Den 15. März.

Der Brief liegt noch, die letzte Zeit war voller Unruhe, nun will ich aber unsere Burgwaller Correspondenz schließen. Auf morgen früh ist die Abreise festgesetzt, der Koffer ist gepackt und die leidigen Visiten sind überstanden, nur Bernwachts und Julchen habe ich noch aufgespart, die sind für sich. – Cäcilie ist seit einiger Zeit leidend, möglich, daß ich sie nur noch auf Augenblicke sehe. Ich liebe das junge Mädchen, Pauline, es ist keine Phantasie, keine Passion, es ist ein unwiderstehlicher Zug des Herzens, der mich an sie fesselt, ich fühle das jetzt mit einer Klarheit, die mir den Abschied sehr schwer, aber ganz unumgänglich nothwendig macht. – Das Kind ist so zart, wenn sie stürbe! Ich zittere bei dem Gedanken. Wüßte sie, daß ich leide, dann würde sie traurig werden, trauriger muß ich sagen, denn in ihrem leidenden Zustande sieht sie matt und angegriffen aus, auch seelenmatt, sie lächelt viel seltener als sonst, aber ihr würde auch unheimlich dabei, denn sie kennt ja keine Liebe, die Schmerzen bereitet. Sie sei Gott empfohlen, Seine Engel werden sie beschirmen. –

Ich werde nun in die Stadt gehen, auch auf den Friedhof, und will für Dich ein Epheublatt mitbringen vom Grabe der Mutter. –

Sobald ich kann, werde ich Dich aufsuchen. Die Zukunft sieht mich allzuschaal und nüchtern an, kaum mag ich an sie denken. Lebe wohl!

Justus.