Die böse Frau.
Eine Frau, die eines Tages, so wie die Dinge lagen, den Traum, den sie sich von ihrem Leben machen zu dürfen gemeint hatte, begraben musste, weinte ganze lange Tage und Wochen lang über den Verlust desselben. Als sie aber endlich ihren Schmerz ausgeweint hatte, war sie, fast zu ihrem eigenen Erstaunen, eine böse Frau geworden, die von nun an kein so lebhaftes Bedürfnis mehr wie dieses hatte, andere Frauen recht bestürzt, verlegen und niedergeschlagen zu sehen, indem sie sie unglücklich zu machen versuchte. Sie fing mehr und mehr an, jedes fröhliche weibliche Gesicht zu hassen, weil sie sich durch jede glückliche Miene gekränkt und beleidigt fühlte. Es drängte sie, gegen jederlei Vergnügen, das sie erblickte, Ränke und Bosheitspläne zu schmieden, da jeder heitere Anblick ihr weh zu tun schien. Darf ein unglücklicher Mensch es im Menschenhass so weit treiben? Nun und nimmer! muss entschieden geantwortet werden. Die durch vielerlei Leid, durch gescheitertes Streben nach Lebensglück verdorbene böse Frau machte es sich zur traurigen Aufgabe, junge Mädchen mit jungen Männern geschickt zusammenzuführen, sie gegenseitig aufeinander aufmerksam zu machen, sie enger und enger zusammen zu befreunden und, wenn dann die holde Freundschaft ihr reif zu sein schien, dieselbe durch listige Verrätereien, rohe Künste, grausame Verleumdung und Verwirrung, wieder zu zerreissen. Der Anblick einer weinenden verratenen Angehörigen ihres Geschlechts tat ihr dann wohl und war für sie ein Genuss. So und ähnlich trieb sie es ziemlich lange, währenddessen die um ihre Freude und ihre Zufriedenheit betrogenen Mädchen sie für eine edle und feine Frau hielten. Nach und nach aber merkte jedermann, wie böse sie sei, und sobald die Leute sich hierüber Gewissheit verschafft hatten, so wurde die gefährliche Gesellschaft fortan sorgfältig vermieden, derart, dass die böse Frau bald keinerlei Gelegenheit mehr erhielt, Unglück anzustiften, Böses zu tun und Unfrieden und Unbehagen zu verbreiten.