Scene bey Hofe.
Der König, und sein Vertrauter Albin.
Edu. Und was wäre denn der sehnlichste Wunsch deines Herzens, und meines Volkes?
Alb. Daß der beste König seinem Vaterland eine Mutter und einen Erben ——
Edu. Ich verstehe dich! — Ich hasse politische Verbindungen.
Alb. Eure Majestät sind frey, und können wählen.
Edu. Die Wahl ist schwer. Die Sitten, die Charaktere des schönen Geschlechtes sind abgewürdiget ——
Alb. Tugenden sind allezeit selten; aber doch zu finden.
Edu. Kennst du ein vollkommenes Weib?
Alb. Ich bin so glücklich ——
Edu. Du?
Alb. Ich kann mir schmeicheln, einen solchen Schatz zu besitzen.
Edu. Du entlockst mir ein Lächeln. Mein Freund, ich wünsche dir Glück! Nähre deinen Wahn!
Alb. Auf die Treue meiner Geliebten setze ich mein Leben!
Edu. Viel gewagt! — Mann, du sprichst so dreist, daß ich Lust hätte, dich ein bischen zu demüthigen. Wir wetten ——
Alb. Meine Sidia ist die Krone der Mädchen! Sie liebt mich —
Edu. Bis einer kommt, der sie bezaubert. Ich will sie dir treulos machen.
Alb. Ohne königliche Gewalt gewiß nicht!
Edu. Wir wetten also! —— Dieser goldene Orden sey der Preis unserer Wette! —— Ich will dir dein getreues Mädchen mit süssen Schmeicheleyen entführen. Verlierst du; so soll mein gerechtes Hohngelächter deine Strafe seyn, und du sollst dich hüten, mir ferner von Weibern zu sprechen. Komm, ich will mit dir im Garten die kleine List verabreden.
Poetische Erzählung.
Bleibt fern von mir ihr tragischen Erzähler,
Weil euer Trauerton das Ohr erschreckt!
Ihr Schönen, die man gern mit feinem Spotte neckt,
Ich streife nur mit Lächeln eure Fehler.
Befürchtet nicht, daß Euch die Muse häßlich macht,
Wenn auch ihr kleiner Satyr lacht.
Laßt nur den Witz sich an den Mängeln üben,
Die Männer müssen Euch doch ewig lieben,
Dafür hat selbst die Frau Natur gesorgt,
Die ihren Kindern selten borgt.
Sie fodert von den Herzen strenge Steuern,
Und läßt den Pfeil der Liebe niemals feyern.
Jedoch beginnen wir; mit Gunst!
O Muse, steh mir bey, und male die Geschichte,
Denn ich verstehe keine Kunst.
Du giebst mir Stoff und Worte zum Gedichte.
Albin verschwand bey Hof, und wählte sich das Haus
Der schönen Sidia zur Zuflucht aus.
Er kömmt verstöhrt. Sein scheues Wesen
Läßt schon auf seiner Stirn ein grosses Unglück lesen.
Sie dringt in ihn; er seufzt, und schweigt.
Sie fleht so lang, bis sie ihn beugt.
Zu siegreich sind die sanften Thränen,
Besonders bey geliebten Schönen.
Vergesset nicht, daß meine Sidia
Erst achtzehn Sommer zählet!
Denn wenn ein Weib schon sechzig Winter sah,
Wird ein Versuch mit Zähren ganz verfehlet.
Albin eröfnet ihr, daß er beym König fiel,
Daß seine stolzen Feinde siegen.
Du kennst schon, sagt er ihr, der Schranzen Gaukelspiel!
Du weißt, wie leicht sie allzeit Fürsten trügen.
Mein Leben steht izt in Gefahr.
Die Flucht allein kann mich erretten.
Hier dräun mir Theureste, nur Schand und Ketten.
Warum die Flucht, rief sie, die ganz versteinert war.
Wer soll dich aus dem Arm der Liebe reissen?
Hab ich dir nicht mein Herz verheissen?
Zuerst erwürgt man mich!
Warum willst du dich von mir trennen?
Wer weiß den Aufenthalt, den nur wir beyde kennen?
Hier wohne Freund, die Wächterinn bin ich!
O dies Geheimniß soll mir nicht der Tod entlocken!
Ich werde nicht bey Martern stocken.
Du sollst durch mich gerettet seyn!
Albin umarmet sie, und willigt ein.
Er singt das Weiberlob aus froher Kehle,
Indeß ertheilt der Fürst die dräuenden Befehle,
Und will den flüchtigen Albin bestrafet sehn.
Dem Finder werden selbst Belohnungen versprochen.
Izt sollten wir nach Hofe gehn,
Da sind für Höflinge die wichtigsten Epochen,
Wenn gäh ein grosser Günstling fällt.
Wie prächtig wird sein Lebenslauf erzählt!
Schreyt nur ein Feind, so schreyen alle,
Und jeder Höfling füllt den Mund mit Galle.
Wer kann dem Geifer widerstehn?
Doch weder Haß, noch glänzende Versprechen
Entdecken unsern Schuldigen.
Die Neider konnten sich nicht rächen,
Die Scene blieb stäts ohne Blut.
So stand die Sache, das war gut. ——
Von ungefähr ergötzt sich Eduard mit Jagen.
Ein Ungewitter kömmt, und überraschet ihn.
Da steht mein Fürst getauft, mit leerem Magen;
In welches Zufluchtort soll er in Eile fliehn?
Er reutet durch Gebüsch und schwere Gleise;
Doch gäh zeigt sich ein Waldpallast.
Er nähert sich dem Thor, und pocht ganz leise.
Der Pförtner fragt: Wer da? Die Antwort war: Ein Gast!
Man läßt ihn ein. Der Ruf mit schnellen Flügeln
Verbreitet sich. Der König wird begrüßt.
Und Sidia, die Frau von dieser Wohnung ist,
Eilt sich geschwind zu schmücken, und zu spiegeln,
Und läßt das Schlafgemach Albins verriegeln.
Der Leser denkt hier kritisch nach.
Sie will, denkt er, ihr theures Pfand versiegeln;
Ganz billig schließt sie das Gemach.
Jedoch die Eitelkeit will ihm nicht recht behagen;
Mir auch nicht, das will ich ganz im Vertrauen sagen.
Jedoch das reizende Geschlecht liebt Ziererey,
Vielleicht wars blosse Tändeley,
Jedoch ich eile rasch zur Sache.
Die schöne Wirthinn grüßt den Gast in seiner Sprache.
Man speist, der edle Rebensaft
Entflammt allmählich ihre Busen. ——
Verlaßt mich nicht beredten Musen,
Gebt meiner Feder neue Kraft!
Zwey Herzen fühlten sanfte Triebe,
Und Eduard gestand ihr seine Liebe.
Das Herz der Könige wird nie verschmäht.
Wenn im Roman ein Held durch vierzehn Bücher geht,
Eilt ein Monarch mit Riesenschritten.
Genug die Sidia ließ sich erbitten.
Jedoch als Sieger seufzt noch Eduard.
Was nüzt ein Gut, ruft er, das man so schwer bewahrt?
Kömmt dein Albin einst wieder;
So wird mein Glück zerstört.
Der kleine Zweifel schlägt den grösten König nieder?
Ruft Sidia, die ihn mit sanftem Lächeln hört.
Wie soll ich dir den Zweifel denn entreissen?
Durch eine Probe, sprach der Gast.
Ich gebe sie, lallt sie, jedoch es reut mich fast;
Du must mir für Albin erst deine Huld verheissen.
Sein Leben —— Nein! Brach hier der König ein,
So wahr ich izt den goldnen Orden fasse;
So wahr bleibt es, daß ich ihn hängen lasse!
Ein König darf kein Lügner seyn.
Die Sidia befiel ein banges Zittern.
Das Mitleid wirkt bey weiblichen Gemüthern.
O König, nimm dein Herz, und deine Grösse hin,
Rief sie als Heldin auf, es lebe mein Albin!
Ich würde Dich als seinen Mörder hassen.
So müssen wir uns denn verlassen?
Nahm ganz betrübt der Fürst das Wort
O Sidia leb wohl, ich eile fort!
Es ist, ich fühl es schon, um meine Ruh geschehen.
Ach! Hätt ich Dich doch nicht gesehen!
Ich kenne Dich zu sehr, Du liebst;
Das Herz ist schon verschenkt, das Herz, das Du mir giebst!
Ich habe Dir ein freyes Herz gegeben.
Ich dachte nur allein für Dich zu leben.
Es war ein süsser Traum. Lebwohl! Er seufzt, und geht.
Die Schöne hat bisher sehr hart gefochten.
Sie ward in einem Streit verflochten,
Bey dem kein Engel lang besteht.
Oft fielen Mädchen, die am meisten pochten.
Bleib doch zurück! Rief sie, nimm hin
Mein schwaches Herz, und den Albin!
Izt führt sie ihn mit Zittern zum Gemache.
Hier wohnt der Gegenstand von Deiner Rache!
Doch wenn Du mich mit wahrer Treue liebst,
So wirst Du mir die Zärtlichkeit beweisen,
Wenn Du sein Blut mir zum Geschenke giebst,
Laß ihn von hier in Frieden reisen!
Albin, so rief der Fürst, Du hast verspielt!
Du bist verkauft durch Deinen schönen Wächter.
Sieh Freund, so sind die hübschen Erdetöchter.
Gestehe mir, daß jede schielt!
Doch ich will meinen Schwur nicht brechen,
Und ich erfülle mein Versprechen.
Empfange zum Geschenk dieß goldne Ordensband
Aus deines Königs Hand!
Er soll, so wie ich schwur, an Deinen Nacken hängen!
Doch sey auch klug, und spiele nicht den Strengen.
Reicht Euch die Hand, versöhnet Euch,
Es war ein kleiner Liebesstreich!
Ich will mich heut bey Euch recht lustig machen,
Ihr müßt mit mir von Herzen lachen.
Was thut Albin? — Er nimmt sein Mädchen an,
Denn er war stäts ein guter Mann,
Das sag ich ihm zu seinem Lobe.
Doch setzt er sie nicht weiter auf die Probe,
Und das ist gut gethan.
Gesetzt er härmte sich, und würde mager,
Es hälf ihm nicht.
Ihn tröstet doch ein königlicher Schwager.
O Leser, wenn vielleicht auch dein Gehirnchen sticht,
Sey ohne Sorgen, küß, und laß dich küssen,
So lang es dir beliebt!
Doch hüte dich die Kleinigkeit zu wissen,
Die dein geliebter Schatz dem Nebenbuhler giebt.
Lustspiel.
Scene bey Hofe.
Isidor, Dornwald, Edmund, Rasian, andere Höflinge, hernach Albin.
Isid. Albin hat des Königs Gunst verloren, das ist schon Verbrechen genug.
Edm. Er ist dem Sturm glüklich ausgewichen.
Ras. Seine Flucht ist ein Meisterstreich.
Dornw. Unter uns, ich wünsche euch allen Glück, daß ihr von diesem feinen Schurken befreyt seyd.
Ras. Du hast in meinem Herzen gelesen. Ich kann Euch schwören, daß ich ihn aus ganzer Seele hasse.
Isid. Ich liebe ihn wie den Tod! Der Schleicher war stäts ein Eckstein, woran ich meinen Kopf stieß.
Dornw. Er war der erste Taugenichts, den ich kenne.
Isid. Ein Meister in allen Lastern.
Ras. Ein Erzschwelger.
Dornw. Ein Betrüger! Wie viel Gläubiger werden durch ihn zu Bettlern!
Edm. Ich will mein Leben verwetten, er war auch ein falscher Spieler ——
Isid. O das war er allezeit! Ich kenne auch keinen grössern Verschwender.
Ras. Er ist ein Wollüstling. Wie viel Schlachtopfer verkauften ihm die Mädchenhändler!
Dornw. Er verdient Verachtung! Laßt ihn vergessen!
Isid. Der König sollte ihn zum Exempel bestrafen ——
Dornw. Wer weis, was noch geschieht? Ich will alles beytragen.
Isid. Ich goß überall Oel in die Flammen.
Edm. Man sollte nur sein Zufluchtort ausspüren.
Ras. Er wagt sich sobald nicht an das Licht. —— Aber sehe ich recht? —— Da kömmt er! —— Ich irre nicht ——
Isid. O Bravo! Das wird ein feines Spiel bey Hofe werden.
Dornw. Das ist unverschämt, dreist, bis zur Tollheit dumm!
Isid. Der Stier eilt selbst zur Schlachtbank. Hahaha!
Alle. Hahaha!
Alb. Willkommen meine Freunde!
(Die Höflinge, als wenn sie ihn nicht sähen, theilen sich in kleine Haufen, sprechen leise mit einander.)
Alb. Isidor, ist der König schon zu sprechen?
Isid. Das weis ich nicht. Ich trete eben ein. Was giebt es Neues? —— Eben recht, Dornwald, auf ein Wort!
(Er verläßt den Albin, und eilt zu Dornwald.)
Alb. Mein lieber Rasian, wie geht es Dir?
Ras. So so! —— Edmund, sind deine neuen Gestütpferde noch käuflich?
Alb. Die Herren sind zu sehr beschäftiget, ich will eintreten.
(Er geht ab.)
Alle. Hahaha!
Isid. Der Geck! Er wird beym König kriechen, und betteln.
Ras. Laßt uns horchen! —— Ein Seufzerkoncert!
Dornw. Er wird eine zürnende Gottheit finden. Der Fürst ist heut in wilder Laune.