Fünftes Kapitel.

Ob Job mit der Kakomonade in einem persönlichen Verhältnisse stand?

Da man dieser Heldinn die Ehre nicht zueignen konnte, mit den Helden der weltlichen Geschichte zu thun gehabt zu haben, so gab man sich Mühe, sie dadurch zu entschädigen, daß man sie unter die Helden der heiligen Geschichte aufnahm. Ein erlauchter Benediktiner verfaßte ihr einen sehr ehrwürdigen Stammbaum. Er schreibt ihr eine sehr nahe Verbindung mit dem berühmten Job zu, und läßt in gerader Linie sie von demselben absteigen.

Ohne Zweifel würde man nicht erwartet haben, diesen Zug seiner Erudizion in einem Kommentar über die Bibel zu finden. Indeß, da der Jünger des heiligen Benedikt so eine Materie in einem ganz zur Erbauung bestimmten Buche ohne Skrupel behandeln konnte; muß man mirs erlauben, in dem meinigen seine Schlüsse auseinander zu setzen. Wenn so ein Gegenstand unter seiner Feder, und an der Stelle, wohin er ihn setzte, kein Skandal verursachet hat, muß man sich nicht befremden, ihn hier zu erblicken, wo er sich viel natürlicher findet.

Der gelehrte Bruder Dom Calmet also, setzte in die Reihe der Ahnen der Kakomonade den tugendhaften Job, der sie seiner Seits von seiner Frau hatte, und die sie ohne Zweifel vom Teufel bekommen haben mochte. Aber wahrhaftig, es wäre wirklich genug für einen so heiligen Mann, daß er eine so böse Frau gehabt hat; wozu die Vermuthung,

daß er über die Verhöhnungen von ihr auch noch ein ander Ding empfieng?

Es ist wahr, er saß auf einem Misthaufen, und fühlte sich seine Säfte nicht recht in Ordnung. Er sagt selbst, sein Fleisch wäre mit Geschwären bedeckt, seine Haut wäre ganz ausgedörret, sein Blut wäre geronnen wie Käse; welches nach Hrn. A. — — — — mit den drei Hauptsimptomen übereinkömmt, von welchen er uns seine Beschreibung gemacht hat.

Wahr ist auch, daß, um den Job zu trösten, drei von seinen Freunden sieben Tage und sieben Nächte lang, ohne nur ein Wort zu sprechen, bei ihm blieben.

Wahr ist ferner, daß nach diesem langen Stillschweigen Eliphaz, einer von ihnen durch Seitenwendungen seinen lieben Freund beschuldigt, er habe sich der Ungerechtigkeit

ergeben, und den Schmerzen gesäet, dessen Frucht er nun ärnte. Er wirft ihm in figürlichen Ausdrücken vor, er habe Häuser von Koth geliebt, derer Grundfesten nichts taugten, und habe da etwas sehr dem Aussatz ähnliches erbeutet.

Unterdessen erweist dies alles noch nicht, daß der Teufel vor vier tausend Jahren nach Amerika reiste, sich da ein Körnchen von der Kakomonade zu holen, um damit einen armen Tropf van Kaldäer zu inokuliren. Man sieht wohl, daß die Krankheit desselben korrosiv, phlogistisch und koagulirend war; aber es ist ja doch nicht ausgemacht, daß diese drei Eigenschaften ausschließlich nur mit einer einzigen Art Mißbehagens verknüpft sind.

Würde wohl der Geschichtschreiber Jobs vergessen haben, vom Gifte zu sprechen, wenn ers damit zu thun gehabt hätte? Würde er nicht den Standpunkt der Krankheit angezeigt

haben? Er berichtet uns, daß der Leidende seine Wunden mit Scherben trocknete. Ich berufe mich auf alle, welche zu unsern Zeiten ihre eigene Erfahrung in derlei Fällen aufgekläret hat, ob sie sich je beygehen ließen, so eine Scharpie zu brauchen.

Ueber dieß scheint es nicht, daß sich Job der Bestrafung, von der die Rede ist, ausgesetzt habe. Seine innigsten Freunde, nachdem sie ihm allerley Unbilden gesagt, und ihren stummen Trost gegeben hatten, gestehen ein, daß er mit unverheuratheten Frauenzimmern wenig zu schaffen hatte: Viduas dimisisti vacuas; woraus erhellet, daß er ein behutsamer Mann war.

Er selbst ruft auf: wo ist die Zeit, da ich meine Füße wusch? wo ich über mein Haupt meine Leuchte setzte? wo die Jugend, wenn sie mich sah, vor Schaam sich verbarg? Wo die Greise vor Verwunderung stehen blieben?

Hat sich da mein Herz um ein Weib betrogen; habe ich getrachtet, mich in eine Thüre zu schleichen, die meinem Freunde gehörte; so möge meine Gattinn die — — — eines andern werden; mögen alle meine Nachbarn — — — — ! — Wahrlich! das ist gar nicht die Sprache eines Ausschweiflings, der verdient hätte, an den Schätzen von Amerika Theil zu haben.

Was den Kommentator hintergangen haben kann, mag dieses seyn, daß dieses Muster der Geduld bekennt, daß die Fäulniß sein Vater, und die Würmer seine Mutter, und seine Schwester seyn. Der gelehrte Benediktiner glaubte vermuthlich, die Kakomonade konnte in so einer Familie wohl an ihrem Platze stehn. Allein das ist nur eine Wahrscheinlichkeit; und sie ist nicht wichtig genug, uns zu bestimmen, daß wir denken sollten, Job habe sich jemal in dem Falle befunden, der Flüßigkeiten des Barometers zu bedürfen.