3. Anmerkungen.

Erster Theil.

Erstes Buch.

[S. 3.] Tieck’s Geburtshaus in der (alten) Roßstraße trägt die Nummer 1. Die Geschäftsräume und die kleine Wohnung zu ebener Erde sind noch heute dieselben wie damals.

[S. 8.] Ueber Kindleben’s Wandel und Schriften ist zu vergleichen „Almanach der Belletristen und Bellettristinnen für’s Jahr 1782“, S. 92.

[S. 9.] Die wenigen von Tieck selbst gegebenen Andeutungen über die Familie seiner Mutter sind erweitert durch Mittheilungen eines noch lebenden mütterlichen Verwandten, und die Ortstraditionen in Jeserig, deren Kenntniß ich Herrn Prediger Hoffmann daselbst verdanke. Die Kirchenbücher von Jeserig aus jener Zeit sind verbrannt. Geburts- und Tauftag Tieck’s und seiner Geschwister sind aus dem Taufregister der Petrikirche in Berlin festgestellt.

[S. 34.] Das Haus in der Behrenstraße, in dem damals die deutsche Bühne war, ist heute mit der Nummer 55 bezeichnet.

[S. 69.] In den hier geschilderten Zuständen fanden die später, erst 1800, gedichteten Sonette an Bothe, Toll und Wackenroder ihre Veranlassung. Tieck’s „Gedichte“ (zweite Ausgabe), II, 71.

[S. 70.] Ueber Wackenroder’s Vater ist zu verweisen auf die kleine Schrift: „Erinnerungen an Ch. B. Wackenroder, königl. preuß. Geh. Kriegsrath und ersten Justizbürgermeister zu Berlin, von J. Klein“ (Berlin 1809). Der alte Wackenroder war auch Schriftsteller; er verfaßte „Betrachtungen über Geschäfte und Vergnügungen“ (Leipzig 1768), die drei Auflagen erlebten. Er starb 1806, 77 Jahre alt.

[S. 94.] Mirabeau war im Jahre 1786 zwei Mal in Berlin. Zuerst vom Januar bis Mai, dann vom Juli bis Ende December.

[S. 98.] Dieser Rede, die er am Grabe Toll’s gehalten, gedenkt auch Zschokke in seiner „Selbstschau“, I, 40.

[S. 121.] „Die eiserne Maske. Eine schottische Geschichte von Ottokar Sturm“ (Frankfurt und Leipzig 1792). Vgl. die scharfe Kritik in der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek“, III, 285.

[S. 125.] Die charakteristischen Züge aus dem Schulleben Gedike’s, des pädagogischen Reformators, die mitgetheilt worden sind, hat Tieck in einer Zeit, da er selbst noch dessen Schüler war, mit Schärfe und Sicherheit aufgefaßt. Es wird nicht ohne Interesse sein, diesem Bilde das andere gegenüberzustellen, welches der Lehrer von dem Schüler entwarf. Gedike pflegte eine ausgeführte Censur der zur Universität abgehenden Schüler in dem Programm des Gymnasiums abdrucken zu lassen. Er legte Werth darauf, weil er andeuten wollte, was das Vaterland von seinen herangebildeten jüngern Mitbürgern zu hoffen habe. Waren diese Zeugnisse bisweilen pathetisch breit, so waren sie auch oft Beweise pädagogischen Scharfblicks. In den Programmen des Werderschen Gymnasiums von 1789–92 findet man in dieser Weise die Charakteristiken Tieck’s und aller seiner Jugendgefährten. In der Auffassung mancher Charaktere, z. B. Toll’s, Burgsdorff’s, Piesker’s, stimmen Lehrer und Schüler in überraschender Weise überein. An dieser Stelle mögen die Charakteristiken Tieck’s und Wackenroder’s folgen, wie sie sich in dem Programm für 1792 finden.

Wenn Wackenroder in günstigerm Lichte erscheint, so spricht sich darin die eigene Stellung aus, die jeder von beiden seinem Director gegenüber eingenommen hatte. In der Kälte und Trockenheit, mit der Tieck’s Censur abgefaßt ist, mag eine Erinnerung an die mancherlei pädagogischen Kämpfe liegen, zu denen er herausgefordert hatte. Daß aber seine Bildung schon damals eine allgemeine, und doch eigenthümliche war, muß auch dieses Zeugniß zugestehen.

Johann Ludwig Tieck, aus Berlin, 19 Jahr alt, neun Jahre Gymnasiast, und seit vier Jahren ein Mitglied der ersten Classe. Er hat gute Fähigkeiten, und er hat sich durch seinen bei aller Einseitigkeit unverkennbaren Fleiß in mancher Rücksicht sehr gute Kenntnisse erworben, besonders hat er seinen Geschmack gut ausgebildet. Sein Betragen war lobenswerth. Er wird in Halle Theologie studiren.“ Vgl. „Programm des Friedrich-Werderschen Gymnasiums“ von 1792, S. 51.

Wilhelm Heinrich Wackenroder, aus Berlin, 19 Jahr alt. Ein hoffnungsvoller Jüngling, der seit sechstehalb Jahren unser Gymnasiast, und seit vier Jahren ein Mitglied der ersten Classe gewesen. Sein regelmäßiges, bescheidenes und gesittetes Betragen hat ihm ebenso sehr als sein rühmlicher und glücklicher Fleiß den Beifall aller seiner Lehrer verschafft. Er hat seine guten Fähigkeiten in jeder Rücksicht sehr gut ausgebildet, und sich sowol in Wissenschaften als Sprachen, besonders auch in der griechischen, sehr gute Kenntnisse erworben. Ueberhaupt hat er alle Anlagen und Vorkenntnisse, um einst ein gründlicher, gelehrter und geschmackvoller Jurist zu werden.“ Ebendas. S. 51.

[S. 126.] „Sternbald’s Wanderungen“ „Schriften“, XVI, 197.

Zweites Buch.

[S. 137.] Eine Charakteristik Wiesel’s, dieses sonderbaren Menschen, der zuletzt ein Freund und Schützling Adam Müller’s war, hat Varnhagen gegeben in seinen „Denkwürdigkeiten“, VI, 265.

[S. 148.] Lichtenberg’s Erklärung der Hogarth’schen Kupferstiche erschien zuerst im „Göttingischen Taschenkalender“ in den Jahren 1779–94.

[S. 161.] Es ist in der neueren Kunstkritik anerkannt, daß die Madonna in Pommersfelde, welche die Freunde, der damals allgemeinen Ansicht folgend, für einen Rafael hielten, von Antonio Solario gemalt ist.

[S. 186.] In Klopstock’s Aeußerungen über die französischen Uebersetzungen der „Messiade“ oder in der Auffassung derselben scheint ein Irrthum zu liegen. Die erste war bereits zu Paris 1769 erschienen; die zweite des Pastor Petit-Pierre, mit der der Dichter keineswegs zufrieden war, zu Neufchatel 1795.

[S. 200.] Die erste Erzählung IV, 3 in den „Straußfedern“ ist noch von J. G. Müller, die Erzählung VII, 119 von Bernhardi, Tieck’s Beiträge ergeben sich aus der Vergleichung mit seinen Schriften. Der Rest in den fünf letzten Bänden gehört Tieck’s Schwester. Vgl. auch „Reliquien von A. F. und S. Bernhardi“, herausgegeben von W. Bernhardi (3 Bde., Altenburg 1847).

[S. 207.] Der Recensent des „Lovell“ in der „Jenaischen Literaturzeitung“, 1797, Nr. 337, fand z. B. in dem Worte Andächtigkeit, das Tieck gebraucht hatte, einen Anglicismus; in dem Originale werde es wol geheißen haben devotion!

[S. 220.] Ramdohr, „Ueber Malerei und Bildhauerei in Rom“ (3 Bde., Leipzig 1787). „Charis, oder über das Schöne und die Schönheit in den nachbildenden Künsten“ (2 Bde., Leipzig 1793). „Venus Urania“ (4 Bde., Leipzig 1798).

[S. 220.] „Aberglaube ist besser als Systemglaube“, sagt Wackenroder in dem Aufsatz: „Einige Worte über Allgemeinheit, Toleranz und Menschenliebe in der Kunst“ („Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“, S. 106).

[S. 221.] „Ehrengedächtniß Albrecht Dürer’s von einem kunstliebenden Klosterbruder“, ohne Namen des Verfassers, in Reichardt’s „Deutschland“, 1796, Stück VII, 59.

[S. 225.] Brief eines jungen deutschen Mahlers in Rom an seinen Freund in Nürnberg („Herzensergießungen“, S. 179).

[S. 226.] Wackenroder’s Verhältniß zu Tieck ist für die Literaturgeschichte fast zu einem mythischen geworden. Die Freundschaft beider, ihre geistige Verwandtschaft, die gleiche Richtung, welche sie in der Poesie verfolgten, Wackenroder’s verhülltes Auftreten als Schriftsteller, sein früher Tod, der nicht vollendete „Sternbald“, endlich einige Aeußerungen Tieck’s haben zu der Ansicht geführt, als wenn sich das geistige Eigenthum beider Freunde nicht voneinander scheiden lasse, oder Wackenroder gar an den Dichtungen Tieck’s in der Stille einen Antheil gehabt habe, welcher das Recht des Dichters auf seine eigenen Werke zweifelhaft mache. Es ist weder das Eine noch das Andere der Fall. Da Wackenroder’s Andenken nach Tieck’s Erzählungen erneuert worden ist, so mag zur Vervollständigung des Bildes auch die folgende Bemerkung hier eine Stelle finden.

Die „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ (Berlin, Unger, 1797), und die „Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst“, herausgegeben von L. Tieck (Hamburg, Perthes, 1799), gehören beiden Freunden gemeinschaftlich an, aber in einer Weise, welche die nähere Bestimmung des Antheils eines jeden sehr wohl erlaubt. Jenes Buch ist wesentlich Wackenroder’s, dieses wesentlich Tieck’s Eigenthum. In der Nachschrift an den Leser, am Schlusse des ersten Bandes des „Sternbald“, setzte sich Tieck schon im Jahre 1798 mit dem kürzlich verstorbenen Freunde literarisch auseinander. Er sagt daselbst ausdrücklich S. 374: „Von meiner Hand ist (in den ‚Herzensergießungen‘) die Vorrede, Sehnsucht nach Italien S. 23, ein Brief des Mahlers Antonio und die Antwort S. 52, Brief eines jungen deutschen Mahlers S. 179, und die Bildnisse der Mahler S. 194.“ Mithin gehören die übrigen Abhandlungen, die sämmtlich umfassender und bedeutender sind, Wackenroder an. In die „Phantasien“ nahm Tieck einige Aufsätze auf, welche er in der Vorrede als ein Vermächtniß seines verstorbenen Freundes bezeichnet; sie waren bestimmt, eine Fortsetzung der „Herzensergießungen“ zu bilden. Tieck sagt daselbst S. III: „Von Wackenroder ist in der ersten Abtheilung die erste und fünfte Nummer geschrieben; unter Berglinger’s Aufsätzen gehören mir die vier letzten an.“ Demnach ist von Wackenroder: „Schilderung, wie die alten deutschen Künstler gelebt haben“ S. 5, „Die Peterskirche“ S. 76, „Vorerinnerung“ S. 134, „Ein wunderbares morgenländisches Mährchen von einem nackten Heiligen“ S. 135, „Die Wunder der Tonkunst“ S. 147, „Von den verschiedenen Gattungen in jeder Kunst, und insbesondere von verschiedenen Arten der Kirchenmusik“ S. 160, „Fragment aus einem Briefe Joseph Berglinger’s“ S. 174, „Das eigenthümliche innere Wesen der Tonkunst und die Seelenlehre der heutigen Instrumentalmusik“ S. 181, „Ein Brief Berglinger’s“ S. 205. Alles Uebrige ist Tieck’s Eigenthum.

Endlich von Wackenroder’s Antheil am „Sternbald“ sagt Tieck in der erwähnten Nachschrift S. 374: „Nach jenem Buche (den ‚Herzensergießungen‘) hatten wir uns vorgenommen, die Geschichte eines Künstlers zu schreiben, und so entstand der Plan zu gegenwärtigem Roman. In einem gewissen Sinne gehört meinem Freunde ein Theil des Werks, ob ihn gleich seine Krankheit hinderte, die Stellen wirklich auszuarbeiten, die er übernommen hatte.“ Diese Erklärung ist so deutlich und entschieden, daß es unbegreiflich erscheint, wie sich trotz, oder gar in Folge derselben die Ansicht Geltung verschaffen konnte, der „Sternbald“ sei zum Theil Wackenroder’s Werk, oder dieser sei in der That der Dichter und Tieck nur der Herausgeber. Weil er mit gewissenhafter Pietät den Antheil des Freundes an der Dichtung wahren wollte, machte man ihm sein eigenes Recht streitig. Weil er gesagt hatte, in einem gewissen Sinne gehöre seinem Freunde ein Theil des Werks an, meinte man es ihm selbst ganz absprechen, oder sonderbar genug, behaupten zu können, mindestens der erste Theil des Romans rühre von Wackenroder her. Dies wollte schon der kritische Recensent in der „Jenaischen Literaturzeitung“, 1799, Nr. 71, herausgefunden haben, der zwischen dem ersten und zweiten Theil einen Unterschied erkannte, der auf zwei verschiedene Verfasser deute!

Zu diesen Misverständnissen mochte vielleicht auch der Titel beigetragen haben, den Tieck gewählt hatte: „Eine altdeutsche Geschichte, herausgegeben von Ludwig Tieck.“ Wenn er sich nur als Herausgeber nannte, so war das eine Maske, welche in dem Charakter der Dichtung ihre vollständige Erklärung fand, und nach dem Vorgange des „Klosterbruders“ keinen Leser hätte irreführen sollen. Etwas ganz anderes war es, wenn Tieck auch die „Phantasien über die Kunst“ als von ihm herausgegeben bezeichnete. Indem er dem Publicum den Nachlaß seines Freundes übergab, hatte er in der That das Geschäft eines Herausgebers übernommen. Aber er bekannte sich auch dazu, und unterschied in der Vorrede ausdrücklich, was ihm und was seinem Freunde angehörte. Freilich fehlt es auch sonst in unserer neuern Literatur nicht an Beispielen einer übersichtigen Kritik, welche die einfachsten Fäden zum Knoten schlingt, um sich hinterher rühmen zu können, einen Knäuel scharfsinnig und geschickt entwirrt zu haben. Hat man doch auf ähnliche Gründe hin Lessing die Autorschaft der „Erziehung des Menschengeschlechts“ absprechen wollen!

Daß sich diesen Ansichten über den „Sternbald“ ein gewisses Uebelwollen gegen den Dichter beimischte, geht unter Anderm auch aus einem Gespräche Jean Paul’s mit Varnhagen über Tieck hervor, in den „Denkwürdigkeiten“, III, 79. Das Bedürfniß eines überreichen Geistes, sich mitzutheilen, und die Sorglosigkeit, mit der es geschah, rief den Gedanken hervor, Tieck wolle sich fremdes Gut aneignen. Sein Reichthum mußte es sein, der ihm den Vorwurf der Armuth zuzog! Nachdem diese irrigen Vorstellungen auch in die Literaturgeschichten Eingang gefunden hatten, sah Tieck sich genöthigt, fünfundvierzig Jahre später in einer Nachschrift zur zweiten Ausgabe des „Sternbald“ zu wiederholen, was er schon in der ersten deutlich genug gesagt hatte: „Es (das Buch) rührt ganz, wie es da ist, von mir her, obgleich ‚Der Klosterbruder‘ hier und da anklingt. Mein Freund ward schon tödtlich krank, als ich daran arbeitete“ („Schriften“, XVI, am Ende).

Aber ebenso wenig hat Tieck jemals den Einfluß in Abrede gestellt, welchen Wackenroder auf seine damalige Dichtweise ausgeübt habe. In der oft erwähnten ältern Nachschrift zum „Sternbald“ sagt er ferner S. 373: „Die meisten Gespräche, die ich seit mehreren Jahren mit meinem nun verstorbenen Freunde Wackenroder führte, betrafen die Kunst; wir waren in unsern Empfindungen einig, und wurden nicht müde, unsere Gedanken darüber gegenseitig zu wiederholen. — Mein Freund suchte in diesem Buche (d. h. in den ‚Herzensergießungen‘) unsere Gedanken und seine innige Kunstliebe niederzulegen.“ Und in der Vorrede zu den „Phantasien“ heißt es S. III: „Alle diese Vorstellungen sind in Gesprächen mit meinem Freunde entstanden, und wir hatten beschlossen, aus den einzelnen Aufsätzen gewissermaßen ein Ganzes zu bilden.“

Wackenroder’s dichterisches Talent ist übrigens groß genug, und seine Stellung in der Literatur in ihren Folgen so bedeutend, daß ein näheres Eingehen auf einige vergessene Spuren seiner schriftstellerischen Thätigkeit nicht ganz uninteressant erscheinen wird. In der Vorrede zu den „Phantasien“ sagt Tieck: „Einen unvollendeten Aufsatz meines Freundes über Rubens habe ich zurückgelassen, sowie eine Cantate, mit der er selber unzufrieden war.“ Ob außer diesen Arbeiten Wackenroder’s noch Anderes in seinem dichterischen Nachlasse gewesen, wohin dieser gekommen sei, wird sich jetzt schwerlich ermitteln lassen, zumal da sich auch in Tieck’s Nachlaß nicht die geringste Andeutung darüber findet. Daß er der Uebersetzer des Romans „Kloster Netley“ (Berlin 1796 im neunten Bande der ersten unechten Ausgabe von Tieck’s Werken) sei, ist bereits oben gesagt worden. Eine kleine Abhandlung über Hans Sachs, die wol in Göttingen verfaßt ist, hat von der Hagen aus einem erhaltenen Reste von Wackenroder’s handschriftlichen Sammlungen für die altdeutsche Literatur im „Neuen Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache“ (I, 291) herausgegeben. Endlich lassen sich einige Gedichte nachweisen. Eines: „Auf hoher Felsenkante“ u. s. w., ist im Texte erwähnt. Es findet sich „Straußfedern“ (VI, 120) und Tieck’s „Schriften“ (XV, 230); ein zweites ist handschriftlich in dem Briefwechsel Tieck’s und Wackenroder’s erhalten; ein drittes aus dem Nachlasse des Dichters steht in Bothe’s „Frühlingsalmanach“ für 1805, S. 1. Es sind durchaus untergeordnete Producte eines Anfängers, in denen man den kunstsinnigen Klosterbruder nicht wiedererkennt. Somit möchten die Briefe Wackenroder’s an Tieck, in denen sich sein einfacher Sinn in vollster Unbefangenheit ausspricht, nächst den „Herzensergießungen“ das bedeutendste noch vorhandene Denkmal seines kurzen Lebens sein.

[S. 227.] Sechs Stunden aus Fink’s Leben im „Berlinischen Archiv der Zeit“, 1796, I, 354; dann in den „Bambocciaden“, I, 137.

[S. 227.] Ueber Ernst Winter’s (Bernhardi’s) Roman „Die Unsichtbaren“ (2 Bde., Halle 1794) vgl. „Neue allgemeine deutsche Bibliothek“, XIII, 384.

[S. 231.] Schlegel’s Kritik von Tieck’s Bearbeitung des „Sturm“ siehe in der „Jenaischen allgemeinen Literaturzeitung“, 1797, Nr. 75, und Schlegel’s „Sämmtliche Werke“, XI, 14; des „Blaubart“ und des „Gestiefelten Katers“ „Jenaische allgemeine Literaturzeitung“, 1797, Nr. 333, „Werke“, XI, 136; der „Volksmärchen“ „Athenäum“, 1798, I, 167, „Werke“, XII, 27.

[S. 250.] Andeutungen über das Leben in Jena in den Jahren 1799 und 1800 finden sich in Friedrich Schlegel’s Briefen an Fichte in „Fichte’s Leben und literarischer Briefwechsel“, II, 342, 344. Die Skizze in Brentano’s Roman „Godwi, oder das steinerne Bild der Mutter“, den er unter dem Namen „Maria“ 1801 herausgab, II, 436, ist nach „Brentano’s gesammelte Schriften“ VIII, 18 von dessen Freunde A. Winkelmann. Nach VIII, 51 ebend. schrieb Brentano die Philistergeschichte 1811; was er damals in Jena vorlas, war also wol ein frühester Entwurf. Vgl. ferner „Heinrich Eberhard Gottlob Paulus und seine Zeit, von v. Reichlin Meldegg“, II, 313 fg., und die kürzlich erschienene Schrift „Aus dem Leben von Johann Diederich Gries, nach seinen eigenen und den Briefen seiner Zeitgenossen“, S. 37, 39 fg.

[S. 253.] Ueber Tieck’s und Fichte’s erste Berührungen vgl. „Fichte’s Leben und Briefwechsel“, I, 373.

[S. 255.] Die „Vertrauten Briefe über Friedrich Schlegel’s Lucinde“ waren Verlag von Frommann’s Schwager Bohn in Lübeck, gedruckt wurden sie in Jena bei Frommann und Wesselhöft.

[S. 257.] Die Wandlungen, welche Schiller’s ursprünglich günstiges Urtheil über Tieck seit dessen erstem Besuche erfuhr, bis es zu einer herben Verurtheilung ward, lassen sich stufenweise verfolgen durch Schiller’s Briefe an Goethe und Körner vom 24. Juli 1799, 26. Sept. 1799, 5. Jan. und 27. April 1801. Die drei letzten Briefe sind an Körner. Am 5. Jan. 1801 schreibt Schiller von Tieck: „Leider hat die Schlegel’sche Schule viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz verwinden.“ Vgl. dazu sein Urtheil über Tieck’s „Minnelieder“ aus Falk’s „Elysium und der Tartarus“ in „Findlinge“ von Hoffmann v. F. „Weimarisches Jahrbuch“, II, 224. Ueber Tieck’s Einführung bei Goethe berichtet dieser mit einigen Worten an Schiller am 24. Juli 1799, und über die Vorlesung der „Genoveva“ in Jena am 6. Dec. 1799. Vgl. darüber auch Goethe’s Tages- und Jahreshefte, „Werke“, XXXI, 86.

[S. 267.] Wenn es in Tieck’s Vorbericht zu „Schriften“, I, S. XXXII, heißt, er sei im Juli 1801 nach überstandener schmerzhafter Krankheit nach Hamburg gegangen, so beruht diese irrige Angabe wol nur auf einem Druckfehler. Es ist das Jahr 1800 gemeint. Aus Tieck’s Correspondenzen ergibt sich, daß er um jene Zeit in Dresden war.

Drittes Buch.

[S. 274.] A. W. Schlegel’s „Literarischer Reichsanzeiger“ oder „Archiv der Zeit und ihres Geschmacks“ im „Athenäum“, 1799, S. 328.

[S. 275.] Tieck hat die Vision „Das jüngste Gericht“ in seine „Schriften“, IX, 339, in etwas veränderter Gestalt aufgenommen. Es fehlt hier das Verzeichniß der Personen, auf welche im „Zerbino“ mehr oder minder deutlich angespielt wird. Da der Dichter in dem Vorberichte zum sechsten Bande der „Schriften“, S. XXXIX fg., einen kurzen literarischen Commentar zum „Zerbino“ gegeben hatte, konnte er nunmehr jenes Verzeichniß streichen. Es findet sich „Poetisches Journal“, S. 245.

[S. 277.] Zu diesem und dem Folgenden sind zu vergleichen die literarischen Anmerkungen zum „Anti-Faust“ in „Tieck’s nachgelassenen Schriften“, I, 127 fg., und zu „Bemerkungen über Parteilichkeit, Dummheit und Bosheit“, ebend. II, 35 fg.

[S. 278.] Es scheint nicht unangemessen, an dieser Stelle auf die Kritik übersichtlich zu verweisen, welche Tieck’s Dichtungen in den verbreitetsten und namhaftesten literarischen Zeitungen erfuhren. Man wird daraus erkennen, daß man seine stechende dichterische Satire mit den Keulenschlägen prosaischer Grobheit reichlich erwiderte, und ihm wahrlich nichts geschenkt hat. Seine Indignation gegen dieses Geschlecht wird vollkommen begreiflich, wenn man sieht, daß keiner dieser Recensenten auch nur eine entfernte Ahnung von dem hatte, was er mit seiner Poesie wollte. Sie sind ihr gegenüber vollkommen rathlos, und möchten sie am liebsten für eine Tollhäuslerin erklären. Der Recensent des „Lovell“ in der „Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek“, XX, 389, 1795, und XXXII, 154, 1797, wundert sich, daß der Verfasser, der selbst ein junger Schwärmer scheine, seinen Helden so unvortheilhaft auftreten lasse; dann meint er, dies Buch sei eine Beleidigung des guten Geschmacks, und das Beste daran der schöne neumodige Druck. Dagegen findet die „Geschichte Peter Leberecht’s“, die Nicolai’s vollen Beifall hatte, viel Gnade. „Deutsche Bibliothek“, XXIII, 526, 1796, und XXXII, 155, 1797. Hier wird dem Verfasser gesundes Raisonnement, ein feiner, geschliffener Witz, viel Laune und reife Menschenkenntniß zugestanden; während die „Jenaische Literaturzeitung“, 1797, Nr. 10, dasselbe Buch fade und gedehnt findet; der Verfasser sei sich auch seiner Kraftlosigkeit bewußt; Gedankenstriche oder weißes Papier würden besser sein. In der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“, XXXVIII, 439, 1798, wird in der Anzeige von „P. Leberecht’s Volksmärchen“ dem Verfasser die Versicherung gegeben, er habe das Ideal nicht gescheidter Geschichten, wonach er eingestandenermaßen strebe, vollkommen erreicht. Ebendaselbst XXXIX, 340, wird der „Abdallah“ als ein Beweis dafür angeführt, daß sich Zaubergeschichten noch immer unverschämt in die Literatur eindrängen. Ebendaselbst XLVI, 329, 1799, kann der Mann von gebildetem Geschmack den „Sternbald“ nicht zu Ende lesen. Sternbald ist ein frömmelnder, mystischer Malergesell und ein Verführer obenein. Recensent findet die Anmaßung und Petulanz des Dichters unerhört, der dem Leser zumuthe, sich wieder auf eine niedrige Stufe der Cultur zu stellen, der man mühsam entklommen sei. Ebendaselbst LV, 246, 1800, tritt man im „Zerbino“ in eine Gesellschaft von Narren und Tollhäuslern, wo Alles spricht, von den Cedern des Libanon bis hinab zu den Schemeln; es sei ein sinnliches Gaukelspiel, die Verse im Tone der Bänkelsänger, der Vortrag pöbelhaft! Glimpflich meint der Recensent der „Jenaischen Literaturzeitung“, 1800, Nr. 320, 321, auch Tieck’s Göttin der Poesie sei nicht frei von Geckerei, und er selbst von der mixtura dementiae des Goethe-Götzendienstes angesteckt. Die „Allgemeine deutsche Bibliothek“, LVIII, 352, 1801, nennt die „Genoveva“ Ammenmärchen und Gewäsch. Tieck’s Recensenten in der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“ waren übrigens, wie sich aus einer Vergleichung ihrer Chiffern mit dem Register: „Die Mitarbeiter an F. Nicolai’s Allgemeiner deutscher Bibliothek“, ergibt, literarisch wenig bedeutende Leute, der Hofrath Pockels in Braunschweig, der Rector Schilling in Verden, der Diakonus Fleischmann in Tübingen u. A. Von Nicolai selbst rührt keine dieser Kritiken her. Merkel in seinen „Briefen an ein Frauenzimmer über die wichtigsten Producte der schönen Literatur“, I, 17 fg., macht seiner Galle in folgendem Ergusse Luft: Herr Tieck ist ein Mensch, der sich, wie manches Insekt, durch Stechen bemerkbar zu machen sucht; er travestirt Shakspeare und verzerrt ihn im Hohlspiegel der Armseligkeit; er ist schwachen Geistes; seine poetische Kühnheit ist Wahnsinn und Unverschämtheit; er verfällt in Schülerstreiche; er überbietet allen Menschenverstand; die „Genoveva“ ist ein Pfuschwerk und eine Vogelscheuche; er möge sich entscheiden, ob er für Pöbel oder für Kinder schreibe; seine höhere Naturen, von denen er spreche, seien vielleicht beides zugleich! Doch genug der Gemeinheiten! Kann man sich wundern, wenn Tieck auf solche Gegner mit der tiefsten Verachtung herabblickte? Und konnte er sie besser strafen, als ihren unfreiwilligen Witz zum Gegenstande seines dichterischen zu machen?

[S. 279.] Bernhardi’s „Seebald, oder der edle Nachtwächter, Familiengemälde in einem Acte“, erschien in den „Bambocciaden“, III, 229, im Jahre 1800.

[S. 279.] Nach einer mündlich erhaltenen Ueberlieferung wäre Tieck der Verfasser der Theaterrecensionen im „Archiv der Zeit“; er sollte sie nach dem Schauspiel Bernhardi in die Feder dictirt haben, der sie alsdann der Redaction der Zeitschrift übergeben hätte. Bei der damals engen Verbindung beider und Tieck’s Bereitwilligkeit, seine Arbeiten Andern und besonders Bernhardi zu überlassen, hat diese Ueberlieferung eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich, und gewiß hat er auf diese Kritiken einen wesentlichen Einfluß gehabt. Dennoch sprechen manche Gründe dagegen, daß Tieck der Verfasser derselben gewesen sei. In seinen Erzählungen bezeichnete er, soweit ich mich dessen erinnere, stets nur Bernhardi als Verfasser, mit dem Zusatze, derselbe habe sich durch die Schärfe seines Tons den Haß der Schauspieler zugezogen. Am Eingange der polemischen Schrift von 1800: „Bemerkungen über Parteilichkeit, Dummheit und Bosheit“ („Nachgelassene Schriften“, II, 36), die für das „Archiv der Zeit“ bestimmt war, sagt er: er ergreife statt des bisherigen Verfassers des Theaterartikels die Feder. Ferner erklärte die Redaction des „Archiv der Zeit“, 1798, II, 385, der unter dem Namen Peter Leberecht bekannte Schriftsteller habe an diesen Artikeln keinen Theil. Endlich, da Tieck die Recensionen über die Taschenbücher aus dem „Archiv der Zeit“ in seine kritischen Schriften aufnahm, ist nicht einzusehen, warum er die Theaterkritiken übergangen haben sollte, wenn er sie alle, oder auch nur einen Theil davon abgefaßt hätte.

[S. 282.] Bernhardi’s letztes Wort gegen Iffland, s. „Archiv der Zeit“, 1800, II, 465, im Decemberheft; er hat es nicht unterzeichnet.

[S. 290.] Ueber Friedrich Tieck’s Aufenthalt in Weimar s. auch Goethe’s „Tages- und Jahreshefte“, 1801, „Werke“, XXXI, 118.

[S. 292.] Steffens berichtet über seinen Umgang mit Tieck in Dresden im Jahre 1801 „Was ich erlebte“, IV, 129.

[S. 294.] Die Skizze dieser nicht ausgeführten Dichtung hat Tieck in der Novelle „Die Sommerreise“ aufbewahrt, „Schriften“, XXIII, 3. Ueber seinen Verkehr mit Runge und seine Briefe an diesen s. Ph. O. Runge „Hinterlassene Schriften“.

[S. 315.] Den ersten Gesang von Tieck’s Bearbeitung der Nibelungen nebst einer Charakteristik der zu verschiedenen Zeiten für diesen Zweck angelegten Manuscripte hat von der Hagen gegeben in dem „Neuen Jahrbuch der berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache“, X, 1 fg.

[S. 322.] In den „Reisegedichten“, die viele charakteristische Züge aus seinem italienischen Leben enthalten, erzählt Tieck auch diese Theateranekdote unter dem Titel „Der Wirrwarr“, III, 213.

[S. 325.] Dies ist der große Spaß, zu dem, wie Goethe „Werke“, XXVII, 208 in der „Italienischen Reise“ unter dem 3. Nov. 1786 erzählt, bald nach seiner Ankunft in Rom ein deutscher Künstler Veranlassung gab.

[S. 330.] Oehlenschläger in seinen „Lebenserinnerungen“, II, 26, stellt sein erstes Zusammentreffen mit Tieck etwas anders dar, doch bemerkte dieser im Gespräche darüber ausdrücklich, daß Oehlenschläger’s Gedächtniß hier nicht ganz treu gewesen sei.

[S. 335.] A. W. Schlegel über Tieck’s Bearbeitung der Nibelungen in der „Jenaischen Literaturzeitung“, 1805, „Intelligenzblatt“, Nr. 121.

[S. 339.] Tieck hat über sein persönliches Verhältniß zu H. von Kleist einige allgemeine Andeutungen gegeben in der Einleitung zu den gesammelten Schriften desselben. Vgl. „Kritische Schriften“, II, 26, und einige Nachträge dazu in „H. von Kleist’s Leben und Briefe“, von E. von Bülow, S. 54 fg.

[S. 340.] Auch Lange erzählt von dieser Talentprobe, die er Tieck bei seinem Besuche 1808 gegeben, in der in demselben Jahre erschienenen „Biographie des Joseph Lange, k. k. Hofschauspielers“, S. 249.

[S. 341.] Ueber Iffland’s beabsichtigte Berufung nach Wien und die dortigen künstlerischen und öffentlichen Zustände im Allgemeinen s. Reichardt’s „Vertraute Briefe, geschrieben auf einer Reise nach Wien in den Jahren 1808 und 1809“, I, 178; II, 83.

[S. 343.] Der Geschichte, welche in Goethe’s „Briefwechsel mit einem Kinde“, II, 10, erzählt wird, gedachte auch Tieck, aber mit nicht unwesentlich andern Umständen.

[S. 367.] „Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel“, I, 689.

Zweiter Theil.

Viertes Buch.

[S. 6.] Die Hauptstellen, welche die Meinungswandlungen F. Schlegel’s darlegen, finden sich im „Athenäum“, I, 2, S. 28, 62, in den „Fragmenten“, in der „Rede über die Mythologie“ („Gespräch über die Poesie“), ebend. III, 94 fg.; „Brief über den Roman“, ebend. S. 122; in der „Reise nach Frankreich“ in der „Europa“, Zeitschrift für 1803, I, 33, 40; „Literatur“, ebend. S. 55.

[S. 11.] Wie Tieck schon früher über die neuen Genies urtheilte, sieht man aus seinen wiederholten Bekenntnissen an Solger, in den Jahren 1815, 1818. „Solger’s nachgelassene Schriften und Briefwechsel“, I, 333, 373, 685.

[S. 16.] Von Friedrich Laun ist das Sonett des Ungenannten „Der Streit für das Heilige“, Musenalmanach von Schlegel und Tieck für 1802, S. 257. Worüber zu vergleichen Friedrich Laun’s „Memoiren“, I, 166, und über das Verhältniß Tieck’s zu Friedrich Laun, Tieck’s Brief an Friedrich Laun, „Kritische Schriften“, II, 401.

[S. 25.] Die im Texte gegebene Darstellung des Verhältnisses zwischen Tieck und Grabbe beruht wesentlich auf den mündlichen Mittheilungen des Ersten und einigen Briefen Grabbe’s, die sich in Tieck’s Nachlaß finden. Der erste vom 21. Sept. 1822 begleitete die Zusendung des „Gothland“, der folgende vom 16. Dec. 1822 das Lustspiel „Scherz, Satire, Ironie“; beide sind in Berlin geschrieben. In zwei Briefen aus Leipzig, vom 18. März und 8. Mai 1823, kündigt Grabbe sich als mimisches Talent an, und bittet um Hülfe in höchst bedrängter Lage; der letzte endlich, voll tiefer Hoffnungslosigkeit, ist aus Detmold vom 23. Aug. 1823. Diese Briefe enthalten auch manche Andeutungen über seinen frühern Bildungsgang. Ergänzend kommen zwei andere von Am. Wendt und Klingemann aus dem Jahre 1823 hinzu, in denen sich jener für, dieser gegen Grabbe’s Beruf zum Schauspieler ausspricht. Wenn Grabbe damals behauptete, schon vor seiner Ankunft in Dresden sei ihm durch Tieck Hoffnung auf eine Stelle als Regisseur beim dortigen Theater gemacht worden, so ist auch das eine Einbildung gewesen. Wie hätte Tieck bei seiner damaligen Stellung in Dresden einem ihm persönlich ganz unbekannten jungen Dichter eine solche Aussicht eröffnen können? Diese Angaben mögen hier nachträglich eine Stelle finden mit Rücksicht auf das kürzlich erschienene Buch „Grabbe’s Leben und Charakter, von K. Ziegler“ (Hamburg 1855).

[S. 50.] Die hier dargestellten Ansichten entwickelt Tieck im zweiten Abschnitt des „Aufruhr in den Cevennen“ im Gespräche Edmund’s mit dem alten Pfarrer. Vgl. damit Tieck an Solger in den Briefen von 1817, in „Solger’s nachgelassenen Schriften“, I, 541, 586.

[S. 53.] Tieck’s Ansicht der Novelle s. auch in der Einleitung zum elften Bande der „Schriften“, S. LXXXIV.

[S. 62.] Der Brief „An Herrn L. Tieck“ in der Einleitung zu Lenz’s Schriften, „Kritische Schriften“, II, 298, ist von Rehberg.

[S. 64.] Viele einzelne Züge zu dem aufgestellten Bilde des dresdener Lebens finden sich in den Briefen und Tagebüchern K. Förster’s in „Karl Förster und seine Zeit, herausgegeben von Luise Förster“.

[S. 67.] Ueber Tieck’s Vorlesungen in Dresden berichtet Carus in der Abhandlung „Ludwig Tieck. Zur Geschichte seiner Vorlesungen in Dresden“, in Raumer’s „Historischem Taschenbuch“, 1845.

[S. 71.] Ueber Tieck’s Besuch bei Goethe im Jahre 1828 s. Eckermann, „Gespräche mit Goethe“, II, 23, 28. Goethe’s kurze Anzeige von Tieck’s Novelle „Die Verlobung“ „Werke“, XLV, 295. Auch „Solger’s nachgelassene Schriften“ besprach Goethe ebend. S. 289, und Tieck’s „Dramaturgische Blätter“ ebend. S. 111 nicht ohne eine gewisse Abneigung gegen Tieck’s Theorien über Shakspeare, wie sich auch in dem Aufsatz „Englisches Schauspiel in Paris“ zeigt. „Werke“, XLVI, 151.

[S. 80.] Vgl. „Der Protestantismus und die Romantik“ von Echtermeyer und Ruge in den „Hallischen Jahrbüchern“, 1839, Nr. 245 fg., und über Tieck besonders Nr. 308 fg.

[S. 80.] Eine Art von politischem Glaubensbekenntniß in dem angedeuteten Sinne gibt Tieck in der Novelle „Des Lebens Ueberfluß“.

[S. 85.] Immermann’s Brief an Tieck, der den Bericht über die Darstellung des „Blaubart“ in Düsseldorf gibt, findet sich in den „Theaterbriefen von K. Immermann, herausgegeben von G. zu Putlitz“, S. 90.

[S. 85.] Einige Andeutungen über das Leben der Adelheid Reinbold hat Tieck in der Vorrede zu ihrem Roman „König Sebastian“ gegeben. „Kritische Schriften“, II, 393.

Fünftes Buch.

[S. 118.] Die herausgehobene Stelle aus der Anzeige der Aufführung des „Gestiefelten Kater“ s. „Kritische Schriften“, IV, 378.

[S. 129.] Tieck an Solger den 6. Jan. 1815 in „Solger’s nachgelassene Schriften“, I, 331.

[S. 131.] Brentano’s Zeugniß über Tieck’s mimisches Talent s. in Brentano’s „Frühlingskranz“, S. 451, und das von Steffens „Was ich erlebte“, IV, 129, 132. Siehe auch das Gedicht „Der Ueberlästige“, „Gedichte“, III, 173.

[S. 142.] Die Behauptung, Tieck sei zur katholischen Kirche übergetreten, bedarf für diejenigen, welche mit seinem Bildungsgange, dem Wesen seiner Dichtung und seines Charakters vertraut sind, keiner Widerlegung. Da eine solche Kenntniß indeß nur bei Wenigen vorauszusetzen war, so hat jene Behauptung nicht allein früher allgemein Eingang gefunden, sondern auch heute ist sie gedruckt zu lesen; vor noch nicht langer Zeit hat eine östreichische Zeitung darüber die abgeschmacktesten Märchen aufgetischt. Damit das Leben des romantischen Dichters durch dergleichen romanhafte Traditionen oder Erfindungen nicht vollends ein mythisches werde, mögen folgende Punkte hier hervorgehoben werden: 1) Weder Tieck’s Anerkennung der katholischen Kirche noch sein Charakter war von der Art, daß ein Uebertritt zu derselben für ihn eine nothwendige Consequenz gewesen wäre. Die Beweise dafür liegen in der vorstehenden Lebensgeschichte. 2) Die Dichtung, welche Tieck 1802 entwarf, und deren Skizze er in der Novelle „Die Sommerreise“ mittheilt, ist beweisend für seine Stellung zu beiden Confessionen, selbst in der Zeit, wo er noch mit dem „Octavian“ beschäftigt war. Wer so bestimmt das allgemein Religiöse von der historischen katholischen Kirche unterschied, konnte nicht versucht sein, sich in diese aufnehmen zu lassen. 3) Im Jahre 1803 forderte der zum Katholicismus übergetretene Norweger Möller Tieck brieflich auf, seinem Beispiele zu folgen. Dieser Brief findet sich in Tieck’s Papieren. 4) Die Briefe, welche aus der Zeit seines Aufenthalts in Rom vorhanden sind, enthalten keine Spur eines etwa erfolgten Uebertritts; an einer Stelle findet er es nöthig, dem Gerüchte zu widersprechen, als sei seine Schwester katholisch geworden. 5) Als er im Herbste 1806 aus Italien zurückkehrte, besuchte er in Heidelberg Voß, und sagte in einem Gespräche zu diesem: „Mein Hauptzweck war Forschung der römisch-katholischen Religion; sie schien mir ein fast erstorbener Baum, aus dessen Wurzel jedoch, wenn sie gepflegt würde, ein neuer Baum steigen könnte, mit ursprünglicher Kraft; ich habe geforscht, und faul war die Wurzel bis zu den äußersten Fäserchen.“ So bezeugt Voß selbst, Tieck’s Ankläger, in der Schrift: „Bestätigung der Stolberg’schen Umtriebe“, S. 113. Diese Aeußerung steht in vollem Einklange mit Tieck’s damaliger Entwickelung; sie spricht den Rückzug vom katholischen Enthusiasmus entschieden aus. Voß war viel zu sehr mit der Aufspürung geheimer, im Dunkeln schleichender Umtriebe beschäftigt, als daß er einer so einfachen Versicherung hätte glauben sollen; sie war nach seinem Sinne ein jesuitisches Manöver, obgleich Tieck sie freiwillig, wie Voß bezeugt, gethan hatte. Voß wußte es besser. Ein „berühmter Baumeister“ hatte ihm aus Tieck’s Munde die Aeußerung erzählt: Wer in der Kunst sich heben wolle zum Ideal, müsse katholisch werden; „eine aus Italien kommende Beobachterin“ hatte ihm erzählt, Tieck sei katholisch geworden, und die Kirche und den Prälaten genannt. Daß damals auch Personen, die Tieck näher standen, und seinen Uebertritt zur katholischen Kirche wünschten, davon nichts weiter zu berichten wußten als dasselbe Gerücht, welches man in Heidelberg kannte, ergibt sich aus dem Briefe von Dorothea Schlegel an Karoline Paulus vom 1. Dec. 1805, wo es heißt: „Daß Tieck katholisch geworden sei, haben wir auch durch das Gerücht erfahren, officiell aber noch nichts.“ „H. E. G. Paulus und seine Zeit, von Reichlin-Meldegg“, II, 334. Als Tieck bei einem spätern Aufenthalte in Heidelberg Voß seinen Besuch ankündete, mit dem Zusatze, er werde sich rechtfertigen, verbat sich dieser den Besuch. Voß’ Haß des Romantischen ging in offene Feindseligkeit auch gegen Tieck über. In dem oben erwähnten Buche, das 1820 erschien, nennt er ihn einen „nicht namenlosen Kompan“ der romantischen Schule, „einen redseligen Lobpreiser des Mittelalters“, einen Mann, „der vielleicht noch heute wie Protestant mitgeht“. Aber vielleicht hat Niemand mehr dazu beigetragen, der Meinung, Tieck sei im Geheimen Mitglied der katholischen Kirche, Kraft und Verbreitung zu geben als Voß. 6) Niemals hat Tieck in den mündlichen Mittheilungen, auf denen diese Lebensbeschreibung ruht, die leiseste Andeutung eines Uebertritts gemacht. 7) Er hat auch keine Andeutung der Art gegen den Prediger Sydow gemacht, als er ihn aufforderte, an seinem Grabe zu sprechen. 8) Die katholische Kirche hat ihn als den ihren nicht in Anspruch genommen. Sie würde ihn unfehlbar noch auf dem Todtenbette zurückgefordert haben, wenn er ihr überhaupt jemals angehört hätte, denn sie hat ein gutes Gedächtniß. Somit mag denn die oft wiederholte Behauptung endlich abgethan sein!