest du gegen deinen Busenfreund, gegen deinen Lehrer so undankbar handeln, seine Tochter, die Wollust seiner Tage, zu entehren, sein graues Haupt mit Schande zu überdecken? —— Eduard, wo bist du? steh auf! Sey groß! Sey tugendhaft! — Ich habe gesiegt! — Salinia ist vergessen! Ich eile, im Geräusche der Waffen meine Liebe zu vergessen; ich will Salinia nicht mehr sehen. Ich werde bey nächtlichen Schatten von ihrem Vater mich letzen.

Alsin. Die kriegerischen Schaaren ziehen mit freudigem Jauchzen und mit fliegenden Fahnen auf das Schlachtfeld der Ehre ——

Edu. Ich will sie begrüssen, und an ihrer Spitze dem Feinde entgegen eilen.