Anmerkungen.

Die Römerin.

[1] Vielleicht ist das Wort roma, ruma ursprünglich etruskisch und hernach latinisiert worden; man hat es neuerdings als „Brust“ gedeutet; alsdann war Roma aber vielleicht ursprünglich die Benennung für einen Mann gewesen, also wirklich als Maskulinum gedacht und nur der Form nach weiblich, sowie auch die Feminina Ahala, Sura, Pansa, Bucca Körperteile bezeichnen und zugleich römische Männernamen sind, und Romulus war, dies vorausgesetzt, von dem männlichen Roma nur die Verkleinerung. Vgl. G. Herbig in der Berliner philol. Wochenschrift 1916, S. 1477.

[2] D. h. der genius urbis war eben der genius populi, und populus ist maskulin. Die Aufschrift, die sich auf dem Kapitol befand: genio urbis Romae sive mas sive femina (Servius zu Aen. 2, 351) kann nicht alt gewesen sein, da die ursprünglichere Bezeichnung genius populi Romani gewesen sein muß. Denn genius bedeutete eigentlich den männlichen Zeugungstrieb (vgl. meinen Artikel „Genius“ in Roschers Mythologischem Lexikon). Jene Inschrift verrät das Befremden, das Spätere dem genius eines weiblichen Wesens gegenüber empfanden.

[3] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 728, 8.

[4] Über die „Hut der Mutter“, matris tutela, matris custodia, vgl. Rheinisches Museum 70, S. 269. So sehen wir den jungen Properz unter der custodia matris stehen, aber auch den jungen Dichter Persius. Horaz hat dagegen seine Mutter früh verloren; denn er erwähnt nur den Einfluß des Vaters auf seine Kindheit. Vielleicht mag sich aus diesem Umstand des Horaz eigentümliche Stellung zu den Frauen erklären; denn er huldigt, anders als Properz, keiner Frau der vornehmen Gesellschaft, er hat ihren Umgang augenscheinlich nicht gesucht. Nur an Männer sind seine Briefe gerichtet. Die edle Frauenverehrung aber pflegt mit der Verehrung der Mutter anzuheben.

[5] Die virtus gehört den viri, die pudicitia den matronae: Livius 10, 23.

[6] Properz 2, 6, 25 und Plinius nat. hist. 17, 244.

[7] Domitius warf dem Crassus vor: „Hast du nicht geweint, als dir die Muräne starb, die du im Fischbehälter aufzogst?“ Crassus antwortete: „Hast du nicht etwa nicht geweint, als du dich von deiner Frau trenntest?“

[8] Das griechische Ideal der Ehe gibt uns Plutarch, Praecepta coniug. 9: Der Mond strahlt nur dann, wenn er der Sonne nicht zu nahe steht. Umgekehrt die Frau: sie strahlt am schönsten, wenn sie zusammen mit ihrem Manne erscheint; ist er nicht da, so gleicht sie dem Neumond! Diese Lehre gipfelt in dem Satz: die Frau soll der Spiegel ihres Mannes sein.

[9] Erst im 2. Jahrhundert n. Chr. tauchen Römerinnen, die in eine Hündin verliebt sind, auf, bei Juvenal VI, 654 und Lucian de merc. conductis 34 (letztere Stelle wurde mir von Dr. Hasenclever, Würzburg, nachgewiesen), früher findet sich nichts dergleichen. Es war dies also eine Mode der Spätzeit. Wohl treffen wir dagegen Männer, auch junge Männer an als zärtliche Liebhaber ihrer Hunde; ich erinnere an das Hündchen Issa bei Martial (s. S. 223). Das reizende Grabgedicht auf die Hündin Myia (Carmina epigraphica 1512) stammt freilich von einer Frau, aber aus Gallien, nicht aus Rom. Aus Rom stammt die marmorne Grabschrift auf die Jagdhündin Margerita (ebenda 1175), von der dort ausgesagt wird, daß sie oft im Schoß ihres Herrn oder ihrer Herrin von der Jagd ausruhte. Hier ist die Herrin also einmal mit erwähnt. Die Katze fehlte in den Häusern; sie wurde vom mäusefangenden Wiesel (mustela) vertreten; aber auch zum Wiesel sehen wir die Römerinnen nie in einem näheren Verhältnis.

[10] Seneca de benef. 1, 9. Die Frau, die außer ihrem Ehemann nur einen Liebhaber hat, steht noch gut da; man sagt von ihr, daß sie in Doppelehe lebt, und dies eine adulterium wird als ein zweites matrimonium gerechnet; s. Martial VI, 10 und „Römische Charakterköpfe“ 3. Aufl., S. 235.

[11] Gellius 1, 23.

[12] mulierum conventus, senatus matronalis, Script. hist. Augustae Heliogab. 4, 3.

[13] Cicero nennt die Clodia geradezu meretrix.

[14] Helvius Cinna hatte schon unter des großen Julius Caesar Begünstigung geradezu die Einführung der Polygamie vorgeschlagen (Sueton, Caes. 52); die Kaiserin Messalina führte dies durch; weiter nichts.

[15] Ovid ars 3, 189.

[16] Horaz sat. 1, 10, 91.

[17] s. Rheinisches Museum 70, S. 270.

[18] Vgl. W. Schrötter, Ovid und die Troubadours.

[19] Seneca epist. 95, 21.

[20] Zur Frauensatire Juvenals vgl. Rhein. Museum 70, S. 527 ff.

[21] Domum servavit, lanam fecit (Carmina epigraph. 52) ist typisch. Charakteristische Monumente sind die Grabschrift auf Turia (Dessau n. 8393) und das neuerdings gefundene der Potestas (Kroll im Philologus 73, S. 274 f.); sie geben eine ausführliche Schilderung. Ich nehme hier die Gelegenheit wahr, eine schwierige Stelle in dem Lobgedicht auf Potestas (das um das Jahr 300 n. Chr. entstanden ist) zu erklären. Die Körperschönheit, Brust und Beinwerk der Frau, werden da sehr drastisch gelobt; dann heißt es im v. 22, daß die Frau eine glatte Haut hatte, ja, daß sie sich alle Haare zu entfernen pflegte:

anxia non mansit, sed corpore pulchra benigno

levia membra tulit; pilus illi quaesitus ubique.

Hier hat das anxia die sonderbarsten und künstlichsten Erklärungen hervorgerufen; der Zusammenhang der Sätze zeigt aber unzweifelhaft, daß dies Wort „behaart“ bedeuten muß. Es kann nichts anderes sein als ein Vulgarismus des Spätlateins und ein barbarisch entstelltes griechisches Lehnwort; nämlich ἄξοος, das von ξέω gebildet worden ist (nach der Analogie von ἄπνοος, εὔρροος) im Sinne von ἄξεστος, „der ungeschorene“ (vgl. Callimachus Frgm. 105), und hier ebenso auf die Rauheit der Haare Bezug hat, wie das ξεστός bei Oppian von den Haaren des Elephanten steht. Sie ist non anxia, heißt also soviel wie: sie ist toto corpore expolita, wie wir in der Vita des Heliogabal 5,5 lesen. Der Vulgarismus aber zeigt sich in dem Wort anxia statt axoa dreifältig, im Eintreten des i, im Eindringen des Nasals, in der Bildung einer Femininform vom komponierten griechischen Adjektiv. Das ἄξοος wurde offenbar mit dem geläufigen Adjektiv ἄξιος zusammengeworfen. Dann ist das Wort weiter an das echt lateinische Wort anxius völlig angeglichen, und eben der Anklang an dies geläufige lateinische Wort hat die Nasalierung begünstigt. Das Eindringen des unechten Nasals aber ist dasselbe wie in thensaurus, coniunx, und die Gegenbildungen dazu sind Schreibungen wie Quictilis, provicia u. a., die man auf Inschriften findet. Insbesondere ist bronchus als Nebenform von brocchus, brochus zu vergleichen; auch καχάζω, καγχάζω, Pimplêus und Piplêus (Catull 105, 1). Nicht glücklich ist die Stelle von Mesk in der Berliner Phil. Wochenschrift 1915, S. 62 behandelt worden.

[22] Auch an der Priscilla weiß Statius (Silven V 1, 57) im Grunde nur dies zu rühmen und daß sie Tag und Nacht für das Wohl des Gatten zu den Göttern gebetet hat (v. 72).

[23] Arrias Wort an den Gatten: „o Pätus, der Tod schmerzt nicht.“

Antike Gastmähler.

[24] Schiller sagte doch bekanntlich nur: „Satt zu essen muß der Mensch haben, wenn sich die bessere Natur in ihm regen soll.“ Vgl. Säkularausgabe Bd. XIII, S. XXXII.

[25] Über Tafelfreuden, Kochbücher u. a. des 16.-18. Jahrhunderts findet man einen hübschen Aufsatz in Reclams Universum, Jahrgang 34, Heft 12 (1917).

[26] S. Das antike Buchwesen, S. 434.

[27] Etwa: „Singe mir, Muse, Diners mit vielerlei Gängen und viele!“ Aber der Anklang an den homerischen Vers ist damit nur teilweise wiedergegeben.

[28] Ich sehe von solchen Tabernen ab, die üblen Zwecken dienten.

[29] Außer in gewissen leichtlebigen Geselligkeiten, von denen hier nicht die Rede ist.

[30] Vom Kaiser Elagabal hören wir, daß er für jeden Gang ein neues Tischtuch (mantele) auflegen ließ, und zwar waren auf dem Tuch die Speisen abgebildet (picta), die es gab (Script. historiae Augustae c. 27).

[31] In dem Gedicht Anthol. Pal. 10, 43 heißt es: „Sechs Stunden am Tag sind für die Arbeit, die siebente bis zur zehnten sind für das Sichausleben“; in feiner Witzform wird das vorgetragen. Die griechischen Buchstaben für die Zahlen 7, 8, 9, 10 sind nämlich ΖΗΘΙ, und ζῆθι bedeutet: „genieße das Leben.“

[32] Wir erfahren, daß diese Vorhänge wirklich Gegenstände der Betrachtung waren; s. Valerius Maximus 9, 1, 5.

[33] Martial 12, 87 und sonst.

[34] Die Gäste küssen den Tisch, um Gespenster oder ein böses Omen abzuwehren; Petron, c. 64.

[35] Deshalb war ein Fisch teurer als ein Rind; Plutarch, Sympos. 663 B.

[36] Unser Wort „Suppe“, italienisch zuppa, heißt eigentlich das Eintauchen von Brot in eine Flüssigkeit; vgl. R. Kleinpaul in der Kölnischen Zeitung 1911, Nr. 453, drittes Blatt: „Das Alter der Suppe.“

[37] Friedländer erklärt die Stelle des Petron, c. 65: gallinae altiles circumlatae sunt et ova anserina pilleata quae ut comessemus, ambitiosissime (a) nobis Trimalchio petiit dicens exossatas esse gallinas nicht richtig; quae weist nicht nur auf ova, sondern zugleich auf gallinae zurück: „Trimalchio drängte uns, daß wir von beiden essen sollten, indem er anmerkte, die Masthühner seien übrigens ohne Knochen.“

[38] Vgl. Martial 13, 92.

[39] Plinius, Nat. hist. 28, 260; Martial 5, 29; Lampridius Alex. c. 38.

[40] Es lag allerdings für die Volksetymologie nahe, lepus und lepos in ähnliche Beziehung zu setzen wie decus und decor, (h)onus und honos.

[41] Vgl. Martial 3, 82, 8.

[42] Seneca ad Helviam 10.

[43] Vgl. Martial 5, 79.

[44] Vgl. Martial 9, 35.

[45] Vgl. Martial 5, 78, 26.

[46] Vgl. Martial 3, 50.

[47] Diese Umrechnungen sind nicht genau zu nehmen, da der Wert des Geldes starken Schwankungen unterworfen war. Bei Derus werden 6 Millionen, bei Nero 4 Millionen Sesterz angegeben.

[48] Varro, De re rust. 3, 7.

[49] Man vergleiche dazu Sergius Orata; orata ist der Goldfisch.

[50] Hierfür wie für manches andere sei auf Victor Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere (6. Auflage, S. 433 ff.) verwiesen.

[51] Dies führt Martial 7, 27 aus.

[52] Plutarch, De esu carnium, p. 997 A.

[53] Friedländer, Petron S. 282. Auf einem Relief von St. Germain sieht man eine Tischrunde, ein Sigma dargestellt; in der Mitte steht ein ganzer Eberkopf serviert: s. Robert, Sarkophagreliefs Bd. III, Tfl. 88, N. 272.

[54] Wohl aber war das Trinkgeschirr oft aus Glas und die Glasfabrikation hoch entwickelt.

[55] Ein Feldherr, der im Jahr 58 n. Chr. in Germanien Krieg führte, hatte 12000 Pfund Silbergeschirr in seinem Hauptquartier (Plinius nat. hist. 33, 143).

[56] Digitis ustis, Martial 5, 78, 6.

[57] In der Casa del Centauro zu Pompeji wurden dreizehn silberne Löffel ausgegraben, sechs kleinere und sieben größere. Eine Abbildung der kleineren findet man bei Overbeck-Mau, Pompeji, 4. Auflage, S. 444.

[58] Petron c. 66.

[59] Martial 7, 22, 17.

[60] Vgl. W. Helbig, Führer durch die Sammlungen der klassischen Altertümer in Rom, Nr. 715.

[61] Die Gelage enden der Regel nach nie spät; nur der Berufssäufer trinkt bis zum Morgen; es schien schon ungeheuerlich, daß Nero epulas bis noctem protrahebat (Suet. Nero 27).

[62] Hierüber meine Kulturgeschichte, 3. Aufl., S. 49 f.

Auf der römischen Heerstraße.

[63] Für die nachfolgende Studie kam mir das Buch von Wolfgang Riepl zur Hilfe: „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“ (Leipzig 1913); es ist von mir besprochen in der Historischen Zeitschrift, Bd. 113, S. 571 ff.

[64] Vgl. Herodot V, 105.

[65] Philostrat II, S. 378, 12 ed. Kayser.

[66] Über Iris vgl. Neue Jahrbücher XIX (1907), S. 707 f.

[67] Plinius handelt in seiner Naturgeschichte VII, 84 über namhafte Schnelläufer und ihre Leistungen; aber er weiß da als Beispiele nur Griechen zu nennen, und indem er schließlich auch nach einem römischen Namen sucht, findet er keinen einzigen außer Tiberius, der Tag und Nacht zu seinem erkrankten Bruder Drusus nach Germanien eilte, aber im Wagen! Das ist bezeichnend.

[68] Livius 26, 35.

[69] Livius 34, 1, 5 und 2, 12.

[70] Juvenal 11, 2.

[71] Varro de lingua lat. 6, 27.

[72] Sueton, Vespasian c. 8.

[73] Von den viae vicinales sind die Kommunalstraßen, viae communes, und von diesen wieder die viae publicae verschieden; an den Vicinalwegen steht angeschrieben, wer den Weg in Ordnung zu halten hat; s. Agrimensoren ed. Thulin I, S. 110.

[74] Livius 22, 7.

[75] Livius 21, 9.

[76] Livius 21, 20.

[77] Cicero pro Balbo 34; Lucrez 3, 1032.

[78] d. h. 20 Millien; Vegetius de re mil. 1, 9.

[79] Riepl, S. 129. Ich entnehme dem Buch Riepls einige weitere Angaben. Caesar soll einmal am Tag 75 km zurückgelegt haben (S. 132); der mazedonische König Philipp III. gar 90 km (S. 134). Mit welcher Vorsicht solche Angaben aufzunehmen sind, habe ich im Rhein. Museum Bd. 70, S. 253 f. gezeigt: Hannibal sollte nach der Schlacht bei Cannä in fünf Tagen mit seiner Reiterei in Rom sein und Rom einnehmen können; Riepl bemüht sich ernstlich, dafür die tägliche Kilometerzahl auszurechnen. Ich habe aber nachgewiesen, daß die Fünfzahl im Altertum nur eine ungefähre Summe ist, die nichts weiter als „in kurzer Zeit“ bedeutet. Die Beispiele, die ich für diesen Sprachgebrauch dort beibrachte, könnte ich jetzt noch vermehren, und so wird es dann auch wohl mit der Angabe nicht besser stehen, daß Ämilius Paulus in 5 Tagen von Delphi zu seinem Heer nach Mazedonien eilte (Riepl, S. 151). Zur Vergleichung seien noch einige Marschleistungen der neueren Zeit hierhergesetzt, deren Kenntnis ich der Güte des Generalleutnants August Beß, Exzellenz, verdanke. Man rechnet heute als höchste Marschleistung in 24 Stunden für Kavallerie und reitende Artillerie 80 km, für Kavalleriepatrouillen 120 km, für Infanterie 50 km. Die Leistungen werden aber oft beeinträchtigt durch den Einfluß der Jahreszeit und Witterung, der Wege und der Größe des Truppenverbandes selbst. Friedrich der Große und Prinz Heinrich haben nicht selten 30 bis 40 km an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen von ihren Truppen verlangt, obwohl sie damals noch in steter Schlachtbereitschaft marschierten. Einzelleistungen: auf der Verfolgung nach Jena im Jahre 1806 hat die Avantgarde des Korps Lannes auf tiefsandigen Wegen 100 km in 50 Stunden zurückgelegt, also 48 km in 24 Stunden. Unter Diebitsch wurde 1831 von Wysoko nach Pyski an einem Tag 7 Meilen, 50 km marschiert. 1864 zog das dritte preußische Korps von Christiansfeld bis Warnitz-Apenrade in 12 Stunden 6½ Meilen (bis 45 km); 1870 am 16. und 17. Dezember das neunte Korps bei starkem Regen und sehr schlechtem Wetter von Blois nach Orleans, etwa 70 km in 33 bis 36 Stunden (einschließlich Nachtruhe).

[80] Riepl, S. 149.

[81] Philostrat II, p. 43, 27 ed. Kayser.

[82] Noch Claudian schrieb ein Gedicht De mulabus Gallicis.

[83] Gellius 15, 4.

[84] Anders als im letzten Weltkriege. Ich möchte die Worte hierher setzen, die Exzellenz Gröner Anfang März 1917 in Düsseldorf im Verein der Eisenhüttenleute gesprochen hat: „Heute müssen die Heere auf Räder von Eisen gestellt werden, und so rollen sie dem Feinde entgegen, von einem Kriegsschauplatz zum anderen, und die Eisenindustrie liefert dem Heere nicht nur die Beine, sondern vor allem auch die stahlgepanzerte Faust.“

[85] Die Sache scheint befremdlich (vgl. H. Delbrück, Preußische Jahrbücher Bd. 167, S. 211 Anmerkung); für Trajan aber haben wir das Zeugnis der Trajanssäule und Plinius Panegyr. 14; für Alexander Severus die Vita 48, 4; für Caesar Sueton Caes. 57; für Marius Plutarch Mar. 13. Weniger beweisend ist das περιϊών bei Plutarch im Leben des Antonius c. 47 und Lukull als πεζός Plut. Lukull 28. Dagegen sehen wir den Agricola zu Pferde (Tacitus Agr. 35), ebenso Sulla (Plut. Sulla 21), ebenso Maximin (Script. historiae Aug. Maximin 12); vgl. auch Livius 22, 3, 11 u. 49, 3. Genauer schreibt Claudian De IV. consul. Honorii 349 dem Imperator vor: nunc eques in medias equitum te consere turmas, nunc pedes assistas pediti; d. h. schließt der Oberfeldherr sich der Infanterie an, so soll er zu Fuß gehen, mit der Kavallerie reiten.

[86] Expedire heißt eigentlich den Fuß befreien, wie impedire den Fuß hemmen, compedire die Füße mit Fesseln zusammen schließen. Jenes bestand darin, daß man das schleppende Kleid hoch gürtete; der Kriegsmann geht cinctus, d. h. er gürtet das Kleid. Wichtig zum Verständnis ist, daß der alte Plautus Amph. 308 schreibt: cingitur: expedit se: „er gürtet sich, er will freien Fußes losfahren.“ Das wird hernach im übertragenen Sinn gebraucht, und Livius schreibt 38, 21: expedire se ad pugnam, d. i.: „alles Gepäck beiseite werfen, um kämpfen zu können.“ Deshalb heißt „Expedition“ in der alten Heeressprache dasjenige militärische Unternehmen, bei dem ein Wagentroß nicht mitgeführt wird; so wiederum bei Livius: cum promptissimis iuvenum praedatum atque in expeditiones ire. Wer promptus ist, ist expeditus. Vgl. auch Hirtius, Bellum Gallicum VIII, 34, wo es die expediti sind, die nächtliche „Expeditionen“ unternehmen.

[87] Seneca, Epistel 87 und 123, 7. Gute Abbildungen bespannter Wagen sind selten; um so wertvoller das neugefundene griechische Marmorrelief aus älterer Zeit: Archäol. Jahrbuch 1918, Anzeiger S. 15, Abb. 13.

[88] Statius Silven 3, 5, 75.

[89] Seneca Ep. 77.

[90] Juvenal 14, 265 ff.

[91] Tacitus Ann. 2, 53 und 61.

[92] Horaz, Ep. 1, 11, 11.

[93] iter solum per avia nemorosa, Mosella Vers 5.

[94] Auf „Gehen“ weisen alle Wörter, die da Ausonius braucht: transieram V. 1, ingrediens V. 5, per avia V. 5, praetereo V. 7. Ich verstehe nicht, wie Hosius S. 26 seiner Ausgabe ansetzen kann, Ausonius sei dort auf der Römerstraße mit der Reichspost gereist.

[95] ὁδοιπόρος ist der Reisende nur, sofern er zu Fuß geht (vgl. z. B. Plutarch Antonius c. 62). Nach der Überlieferung lautet der Titel des Gedichtbuches des Persius freilich nur „opericon librum unum“ (Sueton p. 75 R.). Äußerlich näher läge es, dies in „ὀπωρικῶν librum unum“ zu verbessern. Dies wären Lieder zur Obsternte. Indes ist ὀπωρικός ein Wort, das sich kaum belegen läßt, und ich halte deshalb an dem im Text Gegebenen fest. Vgl. übrigens hodoeporium genus (?) cantilenae; G. Esau, Glossae ad rem librariam pertinentes, Marburg 1914, S. 109.

[96] viam vorare, Catull 35, 7. Man hat hierfür an den modernen „Kilometerfresser“ erinnert.

[97] Rhein. Museum Bd. 69, S. 390.

[98] Apostelgeschichte 20, 13: πεζεύειν.

[99] Digesten II, 11, 1; Riepl, S. 145.

[100] Apostelgesch. 28, 11, vgl. übrigens E. Aßmann in Baumeisters Denkmälern, S. 1623.

[101] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 474; meine Katalekton-Ausgabe, S. 123.

[102] G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, 2. Aufl. S. 277.

[103] Vgl. Cicero pro Roscio Amerino 18.

[104] Horaz, Ep. I, 11, 11.

[105] Cicero pro Cluentio 163: Ambivius homo multorum hospes, copo de via Latina.

[106] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 472. Ein As sind etwa 4 Pfennige.

[107] Das Bett ist offenbar bei dem Posten „Mädchen“ mit eingerechnet.

[108] naves tabellariae, naves cursoriae.

[109] Ein anderer herrlicher Schiffstyp waren die myoparones der kleinasiatischen Piraten, deren sich z. B. Mithridates bediente, um an Sertorius in Spanien rasche Nachricht zu bringen: vgl. Cicero Verrinen 1, 86 f.

[110] Sueton, Octavian 49.

[111] Riepl, S. 221.

[112] Riepl, S. 263.

[113] S. 181.

[114] Tacitus Historien 2, 54.

[115] Plutarch Galba 7.

[116] Vgl. das ambulare per Britannos, Vita Kap. 16. Einmal hören wir, daß Hadrians Wagen zerbricht; er reist dann zu Fuß und überholt den gleichzeitig laufenden Militärboten: Vita 2, 6.

[117] Vita Kap. 23.

[118] Ein gewisser Oppius hatte das damals zeitweilig in Händen.

[119] Riepl, S. 142.

[120] Den regen Betrieb veranschaulicht uns auch Cicero ad Atticum 2, 12: Cicero reist eben über Land und hat auf der uns bekannten Station Tres Tabernae schon frühmorgens einen Brief an Atticus abgehen lassen. Als er nach Forum Appi kommt, ist es immer noch Vormittag; da schreibt er abermals an ihn und erzählt nun: „eben war ich in Tres Tabernae angelangt, da läuft Curio (ein guter Bekannter), der aus Rom kommt, mir entgegen, und gleich kommt da auch dein Diener mit den Briefen von dir an. Erst höre ich den Curio erzählen; politische Neuigkeiten: „weißt du’s noch nicht? Publius will Tribun werden.“ „Und was macht Caesar?“ und so fort. Ich umarme ihn, entlasse ihn und reiße sofort deine Briefe auf; sie melden dasselbe.“ Diesen Brief kann Cicero nun aber nicht gleich an Atticus abgehen lassen; ein Bote fehlt, und er wird erst am folgenden Tag abgeschickt (Riepl, S. 259).

[121] Riepl, S. 280 f.

[122] Riepl, S. 309.

[123] Cassius Dio 63, 114.

[124] Cicero ad fam. VIII, 1.

[125] Die acta diurna hießen auch acta urbana, weil nämlich nur Dinge der Hauptstadt darin standen, sie hießen auch acta publica, sofern sie unter Aufsicht des Staates redigiert wurden.

[126] In des Tacitus Zeit wurden die Senatsakten freilich nicht mehr vollständig, sondern nur in Auswahl publiziert, aber ihm, als Senator, standen die vollständigen Verhandlungsberichte ohne Frage zur Verfügung.

[127] Auffällig ist auch, daß diese Akta nie mit Buchzählung zitiert werden, welche doch, falls eine Unzahl von Buchrollen, die die Jahrgänge enthielten, sich ansammelte, unerläßlich war. Daß wir sie nie als Jahrgänge, d. h. nach dem Jahr ihres Erscheinens zitiert finden, erklärt sich schon daraus, daß das Altertum eine Jahreszählung überhaupt nicht hatte.

[128] Philostrat, Apollonius von Tyana VII, 16.

[129] Vegetius de re militari V, 9.

[130] Cicero ad Att. XI, 16, 4.

[131] Cicero ad fam. X, 31 u. 33.

[132] Bei Plutarch (Caesar 37) wird es dem Caesar zum Vorwurf gemacht, daß er beim Wintersturm über das Meer setzt, was selbst ein Gott nicht könne; vgl. auch Plut. Antonius 7; Lucan V, 504 ff.

[133] Im Winter bringen auch dem Vespasian, der in Alexandrien ist, seine Verehrer aus Rom persönlich die Nachricht, daß Vitellius tot ist: Tacitus hist. III, 48: dies ist ein Merkmal dafür, wie wichtig es damals war, sich des neuen Kaisers Gunst sofort zu sichern.

[134] Bei Cassius Dio 51, 45 wird noch ein ähnlicher Fall erzählt, wo Antonius im Winter über das, was Oktavian treibt, völlig ohne Nachricht bleibt. Übrigens stand es um das Jahr 400 n. Chr. ähnlich zwischen den getrennten Reichen des Arkadius und Honorius; von Constantinopel kommen nur verspätete und unzuverlässige Nachrichten nach Rom. Vgl. den Historiker Eunapius fr. 74 (meine Claudian-Ausgabe S. XXXIV, Anmerkung).

[135] Unter „London“ 28. April berichteten unsere deutschen Zeitungen folgende Mitteilungen. Daily Telegraph meldet: Die Nachricht von dem Aufruhr in Dublin wurde gestern früh hier durch Reisende aus Irland herübergebracht. Sie sprach sich vormittags in der Stadt herum. Daily Chronicle: Die Mitteilungen des Staatssekretärs für Irland im Parlament waren für das Haus eine vollständige Überraschung. Basel, 28. April: Der Überfahrtsverkehr von England nach Irland ist eingestellt. London, 27. April: Im Unterhaus sagte Birrell, er wisse nicht, ob die Postverbindung mit Irland funktioniere; zwei Dampferlinien seien unterbrochen. London, 28. April: Im englischen Oberhaus fällt die Äußerung, die Aufständischen haben das Kabel durchschnitten. Dann wird noch gemeldet, daß sie in Dublin das Hauptpostamt und zwei Bahnhöfe besetzten und alle Drähte durchschnitten.

[136] Juvenal 7, 97.

Die Laus im Altertum.

[137] Der Verfasser ist Dr. Ernst Schultze.

[138] In den umfassenden Werken über griechische und römische Altertümer und Sittengeschichte der Alten, die wir besitzen, von C. F. Hermann und seinen Fortsetzern, von Marquardt-Mau, von Blümner und Friedländer habe ich mich umsonst nach Auskunft über diesen Gegenstand umgesehen. Diese Werke notieren leider immer nur das, was die Alten besaßen, nicht, was ihnen fehlte; und oftmals ist das letztere noch charakteristischer für die Kultur als das erstere. Gleichwohl hoffe ich, daß mir in der nachfolgenden Zusammenstellung an Nachweisen über die Laus nichts Wesentliches entgangen ist.

[139] Diese vielen phth in der Transkription griechischer Wörter, wie phtheir, Phthiriasis, Naphtha, Diphthong, Diphtheritis, Ophthalmologie u. a., sind überaus lästig für jeden Leser; seit der Renaissancezeit sind diese Schreibungen leider eingebürgert und schwerlich zu beseitigen. Die richtige lateinische Umschrift ist vielmehr ptheir, Naptha, Dipthong usf.

[140] Plutos 537.

[141] φθειροκομίδης bei Hesych.

[142] Beim Komiker Aristophon fr. 12 und 13 (Kock). Chr. Jensen machte mich auf diese Stelle aufmerksam. Wenn es dort im fr. 13 heißt: φθεῖρας δὲ καὶ τρίβωνα τήν τ’ ἀλουσίαν οὐδεὶς ἄν ὑπομείνειε τῶν νεωτέρων, so ist es verfehlt, an dem τῶν νεωτέρων zu rühren. Das ergibt sich schon aus dem, was ich dargelegt. Für die jüngere Generation waren solche Leute damals unerträglich geworden. Auch darf das fr. 12 mit fr. 13 nicht zu einer Texteinheit zusammengefaßt werden.

[143] Wolken 145.

[144] Thesmoph. 1180.

[145] Wespen 372.

[146] Frösche 115.

[147] Thesmoph. 218 ff.

[148] Friede 740.

[149] Vgl. z. B. Arist. Ritter 1060.

[150] Ritter 51.

[151] Ich erinnere an Kaiser Julian, der in seiner humoristischen Schrift „Misopogon“ wirklich von den Läusen in seinem Barte redet.

[152] Arist. Ekklesiaz. 63.

[153] Der Komiker Eubulos, fr. 32 K. Man vergleiche dazu Celsus VI, 6, 15 von der Läusekrankheit (worüber unten): wer an ihr leidet, dem muß der Kopf bis auf die Haut geschoren werden (caput ad cutem tondendum).

[154] Athenaeus p. 586 A.

[155] Plato im Sophisten, p. 227 B.

[156] Diog. Laert. VI, 39–47.

[157] Im „Culex“.

[158] Vgl. dazu auch die σαπρά bei Aristophanes Thesmoph. 1025.

[159] Martial I, 37.

[160] Auch in dem üblen Martialgedicht XII, 59 steht nichts von ihr. Erst barbarische „Textverbesserer“ der Neuzeit haben in dies Gedicht die Läuse gebracht. Vgl. Rheinisches Museum 71, S. 274.

[161] Sueton Domit. 3.

[162] Catull c. 23; danach Martial XI, 32.

[163] Novius 107.

[164] Festus, pag. 210: pedibus obsitum.

[165] Titinius 177.

[166] Plautus Curc. 500.

[167] Lucilius v. 882 ed. Marx; Marx hat die Stelle nicht richtig verstanden.

[168] Vidularia, fr. XIX: ubi quamque pedem viderat, subfurabatur omnis: „wo immer er eine Laus sah, pflegte er sie gleich alle zu entfernen.“

[169] Appian, Bell. civil. I, 101.

[170] Hinzugefügt sei endlich noch Plutarch, Quomodo adulator eqs. pg. 49 C, der sagt: wie die Läuse den toten Menschen, so verlassen die Schmarotzer den reichen Mann, der verarmt. Vielleicht aber hat auch noch das Rätsel in der Anthologia Palatina XIV, 19 auf die Laus Bezug; s. Ohlert, Rätsel und Gesellschaftsspiele (1886), S. 143.

[171] Auch Pheretime, die Königin, stirbt so; vgl. Herodot IV, 205.

[172] Pausanias X, 10, 6 ff.

[173] Herodot II, 37.

[174] Von den Adyrmachiden: Herodot IV, 168.

[175] Strabo IX, p. 492, 497 u. 499; auch bei Ptolemäus. In des Plinius Zeit hieß dies Volk Salae oder Saltiae; vgl. Plinius, nat. hist. VI, 14.

[176] Das Waschen oder Baden bei den alten Germanen hebt schon Tacitus Germ. 22 hervor; vgl. Plutarch Mar. 19.

Der Mensch mit dem Buch.

[177] Die Homerfrage ist von mir genauer erörtert in meinem Buch „Kritik und Hermeneutik nebst Abriß des antiken Buchwesens“, München 1913, S. 89 f. und 247 f.

[178] Man hat den Umstand, daß Homer kein Buch erwähnt, gedankenlos genug, damit wegzudeuten versucht, daß Homer archaisiere und es deshalb, weil es den alten Helden nicht anstehe, unterdrückt habe. Warum erwähnt Homer denn doch die Schreibtafel? Es ist, wie auf der Hand liegt, zweierlei zu unterscheiden. Gewisse Dinge, wie vor allem die von Aristophanes so begünstigten turpia naturalia, verschweigt Homer, weil sie dem Heldenstil nicht anstehen, andere Dinge deshalb, weil er sie noch nicht kennt. Er redet noch nicht von Münzen, von Götterbildern, noch nicht von der Jahreszeit des Herbstes und so manchem anderen, was erst die spätere Kultur und Gedankenentwicklung brachte. Auch Hühner kennt Homer noch nicht, die erst später aus Asien zu den Griechen kamen. Mit Überzeugung stellen wir hierzu auch das Buch, das, sobald es aufkam, ein Stolz des Griechen war; denn, wie die Bildwerke uns zeigen, traten die Dichter und Sänger stets mit der Buchrolle in der Hand vor ihr Publikum. Es war nicht nur Hilfsmittel, es war Abzeichen ihres Berufs. — Die Schrift auf der Schreibtafel des Bellerophon war übrigens gewiß nicht die phönizisch-griechische, sondern die ältere Zeichenschrift, also die „ägäische“, worüber Evans, Cretan pictographs, London 1895. Vgl. Petersdorff, Germanen und Griechen (1902), S. 49 f.

[179] Eine andere Überlieferung besagt, daß Homer blind geboren war und daß ὅμηροι bei den Doriern die Blinden hießen; vgl. die Scholien zu Lucian, ed. Jacobitz IV, S. 191.

[180] Vgl. hierüber Gregorovius, Wanderjahre in Italien Bd. 3, (1881), S. 299. Auch in Bosnien treten übrigens Blinde noch heut als Volkssänger auf, wennschon sie keine Gilde bilden; s. Sitzungsber. d. Wiener Akad. Bd. 173 (1914), 3. Abh., S. 16.

[181] Diese Möglichkeit hielt mir Rudolph Wagner im Korrespondenzblatt für die höheren Schulen Württembergs 21 (1914), S. 456 entgegen.

[182] Es sind 27803 Hexameter, die auf 466 Tafeln stehen konnten, wenn jede Tafel 60 Verse aufnahm.

[183] Zum folgenden vergleiche Kritik und Hermeneutik S. 249 ff.

[184] Vgl. a. a. O. S. 277.

[185] Über die Hesiodfrage a. a. O. S. 220 ff.

[186] Vgl. hierzu: „Die Buchrolle in der Kunst“, Leipzig 1907, S. 10 ff.

[187] Man setzt das Leben des Stesichoros schätzungsweise in die Jahre 640–555; früher als das Jahr 600 aber braucht keins seiner Werke entstanden zu sein.

[188] Hierüber vergleiche Rud. Herzog: „Die Umschrift der älteren griechischen Literatur in das jonische Alphabet,“ Leipzig 1912; Kritik und Hermeneutik S. 133 und 379. Weitere Bestätigung brachten J. Wackernagels Sprachliche Untersuchungen zu Homer, Göttingen 1916.

[189] Vgl. zum Vorstehenden Kritik und Hermeneutik S. 307; Das antike Buchwesen (Berlin 1882) S. 433 ff., Die Buchrolle in der Kunst S. 212 f.

[190] Die Schilderung ist nach Achilles Tatios p. 121 ed. Hercher gegeben. Vergleiche übrigens Kritik und Hermeneutik S. 203 ff.; Die Buchrolle in der Kunst S. 6 f.

[191] Vgl. Kritik und Hermeneutik S. 278 f. und 351 f.

[192] a. a. O. S. 295.

[193] Vgl. über die Ausstattung der Bücher a. a. O. S. 327 ff.; über die Bilderbücher S. 305; über die Einrichtung der Bibliotheken S. 335 ff. Genaueres, Die Buchrolle in der Kunst S. 282 ff., 228 ff.

[194] Was ich hier vortrage, ist in dem Buch „Die Buchrolle in der Kunst“ ausführlich dargelegt.

[195] Das erste geheftete Literaturbuch ist nachweislich im Jahre 84 oder 85 n. Chr. hergestellt worden; auch in den nächsten 100 Jahren blieb es eine Seltenheit; s. Kritik und Hermeneutik S. 345 ff.

[196] Vgl. die Abbildungen „Die Buchrolle in der Kunst“ S. 142–168 und 195.

[197] Vgl. hierzu Neue Jahrbücher Bd. 19 (1907), S. 714 ff.

[198] Vgl. „Buchrolle“ S. 325.

[199] Vgl. auch Claudian Stilicho II, 476; bei Prudentius Peristeph. I init. schreibt so Christus.

Verlagswesen im Altertum.

[200] Nachweise für das Folgende findet man großenteils in dem Buch „Kritik und Hermeneutik“ S. 315–327; Ergänzendes im Rheinischen Museum 72, S. 311 ff.

[201] Der Eunuch des Terenz macht eine Ausnahme; s. Donat. I, S. 266 ed. W.: ut rursus esset vendita et ageretur iterum pro nova.

[202] Dies betont Horaz mit Nachdruck in der Ode IV, 8.

[203] Durch solche Aufgabenstellung sind Vergils Georgica und Aeneis entstanden.

Woher stammen die Amoretten?

[204] De Amorum in arte antiqua simulacris et de pueris minutis apud antiquos in deliciis habitis commentariolus Catullianus alter. Marpurgi 1892 (Elwertscher Verlag). Ich verweise im nachfolgenden kurz auf diese Schrift mit lateinischen Seitenzahlen. Nochmals habe ich den Gegenstand in der Deutschen Rundschau, Bd. 74, S. 370 ff. behandelt, ein Aufsatz, der im Vorliegenden wiederholt wird.

[205] Der Verfasser des Artikels „Eros“ in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie scheint meine einschlägigen Arbeiten nicht gekannt zu haben.

[206] Vgl. E. Knoll, Über das Attribut der Beflügelung, München 1888; vorher J. Langbehn, Flügelgestalten, 1880. Paradox hierüber Victor Hehn, Reisebilder aus Italien und Frankreich (1894), S. 72, in Anknüpfung an Rafaels Vision des Ezechiel; mit diesem Gemälde Rafaels kann vielmehr das pompejanische Bild des fliegenden Zephyros mit Chloris (in Neapel) verglichen werden.

[207] Die Nikeflügel wurden mit den Erosflügeln identifiziert von Aristophon im Pythagoristen (fragm. comic. II, p. 280, Kock).

[208] Vgl. De Am. p. XLII. Bei Alexis (Kock a. a. O., S. 305) steht als Ansicht der „Sophisten“: nicht der Eros selbst könne fliegen, sondern die Liebenden; aus Irrtum malten die Maler ihn selbst mit Flügeln.

[209] Vgl. Roscher, Mytholog. Lexikon III, S. 1410 und 1462.

[210] Die Analogien, die Usener „Götternamen“ S. 298, heranzog, sind nicht zutreffend. Er verkannte, daß die Amoretten gar keine Götter, kein Gegenstand der Religion waren; denn sie hatten keinen Kultus. Sie sind lediglich ein Spiel der dichtenden Phantasie, und solchem Phantasie-Spiel kann man nicht auf gleichsam grammatischem Wege mit Analogien, wie Usener sie bringt, beikommen. Wer Poesie erklären will, muß in das volle Menschenleben greifen; denn alle Dichtung ist Reflex des Lebens, und das Leben ist kompliziert. Ein paar Zeilen genügen nicht, um die Sache zu erledigen.

[211] Alexis im Phaidros bei Kock, Bd. II, 386.

[212] Man vergleiche den Ausspruch des Ptolemäus bei Athenäus S. 536 E.

[213] Vgl. De Am. p. X.

[214] Vgl. p. XXXVII.

[215] Vgl. zum Folgenden p. X ff.

[216] Vgl. Seneca de tranquill. animi 17, 4.

[217] Eurip. fr. 856 Nauck, aus Aelian var. hist. 12, 15. Schon die Anführung des Herkules verrät, daß dies stoisch-zynische Ausführungen waren.

[218] Vgl. hierzu Aelian a. a. O.; Athenäus B. XII, S. 518 f., die auf gleiche Quelle (Favorinus?) zurückgehen.

[219] Prudentius in der Psychomachia, praef. v. 30.

[220] Ähnlich Kinder in der Rennbahn bei Cassius Dio 72, 13.

[221] Vgl. p. XXXV ff. „Wein und Kinder reden die Wahrheit“ war ein griechisches Sprichwort (Philol. Suppl. Bd. VI, 1891, S. 249).

[222] Catull c. 55; zur richtigen Lesung des Textes dieses vielfach mißverstandenen Gedichts vgl. Philologus LXIII, S. 447 f.

[223] Vgl. p. XIII ff.

[224] Vgl. p. XVIII.

[225] Vgl. zum Folgenden p. XIX ff.; nackte Putten, Terrakotten von Zypern, s. Mitteilungen des Deutschen archäologischen Instituts in Athen, Bd. VI, S. 249.

[226] Vgl. auch das alte Werk Delle Antichità di Ercolano, tom. VI (1771), p. 183–195.

[227] Helbig, Campan. Wandgemälde, Nr. 1390; vgl. auch daselbst in den Friesbildern unter Nr. 1401 b die Szene mit liegendem nacktem Kind und den zwei nachdenklichen Frauen. Delicien auf Vasenbildern z. B. bei Benndorf, Griechisch-sicilische Vasenbilder (1869), Tafel 36, Nr. 1 und 5; Kinderköpfe auf wertvollen Steinen z. B. bei Arneth, Monumente des Wiener Münz- und Antikenkabinetts (Kameen), Tafel 21, Nr. 3 und 9. Wozu hier von Amoren reden? Man sage nicht mehr aus, als man sieht.

[228] Man vergleiche auch den Knaben mit der Fuchsgans, in den Jahresheften des österreich. archäol. Instituts VI (1903), S. 226 ff.

[229] Im Hera-Heiligtum zu Olympia, wo auch der Hermes des Praxiteles stand, war unter vielen Einzelstatuen die bronzene Aphrodite des Kleon von Sikyon aufgestellt, „vor ihr“ aber die Statuette eines „nackten, kleinen Kindes vergoldet“, ein Werk des genannten Boethos. Es war dies klärlich kein Eros, sonst hätte ihn Pausanias, der die Nachricht gibt (V, 17, 4), Eros benannt; sondern ein Kind ohne Flügel; es war ferner klärlich ein Werk ohne Erfindungszusammenhang mit der Venus, vor der es aufgestellt war. Boethos hat, soweit wir wissen, nur flügellose Kinder gearbeitet. Dies sei erinnert im Hinblick auf Dümmler (Mitteilungen des archäologischen Instituts in Athen, Bd. X, S. 27 ff.).

[230] Vgl. Mitteilungen des Deutschen Instituts in Athen, Bd. VI, Tafel 13.

[231] Vgl. p. XXX.

[232] Beispiele des dritten Jahrhunderts in Terrakotten, dazu die Marmorstatue von Beirut, s. Dümmler a. a. O.

[233] So Claudian; vgl. meinen Index zu diesem Dichter unter Amor; so schon vor Claudian und zuerst Philostrat, der raffinierte Ausleger von Gemälden, die nicht einmal wirklich vorhanden waren, sondern nach vorhandenen Motiven so fingiert sind, daß die Beschreibung vollstes Leben gewinne; unten [Anmerkung 242].

[234] Vgl. p. XXXI und XXXVII.

[235] Vgl. p. XXXVIII.

[236] Vgl. zum weiteren p. XXXVIII ff.

[237] Auch das Kind Enorches war aus dem Ei zur Welt gekommen (siehe das Scholion zu Lykophron v. 212). Ein höchst merkwürdiges Vasenbild zeigt uns auf einem Altar ein großes Ei liegend, darin ein munteres kleines Kind, ohne Flügel, das lebendig ans Tageslicht verlangt: eine Frau steht davor und betrachtet es neugierig oder erwartungsvoll. Es scheint mir nach allem Gesagten nicht nötig, mit E. Braun (in Annali dell’ Istituto 1850, p. 214 ff.) die Erfindung dieses Bildes aus einem bestimmten Mythus herzunehmen. Weiteres über das Ei der Leda bei R. Kekulé, Bonner Festschrift für das römische Institut 1879.

[238] Die Beflügelung war hier nicht kühner als bei jenen großgeflügelten Mädchengestalten bei Helbig a. a. O. Nr. 926–937, die als „freie Produkte der Phantasie ohne Anspruch auf mythologische Benamung lediglich künstlerische Motive zur Darstellung bringen.“

[239] Vgl. p. XXI f.

[240] Auch Phosphorus erscheint als „Amorette“ fliegend; vgl. Wörmann, Landschaft in der alten Kunst, S. 241; auch S. 264. Auch die Jahreszeiten sind so dargestellt: ebenda S. 258; auch Zephyr bei Philostrat, Gemälde I, 9.

[241] Vgl. p. XXII; so auch Archäologische Zeitung 1848, Tafel XXIII, Nr. 1; vgl. auch Tafel XXII, Nr. 4.

[242] Ein Muster allegorischer Auslegung gibt der antike Sophist und kunstreiche Gemäldebeschreiber Philostrat in seiner berühmten Schilderung des Erotenbildes; daß ganz vorzüglich diese Philostratstelle auf die Amorettenerfindungen Rafaels, Dürers, Tizians Einfluß geübt, suchte H. Grimm darzutun: Fünfzehn Essays, neue Folge (1875), S. 102 ff. Jenes Bild mit seiner überfüllten Komposition, das Philostrat beschreibt, hat sichtlich nur in seiner Einbildung bestanden; er hat darin eine Fülle von Amorettenmotiven, die in Wirklichkeit verstreut vorkamen, zusammengehäuft, und in dieser Kombination zu einem Ganzen lag der Witz, lag der Reiz für den antiken Leser. Hier bei Philostrat finden wir es zuerst ersonnen, daß die Amoren (außer dem einen) nur Kinder von Nymphen sind; und sie sind so viele, „weil die Begierden der Menschen so mannigfaltigem nachstreben“. Zusammen von diesen Nymphen und diesen Eroten wird ein Götterbild der Aphrodite verehrt; die Kleinen halten Apfelernte, um der Göttin Äpfel, die Frucht, die ihr symbolisch eignet, darzubringen. Sie jagen einen Hasen, um ihn ihr lebendig als Opfertier zu weihen; es ist das Tier der Venus und der Fruchtbarkeit. Weiter aber: „Vier der allerschönsten! Das eine Paar wirft sich Äpfel zu, das andere schießt mit dem Bogen aufeinander; .... sie bieten die Brust den Pfeilen dar. Da will uns der Maler etwas zu raten aufgeben. Ob wir es wohl herausbringen? Das soll Liebe und Sehnsucht bedeuten. In denen dort, die mit den Äpfeln spielen, regt sich das erste Verlangen. Der eine küßt einen Apfel und wirft ihn dem anderen zu, und der ... wird ihn wieder küssen und zurückwerfen. Die beiden Bogenschützen aber treiben mit den Pfeilen die schon erwachte Liebe tief in ... die Herzen hinein. Und so sage ich: jene dort spielen mit der Liebe zum Beginn, diese hier geben ihr ewige Dauer.“ Man sieht, Philostrat hat mit Sorgfalt vor allem solche Szenen in sein Gemälde gesammelt, die allegorisch deutbar waren, wo die Eroten als Eroten „Sinn“ hatten. Bei anderem, wie bei ihrem Ringkampf, verzichtet er hübsch auf solches Auslegen, und bei den unten von mir zu besprechenden Genreszenen würde er erst recht darauf verzichtet haben. Überhaupt war es augenscheinlich schon eine Leistung, zu der ein Philostrat seine sophistischen Künste benötigte, auch nur jenen erotischen Bezug des Apfelküssens, Bogenschießens und Hasenjagens herauszugreifen und festzulegen. Es sind dies einige von den wenigen Fällen, wo die geflügelten Spielkinder noch wirklich ihrem Namen zu entsprechen schienen. Und man fragt schließlich verwundert: wozu hießen sie eigentlich noch Eroten? was hatten Kinder von Nymphen im Grunde noch mit Venus, mit der Liebe wirkenden Macht zu tun? Man sieht, die ganze Konstruktion Philostrats von den Nymphenkindern und ihrem Kultus des Venusbildes ist nachträglich und willkürlich ersonnen. Auch beachte man, daß diese Kinder bei ihm die Liebe der Menschen gar nicht entzünden; sie lieben nur untereinander. Das konnten schließlich auch die wirklichen Deliciae tun, und das Erotenspiel ist auch hier beim Philostrat nur eine Nachahmung des Menschenlebens, keine Beeinflussung desselben.

[243] Furtwängler bei Roscher, Mythol. Lex. I, S. 1368.

[244] Vgl. p. XXII, Anm. 3.

[245] Vgl. p. XXII und die Statuette daselbst Abbildung VI; Helbig, Führer, 3. Aufl. Nr. 1556.

[246] Daß auch Ganymed zum kleinen Kinde verjüngt wurde, scheint von den Gelehrten nicht genügend beobachtet zu sein; dies ist notwendig überall der Fall, wo er als collusor mit Eros Astragalen spielt; ebenso denkt ihn sich Lucian, vgl. p. XXXVII. Es ist also kein Anlaß, die Marmorgruppe in der Galleria dei candelabri im Vatikan, die den Ganymed als Kind vom Adler rauben läßt, um dieses Umstandes willen für unantik zu halten; vgl. Helbig in Annali dell’ Istit. 1867, S. 351; Overbeck, Griechische Kunstmythologie, Bd. I, S. 539, Anm. 217.

[247] Claudian, de III cons. Honor. v. 22.

[248] Vgl. p. XXVI über Clodius Albinus.

[249] Vgl. p. XXV ff.

[250] Für Athanasius vgl. Sozomenos II, 17; Sokrates I, 15. Wie in der katholischen Schweiz Kinder im Ernst und doch scherzend die Messe nachmachen, schildert H. Federer, Das Mätteli-Seppi, S. 501 ff.

[251] Bei Baumeister, Denkmäler, Nr. 1617.

[252] Z. B. bei Baumeister, Nr. 545.

[253] Vgl. p. XXXII f.

[254] Cassius Dio, Buch 48, Kap. 44.

[255] Properz II, 29; vgl. Kritik und Hermeneutik S. 123.

[256] Catull 68, 133 f. Auch im Acmegedicht des Catull, Nr. 45, läuft das Spielkind als Amor um das Liebespaar herum und niest: vgl. Berl. philol. Wochenschr. 1919, S. 575.

[257] Catull 68, 70.

[258] Nie nennt sonst ein Dichter seine Geliebte diva. Vgl. Philologus LXIII, S. 451 f.

[259] Wie wenig evident die bisher übliche Auslegung ist, bekennt auch O. Jahn. Wie kam gerade ein gemeiner Handwerksmann dazu, einer solchen Frau wirkliche Liebesgötter, also Liebe oder Liebreiz, zu verkaufen? Insbesondere machte der hinter der Frau sich versteckende Erot unlösbare Schwierigkeiten; der treffliche Gelehrte tröstete sich damit, „daß einst auch pompejanische Beschauer bei diesen Vorstellungen verschiedene Gedanken und Empfindungen gehabt haben werden“. Es blieb dies also eine Rechnung mit mindestens einer Unbekannten. Eben diese Schwierigkeiten räumt die oben gegebene Auslegung hinweg. O. Roßbach erhebt in der Berl. philol. Wochenschr. 1918, S. 1208 gegen meine Erklärung immer noch das Bedenken, daß die Frau als Göttin charakterisiert sei. Aber wie oft haben sich Herrscher als Götter, hohe Frauen als Göttinnen darstellen lassen! Auch erinnere ich nochmals an die Lesbia als Diva bei Catull und an Kleopatra, die die sie umgebenden Kinder als Eroten zurechtmachte, während sie gleichzeitig selbst die Venus spielte; sie muß da doch auch die Stephane der Göttin getragen haben. Man nenne also die Frau auf dem Bilde meinetwegen Kleopatra. Aber es wird wohl mehr solche phantastische hochgestellte Frauen gegeben haben. Jedenfalls ist sie eine Sterbliche, da es der Diener ist, der ihr die Putten bringt.

[260] Man sehe z. B. bei Helbig die Nummern 1413, 1429–1431. Eros unter Frauen auch Nr. 312.

[261] Vgl. z. B. Helbig, Nr. 1439; auch 303, 305? beim Hermaphroditen 1369.

[262] So erklärt sich z. B. der scheinbar zwecklose Eros in der Paris- und Helenaszene Pompejis (bei Helbig Nr. 1310). Noch beiläufig zwei lehrreiche Beispiele, Helbig Nr. 1140: Eros hebt neugierig das Gewand des Priap empor und erstaunt über den Anblick; es sind hierfür sonst flügellose Putten üblich; vgl. De Am. p. XXIV. Tellus erscheint mit zwei Flügelkindern bei Benndorf, Griechisch-sicilische Vasenbilder, Tafel 57, Nr. 9; diese Kinder sind aber ursprünglich flügellos, vgl. De Am. p. XXIV und das Relief, Archäologische Zeitung X, Tafel CXIX, Nr. 2, sowie Baumeister, Nr. 1449. Auch das Element Erde wird als Matrone mit zwei Kindern dargestellt auf einem Florentinischen Relief und sonst; s. Wörmann S. 257.

[263] Man vgl. hierzu den oben angeführten Aufsatz H. Grimms.

[264] Einige weitere Nachweise, die sich mir für den besprochenen Gegenstand nachträglich darbieten, stelle ich noch an den Schluß des Ganzen. Daß die ältere griechische Kunst noch nicht Kinder darstellte, weiß auch Pausanias V, 11, 3. — Schon in der jüngeren griechischen Komödie, an die die alexandrinischen Dichter unmittelbar anschlossen, kommen die frechen Spielkinder in den Häusern vor; s. besonders Plautus Persa v. 204 ff.; 229; 807; 849; auch Pseudolus 767, 783. Kinderkauf in der Komödie: Captivi 8, Rudens 39, Poenulus 86. — Auch Tertullian erwähnt contra Marc. IV, 23 den Kinderliebhaber, parvulorum dilector. Über das Wort parvuli vgl. Archiv f. Lex. VII, S. 79 und 95. — Kinder, die man sich als conlusores hält, zeigt uns auch Plautus, Capt. 19 f., 982 f., 1013. — Daß Kinder den Gladiatorenkampf im Spiel nachahmen, sagt uns Epiktet, Man. 29, 3; auch findet man solche dargestellt bei A. Bougot, Une galérie antique (Paris 1891), S. 499, der sie aber sinnlos für Amoren erklärt. — Ein Haufe Spielkinder begegnet uns in Alexandria selbst im Tempeldienst beschäftigt bei Dio von Prusa Or. 32, 13. — Daß man die Kinder im Amphitheater mit Hilfe von Maschinen in die Höhe fliegen ließ, deutet vielleicht Juvenal IV, 122 an. — Auch Plautus weiß, Trucul. 908, daß Säuglinge wie Vögel groß gezogen werden. Vom schwatzenden Kindernest spricht auch Juvenal V, 143; in den Sokratikerbriefen Nr. 21 lesen wir von den νεοττοί des Sokrates; vgl. übrigens Theophrast Char. 2. Ein Relief zeigt Romulus und Remus; in einer Grotte nährt da der Picus Martius zwei Junge im Nest: Berl. philol. Wochenschr. 1918, S. 1066, aus dem Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde XX, Heft 2, S. 99. — Von dem süßen Schwatzen der kleinen Kinder gibt endlich Minucius Felix Oct. 2 eine entzückte Beschreibung; dazu auch Artemidor in der Traumdeutekunst 4, 19.

Seneca.

[265] René Waltz, Vie de Sénéque, Paris 1909; vgl. Historische Zeitschrift, herausgegeben von Meinecke, Bd. 104, S. 605.

[266] Diese hat Friedländer einmal zu geben versucht, Historische Zeitschrift, Bd. 85, S. 193 ff.; aber er läßt die Hauptsache vermissen, eine zusammenhängende Würdigung der Ethik Senecas, sowie den Nachweis des Zusammenhangs seiner Schriftstellerei mit seinem Leben und Lebenszielen.

[267] Er hatte auch außerhalb Italiens, in Ägypten, Grundbesitz: trans mare possides, De vita beata 17, 2. Über dort gefundene Quittungen mit γῆ Σενέκα s. Gercke, Seneca-Studien, S. 302.

[268] S. J. Cunliffe, The influence of Seneca on Elizabethan tragedy. Vgl. auch Brandl in d. Sitzungsber. der Berl. Akademie, 14. Dez. 1917. Übrigens ist hier auch Chaucer zu nennen; wenn es bei Chaucer heißt:

Wahr ist das Wort: Herrschaft und Freierschaft

Vertragen nimmermehr Genossenschaft,

so stammt dies aus Senecas Agamemnon. V. 260:

nec regna socium ferre nec taedae sciunt.

Vgl. R. Peiper in Fleckeisens Jahrbb. 97 (1868), S. 65.

[269] Seneca weiß sehr wohl, daß der Mensch, der sich isoliert, leichter der Verfehlung entgeht: meliores erimus singuli (De otio 1, 1); aber die Bürgerpflicht und Menschenpflicht zwingt ihn, die Isolierung zu vermeiden.

[270] Was Gegenstand der Philosophie sein soll, zählt Seneca De brev. vitae 19 auf; da wird auch die ganze Physik mit einbegriffen, der sich Seneca auch auf Korsika widmete; s. ad Helviam 20.

[271] Auf Grund der Aussagen von Augenzeugen; s. Natur. quaest. VI, 31, 3 und sonst. Der Ätna soll ihm zu Ehren bestiegen werden: Epist. 79, 2.

[272] Ich betrachte es als selbstverständlich, daß zu dieser Expedition, die Nero unternehmen ließ und die, wie es scheint, die Form eines kriegerischen Vorstoßes annahm, die Anregung von Seneca kam, der der Hauptvertreter der geographisch-physikalischen Interessen jener Zeit war, selbst in Ägypten gelebt, ein Buch über Ägypten geschrieben hatte (vgl. dazu Nat. quaest. VI, 26) und dauernde Beziehungen zu dem Nilland bewahrte; worüber unten.

[273] S. Medea 375. Andere wissenschaftliche Voraussagungen „veniet tempus“ eqs. s. Nat. quaest. VII, 25, 4 f. u. 30, 5.

[274] Epist. 79, 11 f.

[275] Dies hebt E. Zeller mit Recht hervor.

[276] Dies tut leider auch Friedländer a. a. O. Daß Senecas schriftstellerischer Erfolg weit mehr durch die Form als den Inhalt bedingt war (derselbe S. 226), ist allerdings richtig; denn ausgedehnte Sittlichkeitsvermahnungen pflegen die Menge durch ihren herben Inhalt stets abzuschrecken, und nur die Art des Vortrags macht sie wirksam.

[277] Vgl. Zur römischen Kulturgeschichte, 3. Aufl., S. 146 f.

[278] Gegen die Tierhetzen u. ä. redet Seneca z. B. ausdrücklich De brev. vitae 13, 6 f.; De clementia 1, 25, 1. Gleichwohl kannte er natürlich die Kampfarten der Gladiatoren genau: De constantia 16, 2; De ira III, 43, 2.

[279] „Für Gott ist es der schönste Anblick, im Unglück Cato aufrecht stehen zu sehen,“ De provid. 4.

[280] De provid. 4.

[281] Epist. 78, 16.

[282] Epist. 60, 4.

[283] Ad Marciam 23.

[284] De otio 1, 4: selbst unser Tod soll noch nützlich sein.

[285] Ad Marciam 20, 3.

[286] Epist. 77, 4: vita non est imperfecta, si honesta est.

[287] Ad Marciam 26, 4. In Senecas Tragödie „Troades“ V. 392 ff. leugnet der Chor eine Fortexistenz der Seele, die nach dem Tode wie der Rauch verfliegt — post mortem nihil est ipsaque mors nihil usf. Dies erklärt sich jedoch aus dichterischen Rücksichten. Dem gestorbenen Achill zu Ehren soll dort die Jungfrau Polyxena geschlachtet werden; der Chor der Frauen will dagegen beweisen, daß dies Opfer sinnlos ist; denn der Tote, Achill, hat davon keine Wahrnehmung. Daher also die pessimistischen Ausführungen; Andeutungen der Hoffnung auf Glück im Jenseits waren eben hier in diesem Zusammenhang unbrauchbar. Zum Schluß aber hat doch derselbe Chor, v. 407, auf die Frage, wo bleibt denn die Seele des Gestorbenen? die genaue Antwort: da, wo die noch Ungeborenen sind. Damit ist, was Seneca persönlich glaubt, zum wenigsten angedeutet, und das genügte. Denn dasselbe lehrt Seneca auch in seiner Trostschrift an Marcia: Der Zustand der Ruhe nach unserem Tode ist derselbe wie vor unserer Geburt (19, 5), d. h. die Seele war präexistent und wird im Tode wieder, was sie war. So kann denn dort auf Grund dieser Voraussetzung im c. 23 weiter ausgeführt werden, daß, wer stirbt, ad superos geht (die Existenz der inferi, einer Unterwelt, wird, wie jenes Chorlied zeigt, geleugnet), und daß er damit zu seinem Ursprung zurückkehrt, und im c. 24 u. 25 die Ausmalung der jenseitigen Existenz noch weitergeführt werden.

[288] Medea 866.

[289] Vgl. Herc. fur. 139 f. u. 191 f.; auch Agam. 102 f. Der Arme ist nur unglücklich, weil es Reiche gibt, mit denen er sich vergleicht: Troad. 1018 ff. Über das Unglück und die Arglist der Könige Agam. 57 f.

[290] Dies schildert uns Lucian im Somnium cp. 26.

[291] Dieser Satz ist von mir eingehender in den Neuen Jahrbüchern XXXVII (1911), S. 336 ff. begründet worden.

[292] In Riga, i. J. 1204; J. W. Creizenach, Geschichte des neueren Dramas I, S. 70. Daselbst S. 94, auch 315 und sonst über Christi Passion. Um die schwer gemarterten Heiligen darzustellen wurden freilich Puppen verwendet: S. 265. In einem der Marienmirakel (S. 145) wird auf der Bühne von einer Äbtissin ein Kind geboren, wobei die hlg. Maria selbst bei den Wehen Beistand leistet. Das Kind ist da. Dann untersucht die Hebamme auf der Bühne den Leib der Äbtissin und stellt fest, daß sie nicht geboren hat.

[293] Um das Jahr 1300 tauchten sie aus der Vergessenheit auf. Der englische Mönch Nikolaus Treveth schrieb sogleich zu ihnen einen Kommentar, und die italienischen Dichter des 14. Jahrhunderts Lovato und Mussato sind schon von ihnen beeinflußt: Creizenach, S. 436 f. Vgl. auch P. Stachel: Seneca und das deutsche Renaissancedrama, Berlin 1907.

[294] Die Zweifel an der Echtheit des Hercules Oetaeus habe ich längst fallen lassen. E. Ackermann De Senecae Hercule Oetaeo (Philologus Suppl. Bd. X und Rheinisches Museum, Bd. LXVII) hat die Echtheit dargetan und wird gegen Einwendungen anderer Recht behalten. Seneca selbst referiert den Inhalt dieses Dramas De benefic. I, 13, 2 f., wo das caelum tenuit voransteht.

[295] Herc. Oet. v. 1852. Daß so wie Maria eine Himmelfahrt hat, auch Alkmene nach Elysium entrückt und ihr Grab leer gefunden wird, zeigt Fr. Pfister, Wochenschrift f. klass. Phil. 1911, Nr. 3, S. 83.

[296] Kleanthes, der Stoiker, hieß der zweite Herakles (Diog. La. 7, 170); Zeno aber übertraf den Herakles sogar (ib. 7, 30). Eine stoisch-zynische Tragödie „Herakles“ gab es schon unter dem Verfassernamen des Diogenes von Sinope.

[297] Das heutige Südspanien schildert uns M. Andersen Nexö, „Sonnentage, Reisebilder aus Andalusien“, 1909. Die Schilderung ergibt, daß im Altertum dort Bevölkerung und städtische Kultur einen anderen Charakter trug und daß sie sich heute keineswegs günstiger zeigt als damals.

[298] De brev. vitae 10, 1. Wenn seine Gegner ihm höhnend eine professoria lingua vorwerfen (Tacit. Ann. 13, 17), so wäre es primitiv, daraus zu folgern, daß Seneca jemals wie Epiktet als professor oder Lehrer wirklich auftrat. Weil Seneca eben damals als Moralschriftsteller weiter ausholte, warf man den Staatsmann höhnend mit den Graeculi zusammen.

[299] Epist. 78, 3.

[300] Autobiographisches über seine Jugendzeit s. Epist. 108, 15. De otio 7 steht die Unterscheidung der drei Lebensführungen, genera vitae: unum voluptati, alterum contemplationi, tertium actioni (deditum). Seine eigene Entwicklung als Mann der actio deutet er De tranquill. animi 4 an; auf seine gegenwärtige Stellung weist er 10, 6 hin: multi quidem sunt quibus necessario haerendum sit in fastigio suo usf. Weiteres De vita beata 17 f. Diesen Ausführungen widerspricht die Schrift De brevitate vitae, die gleich nach der Rückkehr aus Corsica, aber noch, bevor Seneca Neros Lehrer wurde, in Rom abgefaßt ist, keineswegs. Sie predigt in sehr schulmäßiger Ausführung das philosophische otium, weil Seneca selbst eben damals noch ohne Stellung und Pflichten war. Das sollte sich bald ändern. Übrigens ist er da noch ganz rezeptiv im Betrieb des stoischen Studiums; er ist noch unselbständig und befragt nur die Weisen (15, 2 f.).

[301] Vgl. ad Helviam 5, 4: er gewann früh pecuniam, honores, gratiam.

[302] De tranquill. 44, 3.

[303] Hierauf blickt er Epist. 49, 2 mit den Worten zurück: causas agere coepi ... desii velle agere ... desii posse.

[304] Da der sonderbare Claudius, ein Mensch ohne alle Willenskraft, sich ganz und gar und bis zur Schwachsinnigkeit von Messalina gängeln ließ, kann man es den Nichten des Claudius, Livilla und Agrippina, nicht verdenken, daß sie gegen Messalina Front machten, ihr ihren Einfluß nicht gönnten; und wenn in diesen Hader am Hof Seneca verwickelt war, so stand er jedenfalls auf der Seite der Frauen, von denen sich damals für den Staat noch irgend etwas hoffen ließ.

[305] Sestertium decies, Tacit. Ann. XI, 4.

[306] Plin. epist. III, 3, 7.

[307] Aber auch diese Schrift De ira hatte offenbar nicht systematischen, sondern persönlichen und praktischen, programmatischen Zweck. Die kleine Abhandlung De constantia betrachte ich als einen Ableger von De ira Buch III; der sachliche Zusammenhang ist der engste. Das Delatorenwesen ist damals mächtig (De const. 9, 2); alle Vornehmen und die hohen Beamten gelten als male sani (13, 2); die verächtlichen Äußerungen über die Sklaven (13, 4) verraten einen Standpunkt, den Seneca später überwunden hat. So ist auch noch De brevitate vitae eine Vorstudie Senecas. Diesen Sachen hängt daher in ihrer Abfassungsart noch der pedantisch schulmäßige Charakter an, der später bei dem souveränen Staatsmann Seneca so viel mehr zurücktritt. Was endlich die Consolatio ad Marciam betrifft, so wäre es Verkennung, sie für eine philosophische Schulschrift oder auch nur für eine Trostschrift zu halten, die nichts weiter will, als die Trauernde aufzurichten. Wäre sie dies, so wäre ihre Veröffentlichung überflüssig gewesen. Sie war vielmehr eine politische Gelegenheitsschrift in der Form der Consolatio, die auf Sejans Mißherrschaft tadelnd zurückblickt, pietätvollen Sinn für die Caesars bekennen will (c. 15), besonders Augustus und Livia verherrlicht, welcher Kaiser Augustus des Seneca staatsmännisches Ideal dauernd geblieben ist, und vor allem das echte Römertum preist und damit eine tüchtige staatsbürgerliche Gesinnung fordert: scire quid sit vir Romanus (auch im cap. 13 kommt er darauf zurück). Die politischen Zustände sind schlimm, iniqua tempora (22, 8); sunt istic hostes cruenti, cives superbi usf.; daher ist der Tod nützlich; er befreit aus dem Elend eines schlechten Staatslebens (20, 2 f.): ein Manifest, aus dem damals jeder sollte ersehen können, was von Seneca, wenn er entscheidenden Einfluß gewann, zu erhoffen war.

[308] Schon Ad Marciam 20, 2 sagt er, daß jeder exul stets sein Auge auf die patria gerichtet hält. Die Schriften ad Helviam und Ad Polybium entstanden gleich in den Anfangsjahren der Verbannung, und daß dies keine Lehrschriften sind, liegt auf der Hand. Mit Unrecht habe ich als möglich zugestanden (Histor. Zeitschr. 104, S. 608), daß Seneca auf Corsica De providentia und De constantia schrieb. Ad Helv. 20 schildert er selbst seine Beschäftigung im Exil: von Schriftstellerei sagt er dort nichts, sondern redet nur von literarischen Studien, d. h. Lektüre, besonders auf dem Gebiet der Physik. Auch daß er Tragödien auf Corsica schrieb, ist schlechterdings unerwiesen (vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 353 ff.) Die Epigramme aber aus dem Exil sind unecht; dies ergibt die Verstechnik, und der neuerdings mit vielem Fleiß unternommene Versuch, aus phraseologischen Anklängen ihre Echtheit zu erweisen, ist ein Schlag ins Wasser, da ein solches Beweismittel nichts beweist. Es handelt sich darum, daß Seneca (wie Calpurnius) in seinen Hexametern nie eine Verschleifung zuließ; das ist, so geringfügig die Sache scheint, ein deutliches Erkennungszeichen, und es ist interessant, in solchem Punkt einmal den Einfluß des Lehrers auf den Schüler zu beobachten; denn auch in Kaiser Neros erhaltenen Hexametern fehlt ganz ebenso jede Elision. Das sollte Zufall sein? Natürlich sind auch Calpurnius und der Lobdichter auf Piso von dieser Theorie abhängig gewesen. Die Epigramme aus Corsica zeigen dagegen die Elision (vgl. Kritik und Hermeneutik, S. 235 f.)

[309] Wie leidenschaftlich die Geschwisterliebe bei den Alten und wie tief gerade der Schmerz um den Verlust eines Bruders ging, habe ich Kritik und Hermeneutik, S. 108 f. in Anlaß der Antigone und ihrer vielbesprochenen Worte dargelegt.

[310] Dies habe ich in den Neuen Jahrbüchern XXVII, S. 596 ff. näher ausgeführt.

[311] Man muß sich klar machen, daß sich an den Kaiser — wie heute etwa an den Papst — direkte Ermahnungen nicht richten ließen; das einzig mögliche Erziehungsverfahren war, dem Allmächtigen die guten Eigenschaften zuzuschreiben, die man von ihm forderte; daher sagt Seneca selbst Epist. 94, 39, daß die laudatio eine Gattung der monitio sei; eben dasselbe sagt uns auch schon Cicero ad fam. XV, 21, 4; später Julian p. 254 B u. C; Apollinaris Sidonius Epist. VIII, 10; vgl. auch Cic. ad Quintum fratrem I, 1, 7 und 18.

[312] Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 348.

[313] Man kann gut sein, auch ohne physisch tapfer zu sein; dies sagt Seneca nicht, aber es liegt dem Satz: L. Bibulus melior quam fortior vir (Ad Marciam 4, 2) zu Grunde.

[314] De ira II, 32.

[315] De constantia 12, 3; De ira I, 16.

[316] De ira II, 33; den Freimut gegen einen Sejan preist Seneca (ad Marciam 22, 4 f.), der gegen den Kaiser scheint ihm unmöglich.

[317] Das aeger nervis steht bei Tacitus 15, 45. Über sein Herzleiden redet Seneca Epist. 26, 54, 58. Aber schon in der Schrift De constantia (16, 4), also etwa 45jährig, schildert er sich selbst als kahlköpfig, schwachsichtig, mit dünnen Hüften und auffälliger Statur; denn man wird diese Schilderung doch wirklich auf ihn beziehen müssen. Eine Büste Senecas (in Berlin) zeigt ihn uns kurzhalsig und kahlköpfig.

[318] Mens serena: De clementia 2, 5, 4.

[319] Nero hatte armenische Gesandte empfangen; Agrippina kam, als sie das hörte, herbei und wollte den kaiserlichen Haut-pas ersteigen. Ehe sie dies konnte, ging ihr Nero auf Senecas Wink entgegen und hielt sie mit einer Begrüßung auf, und die Audienz wurde abgebrochen und verschoben. Agrippina kam nicht wieder: Tacit. Ann. XIII, 5; Waltz S. 204.

[320] Agrippina hatte eigenmächtig, als wäre sie jetzt Kaiser, den verstorbenen Kaiser Claudius zum Gott erhoben. Senecas Satire legt die Sinnlosigkeit dieser Apotheose dar, indem sie nicht nur mit gröblichem, aber siegreichem Witz über die geistige Impotenz des Claudius herfällt, sondern vor allem dem Groll und der Empörung über seine Schandtaten und Justizmorde Worte leiht. Agrippina selbst wird in der Schrift totgeschwiegen; jeder Leser merkte, daß ihr Verfahren das Ziel des Angriffs war. — Der überlieferte Titel Apotheosis ist natürlich richtig. Die Bezeichnung Apocolocyntosis beruht auf falscher Kombination, die auch heute noch gilt, weil gefeierte Gelehrte sie hingenommen haben. Apocolocyntosis heißt „Verwandlung in einen Kürbis“. Daß der Mensch, wenn er gestorben ist, in Tiere oder Pflanzen verwandelt wird, ist jedoch eine ausschließlich pythagoräische Vorstellung, von der die vorliegende Satire nichts weiß und die zu der unterweltlichen Szene, die sich an ihrem Schluß abspielt, durchaus nicht paßt. Es ist also gedankenlos, anzusetzen, eine solche „Verkürbsung“ sei an ihrem Schluß glatt weggefallen. Die Satire ist vollständig.

[321] Patriae tutor und amicorum propugnator, De vita beata 15, 4. Der Ausdruck tutor stammt hier aus Ciceros Schrift De republica II, 51. Seneca kannte diese Schrift genau.

[322] Schon ad Marciam äußert er diese Augustusverehrung programmatisch; oben [Anmerkung 307].

[323] Seneca sagt mit Genugtuung von sich selbst, daß keinem Bürger durch ihn, trotz seiner Machtstellung, die Rechte verkümmert seien; nullius per me libertas deminuta (est), De vita beata 20, 5.

[324] Auf die accusandi rabies, die unter Tiberius herrschte, blickt Seneca jetzt, Benef. 3, 26, 1, als auf etwas Fernstehendes zurück.

[325] Schon ad Marciam 16, 2 steht: Bruto libertatem debemus, d. h. die alte durch Brutus erworbene Freiheit besteht noch; so besteht denn auch die libera civitas unter Senecas eigener Staatsverwaltung, De benef. 2, 12, 2; optimus civitatis status sub rege iusto, ib. 2, 20, 2.

[326] Freilich keine Aufhebung der Kornverteilungen in Rom (De benef. 4, 28, 2), an die überhaupt nicht zu denken war.

[327] Admodum aequa, Tacit. 13, 51. Daher war auch noch im Jahre 62 der Stand der Finanzen befriedigend, Tacit. 15, 18; Waltz S. 411.

[328] Diesen Sinn hat es, wenn der Kaiser, d. h. Seneca, im Jahre 55 den Provinzialverwaltern verbietet, in den Provinzen Spiele zu geben, mit denen sie das Publikum für sich günstig zu stimmen pflegten: Tacit. 13, 31.

[329] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 317 „Zur Phylenordnung Alexandrias“.

[330] Von dem Gros der ägyptischen Bevölkerung, den sogenannten λαογραφούμενοι wurden die zahlreichen Anwohner griechischer und römischer Abstammung, von denen besonders Alexandria erfüllt war, gesondert. Daß die Namen der letzteren, der ἐπικεκριμένοι, in besonderen Listen, τόμοι ἐπικρίσεων, geführt wurden, beginnt aber wiederum im Jahr 54 auf 55; s. Paul M. Meyer, Das Heerwesen der Ptolemäer und Römer in Ägypten, Leipzig 1900, S. 116–122.

[331] Er besuchte als jüngerer Mann in Ägypten seinen Oheim, C. Galerius, der dort 16 Jahre lang an der Spitze der kaiserlichen Verwaltung stand (Genaueres hierüber Revue de philol. 1909, S. 173–177); weiteres oben [Anm. 267] und über Senecas Beziehungen zu Ägypten und zu Claudius Balbillus im Jahre 55 Nipperdey zu Tacit. 13, 22. Auch noch in seinen letzten Lebensjahren hatte Seneca persönlich geschäftliche Interessen in Alexandria: quis illic esset rerum mearum status, überlegt er, als er Handelsschiffe von dort einlaufen sieht, Epist. 77, 3, wo res meae nicht auf Geldgeschäfte, sondern auf Grundbesitz sich bezieht; denn Seneca hatte dort tatsächlich Grundbesitz (s. oben); status aber heißt „Wohlstand“.

[332] θεοῦ διάκονος εἰς τὸ ἀγαθόν.

[333] Vgl. hierzu Rhein. Museum 69, S. 383.

[334] Thyest. 213. Aussprüche über Tyrannei finden sich Oed. 699 ff., 520 ff.; Phoen. 654 f.; Med. 195 f.; Phaedr. 490 f.; Agam. 995 usf. Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 350 f.

[335] Es scheint, daß das vierte Buch De beneficiis von Agrippinas Ermordung noch nichts weiß, also früher fällt; denn die Stelle IV, 31, 2 blickt auf die Bluttaten Caligulas in einer Weise zurück, als biete die Gegenwart nichts Ähnliches.

[336] Daß sich Seneca in De beneficiis an ein großes Publikum richtet, zeigen solche Wendungen wie si quis existimat (I, 15, 1); nemo haec ita interpretetur (I, 14, 2); die Anrede vos, vobis (IV, 13, 1). Er selbst ist praeceptor, praecipit, er gibt monitiones (I, 15); aber er redet dabei zu dem Durchschnittsmenschen, nicht zum vollkommenen Weisen (II, 18, 4). In bezug auf die Sklavenfrage will er den Übermut der menschlichen Gesellschaft zerstoßen, contundere insolentiam hominum (III, 29, 1).

[337] Seneca sagt von sich, daß er die societas generis humani sancit, d. h. das soziale Wirken zum unverbrüchlichen Gesetz erhebt, De benef. 1, 15, 2; über die societas auch 4, 18, 2 f.

[338] Gegen die griechische Behandlungsweise der Wohltätigkeitslehre, z. B. die des Chrysipp, die mehr spitzfindig als praktisch, wendet er sich Benef. I, 3 und 4. Chrysipp ist magnus vir, sed Graecus. Damit ist er für den Praktiker schon verworfen. Was sollen z. B., heißt es, die albernen Redereien über die drei Grazien? Damit ist nichts gewonnen. So weicht denn auch Ton und Ausführung in De beneficiis I-IV von Senecas älteren Schriften De ira und De constantia, die noch mehr den griechisch-sophistischen Geist zeigen, wesentlich ab. In den Büchern V-VII De beneficiis gibt Seneca nur einen Anhang, und in ihnen herrscht gelegentlich wieder mehr der sophistisch schulmäßige Ton.

[339] Römerbrief 13, 9: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς ἑαυτόν, ἡ ἀγάπη τοῦ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται.

[340] Vgl. Zur römischen Kulturgeschichte S. 152 f. und betreffs der Haltung der Sklaven S. 66.

[341] Josef Vilmain, Die Staatslehre des Thomas von Aquino, Leipzig 1910, S. 80 u. 97 ff.

[342] Nicht das größte; es gab Freigelassene, die noch reicher waren: Tacit. 14, 55.

[343] Über den animus ad civilia erectus agendique cupidus s. De tranquill. 2, 9. Wer keine führende Stellung einnehmen kann, soll wenigstens durch Akklamation helfen, si a prima te reipublicae parte fortuna submoverit, stes tamen et clamore iuves, ebenda 4, 5, wo stes tamen et clamore iuves offenbar aus einem Hexameter stammt, also Zitat ist. Auch De otio beschäftigt er sich aufs neue mit diesen Fragen: imperfectum bonum est virtus sine actu usf. (6, 3). Daselbst 6, 4 das posteris prodesse; und 6, 5: Chrysippus lebte im otium; er hatte nicht den Reichtum und die Machtstellung (ergänze: wie ich, um dasselbe wie ich zu versuchen).

[344] Das ist das maiorem virtuti materiem subministrare (De vita beata 21, 4).

[345] Das Geld, das einem Natalis zufällt, ist wie in die Kloake geworfen: Epist. 87, 16. „Der Reichtum ist mein Diener; andere sind Knechte des Reichtums,“ De vita beata 22, 5.

[346] Gegen die nimia aestimatio sui redet Seneca De v. beata 8, 3.

[347] Cassius Dio 62, 2, wo das Wort ἄκουσιν darauf geht, daß die britische Bevölkerung zum Teil der römischen Geldwirtschaft widerstrebte; s. 62, 3: πενία ἀδέσποτος πλούτου δουλεύοντος προφέρει. Schon die Regierung des Kaisers Claudius hatte große Geldsummen in diese neue Provinz geworfen, aber sie gleichfalls wieder zurückgenommen (ebenda). Das ist nicht „Geldwucher im Großen“, was Kaiser Claudius trieb; dasselbe gilt von Seneca.

[348] Nicht der strengste Stoiker hätte das von Seneca verlangt; auch Zeno hatte Geld auf Zinsen geliehen (De benef. 4, 24, 1). Daß Seneca etwa Wucher trieb, ist durch nichts angezeigt. An verächtlichen Äußerungen gegen die feneratores fehlt es bei ihm nicht: De ira 3, 33; De const. 6, 7; Benef. III, 15; so aber auch gegen die Reichen, De provid. 6: die Reichen sind innerlich schmutzig; wie ihre Stubenwände sind sie nur äußerlich dekoriert; der glänzende Stuck ist dünn und fällt ab.

[349] Martial 12, 36; Juvenal 5, 109.

[350] De vita beata 23, 5. Auch Epist. 120, 8 tadelt er: multi sunt qui non donant, sed proiciunt. Genaueres über die Art seiner Wohltätigkeit De v. beata 24.

[351] Seneca brachte also der Staatsraison zuliebe ein Gewissensopfer. Wer das beurteilen will, muß seinen Grundsatz kennen, den er wie für diesen Konfliktsfall vortrefflich so formuliert hat: facit (lies faciet) sapiens etiam quae non probabit, ut etiam ad maiora transitum inveniat, nec relinquet bonos mores, sed tempori aptabit et quibus alii utuntur in gloriam aut voluptatem, utetur agendae rei causa. Dies stand in seinen Exhortationes (Lactanz Inst. III, 15, 14), die gewiß auch in Senecas Spätzeit fallen.

[352] Ja, nach weit verbreiteter Anschauung ist der Kaiser selber Gott; der Kaiser Augustus ist der, qui dis genitus et deos geniturus dicatur, Seneca ad Marciam 15, 1.

[353] Kaiser Claudius war, nach Seneca, wie die Fortuna, die leicht zur mala fortuna wird (benef. 1, 15; 6). Straft der Kaiser einen Unschuldigen, so muß man es hinnehmen: rex ... si innocentem (punit), cede fortunae (De ira 2, 30). Man kann sich nicht einmal gegen die Geschenke eines tyrannischen Herrschers wehren: diesen Satz veröffentlicht Seneca, benefic. 2, 18, 6, nachdem er selbst von Nero wider seinen Willen mit Reichtümern überschüttet war.

[354] Es ist nicht wahr, daß Seneca De benef. 7, 20, 3 die Möglichkeit der Ermordung Neros zugesteht; Seneca sagt dort nur: den wahnsinnig gewordenen Tyrannen soll man beseitigen, und denkt dabei nicht an Nero, der trotz seiner Exzesse durchaus nicht als geisteskrank galt, sondern nur an Caligula zurück, der als wirklicher furiosus, d. h. im Irrsinn endete; dessen Beseitigung wird auch De brev. vitae 18, 6 gebilligt, und beide angezogenen Stellen erklären sich gegenseitig.

[355] Wo Seneca in diesen Jahren den Nero erwähnt (in den Briefen tut er es nie), zeigt er sich sehr zurückhaltend; s. Nat. quaest. VI, 17 und 21. Eine Höflichkeit liegt darin, daß er einmal einen geschickten Vers Neros mit Anerkennung zitiert (ib. I, 5, 6). Wenn sich endlich ib. VI, 8, 3 eine lobende Äußerung, insbesondere über Neros veritatis amor, findet, so handelt es sich dort um die von Nero veranstaltete Expedition nach den Nilquellen; Seneca quittiert für diese Unternehmung mit Dank; denn es kann kein Zweifel sein, daß Nero mit ihr einer Anregung Senecas selbst entsprochen hatte. So teilt Seneca denn auch ihr Ergebnis mit. Vgl. oben [Anm. 272].

[356] Nämlich zunächst bei Tacitus. Mutmaßlich ist aber schon in dem Werk des C. Fannius über die exitus occisorum unter Nero, das unfertig blieb, aber bis zu drei Büchern gedieh (Plin. epist. 5, 5), auch Senecas Tod erzählt worden. Vielleicht ist die Schilderung des Tacitus davon abhängig. Wir haben keineswegs nötig, nur an Fabius Rusticus als Quelle zu denken. Vgl. W. Schmidt, De ultimis morientium verbis, Marburg 1914, S. 12.

[357] Noch 50 Jahre später waren sie so bekannt, daß Tacitus sie zu zitieren für unnötig hält (Ann. 15, 63 u. 67). Hätte er es doch trotzdem getan!

[358] Tacit. Ann. 14, 55.

[359] Es ist das goldene quinquennium Neros: Aurelius Victor 5, 2; Epit. 5, 3; Waltz S. 243.

[360] Juvenal 8, 212.

[361] Vgl. Römische Charakterköpfe, 3. Aufl., S. 262 f. u. 267.

[362] Das „planvoll“, certus consilii, das er fordert De brev. vitae 3, 3, gilt wirklich von ihm. Vgl. Epist. 23 über die Freude: die Freude kommt ins Herz durch ein gutes Gewissen, durch richtig Handeln, durch ein planvolles Leben.

[363] Vielmehr bezog sich Seneca nachweislich auf die Ehegesetze des Augustus; s. Fragm. 87 ed. Haase. Auch die historischen Rückblicke auf die pudicitia Altroms und die ehelichen Exzesse, die Seneca dort gab, entsprachen ganz dem Begründungsverfahren des Augustus.

[364] Vgl. Römische Kulturgeschichte S. 141.

[365] Bonorum egestas: De tranquill. 7, 6.

[366] De benef. 7, 1, 7.

[367] De vita beata 15, 5.

[368] Einige Proben hat uns der Kirchenvater Augustin aus dieser Schrift erhalten; einen Absatz daraus habe ich oben [S. 231 f.] wiedergegeben.

[369] Religio deos colit, superstitio violat, sagt Seneca De clem. 2, 5, 1.

[370] Seneca De remediis 5, 4 lehrt: Kümmere dich nicht um dein Begräbnis. Denn das Begräbniswesen ist gar nicht um der Toten willen, sondern nur im Interesse der Lebenden eingeführt: non defunctorum causa, sed vivorum inventa est sepultura.

[371] De benef. 4, 7, 2.

[372] Man könnte ansetzen, daß sie etwas früher fällt und ungefähr aus der Zeit der Apotheosissatire stammt, in der die gleiche sarkastische Nichtachtung der Götter herrscht und gerade auch wie in der Schrift De superstitione altrömische Götterschemen wie die Vica Pota vorgeführt werden. Aber auch De tranquill. 26, 8 berührt Seneca noch dasselbe Thema, besonders aber Epist. 95, 47, wo auch das speculum teneri Iunoni und die Sätze stehen: deum colit qui novit; primus est deorum cultus deos credere.

Römischer Mummenschanz und die Verhöhnung Christi.

[373] Eine vorsichtige und vernünftige Behandlung der Frage gab J. Geffken im Hermes, Bd. 41, S. 220 ff.

[374] Hermes 41, S. 223.

[375] Hierzu und zum Folgenden siehe meine Schrift „Elpides“ S. 61–65.

[376] Valerius Maximus 5, 1 ext. 1; Curtius Rufus 8, 4, 15.

[377] Epiktet, Dissertat. I, 25, 8.

[378] βασιλικῶς ἐνεσκεύαστο Lucian 70, 2, 10; vgl. in den Acta S. Dasii bei Cumont, analecta Bollandiana XVI, S. 11 das βασιλικὸν ἔνδυμα und κατὰ τὴν αὐτοῦ Κρόνου ὁμοιότητα. Bei keinem Gott war die Bezeichnung, daß er „König“ ist, so ständig wie bei Saturnus-Kronos; Varro de re rustica III, 1, 5: Saturnus rex; mehr gibt Maximilian Mauer bei Roscher, Mythol. Lexikon II, S. 1458.

[379] 70, 2, 12.

[380] βασιλέα μόνον ἐφ’ ἁπάντων γενέσθαι 70, 1, 4.

[381] Ebenda.

[382] So in den Acta S. Dasii.

[383] Diese Harmlosigkeit betont Lucian 70, 2, 13.

[384] Siehe Bücheler zu Seneca Apotheosis c. 8.

[385] Ich sehe, daß auch G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S. 207, diese Auffassung teilt.

[386] Siehe Geffken a. a. O. S. 222 f.

[387] H. Reich, Neue Jahrbücher 1904, S. 726, 1 versteht diesen Wortlaut nicht richtig, da er γελοίων διδάσκαλοι grammatisch verbindet; γελοίων hängt aber ohne Frage von ποιηταί ab: „Mimen- und Ulkdichter dienen als Lehrer der Leute.“

[388] Reich a. a. O.

[389] Auch der Mimusrest des Oxyrhynchospapyrus ergibt dafür nichts.

[390] So Reich S. 279.

[391] Der Mimus ahmte realistisch, oft auch mit Humor und Ironie Typen des Lebens nach, aber er höhnte nicht und stand dadurch im Gegensatz zur alten Komödie eines Aristophanes: so Reich selbst, Der Mimus I, S. 327, nach Jacob Bernays.

[392] S. Seneca a. a. O. c. 1. Auch Kaiser Augustus betrachtete sein Leben als einen Mimus; er fragte auf dem Sterbebett, ob er ihn gut durchgeführt habe; „wenn das Stück gut war, klatschet Beifall,“ war sein letztes Wort. Aber er denkt dabei nicht an den Königsmimus, sondern allgemeiner an den mimus vitae (Sueton Aug. 99), von dem in der Popularphilosophie jener Zeit oft die Rede ist.

[393] nec cor nec caput habet, Seneca c. 8; dis iratis natus; tria verba cito dicat et servum me ducat c. 11. Das Urteil, das Seneca fällt, gilt nicht bloß von der Regierungszeit, sondern ebenso vom früheren Leben des Claudius; mit gleichem Hohn hatte Tiberius auf seine Bewerbung ums Konsulat weiter nichts geantwortet als: „anbei 40 Louisd’or für die Saturnalien und Sigillarien“ (Bücheler). Daher endlich ließ Seneca den Claudius in einen Kürbis verwandelt werden; in welchem Sinne, habe ich in der Schrift De Senecae apocolocyntosi et apotheosi Marburg 1888/1889 ausgeführt.

[394] Diesen Umstand beachtete Mommsen nicht, als er bei Seneca a. a. O. c. 1, wo überliefert ist: obiit ille qui verum proverbium fecerat aut regem aut fatuum nasci oportere, zu lesen vorschlug: qui bis verum proverbium fecerat. Das Sprichwort gibt ein Entweder oder: „entweder ein König oder ein Narr muß man von Geburt sein.“ Diesen Satz hat Claudius wahr gemacht, da er nur eine der beiden Eventualitäten erfüllte, da er Narr von Geburt, aber nicht auch König von Geburt war. Er war kein Porphyrogennetos oder in purpura natus. Daß er das Sprichwort doppelt (bis) wahr gemacht, trifft also nicht zu.

[395] a. a. O. c. 8: si mehercules a Saturno petisset hoc beneficium, cuius mensem toto anno celebravit Saturnalicius princeps.

[396] S. Festus p. 322 M.; Plutarch Romulus 25 und Aitia Romana c. 53.

[397] μετὰ χλευασμῷ sagt Plutarch.

[398] Plutarch: ἑπισκώπτων αὐτοῦ τὴν ἠλιθιότητα καὶ ἀβελτερίαν.

[399] Plutarch an beiden Stellen; dem widerspricht das Zeugnis des Festus nicht.

[400] Auszüge des Cassius Dio 65, 20 f.

[401] Epiktet IV, 8, 30 u. 34. Die betreffenden Worte sind: εὐδὺς ἐπὶ τὸ σκᾶπτρον, ἐπὶ τὰν βασιλείαν, sowie ὁ Κυνικὸς τοῦ σκήπτρου καὶ διαδήματος ἠξιωμένος παρὰ τοῦ Διός.

Witzliteratur und Gesellschaft in Rom.

[402] Dies bezieht sich nicht nur auf des Tiberius Zerwürfnis mit seiner eigenen Mutter (Sueton Tiberius 50 f.); Tiberius ist zugleich allen Müttern in Rom verhaßt, deren Söhne er umbringen ließ.

[403] Nach v. Duhn, Pompeji (1906), S. 102 ff.

[404] Titinius v. 70 Ribb.

[405] Titinius v. 78.

[406] Titinius v. 112.

[407] Titinius v. 140.

[408] Atta v. 7 Ribb.

[409] Afranius v. 33 Ribb.

[410] Vgl. Philologus Bd. 63, S. 459.

[411] Catull C. 54; vgl. Das antike Buchwesen S. 404.

[412] Doppelt erstaunlich ist die Kunst dieses Vergilgedichtes, da das Ganze fast Wort für Wort eine Travestie und die Umdichtung eines Catullgedichtes von ganz anderem Inhalt ist.

[413] Epode 4.

[414] Epode 2.

[415] Das heißt: In den Strom wirft. Der Hebrus ist ein Strom im winterlichen Thrazien, die heutige Maritza.

[416] Dominus deus; vgl. Römische Charakterköpfe 3 S. 282.

[417] Vgl. zu diesem Gedicht Donats Bemerkung zu Terenz Adelph. 540.

[418] Römische Kulturgeschichte S. 52. Man wolle indes darum nicht glauben, daß die Medizin im Altertum auf einer niedrigen Stufe stand. Im Gegenteil: bis zu welcher bewundernswerten Höhe die wissenschaftliche Medizin sich damals entwickelt hat, ist weltbekannt. Ich habe in meinem Roman „Menedem der Ungläubige“ davon beiläufig ein Bild zu zeichnen versucht.

[419] Einige weitere Übersetzungen habe ich in meine Gedichte, die den Titel „Artiges und Unartiges“ tragen, eingeschaltet.

[420] In Curetium; in Hadrianum.

[421] Man vergleiche hierzu die Erklärung des petaurista bei Festus p. 206 M.

[422] Afranius v. 8 Ribb.

[423] Anthologia latina Nr. 303.

[424] Martial VI 62, vgl. VII, 95, 15.

[425] Martial X, 2, 13.

[426] Martial X 76. Die Sänftenträger werden z. B. VII, 53, 10; IX, 2, 11 und 22, 9 erwähnt.

[427] VII, 55, 7.

[428] XII, 57, 13.

[429] XI, 94.

[430] VII, 30.

[431] XI, 96; vgl. hierzu meine Schrift „Die Germanen“ (München 1917), S. 107.

[432] In der Übersetzung dieses Gedichtes habe ich ausnahmsweise mir erlaubt, die Schlußwendung etwas abzuändern, da sie sonst weniger verständlich wäre.

[433] Vgl. Rhein. Museum Bd. 69, S. 387.

[434] ad nationes II, 12 f.

[435] Ebenda 11, 8 f.