Scherzhaftes Heldengedicht.

Göttinnen des Gedächtnisses, die Ihr unsterbliche Thaten

In dem goldenen Buche der rühmlichsten Helden verzeichnet,

Späht izt mit forschendem Ohre die weisen Orakel der Musen!

Niemalsgehörte Geschichten, verstandübersteigende Wunder

Werden auf der durchlauchtigsten Bühne des Krieges erscheinen.

Beliam nähert mit jauchzenden Schaaren der tapfersten Krieger.

Muse, beschreibe du selbsten wie dort bey Troja die Heere,

Mal mit Homerischem Schwunge die Führer der stolzen Geschwader!

Beliam dieser denkwürdige Feldherr war schreckbar bewaffnet.

Selbst Donquixote war nicht so tragischkomisch gerüstet.

Und wie der weiseste Pansa sich zu dem Esel herabließ;

So nahm Beliam auf den Rathschluß des heiligen Lehrers,

Einen arkadischen Enkel aus Demuth zu seinem Gefährten.

Nach ihm trabte zu Fusse der grosse Prophet halbbewaffnet.

Eine Hand führte das Kreuz, die andre die blutige Fahne.

Wunderbar wie ein Centaur betäubt er mit beiden Gestalten

Jedes Auge, das ihn so seltsam vermummet erblickte.

Ihm folgten zweyhundert der tollesten Ritter der Erde.

Mancherley waren die komischen Waffen, erfindsam die Kleidung.

Harlekins witzige Maske, die Wällschland erfand, und vergöttert,

Ist nicht so bunt, und so neu, wie jene der rüstigen Haufen,

Die für Jerusalems Mauern als Kämpfer das Rachschwerd ergriffen,

Ihnen folgte Rotando mit einer Riesenperücke,

Mehr zur Jagd als zur Hochzeit bestimmt, erhob sie die steilen

Lockengebüsche, und streute bey jeder Bewegung des Windes

Auf das frohlockende Heer die sonnenverfinsternden Wolken.

Er war im Schlafrock geharnischt, und schreckbar mit Pinseln bewaffnet.

Ihn trug ein bescheidener Gaul, der Haber verschmähte,

Dem bey philosophischer Mäßigkeit Stoppeln begnügten.

Diese strengere Lebensart schuf ihn zu einem Gerippe.

Er war mit Rosinante verwandt, und des Bucephalus Enkel.

Seine Familie führte das Schicksal durch Wunderepochen.

Hundert buklichte Helden, und hundert Ritter auf Krücken

Folgten als Reisige dem majestätischen Winke des Führers.

Dann kam Spilon ein Barde, gleich edel als Dichter und Fechter.

Er hat den heiligen Musen, und auch dem Kriegsgott geopfert,

Und er war zweyfach bewaffnet, bald Blut bald Tinte zu giessen.

Ihm folgt’ ein Troß von Gauklern, und nüchternheithassender Zecher.

Sie überjauchzten mit donnernden Kehlen die schwankenden Schaaren.

Und der heilige Martius, diese hellleuchtende Fackel

Des Jerusalemstützenden Heeres begann izt die Rede:

Tapfere Kämpfer und Helden des Glaubens uns winken die Lorbeern.

Entweder tilgen wir heut die mahometanischen Lügen,

Oder wir sterben als Märtyrer durch die Hände der Heyden;

Engel führen uns jauchzend in jene Gefilde des Himmels,

Und die Erde verewigt uns auf frommen Altären.

Leben und Tod verschönern wir heut, wir werden verewigt!

So rief dieses erhabne Kirchenlicht zu der Gemeinde.

Aber ein schwarzes Gewölke von Staube bezeugte die Ankunft

Feindlicher Schaaren, und Beliam reihte die muntern Geschwader.

Er gab den Flügeln die Stellung, und wählte sich selbsten die Mitte.

Er ritt lächelnd und muthig zur glänzenden Spitze des Heeres,

Und begrüßte die edlen Gefährten mit donnernden Worten:

Brüder, ein jeder von Euch ist rühmlich mit Narben bezeichnet!

Eure gebrochenen Knochen beweisen die edle Verachtung

Eines gleichgültiggewordenen Lebens; so reift man zum Helden!

Dort ist der blumichte Gleis, wo wir die Lorbeern erbeuten.

Unsere Feinde von Wollust entnervet mißkennen die Pfade.

Wie lang sollen noch eure Talente so fruchtlos verwelken!

Euer Vaterland giebt Euch nur Ketten; dort ärnden wir Kronen!

Laßt uns die schändliche Knechtschaft mit goldenen Zeptern verwechseln!

Hier drückt Euch Armuth und Schande, dort lächeln Euch Reichthum und Ehre!

Eure Krücken und Pflaster können Euch besser bezeugen,

Was ich vom schwärzesten Undank des Vaterlands flüchtig berühre.

Welcher Frevel! Mit solchen Genien Spitäler bevölkern!

Eure zermalmten Gebeine, und meine gewichtigen Gründe

Müssen Euch heut im blutigen Schlachtfeld beharrlicher machen.

Ihr seyd von der Mutter Natur zu Helden gebohren.

Hinkte nicht Tamerlan, nikte nicht Alexander der Grosse

Mit dem Haupte; begreift Ihr die weisesten Schlüsse der Vorsicht?

So sprach der ruhmbegierige Feldherr, und rauschender Beyfall

Krönte die siegende Rede. Die muthigen Herzen entbrannten,

Und die Heldentrompete gab schon das Zeichen zum Angriff.

Komm izt unsterbliche Muse, die Du zu schwarzen Gemälden

Augenerschütternde Farben vermischest, und Schrecken entlockest,

Zeichne mit blutigem Pinsel die schauererregende Kämpfe.

Brüllendes Schlachtgeschrey stieg zu den Wolken auf feindlicher Seite;

Isidor führte die Türkengeschwader mit rühmlichem Feuer.

Er begrüßte Beliams Schaaren mit lautem Gelächter;

Aber der Spott ward theuer gebüsset; sie stürzten wie Löwen

Unter die staunenden Feinde; sie warfen die Reihen zu Boden;

Und die buklichten Ritter erkletterten Menschengebirge.

Wie viel gedächtnißwürdige Thaten wurden begraben!

Beliam schleuderte kühn den fettesten Türken zur Erde,

Er fiel wie schmetternde Fichten, und konnte sich nicht mehr erheben.

Er lag wie Elephanten von eignem Gewichte belastet.

Martius selbsten balgte sich weidlich mit den Saracenen.

Sieg auf Sieg wurde gethürmet. Schon jauchzten die Christen;

Riefen den frohen Triumph: als aus der neidischen Hölle

Eine Furie stieg, und auf die kämpfenden Schaaren

Plötzlich einen gewaltigen Hagel von Schlossen herabwarf.

Die mit Beulen belasteten Krieger empfanden die Schläge,

Einige fielen, andre verliessen mit bangem Geheule

Das so siegreicherfochtene Schlachtfeld, und liessen die Lorbeern

Ihren Feinden zur Beute. Die Lahmen vergassen die Krücken.

Pflaster, Verbände, Waffen, und Kleider lagen zerstreuet.

Doch der seltene Zufall, der die grösten Epochen

Auf dem Schauplatz der Erde mit hastiger Eile bereitet,

Suchte den schwärmenden Eduard. Du zauderst die Helden zu stützen,

Welche die saracenischen Greuel mit Allmacht zerstören.

Nur ein feindliches Schicksal raubt ihnen erfochtene Palmen.

Folg mir! Er folgte, und sah die flüchtig gewordenen Schaaren.

Wo eilt Ihr hin? kleinmüthigen Memmen, erkennet den König!

Ich bin Eduard, dessen Thaten die Nachwelt bewundert.

Hört doch die Stimme der Ehre! Wir führen Euch wieder zum Siege.

So rief er, und riß die Krücke dem Ersten vom Arme.

Kehrte mit ihnen zum Schlachtfeld wie Samson bewaffnet zurücke.

Izt erfocht er unsterbliche Siege. Die Türken erstaunten,

Baten um Gnade; sie nannten sich selbst allerchristlichste Sklaven.

Aber vergebens, ein rasender Ajax, ein zweyter Orlando

Focht hier verzweifelt; das menschliche Mitleid verwarf er, und fällte

Freund und Feind, bis er entkräftet das blutige Schlachtfeld

Keuchend küßte. Da lag er mit ewigen Lorbeern gekrönet.