Touren ab Zwickau.

46. Zwickau-Waldenburg (24 km). Wolkenburg (6 km). Penig (5 km). Rochsburg (6½ km). Cossen (4½ km). Rochlitz (9½ km). Colditz (11 km). Grimma (16 km). Leisnig (22 km). Döbeln (16 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (über Kriebstein und Ringethal 13½ km). Chemnitz (18 km). Zwickau (49 km).

Anmerkung. Sämmtliche hier genannte Routen, die alles touristisch Interessante an den unteren Mulden und an der unteren Zschopau einschliessen, haben bereits Beschreibung in anderen Touren gefunden und es sei deshalb auf das Routennetz verwiesen. Dasselbe gilt auch von der nächstfolgenden Tour Nr. 47.

47. Zwickau-Rochlitz (55 km). Geithain (9 km). Frohburg (10½ km). Kohren (über Gnandstein 8 km). Penig (13 km). Zwickau (35 km). Näheres siehe Routennetz.

48. Zwickau-Wiesenburg (11 km). Aue (18 km). Schwarzenberg (11 km). Johanngeorgenstadt (17 km). Platten (6½ km). Bäringen (3½ km). Lichtenstadt (10 km). Karlsbad (12 km).

Wir fahren am Besten mit Dampf durch das Zwickauer Schachtrevier und an der Marienhütte vorüber. Bei Station Wiesenburg rechts Schloss und Ruine Wiesenburg. In den restaurirten und neuerrichteten Gebäuden ist ein Bezirksarmenhaus untergebracht. Das Muldenthal wird enger und romantischer. Bei Stein, Station für Hartenstein, das interessante Schloss Stein. Die Mauern sind ähnlich, wie bei dem Schloss zu Weesenstein mit dem Felsen verwachsen, der bis zum dritten Stockwerk reicht. Der seltsame Bau steht dicht am Wasser, was ihn besonders romantisch erscheinen lässt.

Anmerkung. 2½ km von Stein entfernt muldenaufwärts liegt links des Weges am Abhang die Prinzenhöhle; es ist das ein verlassener Bergstolln, ehemals die Teufelskluft genannt. (20 m tief.) Die Ritter Mosen und Schönfels, die Genossen des Kunz von Kauffungen, hielten sich hier drei Tage lang mit dem Prinzen Ernst verborgen, traten dann bekanntlich mit dem Amtmann von Hartenstein in Unterhandlung, welche die Rückgabe des geraubten Prinzen zur Folge hatte. (11. Juli 1455.)

Die Bahn folgt auch ab Stein den Krümmungen des Flusses. Rechts auf einem Felsenvorsprung liegen die Trümmer der Isenburg. Bei Station Niederschlema zweigt sich ein Tract nach Schneeberg ab. An einem Thalkreuz, wo das Schwarzwasser sich in die Mulde ergiesst, liegt

Aue. Erzgeb. Hof. Bahnhofseiche. Blauer Engel. Rathskeller. Rest. zur Lederschürze. Schiesshaus. Brauerei mit Gartenrest. 3000 Einw. Am Bahnhof 348 m ü. M. Feldbau. Klöppelei. Schnupftabaksdosenfabrik. Fabrik hölzerner Pfeifenköpfe. Gessners Maschinenfabrik. Viele Blecharbeiten werden hier gefertigt, auch besteht eine Fachschule für Blecharbeiter und eine Fabrik, die für diese Branche speziell Hilfsmaschinen baut. Das nahe Klösterle beherbergte einst einen Mönchsorden, der schon im 12. Jahrhundert gegründet worden war. 1429 zerstörten die Hussiten das Kloster. Aue liegt im Centrum zweier schöner Thalzüge und ist Eisenbahnkreuzpunkt, daher für Sommerfrische und kleinere Ausflüge sehr geeignet.

Die Bahn verlässt hinter Aue das Muldenthal und strebt im Schwarzwasserthal aufwärts. Links das grosse königl. Blaufarbenwerk Pfannenstiel, später die Dörfer Bernbach (links) und Lauter (rechts). Diese Dörfer mit Beierfeld nennt man kurz die Blechlöffeldörfer. Das Schmieden der Blechlöffel ist eine inter. Hausindustrie. Drei Mann stehen in der Regel am Feuer. Jeder Löffel wird einzeln ausgeschmiedet. Das Verzinnen und Polieren geschieht durch Frauen- und Kinderhände. In Lauter herrscht die Korbflechterei vor, mit der sich etwa 400 Personen befassen. Man fertigt Spahnkörbe und Ruthenkörbe, die letzteren gehen meist nach Süddeutschland. Hinter Lauter wird das Thal freier und zeigt einen sehr freundlichen Charakter.

Schwarzenberg. Rathskeller. Hotel de Saxe. Bauers Rest. am Ottenstein. 3500 Einw. Am Schloss 475 m ü. M. Klöppelei. Baumwollenspinnerei. Drahtzieherei. (Sehr inter. zu sehen; man zieht Draht bis zu den feinsten Sorten.) Korksohlenfabrik. Handschuhnäherei. Das alte Schloss, eine Slavengründung, mag dem 11. Jahrh. entstammen; es war in böhmischem Besitz bis zum Jahre 1459, da es als Heirathsgut einer böhmischen Königstochter (Sidonie) an Albrecht den Beherzten fiel, der einst in der Nähe Schwarzenbergs, am Fürstenberg durch den Köhler Rettung gefunden. »Albertstift«, nennt sich ein Rettungshaus für jugendliche Verbrecher.

Spaziergänge. Die Umgebung Schwarzenbergs ist an Promenaden und schönen Spaziergängen sehr reich und in neuerer Zeit hat sich der Gebirgsverein nach dieser Richtung besonders verdient gemacht. Sehr stark wird das reizend gelegene Bad Ottenstein mit Bauers Restaurant besucht. (Jetzt vorzugsweise Sommerfrische.) In der Nähe Promenaden durch Wald und Fels. (Auch Aussichtsthurm.) Die Todtensteinpromenade gewährt nicht minder schöne Landschaftsbilder. Vom Rockelmann und anderen umliegenden Höhen fesselnde Blicke auf Stadt und Umgebung.

Anmerkung. Der Gebirgsverein von Schwarzenberg, einer der regsamsten des Gebirges, beabsichtigt die Morgenleithe, einen doppelrückigen Höhenzug mit einem Aussichtsthurm zu versehen und hat als Provisorium einen Leitermast aufgestellt. 808 m ü. M. Man geht auf der Eibenstocker Strasse dahin. 5½ km. Der Aussichtspunkt liegt rechts der Strasse (Wegweiser.) Der Punkt liegt inmitten grossartiger Forsten und gewährt ein grosses Halbkreisbild, ähnlich und beinahe ebenso umfassend wie das vom Auersberg. Links schliesst dieses Bild der Auersberg, rechts schliessen es die Höhen bei Marienberg ab. Gegen Norden taucht am Horizont noch der Rochlitzer Berg auf. Inmitten dieses Rahmens liegt der ganze reichgeformte Nordabhang des Centralgebirges. Von den Bergen des Kammes sind sichtbar: der Hassberg, der Spitzberg bei Orpus, der Fichtelberg, der Spitzberg bei Gottesgabe und ferner die ausgedehnte Waldregion gegen Johanngeorgenstadt hin. 1½ km gegen Norden von dem Leitermast entfernt, erhebt sich ein Felsen, der wie eine Bastei über dem Bockauer Thalgrund aufragt. Schöner Blick auf die reichbewegte Landschaft mit dem Muldenthal, auf Zschorlau hinüber und auf das Schneeberger Schachtrevier mit dem Filzteich. Links davon liegt der Kuhberg bei Schönheide. (Von hier bis zur Station Bockau durch das Dorf Bockau 4½ km.) In der Nähe des Bockauer Bahnhofs beginnt die Flossgrabentour. Am Flossgraben entlang und dann nach Aue 7½ km.) Näheres Routennetz.

Wir dringen nun zu Fuss im Schwarzwasserthal aufwärts, (eine Bahn nach Johanngeorgenstadt ist bereits tracirt und wurde Frühjahr 1881 in Angriff genommen) und gelangen in die Schwarzenberger Eisenregion. Bermsgrün bleibt rechts, Crandorf und Grosspöhla links, Erla liegt am Wege.

Anmerkung. Der treffliche Eisenstein, der in dieser Gegend gefunden wird, kommt hier in Hohöfen zur Verhüttung und das gewonnene Eisen auch zum Theil an Ort und Stelle zur Verarbeitung. Man sehe zu, Zeuge zu werden, wenn ein Hohofen zum Abstich gelangt. In feurigen Rinnsalen schiessen die glühenden Ströme den Formen zu, in denen sie zu sogenannten »Gänzen« erhärten. Die Hammerschmiede sind ein lustiges Völkchen, sorglos, treuherzig, zu Schwänken geneigt. Die Bermsgrüner, aus dem bairischen Fichtelgebirge eingewandert, haben noch heut ihre eigenen Sitten nicht ganz aufgegeben und gelten als die muntersten. (Merkwürdiger Dialekt.)

Auf der Weiterwanderung passiren wir die Antonshütte, ehemaliges königl. Hüttenwerk. Grossartige Wasserkraft durch Turbinenbetrieb. Magnetenberg 755 m. Einer starken Krümmung des Schwarzwassers folgend, streifen wir den unteren Theil von Breitenbrunn. (Hohöfen.) Hinter Breitenbrunn beginnt der Granit. Die Strasse steigt mehr und mehr und die Thalgehänge werden niedriger; wir gelangen auf die Kammhöhe. Hier liegt am Fastenberg

Johann-Georgenstadt. Rathskeller. Hotel de Saxe. 4400 Einw. Am Gerichtsamt 748 m ü. M. Der Bergbau ist mehr und mehr zum Erliegen gekommen; jetzt treibt man Kunsttischlerei, Handschuhnäherei, Bandzäckchenfabrikation. Johann-Georgenstadt ist die jüngste Stadt des Erzgebirges, ihre Gründung verdankt dieselbe der jesuitischen Unduldsamkeit, welche unter Kaiser Ferdinand III. in Oestreich florirte; entgegen dem Vertrag wurden die letzten Protestanten aus dem nahen Platten und aus Gottesgabe vertrieben. Kurfürst Johann Georg erbarmte sich ihrer und gab ihnen Grund und Boden auf dem Fastenberg und bald entstand die junge Bergstadt. Das Denkmal Johann Georgs schmückt den hübschen Marktplatz. Am Schillerbrunnen auf dem Markt rettete sich während des grossen Brandes eine Frau vom sicheren Flammentode dadurch, dass sie sich durch ununterbrochene kalte Douchen vor dem Anbrennen schützte; sie war rings von brennenden Holzgebäuden eingeschlossen. Bei jenem Brand am 19. Juli 1867 wurde die Stadt bis auf wenige Häuser verzehrt, doch ist sie weit schöner aus der Asche wieder erstanden. Die neugoth. Kirche ist von Baumeister Arnold. Im Thale unter der Stadt liegt Wittichsthal, eine Zoll- und Durchgangsstätte für Karlsbadreisende.

Kleine Ausflüge. Nach den barocken Felspartien Teufelskanzel, Schneiderfels und Hefenklöse, wie nach dem Teufelsstein im Steinbachthale. Dieser Stein gleicht in der That einer grotesken Höllenburg mit Felsenthürmen und Zinnen.

Anmerkung. Eine inter. Strasse führt von Johann-Georgenstadt an grossen Torfmooren vorüber nach Steinbach. (850 m.) Hier liegt im Forsthaus der Schlüssel zum Thurm des Auersbergs. Bis zum Gipfel 8 km.

Nach der entgegengesetzten Richtung führt ein inter. Weg im Schwarzwasserthal aufwärts. Anmuthige Partien an dem wilden Gewässer, das hier über grosse Felsblöcke schäumt und braust, und ein echtes Bergwasser von Gebirgsscenerien umgeben darstellt. Wir berühren die Orte Jungenhengst und Zwittermühl und erreichen in Seifen den höchsten Kammzug des Erzgebirges, der bis zu 1050 m ansteigt. Die Strasse läuft auf diesem frostigen Plateau mit dem Plattengraben parallel. Die Rauhheit des Klimas findet erst im höchsten Norden Europas ebenbürtige Rivalen. Ackerbau ist ganz unmöglich. Am sogenannten Plattenberg finden sich sogar Bingen, in denen uralter Schnee lagert. Auch soll die isländische Zwergbirke hier und da zu finden sein. Nachdem der Gottesgaber Spitzberg (rechts) passirt ist, gelangt man nach Gottesgabe, s. [S. 106]. Ganze Wegstrecke 16 km. (Der Spitzberg, jetzt bewachsen, gewährte früher umfassende Blicke auf Böhmen.)

Der Tour treu wandern wir am Breitenbach aufwärts die Strasse nach Platten. Unterwegs passiren wir die Dreckschenke, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das seinen populären Namen dem ehemals schlechten Zustand der Strasse zu verdanken hat.

Platten. Zum Rathhaus. Weinschank. 2600 Einw. 887 m ü. M. Platten hat in neuerer Zeit kein Brandunglück erlebt und giebt daher wie Katharinenberg und Kupferberg noch das Bild eines früheren erzgeb. Bergstädtchens. (So sahen sie alle aus.) Löffelschmiederei. Handschuhnäherei. Platten war mit der Herrschaft Schwarzenberg sächsisch geworden, doch fiel es bei späterer Grenzregulirung an Böhmen zurück. Am südöstl. Eckhaus des Marktplatzes ist noch ein kursächsisches Wappen zu sehen. Am Plattenberg liegen die Schneebingen, verlassene Zinnbergwerke, in denen der Schnee nie zum Schmelzen gelangt.

Bäringen, unser nächstes Ziel, ist ein armseliges Bergstädtchen mit 1200 Einw. Spitzenklöppelei. Weberei. Eigenartig ist hier die Zucht und Dressur von Gimpeln; die Thiere werden nach einem Leierkasten angelernt, wozu nichts erforderlich ist, als ein langes unverdrossenes Ableiern ein und desselben Stückes. Besonders gelehrige Thiere erlangen Preise bis zu 20 fl.; »reine Pfeifer« sind indess selten.

Von hier führt die Strasse am Bäringer Bach abwärts nach Lichtenstadt, das bereits am Fusse des Erzgebirges liegt. Am Gebirgshang inter. Judenkirchhof mit schöner Aussicht auf das weite Egerthal. Von hier über das grosse Kirchdorf Zettlitz. Guter billiger Gasthof. Die Zettlitzer Wallfahrtskirche ist der hl. Anna geweiht. In der Nähe Tagebaue von Braunkohlen, die zum Theil in Brand gerathen sind.

Carlsbad siehe [Seite 99].

49. Zwickau-Aue (29 km). Grünhain (8½ km). Elterlein (5 km). Annaberg (11 km). Weiter nach dem Kamme zu oder in die Olbernhauer Gegend siehe Routennetz.

Von Aue (siehe Routennetz) wenden wir uns, am Blaufarbenwerk vorüber, nach Oberpfannenstiel. Schöne Waldstrasse. In der Nähe von Oberbernsbach, das wir nicht streifen, herrliche Aussicht auf das Schwarzwasserthal und nach dem Obererzgebirge hinauf.

Grünhain und Elterlein [Seite 111].

Ein direkter Weg führt von Elterlein nach Herrmannsdorf und über Frohnau nach Annaberg, freilich stark über Berg und Thal hinweg. (11 km.) (Bei Herrmannsdorf passiren wir die Zschopau.) Ueber Schlettau 12½ km.

50. Zwickau-Schwarzenberg (40 km). Rittersgrün (8½ km). Gottesgabe (13 km).

Bis Schwarzenberg siehe Routennetz. Von hier nach Erla und Crandorf (Eisenindustrie) und nach Globenstein, das inmitten eines Felsenthales mit ansehnlichen Felsgebilden liegt. Weiter schreiten wir am Sonnenberg vorüber. Nun immer dem schäumenden Pöhlbach folgend nach Rittersgrün. 3000 Einw. Gasthaus. Rest. der Wittwe Hentschel. Von hier durch unabsehbare Gebirgswälder entweder über Ehrenzipfel und die Tellerhäuser, oder auch über Dorf Goldene Höhe nach den sogenannten Försterhäusern und nach Gottesgabe.

Tellerhäuser nennt sich ein im Entstehen begriffenes Dorf. Pollers Gasth. Am Schulhaus 921 m ü. M. Die 152 Einw. sind fast von der Welt abgeschlossen; die Erziehung der Kinder war nach modernen Anforderungen unmöglich, bis die Regierung zum Schulbau und Erhaltung des Lehrers Subventionen bewilligte. Um die Ansiedlung volkreicher und dadurch selbstständiger zu machen, wird an Ansiedler Waldland billig abgegeben. Gottesgabe siehe [Seite 106].

51. Zwickau-Wildenfels (10 km). Hartenstein (5 km). Lössnitz (7½ km). Zwönitz (zu Fuss 6½ km). Geyer (8½ km). Weiter siehe Routennetz.

Anmerkung. Die Tour, zum grössten Theil schon beschrieben ist als Fusstour gedacht.

Die Strasse nach Wildenfels führt an der sogenannten »Weltkugel« oder »Dampfschiff« vorüber. Der aussichtsreiche Punkt liegt 340 m hoch. Nun auf dem Rücken des gewonnenen Höhenzuges, der bis 382 m ansteigt weiter und dann hinab nach

Wildenfels. Drei Kronen. 2900 Einw. Schöngelegenes Städtchen mit einem gräfl. Solms'schen Schloss, in dessen inter. Garten unter anderem auch Feigenbau betrieben wird. In der Kirche Altargemälde »Christi Versuchung« von Vogel, einem geborenen Wildenfelser. In der Nähe befinden sich Marmorbrüche. (Bunter Marmor.) In der gräfl. Solms'schen Bibliothek 8 Urnensteine, welche im nahen Dorfe Weisbach 1716 ausgegraben wurden. Die Urnen mit ihren Inschriften (schwer leserlich) zählen zu den ältesten Schriftendenkmälern Deutschlands.

Nun auf anmuthiger Strasse nach Hartenstein (siehe [Seite 114]). Am Wege nach Lössnitz lässt sich die Prinzenhöhle mit besuchen. Man geht in diesem Fall hinab nach Stein und stromauf (2 km) bis an den Wegweiser »zur Prinzenhöhle«, im Fall dieser fehlt, gebe der Anfang eines Sumpfes, der von dem früheren Muldenbett herrührt, das Signal zum Ersteigen des Abhanges, an dem die Prinzenhöhle liegt. (Siehe diese [Seite 120].) Von hier geht man nach Alberode und über die »Dürre Henne« nach Lössnitz. Andernfalls benutzt man von Hartenstein die etwas kürzere Strasse über Raum und Grüna dahin.

Lössnitz siehe [Seite 114].

Von hier nach Zwönitz wird sich die curvenreiche Bahnfahrt nicht erst verlohnen. Man schlägt den Weg über Dittersbach ein.

Zwönitz siehe [Seite 114].

Nach Geyer führt eine einsame Waldstrasse, die bis 732 m ansteigt. Unterwegs rechts eine Edeltanne mit Erinnerungsstein an König Johann.

Geyer siehe [Seite 110].

52. Zwickau-Schwarzenberg (40 km). Sosa (13 km). Eibenstock (4½ km). Schönheide (5 km). Kirchberg (über Neuheide und den Kuhberg 18 km). Zwickau (12 km).

Von Zwickau bis Schwarzenberg siehe Routennetz.

Man geht von hier die Eibenstocker Strasse. (Die Morgenleithe s. [Seite 121].) Der Ochsenkopf bleibt links. Am Jägerhaus 779 m u. M. Gasthof. Bald darauf bergab nach Sosa. Hübsch im Thalzug gelegenes Dorf. Von hier führt ein direkter Fusspfad quer durch den Bockaugrund, (wo ehemals die Zimmersacherhäuser standen) und dann hinauf nach

Eibenstock. Rathhaus. Stadt Leipzig. Am Gerichtsamt 628 m ü. M. 6700 Einw. Sitz eines Hauptzollamts und einer Oberforstbehörde. Eibenstock betreibt vorwiegend die Tambouririndustrie, d. h. Weiss- und Buntstickerei auf Rahmen mit der Hand und mit Stickmaschinen. Eingeführt wurde diese Industrie 1774 durch Frau Clara Angermann, der Gattin eines Forstbeamten, die aus Byalistock gebürtig war; sie soll die Kunst in einem Thorner Nonnenkloster erlernt haben. Sehr zahlreiche weibliche Arbeitskräfte verdanken der Branche Brod und Verdienst. Eines weitverbreiteten Ansehns im Erzgebirge erfreut sich der »Eibenstöcker«, ein Liqueur. Die Stadt ist nach dem Brande (1862) fast völlig neu aufgebaut worden und macht einen behäbigen, in manchen Strassen sogar vornehmen Eindruck. Die grosse neue Kirche in modern-romanischem Styl errichtet, besitzt eine Fensterrosette mit Glasmalerei: »Christus lehrt im Kreise seiner Jünger.« Das Freskogemälde, hinter dem Altar, die Auferstehung Jesu, ist von Simonson in Dresden. Ein Serpentinsteindenkmal in der Taufhalle ist den 1870–71 in Frankreich gebliebenen Stadtkindern gewidmet.

Kleine Ausflüge. Nach dem Adlerfelsen 3½ km. Liegt am Fussweg nach Carlsfeld. Der Eibenstöcker Gebirgsverein errichtete hier eine Aussichtshalle, von der man schöne Blicke auf Stadt und Umgebung geniessen kann. Der Bühelberg liegt rechts der Strasse nach Muldenhammer (656 m) 1½ km. Vom sogenannten Flachfelsen 2½ km, schöne Thalbilder. (Kleines und grosses Bockauthal.)

Besteigung des Auersbergs. Eibenstock ist die Hauptstation für Besteigung des höchsten Berges im westlichen Erzgebirge. Man lasse sich den Schlüssel im Eibenstöcker Rentamt geben. Wer den Berg von Wildenthal aus besteigt, hole sich den Schlüssel beim Waldwärter Schneidenbach. Die beliebteste Art der Ersteigung ist: über das Nonnenhäuschen durch das Bockauthal und auf den neuen Bärenweg nach der grossen Schneuse, die den Berg der Länge nach in zwei Hälften theilt und in deren Mitte der Thurm sich erhebt. Gewöhnlich steigt man dann vom Thurm aus nach Wildenthal hinab. Die Tour lässt sich natürlich auch umgekehrt machen. (1121 m Seehöhe. Thurm 16 m.)

Aussicht. Ueber den Höhen hin, die das Erzgebirge im Westen abschliessen, sehen wir das Voigtland mit der Göltzschthalbrücke und unzähligen Ortschaften, dahinter die Thüringer Vorberge, davor den Kuhberg, den breitrückigen Schnarrtanner Berg. Im Norden verliert sich das Auge in der weiten norddeutschen Ebene, nur die menschliche Sehkraft zieht der Ausschau hier Grenzen. Die Leipziger Thürme, das Altenburger Schloss und der Petersberg bei Halle geben für das Auge schwache Anhaltspunkte. Näher heran sieht man die Waldenburger Höhen, den Rochlitzer Berg mit seinem Thurm, den Kapellenberg, die Stadt Hohenstein, rechts davon die Chemnitzer Rauchwolke hinter den Höhen von Lössnitz. Von Osten schauen die bekanntesten Berge des Erzgebirges herüber. Die beiden Riesengräber, der Pöhlberg und der Bärenstein, erscheinen sehr nahe, die Stadt Annaberg ist am Abhang des ersteren sichtbar, weiter hinaus zeigt sich die schwarze Tellkuppe bei Bärenburg ohnweit Dippoldiswalde, näher der Scheibenberg, als dritter im Bunde der drei Basaltberge, ferner der Ochsenkopf und nun vor Allem die beiden Hünen, der Fichtelberg und der Keilberg, die von keinem Ort gigantischer erscheinen, als von ihrem Kameraden, dem Auersberg aus. Der Thurm auf dem Fichtelberg ist sichtbar und am Abhang lugen die Tellerhäuser aus ihren Waldverstecken hervor. Gegen Süden hin deuten dunklere Linien im Walde Thäler an und hervorragende Höhen sind nur der Hirschberg, der Spitzberg bei Fribus und der grosse Rammelsberg. Wir blicken sodann die grosse Schneusse hinab; ihr zur Linken buchtet sich das grosse Bockauthal ein, ihr zur Rechten das kleine; vor uns am Fuss des Berges treffen beide Thäler zusammen und die verdoppelte Bockau strömt hinab ins Muldenthal. Links drüben liegt Eibenstock, rechts das Dorf Sosa. Das Muldenthal ist abwärts weithin zu verfolgen, so auch das Schwarzwasserthal, das grosse Dorf Breitenbrunn breitet sich an seinem rechtsseitigen Abhang aus, ganz hinten, wo das Thal sich zu verlieren scheint, lugen die obersten Häuser von Johanngeorgenstadt neugierig hervor und gegen Süd und Südwest ist nichts zu schauen, als abermillionen Baumwipfel.

Der Thurm, ein stattlicher Bau, imponirt schon durch seine Höhe und der Styl ist trotzig und ernst, wie es der Berg und seine Kinder selbst sind. Die Granitzinnen zu seinen Häuptern geben ihm etwas von einem reckenhaften Krieger aus der Vorzeit.

Wildenthal, am Fuss des Auersberg, erfreut sich einer herrlichen Thallage an der grossen Bockau. Gasthof am Auersberg. Neuerdings beliebte Sommerfrische. 732 m ü. M. 600 Einw. Grossartige Landschaftsscenerie. (Das Thalgehäng des Auersbergs hat von der Sohle der Bockau 400 m Höhe.)

Anmerkung. Wildenthal liegt an der Eibenstock-Karlsbader Strasse. Dieselbe überschreitet den Kamm hinter Oberwildenthal bei 931 m Seehöhe, doch gewährt sie keine umfassende Fernsicht nach Böhmen hinab. Sie führt über Hirschenstand im Thalzug hinab nach Neudeck. (12 km.) Hier ein hübsches Schlösschen und der 468 m hohe Kreuzberg. Sodann berührt sie Voigtsgrün, Altrohlau (hier brennende Kohlengruben, verlassene Tagebauten) und später Zettlitz. Siehe [Seite 124]. Von Neudeck bis Karlsbad 16 km.

Eine andere Strasse führt von Wildenthal über Weitersglashütte am Kranichsee vorüber nach Sauersack, einem elenden, verlassenen Gebirgsdorf, und nach Friebus (12 km, 879 m Seehöhe) und nun stark bergab nach Schönlind und Heinrichsgrün (11 km) und nach Falkenau an der Eger. Siehe Routennetz. (Man kann auch ab Schönlind oder auch ab Heinrichsgrün Eisenbahnanschluss suchen an der Linie Grasslitz-Falkenau.) Im Anfang streift diese Strasse nur öde Hochgebirgsgegend und doch ist der Weg sehr interessant; wo sie bei 929 m Seehöhe den Kamm und die Grenze überschreitet, berührt sie auch den Kranichsee, einen ausgedehnten Hochmoor. Der schlammige Grund, der nur krüpplige Bäume trägt, ist bis 17 m tief. Sein Umfang mag 8 bis 9 km betragen und er stellt ein wirthschaftlich-hochwichtiges Wasserreservoir dar. Drei rostbraune Bäche, die Wiltzsch, die Pyra und die Rohlau entquellen dem Hochmoor und ihr bedeutender Wasserreichthum ist ein ungewöhnlich constanter. Inter. Flora.

Eine dritte Variante ist: Wildenthal-Weitersglashütte-Forsthaus Nancy 15 km. Silberbach-Grasslitz 8 km. Man passirt gleichfalls den ebenbeschriebenen Kranichsee, gewinnt dann bald ein liebliches Thal und berührt das idyllische Forsthaus Nancy. Sodann geht man über Silberbach an der vielbesuchten Reimermühle vorüber nach Grasslitz. (Siehe [Seite 137].).

Eine wichtige Partie für unsere heimische Touristik ist ferner folgende: Wildenthal-Karlsfeld 5 km und von hier im Wiltzschthal abwärts nach Station Wiltzschhaus 7½ km. Zwischen Wildenthal und Karlsfeld, in der Gegend, wo sich die Strasse nach dem Kranichsee und nach Böhmen hin abzweigt, liegt der Tract 876 m hoch.

Karlsfeld. Börners Gasthof. 1700 Einw. An der Oberförsterei 826 m ü. M. Den einsam in einer ungeheuren Waldregion gelegenen Flecken gründete der Bergherr Schnorr aus Schneeberg, der ein grosses Eisenwerk der billigen Hölzer wegen errichtete. 1688 baute er die achteckige Kirche; sie besitzt 5 Oelgemälde, die nicht ohne Kunstwerth sind, darunter die Portraits von Luther und Melanchthon. Vor der Kirche ein Denkstein mit dem Bildniss König Johanns.

Das Eisenwerk ist seit 1823 eingegangen und der Staat kaufte die dazu gehörigen ausgedehnten Forsten an, wobei der Baumstamm auf 3 Pf. zu stehen kam. 1830 half ein Verein von Menschenfreunden den der Armuth verfallenen Einwohnern durch die Einführung der Uhrenfabrikation auf. Man baut jetzt mit gutem Erfolg allerhand Uhren, kostbar und gering, gross und klein, von der Damenuhr bis zur Thurmuhr. Auch eine Actiengesellschaft hat sich hier etablirt und betreibt dieselbe Industrie. Von technischem Interesse ist die Herstellung gewöhnlicher Uhren-Gewichtketten durch Maschinen. Nach Carlsfeld nennt sich auch die Familie Schnorr von Carolsfeld, welcher der grosse Bibelillustrator angehört.

Anmerkung. Die Weiterwanderung im einsamen Wiltzschthal hinab hat seine eigenartigen Reize. Ebenso einsam und reizvoll durch unabsehbaren Wald ist der Pfad über einen 895 m hohen Bergrücken nach Morgenröthe, das im schönen Thale der Pyra liegt. Höchst malerischer Punkt. Bei dem Lattermann'schen Hammerwerk Morgenröthe befindet sich ein Forsthaus, Forellenzucht und ein kleiner Wildpark. Im Pyrathal entlang gehend, kommen wir nach Rautenkranz. Siehe [Seite 135]. Die Weglänge Karlsfeld-Morgenröthe-Rautenkranz beträgt 9 km.

Der Tour treu gehen wir von Eibenstock nach Schönheide. Unterwegs imposante Granitpartien an der Strasse und unten an der Mulde. Das Hammerwerk Schönheide gehört einem Herrn von Querfurt. Durch das Hammerwerk lässt sich die bedeutende Krümmung der Strasse nach Schönheide abschneiden.

Schönheide. Bairischer Hof. Rest. zum Rathhaus. Gambrinus. Centralhalle. 5500 Einw. 578 m ü. M. Tambourirstickerei. Weberei. Sammetstickerei und Handschuhnäherei. Bedeutend ist die Schönheider Pinsel-, Bürsten- und Kehrbesenfabrikation. Man kennt etwa 150 Sorten Pinsel, 500 Sorten Bürsten und 50 Sorten Kehrbesen. Der Vertrieb geschieht in der Hauptsache jetzt kaufmännisch, doch ziehen noch immer viele Bürstenhändler, die als ein lustiges Völkchen des Erzgebirges gelten, von Schönheide in die Welt hinaus und vertreiben ihre Waaren im Hausirhandel.

Ueber dem Dörfchen Neuheide liegt der Kuhberg. 784 m ü. M. Freie und isolirte Bergkuppe mit einem Aussichtsthurm vom Schönheider Gebirgsverein errichtet, der nach dem hohen Protector des Erzgebirgsvereins Prinz-Georgsthurm getauft wurde. Man übersieht von hier so ziemlich das ganze Voigtland, dahinter taucht das fränkische Gebirge auf, näher liegen die ungeheuren Waldungen des Kammes, ferner übersehen wir das Centralgebirge mit Keil- und Fichtelberg und seinen Basaltkegeln und die Abdachung des Gebirges bis gegen Zwickau hinab. Auch die Unterstandshütte ist ein Werk des Schönheider Gebirgsvereins.

Anmerkung. Ein lohnender Ausflug ab Schönheide ist auch nach dem Laubberg. 708 m ü. M. Vom Gasthof 5½ km. Auch Schnarrtanne, ein weitzerstreutes Dorf, in der Nähe des Laubbergs, gewährt von den oberen Häusern aus ein herrliches Panorama auf das Voigtland mit seinen Städten, Dörfern, Flussthälern und Riesenbrücken. Vom Laubberg schöner Weg nach Bad Reiboldsgrün 2 km. (Siehe [Seite 135].)

Haben wir den Kuhberg besucht, schreiten wir direct hinab nach Rothenkirchen, Bärenwalde und Hartmannsdorf. Die Weglänge bis Kirchberg beträgt 13½ km. Davon sind 9 km ununterbrochen mit Häusern besetzt.

Kirchberg. Zum Rathhaus. Deutsches Haus. Zum Brühl. Restaurant zur Post. 6600 Einw. 355 m ü. M. Anmuthig am Berghang gelegene Industriestadt. Tuchfabriken. Lebhafter Verkehr. Auf den Höhen in der Nähe gefällige Umschau auf Stadt und Umgebung.

Von hier am Kippenberger Bach abwärts nach Station Wilkau und zurück nach Zwickau.

53. Zwickau-Schneeberg (per Bahn 32½ km, von Wiesenburg ab zu Fuss 10 km). Aue (5 km). Flossgrabentour-Blauenthal (12 km). Eibenstock (neue Strasse 4½, alte 3 km). Schönheide (5 km). Rautenkranz (8 km). Reiboldsgrün (4½ km). Auerbach (5 km). Lengenfeld (8 km). Zwickau (23 km).

Mit Bahn nach Schneeberg oder doch bis Wiesenburg. Von hier führt die Silberstrasse nach Schneeberg. Von Oberweissbach lohnt sich ein Abstecher nach den Hirschenstein. Man geht von Oberweissbach durch den Wiesenburger Wald; eine schnurgerade Schneusse führt auf den 605 m hohen Gipfel (3 km). Sehr schöne Aussicht auf die Abdachung, wie auf das Centralgebirge des Erzgebirges.

Vom Gipfel des Berges nach Lindenau und über Neustädtl nach Schneeberg.

Anmerkung. Eine andere Version ist Eisenbahnfahrt von Zwickau nach Stein. Von hier nach den Ruinen der Isenburg (2½ km) und durch den Poppenwald nach Niederschlema 2 km. (Aussichtsreicher Arminiatempel.) Von hier am grossen Blaufarbenwerk vorüber nach Oberschlema und Schneeberg.

Schneeberg. Sächs. Haus. Fürstenhaus. Stadt Leipzig. Sonne. Rest. zur Himmelsleiter. Siegels Rest. Rathskeller. Grüne Laube. Petersens Gartenrest. 7642 Einw. Am Rathhaus 466 m ü. M. Die Stadt verdankt ihren Namen dem Schneeberg, auf dessen Rücken sie äusserst malerisch ausgebreitet liegt. Spitzenhandel und Klöppelei. Weisswaarenfabrikation und Stickerei. Für feinste Stickerei und für Klöppelei bestehen Fachschulen. Fabrikation von Puppen und Tuchschuhen. Der Bergbau, einst der reichste im Lande, begnügt sich, seit die reichen Silberadern erschöpft sind, mit Kobalt und Wismuth, doch ist er noch immer nicht unbedeutend. In der Georgenzeche speiste Albrecht der Beherzte am 23. April 1477 auf einer Erzstufe, welche 80,000 Mark im Werth hatte; Reste davon zeigt man noch heut im mineralogischen Museum zu Dresden.

Schneeberg ist Vorort des Vereins für Touristik im Erzgebirge, der seit seinem kurzen Bestehen durch Erschliessung neuer Aussichtspunkte und anderer touristisch-werthvoller Neuerungen alle Freunde des Erzgebirges sich zu Dank verpflichtete. Derselbe zählt 21 Zweigvereine mit 1418 Mitgliedern. Vorsitzender Seminaroberlehrer Dr. Köhler.

Die Schneeberger Kirche, die umfänglichste Kirche Sachsens, wurde von 1516 bis 1540 in spätgothischem Style erbaut. Den Hauptaltar verschleppten 1633 kaiserliche Soldaten nach Prag, doch erlangte ihn Kurfürst Johann Georg 1649 durch den westphälischen Frieden wieder zurück.

In einer künstlerisch sterilen Zeit (1705) wurde dieser Altar, der schon nach der Reformation manches Schmuckes beraubt worden war, durch den »Kunstmaler« Böhm erneuert, nur das Mittelbild blieb damals erhalten; eine historisch-treue Renovation ist projectirt, stösst aber auf Hindernisse. Ausserdem alte Gemälde, Fresken, Schnitzwerke. Inter. Begräbnisskapellen um den Altar. Der Taufstein ist aus Crottendorfer Marmor gemeisselt. Auf dem Thurm 159 Ctr. schwere Glocke, die Donnerglocke genannt; schöne Aussicht von hier auf Stadt und Umgebung.

Sehenswerth sind das Kriegerdenkmal auf dem Markt und ferner das Simon'sche Haus, auf dessen Dach eine Bildsäule, ein Mann, der unter jedem Arm ein Brod trägt. Während einer Theurung (1771–73) soll das ansehnliche Gebäude um 2 Brode verkauft worden sein. In der Realschule naturhistorisches Museum, Sonntags von 11 bis 12 Uhr geöffnet. Von dem schlossähnlichen Seminar prächtige Aussicht auf die weite, äusserst bewegte Umgebung Schneebergs.

Neustädtl, die angrenzende Schwesterstadt Schneebergs, zählt 3549 Einw. und betreibt Bergbau und dieselben Industrien wie Schneeberg.

Kleine Ausflüge von Schneeberg. Nach dem Gleesberg (mit Aussichtsthurm). 570 m ü. M. Thurm 13 m. Man geht vom Markt den Stangenberg hinab, wo Wegweiser die weitere Führung übernehmen. Sehr schöne Rundschau, in welcher Sehma-, Schwarzwasser- und Muldenthal, das ganze Centralerzgebirge, die Abdachung nach Zwickau hinab und die Bergwerksregion mit dem Filzteich und die Waldgegenden nach Eibenstock und Schönheide hinauf einbegriffen sind.

Anmerkung. 2 km von Thurm entfernt liegt im Süd-Süd-Ost der »Gemauerte Stein«. Man kann von diesem Punkte aus direct hinab nach Auerhammer oder an den Flossgraben gehen und die Flossgrabentour beginnen. (S. [S. 134].)

Ferner lohnt sich ein Gang durch das Schneeberger Schachtrevier nach dem Filzteich. Der Teich mit seinem klaren Bergwasser gleicht einem anmuthigen Bergsee, wenn auch die Ufer nicht steil sind. 1785 brach der Damm, die Wasser ergossen sich mit einem Male in die Thäler hinab und richteten namentlich in Zschorlau viel Unheil an. Er dient zum Bergwerksbetrieb. Einen hübschen Ueberblick über den Teich gewährt schon die Halde am Schacht Siebenschlehen.

Wer nicht über den Gleesberg nach Aue geht, benutzt die aussichtsreiche Strasse dahin. Von der Brünnlasschenke anmuthige Rückblicke auf Schneeberg mit seinem stolzen Seminarbau. Hinter dieser Schenke thut sich das Auer Thalbild auf.

Aue s. [S. 120].

Flossgrabentour. An der Mulde aufwärts bei Auerhammer beginnt die Granitregion, wenigstens liegt hier viel Granitgeröll. In Auerhammer Geitners Argentanfabrik, in der man das glänzende Metall nicht nur in den Schmelzöfen herstellt, sondern auch zu Draht und zu Blechen verarbeitet. Den Flossgraben, der vor uns hoch oben am Berge fliesst, erreichen wir auf einem der vielen Wege, die aufwärts führen. (Am sichersten an der Lange'schen Villa vorüber.) Sobald der Graben erreicht, haben wir an ihm einen sicheren Führer durch das wildromantische Muldenthal, durch das auch die Eisenbahn sich ihre Wege gebrochen. Rechts fliesst der Graben und hohe Berghänge mit Felsgruppen erheben sich über uns, links rauscht in der Tiefe die Mulde und dicht am Wege erheben sich alte Baumcolosse und beschatten den schönen Pfad. Den grossen Bogen des Thales, den die Eisenbahn durch einen Tunnel abschneidet, können auch wir durch einen Pfad über die vorspringende Bergnase abkürzen. Unser Pfad senkt sich dann scheinbar allmählig und erreicht am Rechenhaus das Niveau der Mulde. Hier liegt der Bahnhof Bockau.

Bockau (vom Bahnhof bis zur Kirche 3½ km). Zur Sonne, 2100 Einw. Die Einwohner betreiben noch heute den Bau medicinischer Kräuter. (Angelicawurzel, Baldrian, Rhabarber, Huflattig.) Von dem sogenannten Schneeberger Schnupftabak (in Frankreich bekannt unter dem Namen: Tabacco de Montblanc) gehen noch alljährlich 20 000 Schachteln von Bockau in die Welt hinaus; man fertigt ihn aus Veilchen, Niesswurz und Wiesenkräutern. Die alten geheimnisskrämerischen Arzneihändler aus Bockau mit ihren »Buckelapotheken« haben den modernen medicinal-polizeilichen Bestimmungen weichen müssen. Jetzt werden viel Glacehandschuhe hier gefertigt.

Anmerkung. 3½ km oberhalb Bockau liegt die Morgenleithe (s. [S. 121]). Wer nach Schwarzenberg will, kann den schönen Aussichtspunkt ohne sonderlichen Umweg mit aufsuchen.

Von Bockau ab Eisenbahnfahrt oder auch Fusstour am rechten Muldenufer (Mulde zur Linken) über Blauenthal, wo man das Thal verlässt und die alte Strasse hinauf nach Eibenstock wandert.

Eibenstock s. [S. 126]. Schönheide s. [S. 130].

Von Schönheide ab empfiehlt sich Bahnbenutzung. Die Mulde wird wasserärmer und das Thal ist weniger tiefeingeschnitten, daher landschaftlich weniger ausgiebig.

Rautenkranz. Zum Pflug. 616 m ü. M. Echtes Walddorf. Die männliche Bevölkerung findet zumeist ihr Brod durch die grossen Staatsforsten. Die Mädchen und Frauen betreiben die gleichen Industrien, wie Eibenstock.

Anmerkung. Morgenröthe (s. [S. 130]) liegt nur 3 km von hier im schönen Thale der Pyra. 3 km weiter hinauf gelangt man nach dem einsamen Sachsengrund. (7 Häuser.) Von hier führen Waldwege auf den breiten Rücken des 965 m hohen grossen Rammelsberges, dem höchsten Berge des westlichen Erzgebirges, der gleichsam den Grenzstein zwischen Erzgebirge und Voigtland darstellt; sein Gipfel trägt selbst grosse Forsten und er überragt ein unabsehbares Waldgebiet, das die Auerbacher, die Eibenstocker, die Sauersacker und Schönecker Forsten einschliesst. Von Sachsengrund über den Gr. Rammelsberg nach dem aussichtsreichen Aschberg in Böhmen 4 km. Nur mit Führer oder Specialkarte. Aschberg s. Routennetz.

Der Tour treu gehen wir im anmuthigen Zinsbachthale aufwärts nach Bad Reiboldsgrün.

Bad Reiboldsgrün, 678 m hoch, liegt inmitten grosser Forsten. Dr. Driever, der selbst einst Heilung an Ort und Stelle gefunden, leitet hier ein Bad für Lungenkranke nach denselben Principien, nach denen die Bäder Davos und Göbersdorf geleitet werden. Die Reiboldsgrüner Quelle ist ein starker Eisensäuerling (ausserdem Moor- und Stahlbäder). Schöne Waldpromenaden, idyllisches Badeleben. Im Restaurant finden auch Touristen Verpflegung. Eine herrliche Aussicht gewährt die nahe Goldene Höhe, 734 m ü. M., mit Aussichtsthurm. Umfassende Ueberschau über das reich angebaute thälerdurchzogene Voigtland mit seinen Riesenviaducten und Aussicht auf die fränkischen Berge und thüringischen Vorberge, die das Voigtland einfassen. In der Nähe grossartige Forsten. (Der Thurm erhebt sich auf dem langen Höhenzug, der das Erzgebirge vom Voigtlande scheidet und zwar an einer für Touristik höchst bevorzugten Stelle.)

Nun hinab auf der Strasse nach Auerbach. Unterwegs hübsche Ausblicke auf das Voigtland.

Auerbach. Hotel Becker. Braunes Ross. Zum Kronprinzen. Rest. zur Centralhalle. Rathskeller. Kasino. 6300 Einw. Am Gerichtsamt 468 m ü. M. Am Bahnhof 542 m ü. M. Weberei. Buntstickerei. Auerbach war einst Centrale des voigtländischen Pech- und Russhandels. Pechhütten befinden sich noch bei Schönheide, in Tannbergsthal und Schnarrtanne. Die Pechsieder sind meist aus den Dörfern Beerheide und Brunn gebürtig. Das Pechreissen geschieht im Frühjahr, wird aber nur an solchen Bäumen ausgeführt, welche zum Abtrieb gelangen sollen und auch an diesen immer seltener.

In Auerbach befindet sich auch ein Seminar; ferner ein Rittergut, an welchem ein uralter Schlossthurm zu besichtigen ist; von seinen Zinnen hübsche Blicke auf Stadt und Umgebung.

Nach Lengefeld auch Eisenbahn. Die Strasse führt über das grosse Dorf Rodewisch und über Niederauerbach. In Rodewisch werden meist Einsätze für Herrenhemden fabricirt.

Lengenfeld. Sächsischer Hof. Zum Löwen. Rest. zur Post. Hofmanns Rest. Zur Quetsche. Schiesshaus. 5200 Einw. Am Bahnhof 496 m ü. M. Tuchweberei. Die anmuthig an der Göltzsch gelegene Stadt ist nach dem Brande 1865 fast neuerbaut worden. Gefällige Kirche.

Nach Zwickau zurück benutzt man von hier die directe Bahn.

54. Zwickau-Rautenkranz (57 km). Jägersgrün (2 km). Tannbergsthal (2 km). Sachsenberg (7½ km). Grasslitz (6½ km). Klingenthal (5 km). Hoher Stein (9 km). Markneukirchen (7 km). Adorf (5 km). Elster (5 km).

Bis Rautenkranz s. Routennetz. Bei Stat. Jägersgrün verlassen wir die Bahn. (Am Gasthof 634 m ü. M.) und gehen nach Tannbergsthal.

Anmerkung. Wer den Topasfelsen, vulgo Schneckenstein, besuchen will, geht von Tannbergsthal, die grosse Fabrik links lassend, nach dem Weiler Boda und von hier mit Führer oder Specialkarte hinauf nach dem Felsen, der sich ziemlich unvermittelt etwa in der Höhe eines Tannenbaumes von einem Waldplateau abhebt. Seehöhe 874 m. Ein schneckenförmiger Felspfad führt auf den Gipfel, von dem man eine eigenartige Aussicht auf die grossen Grenzforsten geniesst, in denen man die Einsenkung der jugendlichen Mulde weithin wahrnehmen kann. Man findet in dem Gestein unzählige rostbraune Topaskrystalle, die weingelben, reinen sind freilich nur selten. Am Fusse des Felsens ein kleines Prebischthor mit Inschrift. (Bergleute drangen hier ohne Erfolg in die Tiefe.) Mit Specialkarte oder Führer auf einer der grossen Waldschneussen nach dem Tannenhaus und nach Schöneck (10 km) oder auf einem Fusspfad hinab nach Brunndöbra. 5 km.

Der Tour treu lassen wir die Tannbergsthaler Fabrik rechts und verfolgen die Strasse, die, an einem einsamen Flossteich vorüber, bis 860 m ansteigt. Dann auf den Südabhang hinab nach Steindöbra. (Inter. Holzhäuser echtes Gebirgsdorf von tyrolischem Anstrich.) Am Gasthof zum Stern hinauf nach Obersachsenberg. Gasthaus. Weitzerstreutes, armseliges aber herrlich gelegenes Dorf. Weissstickerei. Man besuche eine der Hütten. Im Fenster hängt der unvermeidliche »Grünitz« (Kreuzschnabel), die Frauen sticken an den feinsten Arbeiten und singen und lachen dabei und ein grosser Kindersegen belebt die blankgescheuerte Stubendiele. Grosse Armuth und helles Vergnügen wohnen kaum wieder so eng beisammen wie hier. Nun an den Grenzsteinen hinauf nach dem

Aschberg. 925 m ü. M. Triangulirungsstat. Herrliche Fernsicht auf das böhmische Mittelgebirge, das Egerland, auf die Höhen des Voigtlandes und auf die Waldregionen des Gebirgskammes. Aber auch die nahen Thalbilder nach Sachsenberg, Brunndöbra, Zwota, Klingenthal und Grasslitz hin sind sehr anmuthige.

Anmerkung. Mit Verzicht auf Grasslitz gehe man den Staffelweg hinab an die Strasse Jägersgrün-Klingenthal und durch einen reizenden Thalgrund nach Klingenthal.

Nach Grasslitz führt der Weg von Obersachsenberg durch Schwaderbach und durch ein ödes verlassenes Thal, in dem man früher auf Kupfer bedeutenden Bergbau getrieben, dessen Hinterlassenschaft die traurigsten Trümmerhaufen und Schutthalden bilden. Der felderbedeckte Berg mit dem scharfgratigen Rücken zur Linken ist der Hausberg.

Grasslitz. Kaiser von Oesterreich. Zum Herrenhaus. 490 m hoch an der Zwota gelegen. 6500 Einw. Industriereiche Stadt mit grossen Spinnereien und Webereien; auch betreibt man die Fabrikation musikalischer Instrumente wie zu Klingenthal und Markneukirchen (Näheres [S. 139]). Die alte Pfarrkirche besitzt einen inter. Hochaltar und alte Holzschnitzereien.

Die Stadt liegt dicht unter dem Hausberg, der mit seinem schmalgratigen Rücken wie ein Hausdach geformt ist und davon seinen Namen erhalten hat. Oben prächtige Ausblicke auf die reichgeformte Umgebung. Spuren eines alten Schlosses. An das Regierungsjubiläum des öster. Kaisers Franz Joseph (18. Aug. 1873) erinnert ein Denkmal auf dem Berge. Den eisernen Pavillon, von dem man besonders schöne Ausblicke geniessen kann, errichtete der berühmte Industrielle Joseph Ritter von Dozauer, der zu Grasslitz geboren ward. Im Thalgrund am Fusse des Hausberges 1 km von Grasslitz liegt die idyllische Reimermühle, ein Sommerrestaurant.

Nach Klingenthal führt die Strasse im Zwotathal entlang. Die Eisenbahn, die hier nur eine Lücke von wenigen Kilometern aufweist, hat leider noch keinen Anschluss finden können, so dass die Verbindung Klingenthals mit Mariakulm und Eger oder nach Karlsbad hin durch die kurze Strecke schon seit Jahren unterbrochen geblieben ist.

Klingenthal. Zum Hirsch. Altes Schloss. Rest. zur Post. Ueber der Grenze auf böhmischer Seite liegt »Die Hacke«, ein vielbesuchtes Rest. 3000 Einw. Am Schulhaus 576 m ü. M. Die Stadt, sehr anmuthig im Zwotathal gelegen, ist ein Hauptort der Instrumentenfabrikation und baut vorzugsweise Akordions, Concertinos, Mund- und Ziehharmonikas. Man besuche eines der Lager der Firmen Herold oder Dörfel und Steinfelser. Man sieht hier die Ausstattung ganz dem Geschmack der verschiedensten Völkerrassen angepasst, für welche die Instrumente berechnet sind. Man malt hier chinesisch und malaiisch, und wenn es sein muss, auch tumpuktunisch. Die Herstellung wird durch strengste Arbeitsteilung verbilligt und vereinfacht, man trifft z. B. alte Männer, die ihr Leben lang nichts als Geigenwirbel gedreht haben. Man baut Geigen bis herab zu 2 Mark das Stück und Dudelsäcke bis zu 18 Pfg. Die Industrie ist durch böhmische Exulanten nach dem 30-jähr. Kriege hier eingeführt worden. Weissstickerei wird in Klingenthal gleichfalls betrieben.

Nun durch einsame Waldgegend am 800 m hohen Ursprungberg vorüber nach Ursprung und Stein und nach dem

Hohen Stein. 767 m ü. M. Im Sommer fliegendes Restaurant. Den Gipfel bildet ein sehr harter, zerrissener, pittoresker Schieferfels. Man übersieht das weite, reiche Egerland mit Eger und Franzensbad, das böhmische Mittelgebirge, das hier mächtig, wie ein geschlossener Jurawall, aufsteigt, und das Fichtelgebirge. Besonders anmuthig und malerisch ist der Ausblick nach Erlbach und Markneukirchen hin.

Jetzt stark bergab nach Erlbach, wo man ebenfalls, wie in Markneukirchen, Musikinstrumente fabricirt, und dann nach

Markneukirchen. Rathskeller. Krone. Post. Rest. zum Schützenhaus. Paradies. Die Stadt liegt freundlich im muldenförmigen Schwarzbachthale. 5400 Einw. 504 m ü. M. Die Industrie Markneukirchens ist einzig und grossartig in ihrer Art, man fertigt alle nur erdenkbaren Musikinstrumente und Darmsaiten. Die grössten Firmen sind R. Schuster und Paulus & Schuster. Diese Industrie, die nur an wenigen Orten der Erde ihre sang- und klangfröhlichen Werkstätten aufgeschlagen, ist im hohen Grade sehenswerth, sie beruht auf strenger Arbeitsteilung, wodurch Billigkeit und Accuratesse zugleich erzielt wird.

Unter den Klängen der Markneukirchner Posaunen, Pauken, Trompeten, Schellenbäume, Hörner und Trommeln schlugen unsere Armeen die grossen Schlachten in Frankreich, verzweiflungsvoll warfen sich unter denselben Tönen die gallischen Volksheere dem eisernen und ruhig vordringenden Sieger entgegen, völkerverschlingend marschirten die russischen Colonnen unter ihnen nach Innerasien und vor Constantinopel, sie umrauschen das Sternenbanner der Union, und in allen Welttheilen lässt der englische Musikus sein mächtiges, feierliches »God save the Queen« aus Markneukirchner Instrumenten ertönen, gleichviel, ob der Frosthauch von Canada die glänzenden Flächen trübt oder ob die indische Sonne sich brennend in ihnen widerspiegelt.

Die Markneukirchener Violinen, Bassgeigen, Trompetinen, Violoncellos, Banjos, Philomelen, Metronomen, Becken, Cinellen, Triangeln, Glockenspiele, Lyras, Bratschen, Clarinetten, Oboeen, Fagotts, Flöten, Piccolos, Flageolets und Concerthörner erfreuen die Concertliebhaber aller Nationen oder fordern diese zu ihren Nationaltänzen auf. Die indische Bajadere bewegt den geschmeidigen Körper nach dem weissgaren Fell eines Kalbes, das in der Nähe Markneukirchens das Licht der Welt erblickte, und nach den süssen Klängen der Guitarren, Zithern, Lauten, Mandolinen und Harfen girrt das verliebte junge Volk aller Rassen. Wie ein ungarischer Wald von Singvögeln, so ist Markneukirchen von Musikern belebt. In allen Häusern und in allen Tonarten wird probirt und musicirt.

Als Rohmaterial werden so ziemlich alle feinen Holzarten verbraucht, welche die Erde zu erzeugen vermag. Die Pferdehaare zu den Fiedelbogen liefern Russland und die Laplatastaaten, die Schafdärme zu den grossen Massen von Saiten, die hier fabricirt werden, kommen aus Dänemark und Südrussland, da man dort die meisten Lämmer schlachtet.

Nun im Schwarzbachthal abwärts nach Adorf und Elster, s. Routennetz. Ein directer Weg führt über Mühlhausen mit Umgehung von Adorf nach Bad Elster (8 km).

55. Zwickau-Rautenkranz (57 km). Schöneck (17 km). Markneukirchen (per Bahn 13½, zu Fuss 9½ km).

Bis Rautenkranz s. Routennetz. Von hier verfolgt die Eisenbahn die geringen Einsenkungen des Thales der jugendlichen Mulde, durchschneidet die grossen Kottenheider Forsten und gewinnt über der Stadt Schöneck den Höhenzug, der wie ein Steinwall über das Voigtland aufragt. Hier liegt der höchste Bahntract in Sachsen (791 m ü. M.). Der Bahnhof liegt 754 m ü. M. Von hier herrliche Aussicht auf das weite, thälerdurchzogene Voigtland.

Schöneck. Rathskeller. Keils Gasthof. Restaurant Renner. Müllers Garten. Meyers Rest. 3300 Einw. Fabrikation von Musikinstrumenten. Weisswaarenstickerei. Feldbau. Waldarbeit.

»Das ist ein goor schie Eckel« soll der erste Ansiedler gerufen haben, als er die Axt zu einer Blockhütte ansetzte, und in der That, er hat recht gesprochen. »Schieeckel«, jetzt Schöneck, liegt frei und schön über dem Land auf luftiger Höhe. Die beste Aussicht hat man vom Friedrich-Auguststein, mitten in der Stadt gelegen (747 m ü. M.). Triangulirungsstation. Das ganze Voigtland liegt uns so ziemlich zu Füssen. Man sieht den Aschberg bei Obersachsenfeld, den Kapellenberg bei Voitersreuth, den Ascherberg bei Asch, die Berge um Rehau und Hof und die Thüringer Vorberge. Durch die Mitte der weiten Landschaft zieht sich das Elsterthal, aus welchem die Thürme von Oelsnitz, Schloss Voigtsberg und der obere Theil von Bad Elster hervorschauen. Ein gefälliges Schauspiel gewähren die Züge mehrerer Eisenbahnlinien, die das Voigtland durchziehen; oft verschwinden sie zwischen Bergen und Wäldern, um dann an Orten wieder aufzutauchen, wo man sie am allerwenigsten vermuthete.

Nach Markneukirchen windet sich die Bahn in grossen Curven über die Stat. Zwota, wo sich die Linie nach Klingenthal abzweigt. Fall 1 zu 40. Die 4½ km kürzere Fusstour berührt die Dörfer Eschenbach, Wohlbach und Breitenfeld. Markneukirchen s. [S. 139].

Anmerkung. Von Schöneck nach Marieney 6 km. Hier wurde 1803 der Dichter Julius Mosen geboren, dem durch ein Comité in Schöneck ein Denkmal errichtet werden soll. Man geht dann über die Eisenleithe direct nach Adorf (6 km) oder über das Dorf Würschnitz nach Oelsnitz (10 km). In Würschnitz pflanzte ein Zimmergesell Ausgang des 17. Jahrh. die ersten Kartoffeln in Deutschland an.

56. Zwickau-Reichenbach (22 km). Mylau (3 km). Netzschkau (2 km). Jokeda (13 km). Elsterberg (7 km). Greiz (6½ km). Zwickau (27 km).

Die Eisenbahnfahrt nach Reichenbach zeigt uns rechts Schloss Steinpleis und links Schloss Schönfels. Hinter Steinpleis Blick rechts auf Werdau (12 000 Einw. Wollenwebereien, Tuchfabriken, Vicognespinnerei).

Reichenbach. Zum Lamm. Engel. Deutscher Kaiser. Turnhalle mit Concertgarten. Rathskeller. Bellevue. Kesslers Rest. 16 500 Einw. Am Bahnhof 401 m ü. M. Reichenbach zählt zu den gewerbthätigsten Städten des industriellen Voigtlandes. Wollenspinnerei, Weberei von Merinos, Thibets, Flanellen und mit Fransen umsäumten Wollentüchern. 1697 ward hier Caroline Neuberin geboren, welche den Hanswurst von der deutschen Bühne austrieb, der jetzt, wenn auch in modernisirter Auflage, wieder eingezogen ist. Neuer schöner Centralbahnhof. In der Peter-Paulkirche Silbermannsche Orgel. An der Realschule stattliches Kriegerdenkmal, eine Victoria mit Siegeskranz und Friedenspalme. Der voigtländische Verein für Naturkunde hat im alten Gerichtsgebäude ein sehenswerthes naturhistorisches Museum aufgestellt.

Reichenbachs an sich schon hübsche Umgebung ist besonders interessant durch die Göltzschthalbrücke, einem der grossartigsten Eisenbahnviaducte auf dem Continent. Man geht dahin direct über Mylau (3 km).

Mylau an der Göltzsch. Reichsadler. Zur Quelle. Löwe. Restaur. sind: Rathskeller, Schützenhaus und Trinkhalle. 4900 Einw. 304 m ü. M. Mylau betreibt die gleichen Industrien, wie seine Nachbarstadt Reichenbach. Ein altes kaiserliches Jagdschloss, in dem Kaiser Karl IV. öfter eingesprochen, dient jetzt gewerblichen Zwecken (Wolldruckerei). Der hintere Hof führt noch heute den Namen »Der Kaiserhof«.

Die Göltzschthalbrücke, 1½ km unterhalb Mylaus bringt den grossartigsten Eindruck hervor, wenn wir dicht an ihren Pfeilern stehen; sie wurde vom Major Wilke entworfen und ist, wie schon angedeutet, eines der kühnsten und grandiosesten Bauwerke unseres Zeitalters. Höhe 77 m. Länge 574 m. Der mittlere Bogen hält 84 m Spannweite. Baukosten 7 Millionen Mark. An Ziegeln fanden 20 Millionen Stück Verwendung. Die Brücke würde heut, da man der Billigkeit wegen die Curven liebt, nicht mehr erbaut werden, obwohl sie sich durch Abkürzung des Tractes reichlich verzinsen soll. Erbaut von 1846 bis 1851.

Anmerkung. Wer direct nach Greiz will, wandere im schönen Göltzschthal entlang. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Sachsen und Reuss. Wir gehen am linken Ufer unter der Brücke durch bis vor die Winkelmann'sche Fabrik, hier auf dem Steg zum rechten Ufer unfern der Einmündung des Friesenbachs. Hier nicht rechts gehen, sondern über die Höhe zur Schwarzhammermühle und über die Brücke. Nunmehr bleiben wir am linken Ufer bis an die Einmündung der Göltzsch in die Elster. Rechts der Elster liegt der Papiermühlenfelsen mit der »Schönen Aussicht«, vom Greizer Verschönerungsverein zugänglich gemacht. Auf diesem Wege von der Göltzschthalbrücke bis Greiz 8 km. Bei der Schwarzhammermühle kann man auch rechts hinauf über Irschwitz nach Greiz gehen. (Dann nur 6 km bis Greiz.) Greiz s. [S. 144].

Der Tour treu passiren wir mit der Bahn die Göltzschthalbrücke. Man setzt sich der Thalblicke wegen am Besten auf die rechte Seite, links liegt noch ein Gleis zwischen dem Brückengeländer und dem Waggon.

Netzschkau. Pinks Gasthaus. Löwe. Bair. Hof. Rest. zur Bleibe. Rathskeller. Singer. Schlosskeller. Bahnhofsrest. mit Garten. 3800 Einw. 348 m ü. M. Weberei von Kattun und Futtermusselin. Schönburgisches Schloss mit neuangelegtem Park. Im Südwest der Stadt, 3 km entfernt, liegt der 512 m hohe Kühberg, eine Triangulirungsstation, von der man das Voigtland mit seinen einrahmenden Höhenzügen überschauen kann. Man geht dann gleich über Reimersgrün nach Herlasgrün an die Eisenbahn.

Die Bahn umgeht in weitem Bogen den Kühberg und berührt die Dörfer Limbach, Herlasgrün (Kreuzpunkt) und Ruppertsgrün.

In Joketa verlassen wir die Bahn. (Gasthaus.) Die Elsterthalbrücke bei Joketa ist zwar nur 280 m lang und 68 m hoch, doch erscheint sie, durch eine sehr romantische Umgebung gehoben, fast imposanter wie die Göltzschthalbrücke. Man kann nach dem mittleren Bogen in der ersten Etage gehen; hier macht das Bauwerk einen überwältigenden Eindruck, dazu kommt in der Tiefe der frische Bergstrom, die Elster, und die prächtigen Thalgehänge. (Die Bahn unter der Brücke hindurch verbindet Plauen mit Greiz.) Die Bauzeit der Brücke (1846–51) fällt mit derjenigen der Göltzschthalbrücke zusammen. Die Namen der Erbauer, Wilke und Kell, finden sich an den Pfeilern verewigt.

Wir gehen nun im Elsterthal abwärts. Prächtige Thalwanderung. Bei Liebau Ruine Liebau auf der Höhe mit herrlichen Thalblicken. (Schöner ist der Ausblick von dem Rindenhäuschen.) Links liegt Trieb. Nun hinab zur Rentzschmühle. Hotel Steinigt. Hier beginnt das sogenannte Steinigt, ein enges wildromantisches Thal, das einst die Elster durch das harte Gestein gebrochen. (Auch voigtländische Schweiz genannt, schönste Partie im Elsterthal.)

Anmerkung. Viele ziehen vor von Joketa über Bartmühle und Trieb nach Rentzschmühle zu gehen. Ueberraschende Blicke auf den grossartigen Viaduct.

Elsterberg. Rathhaus. Grüner Baum. Heckel's und Flachs' Rest. 3600 Einw. 282 m ü. M. Gerberei und Färberei. Die romanische Kirche wurde 1840 erbaut. Die Burgruine Elsterbergs gehört zu den umfänglichsten des ruinenreichen Thüringer Landes, an dessen Grenzmarken Elsterberg liegt. Die stolze Ruine auf einem Felsen über der Elster war mit ihren doppelten Ringwällen ein fester Sitz der Herren von Lobdaburg. (Zerstört durch Markgraf Friedrich von Meissen während des sogenannten voigtländischen Krieges Mitte des 14. Jahrh.)

Nach Greiz benutzt man die Bahn, welche die launenhaften Krümmungen der Elster mehrmals abschneidet. Vor Greiz rechts der Papiermühlenfelsen mit schöner Aussicht. [S. 144] u. [142].

Greiz. Hotel Hennig. Löwe. Thüringer Hof. Zum Kranich. Rest. zum Fürstenkeller. Grimms Gartenrest. Trömels Rest. mit schönem Garten. 13 000 Einw. Am oberen Bahnhof 287 in ü. M. Greiz, an der Elster im romantischen Thalkessel gelegen, ist Residenz des Fürstentums Reuss j. Linie. Das alte Fürstenschloss auf hohem tunneldurchbrochenen Felsen nimmt sich höchst imposant aus, auch das neue Schloss ist sehenswerth. Der fürstliche Gartenpavillon liegt inmitten reizender Anlagen. Am Heinrichsplatz steht als Kriegerdenkmal eine Germania. Greiz ist eine sehr rührige Fabrikstadt und betreibt hauptsächlich Spinnerei, Wollen- und Baumwollenweberei, Druckerei und Färberei.

Die reizende Umgebung von Greiz mit ihren grossen fürstlichen Wäldern, dem Thalzug der Elster und den schönen Waldbergen hat mancherlei lohnende Punkte aufzuweisen. Genannt seien hier vor Allem der Hirschstein mit seinem weithinleuchtenden weissen Kreuz und seinen höchst malerischen Blicken auf das Elsterthal und auf die anmuthig an dem Schlossfelsen gruppirte Stadt. Sodann besuche man den schon genannten Papiermühlenfelsen über dem Einfluss der Göltzsch in die Elster. Der »Guckkasten« giebt einen prächtigen Ausblick auf Stadt und Umgebung, der andere Punkt auf diesem Felsen, die »Schöne Aussicht« zeigt das romantische Göltzschthal.

Nach Zwickau zurück benutzen wir die Greiz-Brunner Eisenbahn (27 km).

57. Zwickau-Plauen (49 km).

Bis Joketa siehe Tour 56. Der Zug passirt die Elsterbrücke (rechts setzen), überschreitet dann den Fluss und die Elsterthalbahn nach Greiz zu. Kurz vor Plauen rechts der 431 m hohe Reinsberg.

Plauen. Deils Hotel. Blauer Engel. Fürstenhalle. Grüner Baum. Hotel Müller. Goldner Löwe. Stadt Dresden. (Letztere beiden Touristen empfohlen.) Zum Tunnel. Zur Quetsche. Bierquelle. Bierhalle. Merkels Garten. Zur Wolfsschlucht. Wartburg mit Garten. Centralhalle. In der Umgebung das Felsenschlösschen und das Bergschlösschen. Streits Bergrestaurant. 35 069 Einw. Zunahme seit 1875 22%, ein Satz, der in ganz Deutschland von keiner Stadt erreicht wurde. Am Bahnhof 410 m, am Bezirksgericht 355 m ü. M.

Vor 20 Jahren hatte die überaus gewerbthätige Stadt nur wenig mehr als den dritten Theil seiner heutigen Einwohner. Die Weisswaarenfabrikation Plauens gehört zu den grössten Gewerbsbranchen Sachsens und hat für ihre Artikel die spezielle Bezeichnung »Plauen'sche Waare«. (Gardinen, Jaconets, Batiste, Musseline und ähnliche Stoffe.) Die Musselinweberei, aus Schwaben und der Schweiz hierher verpflanzt, war ehedem unter strenger, gewerbepolizeilicher Controle; die sogenannten Schleierherren prüften jedes einzelne Stück und versahen nur diejenigen mit ihren Stempeln, welche als tadellos befunden waren. Grossartig hat sich die Plauen'sche Weissstickerei entwickelt, etwa 6000 Mädchen nähren sich durch Maschinen- und Handstickerei. Die Stickmaschine wurde 1857 eingeführt. Ausserdem besitzt Plauen Gerbereien und Färbereien. Die Plauen'sche Actienbrauerei producirt im Jahr 20,000 Hectoliter ihres beliebten Getränks. Wirthschaftlich wichtig sind auch die Viehmärkte zu Plauen mit einem Zutrieb von 15 bis 16 000 Rindern.

Sehenswürdigkeiten. Der hochgelegene Hradschin (Schloss) war ehemals Residenz der Landvoigte von Plauen; jetzt ist darin das Gerichtsamt untergebracht. Die doppelgethürmte Johanneskirche, 1430 von den Hussiten verwüstet, ist schön restaurirt worden; ein werthvolles Altargemälde von Prof. Mathäi. Die junge Stadt besitzt meist neue saubere Gebäude, von den älteren thut sich nur das Rathhaus mit altem Stadtwappen hervor.

Spaziergänge und kleine Ausflüge. Nach Streits Berg mit Gartenrest. und Aussichtsthurm. 1½ km. Nach der schöngelegenen Holzmühle im Syrathal; 3½ km nordwestlich der Stadt. Hübsche Aussicht gewähren sämmtliche Höhenzüge in der Umgebung, am umfassendsten ist die Rundschau vom sogenannten Kemmler, einer Triangulirungsstation (3½ km, Südosten), 507 m ü. M. Aussichtsthurm projectirt, den der herrliche Punkt auch wirklich verdient. Näher liegen das Felsen- und Bergschlösschen an der Strasse nach Hof mit anmuthiger Aussicht auf die junge, regsame Stadt. Sehr beliebt ist auch der Spaziergang durch das Knieloh und den Reusaer Wald nach Reusa. Unterwegs Lindentempel. 5 km. Knieloh ist ein Seitenthal der Elster. In diese Tour lässt sich auch ein Besuch des Kemmlers hereinziehen.