Scene.
Ein Saal mit den Schlachtgemälden Eduards. Eduard, einige Höflinge hernach Beliam.
Edu. Der Maler versteht seine Kunst! —— Lasset ihm die Originalplane geben! —— (Er liest) Die unglaubliche Uebersetzung des Flusses —— Die wunderbare Schlacht bey —— Lasset diese schwülstigen Aufschriften weg! Sagt die Sache kurz: die Uebersetzung des Flusses, die Schlacht bey —— Grosse Aufschriften machen kleine Thaten! —— Albin, dir übergebe ich die Besorgung dieses Geschäftes; zieh meinen Freund Alsin in allem zu Rath. Ich kenne deinen guten Geschmack. —— Beliam, was bringst du so freudig?
Beliam. Alle gute Dinge sind drey! —— Das Erste ist mein Gruß! Das Zweyte ist ein wunderbares Ding, und das Dritte diese Rolle Papier.
Edu. Den Gruß nehme ich mit Dank. Das Zweyte mußt Du mir deutlicher erklären, und das Dritte will ich lesen.
Beliam. Salinia, das schönste Mädchen am ganzen Hofe, schickt mich zu dir mit diesem Briefe, und sie gab mir noch Etwas für dich. Weiser König, rathe selbsten was es ist. Ich will dirs sonnenklar beschreiben. ——
Räthsel.
Bist du mein Held wie einst Oedip bescheiden;
So löse mir das Räthsel mit Verstand!
Ein Alexander mag den Knotten schneiden,
Das zeigt nur Stolz, und eine kühne Hand.
Sprich meinen Namen aus, der allen lieblich klingt,
Von dem ein jeder Dichter singt.
Nur Gleißner nennen mich mit Stocken und Erröthen.
Bald darf ich frey in die Gesellschaft treten.
Man sieht mich gern in grossen Häusern blühn.
Bald muß ich scheu die Sonnenstralen fliehn.
Einst lebt ich brüderlich mit Freunden und Verwandten,
Bis mich die Schwesterchen verbannten.
Seitdem bin ich den Liebenden getreu,
Ich werde seltsam, aber neu.
Sehr oft misbrauchen mich Verräther.
Die Näscher machen mich gemein.
Mich hassen gar zu strenge Väter.
Den Brünstigen bin ich verächtlich, klein.
In jenen edlen Heldenzeiten,
War ich ein unschätzbarer Preis.
Ich suche den, der mich oft nicht zu schätzen weiß.
Ein andrer muß um meine Freundschaft streiten.
Ich lohne den, der mich erringen muß.
Ich lasse mir von Fürsten nicht befehlen.
Oft schenkt man mich nur mit Verdruß.
Die sind nicht thöricht, die mich stehlen.
Doch der erkennt von mir den ganzen Werth,
Der seine Liebe froh durch mich beschwört.
* * *
* *
Eduard.
Weil ich dir doch das Räthsel lösen muß;
So sag ich dir geheim, es ist ein —— Kuß!
Cantate.
der Salinia an Eduard.
Arie.
Liebe, süß sind deine Freuden;
Mich berauschet dein Genuß.
Reiche mir den Abschiedskuß,
Denn wir müssen ewig scheiden.
Du bist flüchtig wie das Glück.
Ich befürchte deine Ränke.
Wenn ich deine List bedenke,
Beb ich scheu vor dir zurück.
Recitativ.
Laß mich dem Donner rasch enteilen,
Die du dem Vater Zevs oft hämisch stihlst.
Ich weis, daß Du mit Herzen spielst,
Oft Wunden schlägst, um sie nicht mehr zu heilen;
Und dich am Menschenblute kühlst.
Ich will dein frohes Lächeln nützen,
Und fliehe scheu vor deinen Blitzen.
Arie.
So lebe wohl, du süsses Götterkind!
Wir trennen uns nicht ohne sanfte Zähren,
Die nur zu sehr mein armes Herz belehren,
Wie angenehm selbst deine Fässel sind.
Izt, da ich dich aus meinem Busen reisse,
Bleibt meine Seele noch von deinen Reizen voll.
Indem ich Dir den wärmsten Dank verheisse,
Wein ich Dir noch mein letztes Lebewohl.
Recitativ.
O wenn du holder Gott, auch so beständig wärest,
Als du bezaubernd bist!
Wie blühte dein Altar, den du zerstörest,
Und der der schönste Preis von deinen Siegen ist!
O Liebe, willst du mich mit fester Freundschaft küssen,
So komm mein Leben zu versüssen!
Ich schwöre dir die treusten Dienste zu.
Mein angenehmster Gott bist du.
Arie
Jauchze Geist, frohlocke Herz!
Mich begeistern edle Triebe;
Mich vergöttert izt die Liebe,
Mir lacht jugendlicher Scherz.
Amor, du bist meine Sonne,
Die mein Mund am Morgen grüßt;
Mich beseelet deine Wonne
Wenn der Mond die Tage schließt.