Der Bauernfeiertag

Am Osterdienstag ging’s wieder ausgelassen her beim schwarzen Michel in Eustachen. Der Osterdienstag ist einer jener Bauernfeiertage, an denen die Leute nicht arbeiten und auch nicht fromm sein wollen.

»Die Kleinfeiertagssünden hab ich allerweil am liebsten!« rief ein derber Bauernknecht in der Wirtsstube und setzte sich zwischen zwei dralle Mägde, an deren Wangen weniger die Jugend als der Wein blühte. Beim anderen Tisch spielten ihrer etliche Bauern Karten. Mit dem »Zwicken« hatten sie angefangen, mit dem »Einundzwanzigerln« wollten sie weiter tun. Der Michel nahm ihnen das Kartenbüschel auf. Sie meinten, er wolle es mischen, aber er steckte es in die Tasche.

»Das Einundzwanzigerln, meine lieben Leut, das ist verboten. Wer’s nit glaubt, der soll die Polizeiordnung fragen, sie hängt an der Tür.«

»Laß sie hängen. Die Polizeiordnung brauchen wir nit und deine Karten auch nit!« Scharf rief es einer und zog aus seinem Rocksack ein anderes Kartenbüschel.

»Brav bist,« lachten dem die andern zu, »ein guter Christ tragt sein Gebetbüchel immer im Sack bei sich. Also, na, vorwärts! Ausgeben!«

Bei einem dritten Tisch hatten sie gewürfelt und waren dabei strittig geworden. Der Wirt trachtete, sie zu beruhigen. Einem besoffenen Schneider verweigerte er weiteren Trank. Da wollte ihm der äußerst Gekränkte das leere Bierglas an den Kopf werfen.

»An den harten Steirerschädel? Schad ums Glas,« lachte ein anderer und nahm es dem Betrunkenen weg. Da fuhr der Schneider so heldenhaft auf, als wollte er einen Mord begehen, stolperte aber an dem Tischpfosten und fiel um.

Das beste Mittel, die wilden Tiere zu zähmen, war fast allemal, wenn der Michel zur Zither griff; doch heute waren ihnen seine Lieder nicht »geschmalzen« genug. Almlieder, Jägerlieder – fades Zeug. Da wußten sie selber was »Feineres«.

»Bin gestern gong gasseln

Zas Nochbarn sei Dirn.

Hons Fensterl nit troffn,

Hon za da Goas einigschrian.«

Und der Nächste folgendes:

»Annamirl, tua lei lisn losn,

Wia da Vigl-Vogl sche singg in Wold!

Annamirl, mochs Fensterl auf,

Mir is scha kolt.

Mir is scha kolt ban Steh,

Dirndl moch auf!«

Das wiederholte ein anderer so:

»Annamirl, tua lei lisn losn,

Wia da Vigl-Vogl sche peckt ba da Nocht …«

»Gebt’s aufs Feuer acht, es sind Schindeln aufm Dach!« so unterbrach der Wirt, denn es gab auch Leute in der Stube, die für solche Sachen noch schreckige Ohren hatten. Deswegen hub der Wirt was anderes an:

»Han ih denn nit a schens Hüaterl auf!

Han ih denn nit a schens Federl drauf!«

Alsbald fielen andere singend ein:

»Mei Federl, mei Hüaterl, juchhe!

Bi mein Votern sei lustga Bua!«

Der Michel sang weiter:

»Han ih denn nit a schens Röckerl an!

Han ih denn nit a schens Knöpferl dran!«

Und die anderen:

»Mei Knöpferl, mei Röckerl,

Mei Federl, mei Hüaterl, juchhe!

Bi mein Votern sei lustga Bua!«

Der Michel:

»Han ih denn nit a schens Schuacherl an!

Han ih denn nit a schens Schnallerl dran!«

Die anderen:

»Mei Schnallerl, mei Schuacherl,

Mei Knöpferl, mei Röckerl,

Mei Federl, mei Hüaterl, juchhe!

Bi mein Votern sei lustga Bua!«

Am Tischlein neben dem Uhrkasten saß ein ältliches Ehepaar, das wollte seinen häuslichen Zank abwechslungsweise einmal im Wirtshaus abwickeln. So oft er aus seinem Glase einen Trunk tat, fiel sie ihm in die Hand: »Sein laß! Hast eh schon zu viel!« Und keifte ihm ins Gesicht hinein, dieweilen er mit der Faust vor ihrer Nase fuchtelte.

Immer noch mehr Leute kamen. Die Stube war schon voller Dunst und Tabakqualm, Gelächter und Geschrei und Gefluche darunter. Die Kellnerin eilte hin und her, aus und ein: »Was schaffens? Bier, Wein, weißen, schwarzen? Kuttelfleck, Rostbraten, Kälbernes?« Doch die Stimmung war schon weniger für »Kuttelfleck« als fürs Fluchen, Zündeln und Raufen.

»Ich weiß nit,« sagte das buckelige Weberlein aus Ruppersbach, das an der Ofenbank saß, zutraulich zum Michel, »wegen warum die Leut gar a so tun schimpfen. Ist eh so viel gemütlich im Wirtshaus. Wär eh so viel gemütlich, wenn die Leut nit alleweil taten schimpfen. Warm ist’s schön. ’s Weinl ist gut, schön plauschen kann man miteinand und ein Fried hätt ma, wenn d’ Leut nit alleweil taten schimpfen.«

»Recht hast, Weber,« gab der Michel bei, »ja, wenn halt all so wären wie du, selm wohl, selm!«

Wurde der Kleine noch zutraulicher und lispelte: »Gelt, Michel, wenn sie kommt, wenn sie gach kommt, du tust mich verstecken?«

»Wer soll denn kommen?«

»Meine Alte, mein, du! Bin nit ein Augenblick sicher; gelt, du bist so gut und sagst, ich bin nit da. Dir glaubt sie’s schon. Mir tat sie’s nit glauben. Mir tut sie gar nix glauben. Mich tut sie ausgreinen,« gestand er weinerlich. »Mein lieber Michel, du glaubst es nit! Alleweil, den ganzen Tag tut sie greinen.«

Bei diesem Eingeständnis verfiel der Weber in ein solches Selbsterbarmen, daß der Michel schelmisch seinen Kopf zwischen die Schultern niederzog, die Lippen über die Zähne einkniff und mit dünner Greisenstimme dem Unglücklichen zum Sänger wurde:

»Der Wirt is mei bester Freund,

’s Weib is mei größter Feind,

Daß doh de Weiber

So zwider mögn sei!«

Allsogleich sangen es an den Tischen mehrere nach, unter der Melodie eines Wallfahrerliedes, und kreischend wurde es wiederholt:

»Und daß doh de Weiber, de Weiber, de Weiber

So zwider mögn sei!«

Durch den Küchenschuber kam fortwährend dampfende, duftende Gottesgab herein: Braten, Triet, Kuttelfleck, Lüngerln, Kaffee. Und fiel es dem Michel ein: Während wir da das närrische Spottlied lärmen, ist die Frau ununterbrochen mit Fleiß und Sorge tätig, daß die Gäste befriedigt werden. Und wann denn eigentlich ihm, dem Michel, die Frau Apollonia Anlaß gegeben habe, solche Liedeln laut zu machen? Auch seine brave, gute Hausfrau mit zu beschimpfen, um die besoffene Bande zu unterhalten? Ein Grausen befiel ihn. Den Hausknecht rief er: »Poldl, geh, bind die weiß Schürzen um und hilf der Kellnerin einschenken. Ich hab ein Weg zu machen.«

Holte in seiner Stube Rock und Hut und ging davon.

Die Luft war feucht und kühl, es hatte geregnet. Eine friedsame Stille, und dieses leichte, reine Atmen! Wie töricht, in einem dumpfen, stinkenden Kasten zu sitzen, zu schreien, zu fluchen, zu schweinigeln, sich krank zu fressen, sich zur Bestie niederzusaufen! Und das nennen sie Feiertag, das ist ein Bauernfeiertag! –

Am Dorfende, wo die Landstraße hinausführt über die braunen Felder, die stellenweise anhuben zu grünen, arbeitete der Kruspel. Mit einer eisernen Krücke kraute er den Straßenkot ab, um ihn dann auf der Schiebtruhe wegzuschaffen.

Da dachte der Michel: Das ist zwar eine Dreckarbeit, aber ist Arbeit. Und noch dazu eine ehrliche. Ich bin der Wirt zum schwarzen Michel, vor dem alle den Hut rucken, und meine Arbeit weist nicht so viel Rechtschaffenes auf wie die da von dem Straßenputzer. Der schafft den Dreck weg, ich sammle ihn an, eine ganze Stuben voll. Und muß den Kasperl spielen, damit dieser Unflat auch genügend Kurzweil hat. Wegen der paar Groschen da! Ekelhaft. Vor Zeiten, da die Straßen noch voller Leute und Fuhrwerk sind gewesen, ja, da haben solche Wirtshäuser auch was Ordentliches vorgestellt. Und die Wirte schon auch. Ihre Schilder über dem Tor sind ferme Adelswappen gewesen. Mein Vater, Michel Schwarzaug wie ich! Ha, lachen muß ich! Der hat sich auf den schwarzen Michel einen Kren eingebildet. Beim Wirtshaus ist das Schild die Hauptsach’, hat er gern gesagt. Seit einhundertdreißig Jahren sind die Schwarzaugen auf diesem Einkehrhaus und seit so lange heißt’s zum schwarzen Michel; hat jeder Bub, der das Haus übernommen, Michel heißen und schwarz Aug’ und Haar haben müssen. Und wenn ich blond wär’ gewesen, hätt’ er mich verjagt, wie ein strohgelber Bruder meines Großvaters verjagt worden ist. Das Schild, ja, das ist rein geblieben derweil. Aber das Einkehrhaus will zu einer Lumpenschenke werden. Dazu paß ich nimmer und mein Weib auch nit und die Helenerl schon gar nit. Wenn’s ein Touristenwirtshaus wäre, ein Alpenhospiz. Wo die harten Stein- und Eisberge, die wilden Wetter Wacht halten, eine heilige Wacht in der Hochwildnis, daß keine Sündhaftigkeit und kein Frevel mag aufkommen. So ein Bergwirt in der Einsam, zu dem nur die fröhlich-frommen Naturanbeter hinaufsteigen, was kann er schaffen, wie vielen Leuten kann er Gutes tun und wie dankbar sind sie für die Heimstatt, für die wirtliche Sorgfalt in des Wetters Unbill und in den Gefahren der Hochtouren.

So sann der Michel. Mit Wehmut fast erinnerte er sich ans alte Hospiz auf dem Hohen Tauern, wo er einmal eine Weile Kellnerjunge gewesen. Das ganze Haus stand im Dienste der Nächstenliebe. Immer die geheizte Stube, die warme Suppe, wartend auf den erschöpften, halberstarrten Ankömmling. Immer stieg jemand auf den Moränen umher, sah und horchte hinab in die Kare, in die Wände, in das Eis, ob nicht etwa jemand in Not sei. Aus vielen Ländern kamen hochgemute Menschen zusammen, fanden sich gegenseitig brüderlich bereit zum Beistand. Alles war lautere Kraftfreude, Naturfreude. Am Abend mahnte der Wirt beizeiten die Gäste zu Bette, auf daß sie am nächsten Frühmorgen mit frischer Begeisterung des Hochgebirges Herrlichkeit genießen und feiern konnten. Ja, da weiß der Wirt, wozu er auf der Welt ist.

»Na, Michelwirt!« sagte er laut zu sich selbst. »Für so was bist du zu alt. Angehender Fünfziger, da zahlt sich keine große Veränderung mehr aus. Aber so kann’s auch nimmer lang bleiben.«

Damit war sein Sinnen nicht zu Ende. Das spann sich weiter: Zuletzt ist eins wie’s andere. Wie sich’s der Mensch einbildet, nit anders. Wie er sich’s einbildet. Ja, wenn’s so wär, daß der Mensch sein Leben, wenn es aus ist, allemal beim Anfang wieder anheben könnt! Oder müßt! Und wiederholen, eins wie’s anderemal, ganz gleich. Nachher möcht sich’s schon auszahlen, daß man betrübt wär um das verpfuschte Leben, das immer gleich verpfuscht wiederkehrt. Nachher schon. Aber so nit. So zahlt sich’s nit aus, daß sich einer abgrimmt wegen der paar Jahrln da. Vorher nix und nachher auch nix. Bissel Einbildung, paar besoffene Bauern da, haben’s eh hart auf der Welt, nix Gutes. Bisweilen eine Sauerei, wenn sie sich dabei unterhalten. Warum nit! Ist ihnen zu gunnen. So muß man sich denken; aber Schandbares nix, nur nix Schandbares einbilden. Bissel ehrbar sollt’s wohl hergehen im Kopf und im Haus, wenn man schon meint, daß eins ist. Aus den schwarzen Micheln ist ein blondes, blauäugiges Dirndl worden, mit den Schwarzaugen ist’s aus. Aber auch ums Blauäuglein herum – wenn man sich schon einbildet, daß eins ist – muß es ehrbar hergehen. Immer kommt mir für, es steht eine Veränderung vor. So kann’s nimmer lang bleiben.

Es war dort, wo die Straße auf einer langen Holzbrücke über die Mur führt, hinauf gegen Sandau und Sandwiesen. An der Brücke kehrte er um; aber nicht mehr auf der Straße ging er zurück, sondern am Fußsteig, den Fluß entlang. Er schaute ins Wasser, wie es in hohen braunen Wellen daherwogt mit stiller Gewalt, ohne Rauschen und Brausen. Aber der Boden dröhnte leise. Ist es der Regentage wegen oder ist im Hochgebirge schon die Schneeschmelze eingetreten?

Auf einem Uferstein sitzt ein fremder Mensch im schwarzen Gewand und hält die Angelstange über das Wasser hinaus, zieht sie aber nie in die Höhe. Der Michel steht hinter einer Weide und schaut dem Fischer zu, will just einmal wissen, wie lange bei Fischern die Geduld vorhält. Ja – sie hält bei Fischern länger vor als bei Wirten; der Mensch sitzt unbeweglich da und hält die Stange unbeweglich hinaus. Da tritt der Michel ihm nahe und spricht mit Fröhlichkeit: »Ja, will denn gar nix anbeißen?«

Der Fischer schaut nicht erst um, wer es sei, der da fragt, gleichgültig gibt er zur Antwort: »Anbeißen schon, aber ’s ist allemal nur ein Fisch.«

»Ja, mein Lieber, was wollt Ihr denn sonst fischen?«

»Menschen –«

Der Michel schüttelte seinen schwarzlockigen Kopf und ging seines Weges. Den Mann hatte er nicht gekannt. Menschen will er fischen, wie Petrus, vielleicht auf Gassen und Straßen, oder in Wirtshäusern? Gut. Aber aus dem Wasser Menschen! …

Der Einbildung hing er noch lange nach.

Dann wollte er durch die Au und das Lärchenwäldchen ins Dorf zurückkehren. Allein hier war das Wasser ausgetreten und aus dem trüben Spiegel standen die Bäume auf. Er mußte wieder zur Straße hinüber.

Dort setzte sein Sinnen neuerdings bei den schwarzen Micheln ein und wieder mündete es beim blonden Mädel aus. Was wird die einmal für einen fischen? Na, die fischt nicht, im Gegenteil, daß sie nur nicht einmal wo anbeißt! Angeln tun ihrer etliche. Recht oft beobachtet er heimlich. Sie ist das stille, heitere Dirndel wie immer. Ahnt es gar nicht, wie sie von den Augen junger Männer aufgegabelt wird. Es wäre freilich ein leichtes Anheiraten, so ein Mädel, so ein Wirtshaus; das berufenste in der ganzen Gegend von Löwenburg bis in die Sandau hinauf. Sie wird keine schlechte Auswahl haben, ja, sie müßte eigentlich schon drauf gekommen sein – auf den rechten –. Wollt mich wundernehmen, wenn sie alleweil noch nix tät merken! Oder ist’s ein stilles Wasser? Ein tiefes?

Und war es, daß der Michel schon in der nächsten Viertelstunde zweien Verehrern seines Töchterleins begegnen sollte.

Mitten auf der Straße waren zwei Burschen aufeinander geraten, ineinander verschlungen zu einem heftigen Ringen. Der eine suchte den anderen von sich zu schleudern, der andere klammerte sich an den einen fest und wollte ihm ein Bein stellen. So fuhren sie wie ein wildes Tier mit vier Beinen quer auf der Straße hin und wieder, strampfend, schnaufend – wortlos. Es waren der Straßenarbeiter Kruspel und Försters Friedl. Der Michel, der von den Ringenden nicht bemerkt wurde, schaute wohlgefällig zu. Buben müssen raufen, das macht sie stark und mutig. Und der Stärkere wird wohl der Försterische sein! Er war es nicht, wenigstens nicht der Abgefeimtere. Plötzlich lag er, durch eine tückische Wendung hingeschleudert, daß der Straßenkot hoch aufspritzte. Der Kruspel ließ aber nicht ab, er stürzte sich auf den Unterliegenden, stemmte ihm die Knie in den Magen, krampfte seine Finger in die Gurgel und würgte ihn. Als er den Michelwirt gewahrte, wie dieser fluchend herbeisprang, stieß er dem Försterischen noch rasch zweimal die Faust ins Gesicht, ließ los und flüchtete sich mit großen Sätzen in den Lärchenschachen.

Der Friedl sprang auf und wollte jenem nachlaufen. Gerade vor dem Michelwirt, denn er schämte sich, unterlegen zu sein.

»Oho!« rief der Wirt und fing ihn ab. »Im jetzigen Festanzug kannst nit heim. Komm, wir gehen durch den hinteren Hof ins Haus und in meiner Stuben ziehst du einen anderen Menschen an.«

Der Friedl, der sich erst den Lehm aus dem Mund sprühen, aus den Augen reiben mußte, sah es wohl ein, daß er in seiner schmutztriefenden Gestalt für alles unmöglich war; er flüchtete sich in das ihm vorgeschlagene Versteck, um sich in den Jägeranzug des Wirtes zu hüllen.

Der Wirt selbst hatte stark im Gastzimmer zu tun. Dort waren sie während seiner Abwesenheit glücklich raufend geworden und hieben mit Fäusten und einstweilen noch zugeklappten Messern aufeinander. Die Weibsleute hatten sich in die Küche eingesperrt. Der Hausknecht versuchte, den Frieden mit einem Heugabelstiel herzustellen. Den Stiel fing ihm ein Bauernbengel ab und wollte dann den Hausknecht behandeln wie ein Fuder Heu, da trachtete dieser seiner eigenen Sicherheit zu. Mitten ins Gepolter hinein trat nun der Michel. Da duckten sie ein wenig ab. Vor dem kleinen schwarzen Mann hatten sie Respekt. Wußten nicht warum, aber hatten ihn.

»Ja, Leuteln, was machts denn da!?« sagte er.

Mit gellendem und mit heiserem Geschrei wollten sie ihm die Ursachen des Streites beibringen; jeder war der Unschuldige und alle anderen waren die Lumpen und Hunde und Ochsen. Jeder rief den Wirt zum Schiedsrichter an und verlangte, daß er die anderen durchhauen helfe, wenigstens durchhauen lasse. Blut gab es auch schon, einstweilen nur aus den Nasen.

»Aber Nachbarn und Kameraden,« rief der Wirt, »wenn ich vermitteln soll, so muß der Handel erst ruhig besprochen werden. Das wollen wir auf dem Anger draußen machen. Unter den Linden. In der Stuben ist mir die Luft zu schlecht.«

Schreiend und lallend torkelten sie über die Schwellen hinaus, und als alle draußen waren, schrie ihnen der Michel nach: »Geht heim und schlaft euch aus!« Und warf hinter ihnen die Tür ins Schloß.

So ist der Bauernfeiertag würdig beschlossen worden.