Scene.
Ein Wald. Eduard, ein Anführer einer Räuberbande, hernach seine Gefährten.
Edu. Ich habe mich auf der Jagd von meinem Gefolge getrennt. Guter Freund, wo ist die Heerstrasse?
Anfüh. Für eine gütige Ritterzehrung will ich Ihnen den Weg zeigen mein Herr.
Edu. Hier hast du meinen Beutel!
Anfüh. Da ist noch ein hübscher Ring, eine Uhr, vermuthlich auch eine Dose. —— Ich bitte haben sie die Güte! —— Ich bin ein Mann von Lebensart, und übe nicht gern Gewalt ——
Edu. Kerl fort! Du bist ein Strassenräuber! Ich hielt dich für einen Wanderer.
(Er stellt sich zur Gegenwehr.)
Anfüh. Keine Gewalt! Ich bitte sehr, oder auf einen Wink erscheinen meine dienstbaren Geister, und lehren Sie, was es ist, rechtschaffene Männer zu beleidigen.
Edu. Kerl, ich lasse dich hängen! Ich bin Eduard, dein König!
Anfüh. Ach! Herr Bruder willkommen! Izt ändert sich freilich die ganze Sache. Die Hand her! Meinen warmen Brudergruß! Mir war gleich das Gesicht bekannt. — Es freut mich ungemein, näher mit dir in Freundschaft zu treten! — Hier ist dein Beutel wieder! Wir Helden haben ein geschenktes Handwerk.
(Er pfeift)
Brüder, bringt Erfrischungen, wir haben ein lieben Gast! Nähert Euch meine Freunde, hier führ ich Euch unsern Bruder und Kollega Eduard auf, den Gott noch lange erhalten wolle! Izt bin ich entwürdet, hier heißt es Cede Majori!
(Alle Räuber reichen dem Eduard die Hände)
Willkommen Bruder!
Edu. (heimlich.) In welcher edlen Gesellschaft bin ich! —— Meine Herrn, es ist mir eine besondere Ehre in ihre Bekanntschaft zu kommen!
Anfüh. Setz dich Brüderchen, auf diesen schönen Rasen, und trink ein Glas Wein! —— Er ist aus deinem Keller. Wir holen alle Bedürfnisse aus deiner Burg, denn wir theilen brüderlich.
Edu. Es freut mich, wenn meine Kleinigkeiten so wackern Leuten behagen. Aber seht, der Abend nähert, ich wünschte aus dem Walde zu seyn.
Anfüh. Ich werde dich sicher bis an die Stadtthore führen. Du bist in den besten Händen.
Edu. Nimm zur Erkenntlichkeit wenigstens diesen Ring, und für deine Untergebenen diese Börse ——
Anfüh. Schönen Dank! Wir nehmen nichts; denn wir sind Ehrenmänner, und lieben gute Sitten. Wir weichen nie von unsern strengen Gesetzen; wir nehmen dem Wanderer nur den Ueberfluß aus Güte ab, um ihnen die Reise zu erleichtern. Kein Armer wird beraubt, und niemand, der bescheiden ist, wird mißhandelt. Was däucht Dir ——
Edu. Du setzest mich in Erstaunung.
Anfüh. Freyheit ist unser System!
Edu. Wollt Ihr dem Vaterland dienen? Werdet freye Krieger! Wollt Ihr?
(Der Anführer spricht heimlich mit seinen Brüdern.)
Alle. Wir wollen!
Anfüh. Gieb uns dein Ehrenwort, unsere treuen Dienste königlich zu belohnen!
Edu. So wahr ich König bin, will ich Euch nach Verdiensten belohnen! Folgt mir.
Tagebuch.
Eines Kriegers aus Eduards Lager.
Wir zogen aus, und suchten den Feind auf. Wir überfielen Rudolphs Lager unvermuthet. Der Sieg war entscheidend. Wir eilten gegen die Hauptstadt, nahmen auf dem Wege zehen Festungen ein. Wenige hielten die Belagerung aus. Rudolph hatte die Ueberbleibsel seiner Völker mit den Geschwadern der Bundesgenossen vereiniget, und es kam zum blutigen Treffen. Rudolph entwich aus seinem Königreich, und sein Heer wurde gänzlich zerstreut. Nicht glücklicher gieng es seinen Bundesgenossen. Die benachbarten Staaten hatten indeß zu ihrer Sicherheit ihre Städte befestiget, und ihre Grenzen in Vertheidigungsstand gesetzt. Eduard betrachtete dieß als eine stille Kriegserklärung, überraschte sie, und unterwarf seinem Zepter Länder und Städte. Er flößte durch seinen Ruf so viel Schrecken in alle Gemüther, daß sich alles ergab. Unter diesen beständigen Kriegen entkräftete er seine eignen Staaten; die Gesetze entschliefen, die Städte und Dörfer wurden entvölkert; die Künste und Wissenschaften verfielen, und die Ackerpflege ward vergessen. Seine weitschichtigen Länder schmachteten im Elend. Er eilte zurück. Er hatte überall gefährliche Aufruhren zu dämpfen, geizige Statthalter zu demüthigen, und es wurden endlich seine eignen Krieger seines unersättlichen Ehrgeizes müde.
Brief.
Alsin an Eduard.
Ich schreibe dir, denn eine Unpäßlichkeit verzögert meine Reise. Ich will hingehen, so sagte ich, ich will vor meiner Auflösung eilen, Ihn das letztemahl zu sehen, zu segnen, und durch die Rechte der Menschlichkeit um den Frieden beschwören. Ich werde meine grauen Haare über Ihn streuen, und ihn mit Thränen bethauen. O Fürst, O mein Eduard, will ich sagen, gieb deinem armen Volke den Vater zurück! —— In diesen süssen Gedanken begann ich meine Reise, welche Reise war das! —— Ueberall sah ich das Bild der Zerstörung; jeden Schritt netzte ich mit meinen Zähren. ——