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Nur einen Augenblick war es Clerambault vergönnt, ihn zu sehen. Dann trat er hinter dem Gewölk zurück und verschwand für immer.

Clerambault schrieb noch am selben Abend dem unbekannten Freunde. Er vertraute ihm mit voller Hingabe seine Prüfungen und seine gefährlichen Überzeugungen an. Der Brief blieb ohne Antwort. Nach einigen Wochen schrieb Clerambault nochmals, hatte aber auch diesmal keinen Erfolg; doch sein Hunger nach einem Freund, mit dem er leiden und hoffen konnte, war so gierig geworden, daß er mit der Eisenbahn nach Grenoble fuhr und von dort zu Fuß bis zu dem Dorf ging, dessen Adresse er bewahrt hatte. Aber als er, das Herz schon ganz selig über die Überraschung, die er bereiten würde, an die Tür der Schule klopfte, verstand der Mann, der ihm auftat, nichts von dem, was er ihm sagte. Nach kurzer Auseinandersetzung erfuhr er, daß der Lehrer, mit dem er sprach, neu in das Dorf gekommen sei. Sein Vorgänger war vor einem Monat versetzt und strafweise in eine entfernte Gegend geschickt worden, aber es blieb ihm erspart, die Reise zu machen. Eine Lungenentzündung hatte ihn am Tage, ehe er den Ort verlassen sollte, den er dreißig Jahre bewohnt, dahingerafft. Nun durfte er noch weiter darin wohnen, aber unter der Erde. Clerambault sah das Kreuz auf dem noch frischen Hügel und erfuhr niemals, ob der entschwundene Freund wenigstens seine zärtlichen Worte empfangen hatte. Es war besser für ihn, im Zweifel zu verharren, denn niemals hatte der entschwundene Freund seine Briefe erhalten, selbst jenes letzten Lichtscheins hatte man ihn beraubt.