Scene.
Lusian. Marsis.
Lus. Edler Marsis meinen Abschiedskuß!
Mars. Auch Lusian verläßt uns, da uns alle Patrioten fliehen ——
Lus. Ich will als ein rechtschafner Mann zu Grabe gehen. Eduard mag seine chimärische Universalmonarchie selbst ausfechten. Ich bin ein Kerl, der sein Vaterland liebt, nie soll mich der Ehrgeiz zum Unmenschen machen! Wir fallen wie hungrige Tyger über unschuldige Nationen her; was sich nicht knechtisch beugt, wird mit Füssen getreten. Gott im Himmel, wir stinken von Menschenblut! —— Leb wohl!
Mars. Warte noch, ich will dem Könige Vorstellungen machen ——
Lus. Er hört niemand, als seine Speichellecker, seine Weiber, und seinen unersättlichen Ehrgeiz! —— O die verdammte Eroberungssucht!
Quodlibet.
Wenn lauter schlaue Spieler wären,
Wer würde der Gewinner seyn?
Wenn alle Mächtige die Welt zerstöhren,
Wer zieht den Vortheil ein?
Gewiß ist eine Welt zu wenig,
Weil alle Fürsten Helden sind.
Izt weht ein kriegerischer Wind.
Es kleidet sich ein jeder König
So furchtbar wie ein Herkules.
Die Großen sind izt lauter Krieger.
Ein jedes Königlein spielt einen Sieger,
Als wär er Alcibiades.
Die Fürsten grüßen auch mit Lächeln nur Soldaten,
Die dort im Feld die Aernde kühn zertraten.
Gar selten wird für den ein kalter Gruß beliebt,
Der seinen Staat beglückt, und Völkern Nahrung giebt.
Das eiserne Jahrhundert ist erschienen;
Die Erde scheinet mir ein Waffenhaus.
Man brüttet überall erwürgende Maschinen;
Werkzeuge, die nur zur Verheerung dienen,
Denkt izt der Witz der harten Menschen aus,
Die Erdensöhne zu zerstöhren,
Als wenn sie nur Insekten wären.
Wie wird die Menschlichkeit verhört,
Und die Vernunft geschändet und entehrt!
Sind denn die Großen ewig Narren,
Und bleibt ihr altes Steckenpferd
Der Lorbeer und ein Siegeskarren?
Dort hängt ein Räuber. Gute Nacht!
Du hast die Sache schlecht gemacht,
Muß man in Wäldern Solo fangen?
Du könntest izt am Hofe prangen,
Wärst du nur ein Politiker,
Und stünd um dich ein großes Heer.
Wer gab die höllischen Gesetze,
Daß jeder rauben kann, was ihm gefällt,
Wenn sich sein Nachbar nicht mit Macht entgegen stellt?
Das riecht nicht bloß nach Schulgeschwätze,
Es stinkt nach einem Höflingsbart.
Das bleibt so ein Geschmeis von Tygerart.
Sie zischen stäts den Fürsten in die Ohren,
Die ganze Schöpfung sey zu ihrer Lust gebohren.
O Himmel schmücke jeden Thron,
Mit einem weisen Salomon!
Und strafe nie die Welt mit herrschenden Genien,
Vor denen Myriaden Sklaven knien.
Ihr Nachbarn hört den feinen Fürsten nicht,
Der schmäuchelnd von Verträgen spricht,
Denn seine Majestät beliebt mit Euch zu scherzen,
Er hat das Gift in seinem Herzen.
Glaubt sicher, wenn er Euch nur Hochzeitlieder singt,
Daß er aus Neid schon euer Land verschlingt.
Große Lichter, kleine Kerzen!
Große Männer, harte Herzen!
War Attila des Adams ächter Sohn?
Wie, ehren Henker auch den Thron,
Die stäts nach Beute schielen?
Du Weib, bleib lieber ohne Frucht,
Die einen Helden trägt, den man gerecht verflucht.
Die Fürsten lieben sehr im Felde sich zu kühlen,
Und daraus folgert sich,
Daß sie wie Kinder gern Soldaten spielen;
So jagt man königlich!
Ein kleiner Edelmann hetzt seinen Haasen.
Seht, wie die Krieger froh auf unsern Weiden grasen!
Wir säen stäts, und kauen unsre Noth.
Die halbe Million der Menschenfeinde
Beraubet uns der Kinder und der Freunde,
Und frißt in Müßiggang recht trotzig unser Brod.
Wird denn der Pöbel ewig rasen?
Wie man die Thoren jauchzen hört!
Wenn der Monarch die armen Menschen tödtet,
Und manche Stadt wie ein Barbar zerstöhrt;
Indeß der Philosoph still seufzet und erröthet.
Wird wohl die Welt dadurch beglückt,
Wenn man auf einen Kopf zehn Kronen drückt?
Verewiget die Wahrheit mit dem Meissel;
Die Helden sind der Erde schwerste Geissel!
Das Bild des Titus und Aurelius
Verdient von Weisen einen Kuß.
Auf Alexander laßt uns speyen!
Stäupt Schmeichler, die dem Ehrgeiz Weihrauch streuen,
Den man verfluchen muß!