Scene.
(Kabinet.) Eduard, hernach Albin.
Eduard. (indem er ein Buch zur Seite legt.) Wie klein sind noch meine Thaten, wenn ich sie mit den Riesenplanen Alexanders des Grossen messe! Was habe ich bisher Merkwürdiges gethan, und wie viel hätte ich thun können! Ich bin auf dem schönsten Gleise zum unsterblichen Ruhme! Alles zittert vor meinen siegreichen Waffen, laß uns ewige Palmen erringen! —— Eine Universalmonarchie lächelt mich an —— Was hält mich hier zurück? —— Weiberliebe —— Eduard, steh auf, erobere eine Welt! Trit die kleinen Könige mit Füssen, bring deine durchlauchtigen Plane zu Stande —— und dann ruhe wie Alexander unter dem Schatten unsterblicher Lorbeern aus! —— Cäsar, Pompejus, solche Männer beherrschten eine Welt, und ich begnüge mich mit einigen Kronen? Ist mein Herz kleiner, mein Geist geringer, mein Arm schwächer? —— Fort! Laß uns alle Liebesfeste verschieben! —— Zur Ehre! —— Albin, was sagen die Berichte unserer Gesandten?
Alb. König Rudolph droht mit grossen Zurüstungen —
Edu. Droht? Rudolph droht? —— Wem droht der kleine Rudolph? Das Königlein droht! Droht mir! —— Sonst nichts von mehr Wichtigkeit als diese Kleinigkeit?
Alb. Die Republiken machen Vertheidigungsbündnisse ——
Edu. Ich will ihre Verträge wie Spinnengewebe zerreissen! Heißt das nicht mir trotzen? —— Ich will diese Nester in Königreiche umschmelzen! —— Zur Arbeit! —— Man muß seine Feinde mit Ungewittern überraschen!
Stoff einer Kriegserklärung.
Kanzleysprache.
Wir Eduard von Gottes Gnaden Mehrer des Reichs und Herr aller möglichen und unmöglichen Welten u. s. w. Geben unsern lieben getreuen und dummen Sklaven u. s. w.
Wir sind mit allen klugen Staatsmännern gänzlich überzeugt, daß der Krieg ein nothwendiges Uebel ist; da uns also unser königlicher Leibarzt mit Zuziehung unsers geistlichen Gewissenraths eine kleine Leibesbewegung zur Verdünnung unsers Bluts dringend angerathen hat; so sind Wir aus landesväterlicher Liebe allergnädigst entschlossen, gelegentlich auch die dicken Säfte des Staatskörpers zu reinigen, und ein Paar benachbarte Königreiche, die uns sehr bequem liegen, zum nützlichen Zeitvertreibe zu erobern. Vermuthlich wird diese gesunde Heldenjagd unsern ungefälligen Nachbarn nicht wie uns behagen, und wir sehen voraus, daß die leidige Kriegsflamme sich ausdehnen kann. Unsere gerechten Waffen sollen also mit Beystand des Himmels unser angeerbtes Recht vor Gott und der Welt vertheidigen. Wir versprechen uns von Euch allen unterthänigsten Beystand durch Aufopferung eures Bluts und eurer Güter u. s. w.[17]