5.

Weihnachten war vor der Tür, und damit war auch die Zeit gekommen, da Pater Romanus seine Schäflein zur ersten von drei schuljährlichen Beichten zu verhalten pflegte. Sämtliche verfügbaren Seelenhirten von Neuberg, insbesondere die frommen Mönche aus dem Franziskanerkloster, leisteten werktätige Beihilfe. Klassenweise wurden ihnen die Schüler zugewiesen, wobei jedoch Romanus besondere Wünsche seiner Studenten nach Möglichkeit berücksichtigte. Allen konnte er’s freilich nicht recht machen, weil nach einzelnen Beichtvätern wegen ihrer Milde eine allzu rege Nachfrage herrschte, die Milde nach der Kürze der Ermahnungen und der Bußgebete eingeschätzt.

Hellwig aber trachtete diesmal bei dem allgemein gefürchteten Pater Guardian anzukommen, der nicht im Beichtstuhl, sondern in seiner Zelle die Verfehlungen der Gläubigen anzuhören und endlose geharnischte Reden gegen die armen Sünderlein loszulassen pflegte.

Jede Rede verschlug es ihm jedoch, als Fritz, kaum auf dem Schemel niedergekniet, rauh hervorstieß: „Meine Beichte ist kurz, ich glaube an gar nichts!“

Ein langes Schweigen folgte den Worten. Die kleine, vertrocknete Priestergestalt saß ganz unbeweglich, und der kahle Schädel leuchtete wie eine große Billardkugel unter Hellwigs niederschauenden Augen.

„Ich glaube an gar nichts!“ sagte er endlich nochmals.

Nun regte sich unbehaglich der Leib in der dunklen Kutte, zwei wässrige Augen mit roten Rändern schauten hilfeheischend zur Decke und eine zögernde Stimme fragte: „Ja ... lieber Bruder ... lieber Bruder ... wie sind Sie denn dazu gekommen?“

„Durch Nachdenken und Vergleichen, auch durch Lesen,“ erwiderte Fritz und blickte dem Frater fest ins Gesicht. Der rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her und suchte nach einer schicklichen Einleitung.

„Lieber Bruder,“ fing er endlich an, und Hellwig wunderte sich über die freundliche Stimme, den warmen Blick des als unleidlich streng Verrufenen. „Lieber Bruder, Sie sind noch jung und daher leicht zur Übertreibung geneigt. Sie glauben an gar nichts, sagen Sie, aber Sie sagen das nur, weil Ihnen noch nicht klar geworden ist, daß wir alle, die wir Menschen sind, sehr wenig wissen und sehr viel glauben. Sie glauben jetzt vielleicht den Worten eines alten Priesters ebensowenig wie den Worten der Heiligen Schrift. Aber einen Schöpfer lassen Sie doch gelten, nicht wahr?“

„Nur die Natur!“

„Dann haben Sie lediglich einen anderen Namen für denselben Gegenstand und glauben nur an einen Teil unseres allumfassenden Gottes. Denn: meinst du, daß ich ein Gott nur in der Nähe bin und nicht auch ein Gott in der Ferne? Erfülle ich nicht Himmel und Erde, spricht der Herr. — Wollen Sie mir jetzt ein paar Fragen ehrlich beantworten?“

Der Jüngling nickte stumm.

„Sagen Sie mir also vor allem, wie Sie es mit den zehn Geboten halten, vom vierten angefangen. Bemühen Sie sich, die darin vorgeschriebenen Pflichten gegen die Eltern und Nächsten sowie gegen sich selbst zu erfüllen?“

„Ich will nie etwas tun, das ich nicht vor mir selbst verantworten kann und bemühe mich, meine Kräfte für die Allgemeinheit auszubilden, so gut ich kann,“ entgegnete Fritz nach einigem Besinnen.

„Schön, lieber Bruder, recht schön. Das ist ganz christlich gedacht und gehandelt. Und nun noch eins: Haben Sie sich leichtfertig oder aus Übermut zu einer solchen Beichte entschlossen? Haben Sie skrupellos und ohne Kampf den Glauben Ihrer Kindheit über Bord geworfen?“

„Es ist mir nicht leicht geworden,“ gestand Hellwig, wenn auch mit Widerstreben.

„Das genügt mir schon, lieber Bruder, denn: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, spricht der Herr. Und deswegen ...“

Der greise Priester schwieg und schien mit einem schweren Entschluß zu ringen. Dann aber sagte er, und es zeigte sich, daß in dem verwitterten Körper jene Liebe, die ihn einst seinem Berufe entgegengeführt hatte, noch lebendig, daß sie nicht zermürbt oder ertötet worden war, durch den beständigen Kampf wider den Zweck und die Bestimmung seines Menschentums. Jenen entnervenden Kampf, den er als Jüngling in der Begeisterung seiner Jahre freiwillig aufgenommen hatte und darin der gereifte Mann unter allen Qualen des Entsagens und Kasteiens gegen die Natur sündigen mußte, um nicht gegen seinen Gott zu sündigen.

„Mein lieber Bruder,“ sagte er, „Ihre Sünde ist nicht so groß, wie Sie anzunehmen scheinen. Und der Schmerz, die Unruhe, die Sie empfinden, seit Sie an unserm barmherzigen Schöpfer zu zweifeln angefangen haben, ist auch eine Buße, die gewogen und wahrlich nicht zu leicht befunden werden wird. Darum glaube ich es vor Gott und vor meinem Gewissen rechtfertigen zu können, wenn ich Sie Ihrer Sünden ledig spreche. Leider habe ich nicht die Zeit, Ihnen die Gründe eingehend darzulegen, denn draußen warten andere Beichtkinder. Auch bin ich alt und müd und geistig nicht mehr regsam genug, um die großen Gärungen der neuen Zeit zu verfolgen und Ihnen im Sinne unseres Glaubens auszudeuten. Wenden Sie sich daher an Ihren Religionsprofessor und vertrauen Sie sich ihm getrost an. Es wird Ihr Schade nicht sein.“

Segnend hob er die Hand, begann er die lateinische Formel zu sprechen. Er ließ sich hierbei auch von dem Gedanken leiten, daß durch ein Verweigern der Lossprechung, das bei den strengen Gymnasialvorschriften leichtlich zur Ausweisung führen konnte, der junge Zweifler nicht nur nicht gebessert, sondern erst recht zum Verharren in der eingeschlagenen Bahn bewogen worden wäre. Hellwig aber verstand diese Güte nicht. Rücksichtslos und hart gegen sich und andere, forderte er dieselbe Härte und Rücksichtslosigkeit im Verfechten der Grundsätze auch von den anderen für sich selbst wie ein gutes Recht. Deswegen wartete er das Ende der Lossprechung nicht ab, sondern erhob sich mit einer jähen Bewegung von den Knien und schritt trotzig aus der Zelle.

Er ging zu Pater Romanus.

Der bewohnte im ersten Stockwerk eines armseligen Hauses zwei enge Gelasse, die mit Kruzifixen, Heiligenbildern, Büchern und kaum dem notwendigsten und dürftigsten Hausrat versehen waren. In dem einen Raum befand sich neben einem Schrank, einem Betpult und einem Waschtisch überhaupt nur noch ein schmales, mit Roßhaarkissen und einer groben Kotze ausgestattetes Bettlein. Es ging jedoch die Rede im Ort, daß an diese zwei Räumlichkeiten noch ein drittes Zimmer stoße mit behaglichen Polstermöbeln und mit weichen Daunenpfühlen in einer breiten, fast doppelspännigen Bettstatt, darinnen eine wunderschöne Nichte des Paters die jungen Glieder strecken und nebenbei auch dem Oheim die Wirtschaft führen sollte. Doch konnte das ebensogut böswillige Verleumdung sein, denn wenn auch manche ein derartiges Frauenzimmer bisweilen an den Fenstern oder im abendlichen Dunkel auf Spaziergängen begriffen gesehen haben wollten, so war für alle Fälle und jedermann sichtbar eine ungemein häßliche Weibsperson vorhanden, die in einer winzigen Küche ein ungebärdiges Wesen entfaltete, wie ein Zerberus den Wohnungseingang bewachte und jeden Unbekannten rücksichtslos vor der hölzernen Lattentür im Vorflur warten ließ, bis sie ihn bei ihrem geistlichen Herrn angemeldet hatte.

Auch Fritz erhielt auf seine Frage, ob er den Herrn Professor sprechen könnte, die mürrische Antwort: „Werd’ nachsehn!“ und konnte dann in aller Muße Zug für Zug die Buchstaben des messingnen Namensschildes an der Vorhaustür betrachten, ehe ihm diese geöffnet wurde.

Pater Romanus empfing ihn beim Schreibtisch sitzend, und sein Kopf war vollständig unsichtbar zwischen den dickleibigen Schmökern, die sich rechts und links der Wangen zu Bergen türmten. Als die Tür aufging, stieg der schwarze Haarschopf langsam aus diesem Bücherverließ, die Augen spähten wie über eine Burgzinne nach dem Eintretenden, — dann sprang die schwarze Gestalt rasch vom Sessel empor und kam mit einem freudigen „Ah!“ der Überraschung auf den Jüngling zu.

Der aber ließ sich nicht beirren, sondern begann ohne Umschweife einen trockenen Bericht über den Vorfall in der Beichtkammer.

Pater Romanus hatte sich an dem Tisch in der Mitte des Zimmers niedergelassen und hörte mit einem rätselvollen Gesichtsausdruck aufmerksam zu. Als Hellwig fertig war, sagte er mit mühsam behaupteter Ruhe: „Wenn das so ist, Kind Gottes, dann gehen Sie morgen selbstverständlich nicht zur heiligen Kommunion. Auch vom Kirchenbesuch enthebe ich Sie vorläufig unter der Bedingung, daß Sie dafür wöchentlich einmal zu mir kommen. Wollen Sie mir das versprechen?“

„Ich glaube nicht, daß das einen Zweck hätte, Herr Professor,“ entgegnete Fritz zögernd.

Nun erhob sich der hagere Priester wieder, stand in der dunklen Soutane, die sich glatt und faltenlos über den flachen Brustkasten spannte, Stirn gegen Stirn dem hoch aufgeschossenen Schüler gegenüber, und seine Stimme hatte den schwingenden Predigerton, als er jetzt rief: „Geben Sie den Einflüsterungen des Bösen kein Gehör, der übermächtig in Ihrem Herzen aufsteht, weil die alleinseligmachende Kirche ihre Anstalten trifft, ihm ein vermeintlich schon sicheres Opfer zu entreißen. Er schlägt Sie mit Blindheit, daß Sie vor lauter Finsternis den Zweck nicht sehen können und das sonnenklare Ziel! Ihre Seele ist in Gefahr, Fritz Hellwig! Sehen Sie in mir das Sprachrohr unseres allgütigen Gottes, der Sie in letzter Stunde zur Umkehr mahnt!“

Da reckte sich der Jüngling empor: „Ich habe es nicht nötig, umzukehren, Hochwürden. Ich will nicht zurück, sondern vorwärts!“

„Ihre Verstocktheit ist groß, Kind, aber mit Gottes Hilfe ist mir die Bekehrung weit ärgerer Sünder schon gelungen, auch bei Ihnen wird sie kein vergebliches Bemühen sein. Ich kenne Sie durch und durch, Hellwig, und kenne auch die Ursache Ihres jetzigen Zustandes. Sie lesen zu viele weltliche Bücher. Machen Sie sich davon frei! Die weltlichen Bücher sind die Saatfelder des Teufels, in denen die Giftpflanze der Seelenfäulnis üppig in die Halme schießt! Sie machen den Gläubigen wankelmütig und bestärken den Ungläubigen in seinem gottlosen Wandel. Satan wollte die Menschheit von Gott abwendig machen, da erfand er die Lettern und gab ihr die weltlichen Bücher. Aller Schmutz fließt in ihnen zusammen wie in einer Kloake und jegliches Übel kommt von ihnen. Verbrennen sollte man sie und in Acht und Bann tun alle diejenigen, die sie erzeugen und verbreiten! Kind Gottes, warum lasen Sie solche Schriften, in denen die Verleumdung der Religion ihren eklen Geifer verspritzt? Warum lasen Sie weiter, statt sie ins Feuer zu werfen, als Sie die Verlockung zum Unglauben merkten?“

„Solche Bücher kenne ich nicht, Hochwürden. Nur ernste wissenschaftliche Werke. Darwin zum Beispiel.“

„Darwin!“ ächzte Romanus. „Darwin! — Auch ich habe ihn gelesen, aber als reifer, glaubensfester Mann und nicht als haltloser Jüngling! Wissen Sie denn nicht, daß geschrieben steht: Hütet euch vor jenen, die im Schafspelze zu euch kommen, im Innern aber reißende Wölfe sind? O Kind Gottes, und Darwin ist der Oberste dieser Wölfe! Ein Irrlehrer ist er, ein schamloser Verführer und wahnwitziger Lügensprecher! Oder ist es nicht Wahnsinn, daß wir, die Ebenbilder Gottes, für die sein eingeborener Sohn am Kreuze blutete, entstanden sein sollen nicht durch eines allmächtigen Schöpfers Hand, sondern durch blinden Zufall aus einem Urschleim? Der Kot des Lebens Anfang und der Menschheit Vater! O mein Gott! Mein Gott! Daß sich überhaupt Leute finden, die so hirnverbrannt sind, das zu glauben!“ — Der Eiferer schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn und Fritz entgegnete bescheiden:

„Auch in der Bibel steht, daß Gott den Menschen aus Staub erschaffen hat.“

„Aus Staub, jawohl! Aber nicht aus Dreck! Aus Staub, den seine göttliche Hand von aller Unreinheit geläutert und geadelt, sein göttlicher Atem gewandelt hat zum köstlichen Gefäß der unsterblichen Seele!“

Da sagte Hellwig und ein warmes Leuchten kam aus seinen Augen: „Auch dieses habe ich in Darwins Lehre gefunden. Der Atem Gottes kam in den Staub — da war das Leben. Das Leben selbst ist dieser Atem, des Lebens Regung in uns, das ist die Seele, unsterblich wie das einmal gewordene Leben selbst. Und Gott ist nichts anderes als die Natur, die aus sich selbst das Leben gebiert, dreifach und doch nur eins: der leblose Stoff als Träger der ewigen, ehernen, großen Gesetze; der Leben gewordne Stoff, der den unbelebten zur Selbsttätigkeit erlöst und endlich der Selbstbewußtsein gewordene Stoff, der Geist. So hab’ ich’s mir zurecht gelegt.“

„Lästern Sie nicht, Verblendeter!“ Der Pater hob abweisend die Hand. Ruhiger fuhr er fort: „Ihre Seele, Kind, ist überwuchert von Unkraut und Dornen! Viel Schweiß wird es kosten, diesen Boden zu jäten und für die Aufnahme der heiligen Samenkörner zu bereiten, die da sind die Worte der Evangelien. Wir müssen ganz von vorn anfangen und das so bald als möglich. Morgen abend um sechs Uhr erwarte ich Sie. Jetzt aber lassen Sie mich allein. Sie haben mich tief betrübt, ich will im Gebete Trost und Zuflucht suchen. Und auch für Sie will ich beten, daß Ihnen Gott die schwere Sünde nicht zu hoch anrechnet, die Sie im Angesicht des Gekreuzigten begangen haben!“

Er warf sich vor dem Hausaltar, der in einer Zimmerecke errichtet war, in die Knie, legte die Stirn auf das Holz der Betbank, hielt die gefalteten Hände über dem Haupt empor. Wie gelöst schienen seine Glieder, unter dem seidig glänzenden Priesterrock bebte der Leib in Fieberschauern.

Eine tiefe Furche zwischen den Brauen, mit stürmischem Atem und zuckenden Nüstern schaute Fritz empört zu. Dann sagte er laut und hart: „Herr Professor, lügen Sie doch nicht Ihrem Herrgott ins Gesicht!“

Jäh fuhr Romanus in die Höhe. In den Halsadern pochten ihm alle Pulse sichtbar. „Bube!“ schrie er. Aber sogleich wieder hatte er die aufgestörten Leidenschaften fest im Zügel. Stoßweise, mit gewaltsam gebändigter Erregung, sprach er: „Danken Sie’s Ihrer Mutter, daß nur der Priester und nicht Ihr Professor die frechen Worte gehört haben will. Sie haben die Achtung vor jeder Autorität verloren. Hellwig, Hellwig, das wird ein böses Ende nehmen! Ich wollte Ihnen ein Freund und Berater sein, doch Sie haben meine väterlich gebotene Hand zurückgestoßen. Gut! Ganz wie Sie wünschen! Ich werde trachten, auch das zu vergessen. Das ist mehr Nachsicht, als Sie verdienen. Damit ist meine Aufgabe vorläufig beendet. Wenn Sie aufrichtig bereuen, steht Ihnen meine Wohnung wieder offen. Bis dahin — gehen Sie!“

Sein ausgestreckter Finger zeigte nach der Tür. Fritz verneigte sich stumm und ging langsam. Aber über die ausgetretene Schneckenstiege rannte er schon in heftigen Sätzen.

Draußen atmete er auf. Die leichte Winterluft streichelte ihm die Stirn, schien mit frischen, kühlen Händen alle Unreinheit fortzuwischen, die er aus dem Haus des Geistlichen an Leib und Kleidern mitzutragen glaubte.

Trotzdem gelang es ihm nicht gleich, den Ekel zu überwinden, den das Gebaren des Jesuiten in ihm ausgelöst hatte und den er ganz körperlich, wie den Nachgeschmack einer verdorbenen Speise, zu empfinden vermeinte, so oft er sich das Bild wieder vergegenwärtigte: Die große Gebärde, mit der sich Romanus vor dem Altar in die Knie geworfen, das heuchlerische Spiel mit Gebet und christlicher Liebe, die schamlose Schaustellung von Gefühlen, die, wenn wirklich empfunden, unter allen Umständen der Einsamkeit gehören mußten. Und er empfand lebhafte Genugtuung, daß er mit seiner Meinung nicht hinterm Berge gehalten. Vor den Folgen war ihm nicht bang. Er wußte, daß er recht gehandelt und glaubte noch an den Sieg des Rechts, weil er an die Menschen glaubte und, selbst vornehm, auch anderen keine Niedrigkeit zutraute.

Als er nach stundenlangem planlosen Herumwandern das Gleichgewicht endlich wieder erlangte, war der Abend bereits so weit vorgerückt, daß er Heinz nicht mehr aufsuchen wollte. Der wußte ebensowenig wie Otto um die ganze Angelegenheit. Denn Hellwig hatte diesmal niemandem seine Absicht mitgeteilt, weil er die Erinnerung an das Auskneifen Pichlers noch zu lebendig mit sich herumtrug und nicht abermals einen Freund in Versuchung bringen wollte. Das Verheimlichen war ihm schwer genug angekommen, wie einen Vertrauensbruch empfand er es. Der Aufschub, zu dem er sich jetzt abermals gezwungen sah, war ihm daher höchst unlieb, und er konnte kaum den nächsten Vormittag erwarten. Dieser war schulfrei zum Behufe eines würdigen Nachgenusses der Kommunion, die den Studenten bei der ersten Frühmesse gespendet wurde und von der sich Hellwig selbstverständlich fern hielt.