Berta.
Berta arbeitet als fleissige Angestellte im Kontor einer Fabrik. Ihr Vorgesetzter, ein allerdings leider Gottes schon etwas ältlicher Herr, sehr galant natürlich, spielt, so ist mir neulich zufälliger Weise zu Ohren gekommen, da er den Tag über mit ihr in Berührung kommt, den Liebhaber bei ihr. Einmal tut er, als sei er verliebt in sie bis über die Ohren und ein anderes mal wieder gebärdet er sich wie der gestrenge Herr und Meister und behandelt das ganz gewiss nette Mädchen mit ausgesuchter Kälte. Ist das nicht entweder ein Schlaukopf oder aber einer, der nicht weiss, was er will. Heute ist er ein Verehrer und morgen ist er ein Verächter des weiblichen Geschlechtes, je nachdem es ihm zu passen scheint. Gewiss steht dieser Herr keineswegs in seiner Art einzig da, es gibt ihrer mehr, die es genau so oder ähnlich machen. Zu der und der Stunde möchte er sie vor lauter Verliebtheit auf den Händen tragen, ihr vielleicht gar die Hand kniefällig küssen; zu einer andern Zeit hingegen scheint er sich besonnen zu haben und alsdann kommt sie ihm nicht anders als ein armes Tröpfchen vor, das nicht wert ist, auch nur flüchtig mit einiger Freundlichkeit und Achtsamkeit betrachtet zu werden. O, so ein Schurke, so ein Hauptkerl! Bald ist er Herr, und bald ist er Diener bei ihr, bald schnauzt und knurrt er sie mit groben Vorgesetztentönen an; bald bettelt er mit flehender Miene und Stimme wieder um Gnade, ganz je nachdem er geruht, aufgelegt zu sein. Sollte es nicht als Verdienst und als wichtige Aufgabe gelten, dass jemand, der diese Art von Arbeit über sich zu nehmen entschlossen wäre, dem wetterwendischen Halunken einen gehörigen Puff gäbe. Gewiss sind hunderte von Menschen ganz meiner Meinung, wenn ich sage, dass der Spitzbube zehntausend Rippenstösse verdiente. Geht auf Verehrersfüssen und gleichzeitig noch auf andern Füssen. Ist er etwa ein Vierfüsser? Ich weiss es nicht genau. So viel aber weiss ich, dass ich nächstens Berta raten werde, alles aufzubieten, damit sie sich den launenhaften Mann unterjoche. Teufel noch einmal, so einer sollte mir, wenn ich Frau wäre, parieren!