Scene im Tollhause.

(Beliam, Rotando ein Maler, Martius ein Mönch, Spilon ein Poet, viel andere Narren mit allerhand Spielwerk. Es ist die Erholungsstunde.)

Beliam. (rechnet in seiner Schreibtafel) Zweyhundert Buklichte! —— Sind oft verschmitzte Köpfe! —— Zweyhundert Lahme! —— O das sind standhafte Leute! —— Vierhundert allerley Troß, Seiltänzer, Gaukler, ein Ausschuß von Halunken! Bravo! Meine Werbung geht hastig! Alles gelingt! Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand! —— Euer Diener meine Herren Kollegen!

(Die Narren umringen ihn.)

Beli. Ich habe vom König als sein Statthalter den Auftrag, Jerusalem zu erobern. Der Ruhm meiner Heldentaten ist Euch gewiß zu Ohren gekommen. Wer hat von Euch Herz genug, meiner Fahne zu Folgen? Ich habe Königreiche zu verschenken!

(Martius eilt hastig hervor, umarmet ihn, kniet nieder mit Grimassen, pocht an sein Herz, hebt die Hände betend zum Himmel, und nach einem leisen Schußgebethe springt er auf, und drückt den Beliam an seinen Busen.)

Mart. Dank sey dem gütigen Himmel! Der seinem unwürdigen Knecht Martius diese heilige Stunde schenkte. Endlich ist er gekommen dieser edle Befreyer. Ich hatte durch hundert funfzig Nächte Erscheinungen und Gesichter; alle verkündigten mir die nahe Befreyung der geheiligten Mauern. Sey mir gesegnet du Zögling des Himmels! Ich habe bereits der Welt deine Ankunft geweissaget; aber die undankbaren Menschen, über welche der Zorn Gottes eine ewige Blindheit gesandt hat, haben meine Wahrheiten und brüderlichen Warnungen zu Lügen gemacht, und mich in das Tollhaus gesperrt.

Beli. Das ist eben der Sammelplatz grosser Genien! Du hast also bereits von meinen Siegen geträumt! Desto besser! Wer bist du?

Mart. Ich bin ein Kirchenlehrer!

Beli. Heiliger Vater, du sollst mein Generalfeldpater werden! Wenn wir keinen Bissen Brod zu kauen haben; so schreibst du dem Heere Fasten vor.

Rot. Auch ich trete in deine Kriegsdienste!

Beli. Wer bist du?

Rot. Ich bin der weltberühmte Maler Rotando! Ich male die Gedanken der Menschen. Ich werde deine Schlachten und Stürme für die Nachwelt verzeichnen.

Beli. Du bist mir willkommen! Ich will meinen Heldensaal mit Schlachtgemälden ausschmücken!

Spil. Auch ich schwöre zu deinem heiligen Panier! Ich bin der unsterbliche Spilon, dessen dichterisches Genie alle Welten bewundern; selbst im Archiv des Himmels werden meine posthumen Werke als ein Schatz aufbewahrt. Ich werde wie die alten Barden allen Schlachten beywohnen, und die blutige Mordgeschichte in Bardenliedern verewigen. Das soll ein unsterbliches Bardiet werden!

Beli. Nun sind alle Narren beysammen! Cuncta licent stultis pictoribus atque poetis! Die Unternehmung verspricht viel. Kommt meine Freunde, wir wollen noch mehr Proseliten suchen.