Scene.
Eine Studierstube. Eduard, und der Weise.
Edu. Mein Besuch ist mir reichlich vergolten! Ich bewundere deine tiefen Einsichten. Die Philosophen sprechen von vielen Welten. Was denkst du davon?
Der Weise. Für den Weisen sind viele Welten; aber für die Eroberer ist nur eine. Der Weltweise kann seine gelehrten Eroberungen unendlich ausdehnen. Sein Adlerblick übersieht wirkliche und mögliche Schöpfungen.
Edu. Eine Welt ist dem Ehrgeiz zu klein.
Der Weise. Die Sonne ist neunmahlhunderttausendmal grösser, unser Ehrgeiz ist also minder beschränkt.
Edu. Ehe ich dich verlasse, sollst du eine Gnade von mir fodern.
Der Weise. Ich befinde mich jetzt in der Lage eines Diogenes; Der cynische Weltweise hat dem grossen Alexander, wie mir däucht, als ein stolzer Narr geantwortet. Ich sage Eurer Majestät für ihre Gnade Dank. Ich habe meine wenigen Bedürfnisse so nach der Natur beschränkt, daß ich in der That nicht geschwind wüste, was ich wünschen sollte. Alles was mir Könige geben können, ist mir entbehrlich; und alles, was ich wünsche, haben die Könige nicht. Doch in Eurer Majestät Staaten leben viele meiner bedürftigen Brüder; giessen Sie ihre Wohlthaten auf die Armuth aus, und vergrössern Sie meine Glückseligkeit, indem ich höre, daß die Armen erquickt sind.
Edu. Deine Bitte ist schön! —— Du bist menschlicher als Diogenes.
Der Weise. Und du gütiger als Alexander!