Grössere Touren ab Chemnitz.

24. Chemnitz-Hohenstein (19 km). St. Egidien (7 km). Lichtenstein (4 km). Stollberg (13 km). Chemnitz (im Würschnitzthal über Schloss Neukirchen 22 km).

Man fährt mit Dampf an den schon erwähnten Stationen Siegmar und Wüstenbrand vorüber zunächst nach

Hohenstein-Ernstthal. Schwesterstädte. In Hohenstein Drei Schwanen. Braunes Ross. Krauses Rest. zum Rathskeller. Haselhuhns Gartenrest. 6500 Einw. Das nahe Ernstthal zählt 4400 Einw. Die letztere Stadt wurde 1680 von Hohensteiner Bürgern gegründet, welche der grassirenden Pest entflohen. In Hohenstein erinnert ein Denkmal an den Naturforscher und Philosophen G. H. Schubert (geb. 26. April 1780 zu Hohenstein). Weberei von Bett- u. Möbeldecken. Beide Städte liegen am Fusse des Kapellenberges, der die südlichste Erhebung des Granulitgebietes darstellt. An der Strasse nach dem Gasthaus zum Wind liegt eine 470 m hohe Bergkuppe, welche freie Blicke nach dem Centralerzgebirge mit dem Auersberg, dem Keil- und dem Fichtelberg gewährt (2 km). Die von hier 1½ km entfernte Langenberger Höhe, 479 m hoch, liegt für einen Rundblick noch günstiger, man hat hier auch Aussicht auf die Muldenniederungen und die norddeutsche Ebene. Mineralogen finden in dem Glimmerschiefer des Kapellenberges manche Ausbeute. Der Bergbau auf Arsenkies ist noch nicht ganz eingestellt. An der Strasse nach Waldenburg (2½ km) liegt das jetzt vereinsamte Hohensteiner Bad mit Eisenquelle.

Die Weiterfahrt zeigt rechts einige Waldscenerien und links Dorfschaften. Im langen Dorf St. Egidien zweigt sich die Stollberger Linie ab. Zu Fuss geht man eine schöne Waldstrasse (4 km).

Lichtenstein. Sonne. Helm. 5200 Einw. Das anstossende Städtchen Callenberg zählt mit seinem Lehrerinnenseminar 3000 Einw. Die Schwesterstädte liegen anmuthig zu Füssen eines stolzen fürstl. Schönburg'schen Schlosses. In der Stadtkirche Lichtensteins ein Altarbild von Vogel, dem Kunstwerth zugeschrieben wird. Herrliche Spazierwege im Schlosspark und im Stadtwald. Ein beliebter Ausflug ist die Schwarze Allee und die sog. Kanzel, die freie Ausblicke nach dem Centralerzgebirge gewährt.

Man geht von Lichtenstein die Strasse oder durch das Rödlitzthal nach Oelsnitz. Oelsnitz mit Lugau und Würschnitz bedecken die Oberfläche eines Steinkohlengebirges von etwa 2000 Hectaren Ausdehnung. Die Flötze haben eine Mächtigkeit bis zu 14 m. 15 Schächte fördern im Jahr 3 Mill. Ctr. der besten Pechkohle, die meist nach Chemnitz verfrachtet werden. In Lugau im Gottessegenschacht wurden am 1. Juli 1867 102 Bergleute lebendig vergraben durch Schachteinsturz. Die Leichname sind später aufgefunden und beigesetzt worden.

Stollberg. Weisses Ross. 6326 Einw. 420 m ü. M. Stollberg ist Sitz des grössten Sächs. Strumpfexportgeschäftes. Woller, der Begründer, war ein schlichter Strumpfwirkermeister. Hoheneck, ein imposantes Schloss am Thalhang, beherbergt eine Weibercorrectionsanstalt. (Filiale von Waldheim.)

Die Strasse nach Chemnitz gewährt zwar hinter Neukirchen vom Eichhörnchen ab hübsche Landschaftsbilder, doch werden Touristen vorziehen von Pfaffenhain ab im Würschnitzgrund nach Schloss Neukirchen zu wandern. Man berührt später Harthau und Altchemnitz. Das intr. Klaffenbach (s. [Seite 61]) mit seiner Bergschenke und seinem Arnokreuz bleibt rechts.

25. Chemnitz-Mittweida (18 km). Waldheim (durch die Mittweidaer Schweiz 17 km) per Bahn zurück nach Chemnitz (32 km).

Die Chemnitz-Riesaer Bahnlinie ist die zweitälteste Sachsens. Vor Station Oberlichtenau ist rechts im Wald ein kleiner Thiergarten (Rehe) abbezirkt.

Mittweida. Deutsches Haus. Sächs. Hof. Stadt Hamburg. Stadt Chemnitz. Rest. zum Rathskeller. Zum Schillergarten unfern der städt. Anlagen am Galgenberg und Schwanenteich. Kegels Rest. 9300 Einw. Grosse Barchentwebereien. Woll- und Baumwollspinnerei. Färberei. Thonwaarenfabriken. Maschinenbau. Kratzenfabrik. Im Technikum 400 Studirende.

Sehenswürdigkeiten. Die Stadtkirche mit goth. Chorbau aus Rochlitzer Porphir. Kriegerdenkmal auf dem Gottesacker. Unweit davon ein Grabdenkmal von Rauch, einer Verwandten gewidmet. Ein Genius aus grauem Marmor mit gesenkter Fackel schwebt mit einer verhüllten Frauengestalt empor. Unfern das Denkmal des Schuldirectors Schneider, welches ihm dankbare Schüler errichteten. Mittweida ist der Geburtsort des Theologen Tzschirner, Prof. und Superintendent in Leipzig, und des Bildhauers Johannes Schilling, der das Niederwalddenkmal geschaffen.

Spaziergänge. Nach dem Galgenberg und in die städtischen Anlagen am Schwanenteich, von dem allbeliebten Bürgermeister Voigt geschaffen. Am Galgenberg grosse Cordieritblöcke, die man als eratische Blöcke betrachtet. Zwei davon sind zugänglich gemacht. Nach den städtischen Anlagen im Scheibenbusch geht man durch die Gottesaue oder über die Bellevue. Die hier belegene Rathskanzel und der Försterfelsen sind Felsbasteien über der Zschopau mit romantischen Thalblicken. Die gegenüberliegende (künstl.) Ruine auf dem Carolafelsen nennt sich die Zschopenburg. 2 km von Neudörfchen entfernt liegt die Marienhütte, gleichfalls eine Bastei über der Zschopau mit sehr romantischen Thalbildern.

Unsere Tour führt uns nun über die Rössgener Höhe (mit guter Aussicht) hinab nach der Via mala, ein Promenadenweg am schroffen Abhang der Zschopau. Wo sich das Thal erweitert, liegt Ringethal. Gasthaus. Rococoschlösschen. Das kleine idyllisch gelegene Kirchlein besitzt eine Silbermannsche Orgel. Eine herrliche uralte Linde bedeckt einen guten Theil des Kirchhofs. Von der Lutherlinde, unter der Luther gepredigt haben soll, ist nur noch ein Stumpf vorhanden. Eine Inschrift erzählt von dem Brand des Baumes, der Lutherpredigt und einem wunderbaren Astbruch, der sieben unter dem Baum spielende Kinder unversehrt liess.

Wegweiser zeigen nach dem nahen Raubschloss, einer höchst geschickt aufgemauerten künstl. Ruine. Eine wirkliche Burg Grunadow (oder auch Rochlinti) soll hier gestanden haben und es findet sich auch wirklich noch uraltes Gemäuer. Schöne Thalbilder von den Fensterhöhlen aus.

Ein Fussweg führt hinab zu der nahen, westlich gelegenen Lauenhainer Mühle. Man zieht eine Klingel, worauf Leute aus der Mühle die Fähre zur Ueberfahrt herbeirudern. (Die reizend gelegene Mühle ist auch Schenke.) Die Weiterwanderung im Thalzug abwärts führt uns an dem Pfaffenstein vorüber, von welchem das aufgeregte Volk nach der Lutherpredigt in Ringethal einen kath. Priester gestürzt haben soll. Später passiren wir den sehr ansehnlichen Tannenberger Felsensturz. Wo die Zschopau im scharfen Knie gegen Osten abbiegt hinauf nach Höfchen und

Kriebstein. Die stolze, höchst malerische Burg liegt 45 m über der Zschopau auf schroffer Felszinne. Im Schlosshof alterthümliches Architecturbild. (Ein Gemälde von Prof. Hahn, den Kriebsteiner Schlosshof darstellend, hängt in der Dresdner Galerie.) Im Innern Gemälde auf die Geschichte der Burg bezüglich, darunter ein Bild, auf welchem die Gemahlin des Ritters Staupitz diesen auf dem Rücken aus der Burg trägt. (Ein Seitenstück zu den Weibern von Weinsberg.) Rüstkammer mit Waffen aus der ersten Zeit nach Erfindung des Schiesspulvers. Alte intr. Möbel, Riesenbetten. Die Kapelle ist in den Felsen gehauen. Vom Speisesaal blickt man fast senkrecht in die Zschopau hinab. Vom nahen Jägerhaus romantische Blicke auf das schluchtartige Zschopauthal.

Schloss Ehrenberg, Kriebstein gegenüber, doch höher gelegen, gewährt höchst fesselnde Aussicht auf das trotzige Felsennest mit seinem echt mittelalterlichen Charakter. Im Thalkessel liegt die Niethammer'sche Papierfabrik.

Der Fussweg von Ehrenberg nach Kriebethal führt an einem alten Gemäuer und an schönen Aussichtspunkten vorüber. In Kriebethal erreichen wir die Strasse. Zwischen hier und Waldheim steht der Napoleonsstein. (Napoleon suchte hier nach der Schlacht bei Lützen einen Uebergang für seine Armee.)

Waldheim. Löwe. Schaubes Hotel. Stadt Bremen. Rest. zum Rathskeller. Schützenhaus. Schweizerthal, beide mit Gärten. 7800 Einw. Weberei. Cigarrenfabrikation. Harmonika- u. Möbelfabriken. Nach der Schlacht bei Lützen (1813) zogen sich die Verbündeten über Waldheim zurück. Um die Zschopaubrücke fanden Kämpfe statt. Das ausgedehnte Waldheimer Schloss dient als Strafanstalt. (1500 Insassen.) Zur Besichtigung muss die Erlaubniss der Direction nachgesucht werden. Die erste Insassin des Waldheimer Zuchthauses war ein Mädchen Namens Apel, eines Zeugmachers Tochter aus Lunzenau, bekannt unter dem Spitznamen Prinz Lieschen; sie hatte sich für den jungen Kurprinzen ausgegeben und büsste ihren Uebermuth von 1716 ab mit lebenslänglichem Gefängniss.

Spaziergänge und zwar sehr dankbare besitzt das schöngelegene Waldheim mehrere. Der beliebteste ist nach dem Siegesthurm auf dem Wachberge mit prächtiger Aussicht auf die romantische Umgebung. Zwölf Säulen mit franz. Kanonenkugeln umgeben den stattlichen Thurm. Schöne Anlagen in der Nähe, darunter die sog. goldene Höhe.

Bei der Rückfahrt nach Chemnitz bietet sich vom Zug aus ein anmuthiges Städtebild dicht hinter dem Waldheimer Bahnhof. Bei Station Erlau liegt der vielbesuchte Erlauer Gasthof.

26. Chemnitz-Frankenberg (17 km). Hainichen (19 km). Rosswein (20 km). Döbeln (Haltestelle, 8 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (durch die Mittweidaer Schweiz, 17 km). Chemnitz (18 km).

Von Chemnitz über Lichtenwalde nach Frankenberg siehe Tour 22. Die Eisenbahn überschreitet hinter Frankenberg den Lützelthalviaduct und gewinnt die Hochebene von Hainichen.

Hainichen. Deutsches Haus. Löwe. Post. Rest. zum Rathskeller. Krugs Gartenrest. Feldschlösschen. 8500 Einw. Grossartige Flanellindustrie, die sich schon von Weitem durch bunte Tuchrahmen ankündigt. (Jährlich 250 000 Flanellstücke.) In Hainichen wurde am 4. Juli 1715 Gellert geboren. Dem bedeutendsten deutschen Fabeldichter ist auf dem Markt ein Standbild von Rietschels Hand errichtet. Ausserdem ist seinem Andenken eine Stiftung gewidmet, ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder. (Gellert entstammt dem Hainicher Pfarrhaus, wo er im Kreise seiner zwölf Geschwister seine Jugend verlebte.)

Die Bahn geht von hier im anmuthigen Striegisthal entlang an dem Fabrikdorf Böhrigen vorüber, wo die grosse Lehmann'sche Flanellfabrik inmitten vieler Arbeiterhäuser liegt. Bei Striegis gewinnt sie das Thal der Freiberger Mulde.

Rosswein. Rheinischer Hof. Pragers Hotel. Fischers Gasthaus. Rest. zum Rathskeller. Baums Restaurant. Schützenhaus mit Garten. Pönitz'sche Gartenwirthschaft. 7000 Einw. Lebhafte Fabrikstadt in anmuthiger Lage an der Freiberger Mulde. Tuch- und Cigarrenfabrikation. In der Nähe wird Walkerde abgebaut. Rosswein war einst ein Besitzthum des Klosters Altzelle. Am Rathhaus ein Ross mit Weintraube, welche den Namen der Stadt versinnlichen sollen, der indess slav. Ursprungs sein dürfte. 2 km entfernt liegt Gersdorf, wo noch lebhaft Silberbergbau betrieben wird. Intr. ist der Adamsstollen, auf dem Erze in die nahen Pochwerke verschifft werden. Am Weg dahin prächtige Aussicht auf Stadt und Umgebung; überhaupt gewähren die umliegenden Höhen anmuthige Thalbilder.

Die Bahn wendet sich im Muldenthal zurück nach Striegis und am Fluss abwärts bis vor Döbeln. Die Thalwanderung neben der Bahn und dem Fluss ist abwechslungsreich. Bei Mahlitzsch liegt die sogenannte Kempe am rechten Ufer der Mulde, eine uralte Burgruine, wahrscheinlich sorbischen Ursprungs. Eine andere Strasse führt über Nausslitz, sie steigt bis 230 m an und gestattet öfter freie Rundblicke über die fruchtbare Döbelner Pflege. Mit Dampf fährt man nur bis Haltestelle Döbeln. Der Bahnhof liegt 2 km entfernt.

Döbeln. Gasthof: Die Sonne. 11 800 Einw., sehr alte Stadt, die schon 981 urkundlich erwähnt wird. Getreidehandel. Tuch- und Lederfabriken. Bedeutende Fassfabrik. Wagenbauerei. Die Cigarrenfabrikation liefert jährlich etwa 40 Millionen Stück. In der Nähe der Stadt das Staupitzbad ist das älteste Kiefernnadelbad im Lande. Auf dem Schlossberg stand ehedem eine Burg der Dohnaer Burggrafen, die 1429 von den Hussiten zerstört ward. An derselben Stelle erhebt sich jetzt die stattliche neue Bürgerschule. 1762 lieferte Prinz Heinrich von Preussen den Oestreichern ein siegreiches Gefecht in der Umgebung der Stadt.

Anmerkung. Von Döbeln lässt sich ein sehr dankbarer Abstecher nach dem anmuthigen Leisnig machen (17 km). Man fährt mit Dampf an den Ruinen des Klosters Buch vorüber. Näheres siehe unter Leisnig [Seite 75].

Die Eisenbahn von Döbeln nach Waldheim gewinnt bei Station Limmritz das tiefeingeschnittene Zschopauthal und an grossen Futtermauern entlang folgt sie den romantischen Windungen des Flusses. Waldheim, s. [S. 70]. Von Waldheim geht man zu Fuss nach Kriebethal, dann hinauf nach Ehrenberg oder gleich nach Kriebstein, dann über Höfchen hinab nach der Zschopau und zur Lauenhainer Mühle. Hier überfahren, hinauf nach dem Raubschloss, dann nach Ringethal und über die Viamala nach Mittweida. Von hier mit Dampf. Sämmtliche Punkte finden sich in Tour 25 schon beschrieben.

27. Chemnitz-Cossen (22 km). Wechselburg (2½ km). Rochlitz (über den Rochlitzer Berg, 7 km). Colditz (11 km). Grimma (16 km). Leisnig (22 km). Döbeln (16 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (13½ km). Chemnitz (18 km).

Wir fahren an dem bereits beschriebenen Burgstädt vorüber oder gehen im Chemnitzthal entlang nach Cossen. (Siehe Routennetz.) In nächster Nähe der Station Cossen liegt der Göhrener Viaduct, zwar nicht das grösste, wohl aber das imposanteste und architectonisch schönste Brückenbauwerk, das in Sachsen zu finden. Der Mittelbogen hat eine Spannweite von 26 m. Die Länge der Brücke beträgt 412, die Höhe 68 m. Ein anmuthiger Thalweg führt uns am linken Muldenufer nach Alt-Zschillen. Auf halbem Weg dahin, an der Einmündung der Chemnitz schönes Thalbild.

Wechselburg. Sächs. Hof. Goldener Löwe. Marktflecken. 3000 Einw. Gräfl. Schönburg'sches Schloss. Ehemals war hier ein Augustinerkloster Zschillen, das wegen Ueppigkeit der Mönche aufgehoben und in eine Comthurei des Deutschordens verwandelt wurde. Der Name Wechselburg soll durch öfteren Tauschhandel entstanden sein. Die Schlosskirche ist der berühmteste altromanische Bau Sachsens. (1174 erbaut, 1874 restaurirt.) Kanzel mit sehr alten Reliefsculpturen in vortrefflichem Styl. Grabmal des Kirchenstifters Grafen Dedo und seiner Gemahlin. Ueber dem Altar ist eine Kreuzigungsgruppe bemerkenswerth, überhaupt ist die ganze Kirche von hoher kunstgeschichtlicher Bedeutung. Im Schlosspark besuche man die Eulenkluft. (Der jähe Fels trägt ein schwarzes Kreuz.) Eine grosse Porphirplatte, bei Meerane gefunden, wird als ein heidnischer Opferaltar bezeichnet, der dem Götzen Credo gewidmet war. (An der Einsiedelei Ueberfahrt über die Mulde.)

Der Weg führt uns nun durch schöne Waldungen auf den Gipfel des

Rochlitzer Berges. 340 m. Thurm 26 m. Der stattliche Thurm aus rothem Porphir ward 1860 als ein Denkmal an König Friedrich August errichtet. Bergrestaurant. Fernrohr. Orientirungsscheibe.

Man überblickt den Kamm des Erzgebirgs und seine Abdachung vom Auersberg bis zum Kahlenberg bei Altenberg. Im Norden liegt die Norddeutsche Tiefebene mit ihren isolirten Höhen bei Wurzen und Oschatz, nur durch die Sehkraft beschränkt, vor dem Beschauer. Hervortretende Punkte nach dieser Richtung sind Altenburg, Leipzig, die Hohburger Schweiz, der Petersberg bei Halle und der Colmberg bei Oschatz. Bei sehr hellen Tagen erscheint selbst der Brocken als blauer Streif am Horizont. Die nahe Landschaft wird belebt durch sehr zahlreiche Ortschaften (voran Rochlitz) und durch das tiefeingeschnittene waldige Muldenthal. Das Granulitgebiet liegt so ziemlich unbeschränkt im Gesichtskreis.

Der Berg besteht aus porphirischen Aschen und ist ein Vulkankegel. Das gleichsam gebackene Gestein giebt ein treffliches Baumaterial und wird in grossen Steinbrüchen abgebaut, die bis zu 40 m tief sind. Man fertigt auch kleinere Gegenstände aus Rochlitzer Steinmark von gefl. Farbenwirkung an.

Ein schöner Promenadenweg führt mit einigem Umweg hinab nach Rochlitz. Die Strasse ist kürzer.

Rochlitz. Sächs. Hof. Zum Löwen. Rest. zum Rathskeller. Gartenrest. Schweizerhaus. 6000 Einw. Weberei. Schuhwaarenfabrikation. Sauberes und anmuthig gelegenes Städtchen mit einem doppelthürmigen Königl. Schloss. Von den Thürmen heisst einer im Volksmund die Jupen, weil er als Staatsgefängniss diente und »als Rock« die Insassen vor »Frost und Wölfen« schützte. Der Hussitenführer Peter von Sternberg sass 3 Jahre hier gefangen. In der Peterskirche Silbermann'sche Orgel. Die goth. Kunigundenkirche besitzt ältere Schnitzwerke. Rochlitz war früher Residenz der Grafen von Rochlitz, denen Rochlitz, Kriebstein und Gehringswalde zugehörte. An das Sächsische Kurhaus kam die Rochlitzer Herrschaft durch Heirath. Am 3. März 1547 nahm hier im schmalkaldischen Kriege Johann Friedrich der Grossmüthige den Markgrafen Albrecht von Brandenburg während eines Faschingtanzes gefangen.

Anmerkung. Wer hier die Muldenthaltour abbrechen will, geht über Biesern, Seelitz, Kolkau und Zetteritz nach Erlau an die Chemnitz-Riesaer Bahn (11 km). Bei Seelitz hübsche Aussicht auf das Muldenthal und den Rochlitzer Berg. Bei Rittergut Kolkau liegt das anmuthige Kolkauer Thal.

Der Tour treu benutzen wir die Bahn nach Colditz oder gehen mit der Mulde parallel. Schöne Thalbilder. Beim Dorfe Lastau, das im frühesten Mittelalter bedeutender war wie heut, liegt der Burgberg, der eine Sorbenburg Titipuci getragen haben soll. In der Lastauer Mühle Rest.

Colditz. Zum Kreuz. Weisses Haus. Rathskeller. 4300 Einw. Steingutfabriken. Getreidemärkte. Hübsches Landstädtchen mit wohlhabender Umgebung. Das stolze Schloss über der Stadt ist gegenwärtig Versorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke. Zutrittserlaubniss beim Pförtner. Architectonisch sehr inter. Portal. Im ehemaligen Thiergarten im Norden der Stadt, der mit Mauern umgeben, herrliche Promenadenwege. Man geht bis zum Dorf Zschadras, in dem eine Zweiganstalt des Colditzer Irrenhauses untergebracht ist. Hübsche Aussicht auf die Muldenthäler. (Im Freiberger Muldenthal ist Leisnig sichtbar.)

Nach Grimma, oder doch bis Grossbothen empfiehlt sich Fusswanderung. Man geht durch den Thiergarten nach Zschadras, dann nach Collmen und auf den Heideberg. Malerische Thalblicke auf beide Mulden und ihren Zusammenfluss. Nun hinab nach Kleinsermuth und Grosssermuth auf das andere Muldenufer. Wer zu Fuss geht, berührt Nimbschen. (Siehe unten.)

Grimma. Kronprinz. Gold. Löwe. Rathskeller. 8100 Einw. Reizende Lage an dem hier sehr ansehnlichen Muldenfluss. Königl. Schloss. Das Sächs. Regentenhaus hielt hier öfter Hof- und Landtage ab. Albrecht der Beherzte wurde zu Grimma geboren, Friedrich der Weise, der Schirmherr Luthers, erhielt hier seine Erziehung. Melanchthon legte öfter eine grosse Vorliebe für die Stadt an den Tag. Die Fürstenschule ward von Kurfürst Moritz begründet; sie steht noch heut in hoher Blüthe. Ein Seminar nennt sich Dinterianum. (Der grosse Schulmann Dinter war Schüler der Fürstenschule.) Seume lebte längere Zeit in Grimma und trat von hier aus seinen berühmten Spaziergang nach dem Syrakus an. Die gothische Frauenkirche war ursprünglich ein byzantinischer Bau. Glasmalereien von hohem Alter. Ebenso sehenswerth ist das Rathhaus.

Spaziergänge. Nach der reizend an der Mulde gelegenen Gattersburg, einem vielbesuchten Bergrest. Gegen Colditz hin, 2 km entfernt, liegen die Ruinen des Klosters Nimbschen, aus welchem 1523 die Gemahlin Luthers, die Katharina von Bora, entwich. Sie entfloh mit 8 geistlichen Schwestern auf dem Wagen eines Torgauer Bürgers hinter Heringstonnen verborgen. Man zeigt noch den Lutherbrunnen, eine Lutherlinde am Muldenufer u. a. m.

Der Schomerberg über der Mulde gewährt hübsche Blicke auf die Stadt. In derselben Richtung 3 km entfernt liegt Döben, ein Schloss über der Mulde. (Sorbisch Dewin.) Schöne Aussicht auf den gewundenen Muldenfluss. Nach Unterjochung der Slaven sass hier ein kaiserlicher Voigt. Albrecht der Stolze hielt zu Döben seinen Vater Otto den Reichen eine Zeit lang gefangen, weil er sich Dietrich dem Bedrängten gegenüber im Erbe benachtheiligt glaubte. Im Rittersaal fällt besonders ein Riesenofen auf. In der Döbener Kirche inter. Familiengruppe, die ein Hans von Schönfeld eines sonderbaren Ereignisses halber errichten liess. Seine Gemahlin verfiel in einen Scheintod und sollte beerdigt werden, erwachte aber zu rechter Zeit und beschenkte ihren Gemahl noch mit neun Kindern.

Die Fahrt nach Leisnig führt uns zurück nach Grossbothen. 1½ km unterhalb des Zusammenflusses überschreitet die Bahn die vereinigte Mulde und geht dann im Thal der Freiberger Mulde entlang.

Leisnig. Hotel zum Rathskeller. Belvedere, reizend gelegen. Der Name soll von Lisenitz (die schöne Aue) kommen und in der That liegt die Stadt überaus anmuthig. 7000 Einw. Das Schloss über der Stadt nennt sich Mildenstein und diesen Namen hat sich auch das 1866 begründete Bad beigelegt. Im Schloss fallen zwei Wartthürme mit 9 Ellen starkem Mauerwerk auf. Wohlerhaltene Kapelle. Leisnig erhielt bereits im 10. Jahrh. Stadtrechte und betreibt heute Tuchmacherei, Gerberei und Schuhmacherei. Getreidemärkte. Bad Mildenstein ist beliebte Sommerfrische und wird namentlich von Leipzig her stark besucht. Heilanstalt. Irisch-römische und Kiefernnadelbäder. Schlosspark und Mirusgarten.

Spaziergänge. Am linken Muldenufer aufwärts finden sich die herrlichsten Promenadenwege bis nach Paudritzsch hin (3 km). Malerische Durchblicke. Hübsche Fernsichten. Die besuchtesten Punkte sind Maylust, Manteuffels Ruhe, Töpfers Ruhe, Pflanzgarten, Hölle, Nesselgrund und Eichberg. In derselben Richtung von der Stadt (5 km) liegen die Ruinen von Klosterbuch am rechten Muldenufer. 1190 wurde die Cistercienserabtei begründet. Wohlerhaltene Kapelle, in der man noch Gottesdienst abhält.

Anmerkung. Beim Dorfe Wendishain auf dem Staupen und bei Minkwitz auf dem Burgstall finden sich altslavische Rundwälle. Man geht dahin auf der Waldheimer Strasse bis nach Minkwitz, dann links ab nach Lauschka und Wendishain (6 km).

Ab Leisnig berührt die Bahn bei Schweta (Schloss und Park) die Gegend, wo die klare, wasserreiche Zschopau mit der trüben, wasserärmeren Freiberger Mulde zusammenströmt. Döbeln und weiter siehe Routennetz.

28. Chemnitz-Cossen (22 km). Lunzenau (3 km). Rochsburg (1½ km). Penig (6 km). Wolkenburg (5 km). Waldenburg (7 km). Hohenstein (12 km). Chemnitz (19 km).

Zu Fuss im Chemnitzthal entlang. (Näheres siehe Tour 21.) Mit Dampf über Burgstädt (siehe [Seite 63]). Die Göhrener Brücke siehe [Seite 72].

Anmerkung. Wer auf die Göhrener Brücke und Lunzenau verzichtet, fährt nur bis Burgstädt und geht von hier direct nach Rochsburg (3 km).

Lunzenau. Sonne. Deutsches Haus. 3500 Einw. Wollenweberei. Schuhmacherei. Schöne Muldenbrücke. Sophie Apitzsch, vulgo Prinz Lieschen, war eine Lunzenauer Zeugmacherstochter.

Der Weg nach Rochsburg führt an der reizend gelegenen Villa Friedheim, einem Chemnitzer Kaufmann Namens Eben gehörig, vorüber.

Rochsburg. Rest. Göckeritz. Fischers Gasthof. Das mehrfach gethürmte stolze Schloss liegt auf isolirtem Bergkegel über der Mulde, es gehört seit 1548 dem Hause Schönburg. Drei Schlosshöfe, zu einem ist das Thor in den Felsen gehauen. 100 m tiefer Brunnen. Der Thurm, der das Burgverliess enthielt, hat 3½ m starke Mauern. Der Zutritt ins Innere ist nur bedingungsweise gestattet. Im Schlossgarten sehr alter Epheu. Fesselnde Blicke hinab auf die Mulde. In der Kirche des Dörfchens Rochsburg beachtenswerthe Skulpturen. Pfarrlaube und Röhrensteige sind inter. Aussichtspunkte. Die Amtmannskluft und das Brauseloch liegen am Thalhang des Hufeisens, das die Mulde um den Schlossfelsen bildet.

Das herrlichste Stück Muldenthal liegt zwischen Rochsburg und Penig. Die Felswände erheben sich bis zu 100 m Höhe, tiefschluchtige Seitenthäler thuen sich auf und Felsschroffen wechseln mit Waldgehängen. Der Fluss bleibt zur Rechten. Bei der grossen Spinnerei Amerika Gastwirthschaft, die zur Arbeitercolonie gehört.

Penig. Stadt Leipzig. Hirsch. Deutsches Haus. Rest. zum Rathskeller. Zum Schützenhaus. 5800 Einw. Grossartige Papierfabrik. Zwei Schönberg'sche Schlösser. Die alte intr. Stadtkirche besitzt einen Lukas Kranach, welcher Luthern als Junker Jörge auf der Wartburg darstellt. Anstossende Begräbnisskapelle der gräfl. Schönburg'schen Familie. Das älteste Grabmonument entstammt dem Jahr 1411. Bemerkenswerther Altar und Taufstein.

Der Peniger Bahnhof und der Hühnerberg bieten für Spaziergänger hübsche Ziele dar. Der Zeisig (2 km) ist eine Schenke an der Strasse nach Leipzig, von wo aus man prächtige Aussicht auf Stadt und Umgebung geniessen kann.

Ein empfehlenswerther Fussweg führt von Penig über Thierbach und Zinnberg nach Wolkenburg. Gräfl. Einsiedel'sches Schloss mit trefflicher Gärtnerei, in der besonders auch Ananaszucht betrieben wird. Im Park Büste des Ministers Detlef von Einsiedel, der den Park umgeschaffen. Schöne Aussichtspunkte. Die Wolkenburger Kirche mit ihrem zierlichen Thurm wurde 1794 gleichfalls von demselben errichtet; sie hat geschmackvolle Reliefs von Eisenguss und ein eisernes Taufbecken. Das Altargemälde »Jesus der Kinderfreund« malte Oeser, der väterliche Freund Goethe's. Das Schloss ist zum Theil in den Felsen gehauen; es besitzt eine werthvolle Bibliothek und einige gute Gemälde. Im nahen Dorf Kauffungen, dessen Burg zerstört ist, war der Familiensitz des Ritters Kunz von Kauffungen, der den romantischen Putsch im Schlosse zu Altenburg ausführte. Das Familiengut Kunz's gehört jetzt zu Wolkenburg.

Auch unser fernerer Pfad bleibt dem schönen Muldenthal treu und führt über Herrnsdorf und Niederwinkel nach

Waldenburg. Gold. Löwe. Bär. Zur Ente. Rest. Rathskeller. In Altstadt-Waldenburg: Zum Hirsch. 3000 Einw. Ofenfabrikation und Töpferei, die von einer grossen Töpferinnung betrieben wird. Das fürstl. Schönburg'sche Schloss ist neuerbaut, nachdem es 1848 von der aufgeregten Bevölkerung eingeäschert worden war. Die goth. Stadtkirche ist nach dem Brand 1580 erneuert worden. Im Innern ein 7 m hohes Denkmal Hugo von Schönburgs, der 1596 hier beigesetzt wurde.

Der grosse fürstl. Park Greenfield, im Volke einfach Grünefeld genannt, liegt auf einem Berg oberhalb Altstadt-Waldenburg. Malerische Baumgruppen und Blumenrabatten. Mausoleum des Fürsten Otto von Waldenburg.

Per Bahn fährt man über Glauchau nach Hohenstein und Chemnitz. (Wer zu Fuss nach Hohenstein geht, kann auch seinen Weg durch den Park Greenfield nehmen.) Von der Mühle in Oberwinkel hinauf nach Dorf Callenberg. Hier Kirche in Rundbogenstyl. Bei dem einsam und hoch gelegenen Gasthaus zur Katze links nach Forsthaus Waldschlösschen und Bad Hohenstein die aussichtsreiche Strasse hinab nach Hohenstein. Siehe [Seite 66].

29. Chemnitz-Cossen (22 km). Wechselburg (2½ km). Rochlitz (über den Berg 7 km). Geithain (9 km). Frohburg (10½ km). Gnandstein (5 km). Kohren-Sahlis (3 km). Penig (13 km). Rochsburg (6 km). Burgstädt (5 km). Chemnitz (15 km).

Vorstehende Tour hat bereits bis Rochlitz Beschreibung gefunden. Von hier mit Bahn direct nach Frohburg oder zu Fuss über das freundliche alte Landstädtchen Geithain. 4000 Einw. Reitergarnison.

Frohburg. Zum Hirschen. (Omnibus am Bahnhof.) 3000 Einw. Im weiten, anmuthigen Wyhrathal gelegen. Weberei. Töpferei. Das Frohburger Schloss mit der bedeutenden Frohburger Herrschaft ist im Besitz des Ministers Freiherrn von Falkenstein, dem Biographen des Königs Johann. Am 3. Mai 1813 beherbergte dasselbe den Kaiser Alexander von Russland, am 16. October desselben Jahres den König Murat von Neapel.

Wir gehen, den Streitwald zur Linken, am alten Schloss Wolftitz vorüber. In der Nähe liegt das Jägerhaus mit Concertsaal und Parkanlagen.

Gnandstein. Das stolze Schloss am Wyhrabach gehört einem Herrn von Einsiedel; es macht auf seinem Porphirfelsen wirklich einen imposanten Eindruck. Die Thore, sowie ein Theil des Parterre sind in Felsen gehauen. Die Schlosskapelle enthält 3 Flügelaltäre, Glasmalereien und mehrere Cranach. Im Familiensaal die Ahnen der Familie v. Einsiedel. Im Schlossarchiv Briefe von Luther, welcher als persönlicher Freund des damaligen Burgherrn Heinr. Hildebrandt von Einsiedel öfter als Gast zu Gnandstein anwesend war. Kurz vor der Mühlberger Schlacht nächtigte hier Kaiser Karl V. Die Gnandsteiner Dorfkirche enthält Luthers Bildniss von Cranach. Die Kanzel ist noch dieselbe, auf welcher Luther mehrfach predigte. Von der gleichen Künstlerhand (Cranach) rührt auch das Familienbild her, welches Heinrich II. von Einsiedel mit neun Söhnen und fünf Töchtern in der bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Die Steinbilder um den Altar sind die Ahnen der Familie von Einsiedel.

Kohren. Gasthaus zum Rathskeller. Moosdorfs Gasthaus. 1100 Einw. Wohlhabendes Landstädtchen, schön auf felsiger Anhöhe gelegen. Die Pfarre zu Kohren soll die einträglichste des Landes sein. Hier lebte der Dichter Julius Mosen mehrere Jahre als Actuar bei den Sahliser Gerichten. Die alte Burg Kohren kommt schon 974 urkundlich vor; sie wurde in diesem Jahre auf kaiserlichen Befehl vom Erzstuhl Magdeburg an das Bisthum Merseburg abgetreten. Im 14. Jahrh. gehörte sie den Voigten von Plauen. Man nimmt an, dass Kunz von Kauffungen von hier aus den Prinzenraub unternahm. Die Burg gehörte seinem Schwager Hildebrandt von Meckau und sie lag allerdings seinem Vorhaben bequem. Jetzt sind von der einst sehr umfangreichen Burg nur noch 2 ungeheure Thürme übrig, zwischen denen sich friedliche Wohnstätten eingenistet haben, die sich unter Laubschmuck inmitten der uralten Ruinen höchst malerisch ausnehmen. Im nahen Sahlis Rittergut mit Schloss und Park.

Mit 1 km Umweg gelangen wir nach Rüdigsdorf. Rittergut mit Schlosspark. Gärtnerei, Gewächshäuser mit schönen Eckpavillons. Im östlichen Pavillon Freskogemälde von Schwind. Das Rittergut gehört zu Sahlis. In der kleinen goth. Dorfkirche ein sehr gutes Altargemälde. Glasmalerei. Gellert hat sich mehrfach hier aufgehalten, ein Poetengang, ein Quell und mehrere Ruheplätze nennen sich nach ihm. Durch den Schlosspark gelangen wir nach Vorwerk Linda mit Gasthaus, malerisch am Teich gelegen. Sammelplatz der vornehmen Welt der Umgegend. Oefter Concerte. Wasserpartien auf dem schönen Teiche.

Auf der Strasse nach Penig passiren wir quer das 8 km lange Dorf Langenleuba (3 Gemeinden, die westl. gehört zum Herzogthum Altenburg). 3 km von Langenleuba an einem Strassenkreuz liegt der Zeisig, ein Gasthof mit guter Aussicht auf Penig. (Penig s. [S. 77].) Von Rochsburg nach Burgstädt passirt man zunächst die Mulde. In der Nähe von Rochsburg das Brauseloch und die Amtmannskluft. Ein Weg führt durch Wald und Busch, Hollsdorf rechts und Burkersdorf links lassend, direct nach Burgstädt. Rochsburg siehe [Seite 77].

30. Chemnitz-Pockau (38 km). Olbernhau (10 km). Sayda (11 km). Georgensdorf (9 km). Fley (7 km). Langewiese (5½ km). Ossegg (über die Riesenburg 5 km). Teplitz (10 km).

Die Flöhathallinie zweigt in Flöha von der Hauptlinie Chemnitz-Dresden ab und folgt nunmehr der Flöha über Hohenfichte, wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. Grünhainichen (rechts der Bahn nicht sichtbar). Stattliches Kirchdorf. 2000 Einw. Spielwaarenindustrie. Man fertigt besonders Puppenstuben, Kindertheater, Kaufmannsladen, Küchen etc. Eine Fachgewerbeschule und eine damit verbundene Musterausstellung sorgen für Ausbildung der Spielwaarenarbeiter. Die Besichtigung irgend einer der am Ort befindlichen grossen Niederlagen ist zu empfehlen. Nach einer schönen Thalfahrt mit Buchengruppen taucht rechts Rauenstein auf, ein malerisches, schindelbedachtes Ritterschlösschen. Hinter dem Schlösschen liegt auf der Höhe

Lengefeld. Post. Erbgericht. Sächs. Hof. 3700 Einw. 473 m ü. M. Strumpfwirkerei. Spielwaarenfabrikation. Ueber 300 Webermeister. Grosse Wurstfabrik von Hoflieferant Weber. 3 km entfernt an der Strasse nach Wolkenstein erhebt sich der 680 m hohe Adlerstein. Triangulirungsstation. Guter Aussichtspunkt. In der Nähe an der Strasse nach Pockau grosse königl. Kalkwerke, dankbare Fundgrube für Mineralogen. Wirthshaus. 200 Arbeiter. Intr. ist die Kalksteinförderung aus der Tiefe. Man füllt oben die Hunde mit Wasser, welche die steinbeladenen heraufziehen. Das Wasser läuft unten durch einen Stollen ab. 1 km südöstlich des Adlersteins liegt der 683 m hohe Schletterbauers Knochen, auch Lauterbacher Knochen genannt, welcher viel umfassendere Aussicht auf das Centralgebirge gewährt, wie der halbverwachsene Adlerstein. Ein schöner Touristenpfad, vom Gebirgsverein angelegt, führt ab Lengefeld über Rauenstein und den Heidenstein nach Pockau.

Pockau ist Kreuzpunkt der Bahnen nach Olbernhau und Reitzenhain. Uralte slavische Ansiedelung am Zusammenfluss der Flöha und der Pockau. Die Olbernhauer Linie gewinnt durch schluchtige Thalpartien hindurch sehr bald das breite anmuthige Olbernhauer Thal.

Olbernhau. Gerichtsschenke. Hotel Klix. Reichel. Schneiders Gartenrest. 4700 Einw. Marktflecken. Strumpfstuhlbauerei. Spielwaarenfabriken, besonders viele Kinderflinten werden hier gefertigt. Zündholzfabriken. In der Umgebung herrliche Buchenwaldungen. Nach der Königstanne im Kriegwald 5 km. Man geht durch die Vorstadt Rungenstock die Waldstrasse hinauf, bis rechts ein Wegweiser den Reitweg anzeigt, an dem der grösste Tannenbaum in Sachsen steht. Ein Reiter kann sich dahinter verstecken.

Nach dem Bruchberg und dem Sophienstein 5 km. Man geht über den Weiler Pföbe dahin. Vom Bruchberg schöne Blicke auf Olbernhau und das Thal. Vom Sophienstein prächtiges Thalbild auf Brandau, den Schweinitzgrund und Katharinenberg.

Auf einer Strassenwindung mit schönen Blicken auf Olbernhau gelangen wir nach dem Pfaffrodaer Wald und nach Pfaffroda. Ziemlich grosses Schloss, der Familie von Schönberg gehörig. Rüstkammer mit kunstvollen Damenflinten. Im Ahnensaale Bildnisse der Familie von Schönberg. Schöne Familiengruft aus Tharandter Sandstein, von Prof. Heuchler entworfen. Schlossschenke. (Dörnthal mit dem grossen Friedrich-Bennostolln und dem Bergteich, [S. 54].) An der Strasse nach Sayda links der grosse Dittmannsdorfer Bergteich. (Sayda s. [S. 54].) Von hier geht man an dem 730 m hohen Meisenberg vorüber nach Cämmerswalde und Georgenthal-Georgensdorf. (Von hier weiter s. Routennetz.)

Anmerkung. Wer auf Sayda verzichtet, geht von Olbernhau im Flöhathal aufwärts nach Neuhausen-Purschenstein ([S. 53]). Dann nach Rauschenbach und an Neuwernsdorf vorüber. Dieses Dörfchen wurde von böhmischen Exulanten gegründet, die ihre Liebe zur Musik mit herüber brachten. (Stabstrompeter Wagner ist ein geborner Neuwernsdorfer.) Ganze Weglänge 19 km.

31. Chemnitz-Olbernhau (48 km). Grünthal (3 km). Seiffen (8½ km). Bad Einsiedel (3 km). Böhmisch-Einsiedel (2 km). Dorf Kreuzweg (5½ km). Oberleitensdorf (6 km). Ossegg (8 km). Teplitz (10 km).

Bis Olbernhau s. Routennetz. Man geht im gut angebauten Flöhathal an die Grenze nach Grünthal. Auf sächsischer Seite grosses Messingwerk von Lange, welches ehemals Saigerhütte für Kupfer und Münzstätte für Kupfermünzen gewesen. Peter der Grosse besuchte die Hütten auf einer Reise nach Carlsbad, wobei er sich auf einen der grossen Zainhämmer setzte und sich auf und niederschwingen liess. Bad Grünthal mit Schwefelquell liegt gleichfalls auf sächs. Seite. Griesel's Gasthaus über der Grenze ist stark besucht. Nun entweder über Dorf Brandau, das auf vulkanischem Grund liegt, oder an der Schweinitz entlang und am Seiffenbach links hinauf nach

Seiffen. Erbgericht. 1700 Einw. Seiffen ist die Centrale der Spielwaarendörfer Heidelbach, Heidelberg, Neuhausen, Niederseiffenbach und Deutschneudorf. Wer Interesse für die merkwürdige Industrie hegt, der wird in Seiffen die umfassendsten Studien treiben können.

Man findet eine Fachschule und ein damit verbundenes Musterlager. Zuerst besuche man ein Drehwerk, hier drehen die Meister die sogenannten Ringe, welche die Form von Karnisrosetten haben, doch belehrt ein ausgespaltenes Stück sofort, dass es Dutzende von Pferden, Schafen, Elephanten, Affen oder von anderen vierbeinigen Geschöpfen sind. Das Ausschnitzen und Malen geschieht zu Haus und es ist wirklich eine Lust, die emsige Gewerbthätigkeit dieser Leutchen zu beobachten. Es hilft Alles mit, bis zu vierjährigen Kindern herab, pappen, schnitzeln, leimen und malen. Ungeheure Armeen sind von hier aus in die Welt gegangen und haben den kriegerischen Muth der Jugend angefacht. Die Arbeitstheilung ist eine sehr streng durchgeführte, man trifft Greise, die ihr Lebtag nur Franzosen und andere, die nur Preussen gefertigt haben. Die Mannigfaltigkeit ist grossartig; die Lagerkataloge nennen 2000 verschiedene Gegenstände. Der ganze Spielwaarenbezirk fertigt etwa für 1½ Million Thaler Spielwaaren im Jahre.

In der Nähe des Dorfes, wo früher starker Bergbau getrieben wurde und wo sich auch ein herrschaftlich Purschenstein'sches Bergamt befand, giebt es eine ziemlich tiefe Binge, die Geyerin genannt. Vom Schwartenberg, 2 km nordöstlich vom Dorfe, hat man eine prächtige Rundschau über die Gegend. Oben verlassenes Bergwerk mit Huthaus. (778 m ü. M.) Wer den Schwartenberg ersteigt, geht von hier direct nach Bad Einsiedel.

Bad Einsiedel und weiter siehe Routennetz.

32. Chemnitz-Olbernhau-Grünthal (51 km). Deutsch-Neudorf (8 km). Nickelsdorf (5 km). Obergeorgenthal (4 km). Eisenberg (4 km). Rothenhaus (7 km). Görkau (1 km). Kommotau (6 km).

Bis Olbernhau und Grünthal s. Routennetz. Von hier geht man im Schweinitzgrund entlang nach Deutschneudorf. Ueber die Höhe kann man auch Katharinenberg berühren. Altes hölzernes Bergstädtchen, ein erhaltenes Modell aller übrigen Erzgebirgsstädtchen. So sahen sie aus, ehe sie vom Feuer heimgesucht wurden. 2000 Einw. Kaiser von Oestreich. Kronprinz Rudolph. Weinschank bei Wolf. Spielwaarenindustrie.

Anmerkung. Sowohl von Deutschneudorf und böhm. Gebirgsneudorf, als auch von dem angrenzenden Nickelsdorf aus besteigt man mit Führer den Bernsteinberg, 938 m hoch mit Aussichtsthurm (3 km.) Führung 2 Mark. Der Bernsteinberg gehört zweifellos zu den schönsten Punkten auf dem Kamm. Wir sehen hinab nach Sachsen bis in die Tiefebene über Augustusburg und Frauenstein hinweg. Auf dem Kamm selbst dominiren Hass-, Keil- und Fichtelberg und im Böhmerland liegen Eger- und Bielathal, wie das Teplitzer und das Karlsbader Mittelgebirge frei vor dem Beschauer. Ganz im Südwest taucht als blauer Streif der Böhmerwald auf. Das einsame Forsthaus Rothengrube, das jüngst neu erbaut wurde, gewährt einfachen Imbiss; es liegt nah unter dem Gipfel. Der Weg führt vom Forsthaus im schluchtartigen Thal hinab nach Eisenberg (4 km).

Der Tour treu gehen wir durch Deutschneudorf (Harzer's Gasth., Grüner Baum) nach Gebirgsneudorf hinauf. Auf dem hier sehr scharfgratigen Kamm liegt links der Strasse der Wachhübel, den man mit leichter Mühe ersteigen kann und der einen herrlichen Blick auf das Mittelgebirge und den Teplitzer Thalkessel gewährt. Von hier aus geht man entweder direct durch den Flachsgrund hinab nach Eisenberg, oder die Strasse bis nach Gasthaus Marienthal. Hier rechts beim Hegerhaus in den Thiergarten und durch herrlichen Buchen- und Eichenwald bei schöner Aussicht auf das weite Land nach Eisenberg. Im Flachsgrund, beim Flachsgrundförster Erfrischungen. (Fürstenzimmer. Geweihsammlung. Möbel aus Hirschgeweihen.)

Eisenberg. Unterm Schloss grüner Baum. Das hochromantisch gelegene Schloss gehört einem Fürsten Lobkowitz und ist neuerdings restaurirt worden. Schön ausgestattete Gemächer. Jagdzimmer. Der Tourist wird sich indess mit der allerdings herrlichen Aussicht auf das Mittelgebirge, Biela- und Egerthal begnügen müssen, da das Schloss nur ganz ausnahmsweise zugänglich ist. Im Park Treibhäuser, Goldfischteiche etc.

Nach Rothenhaus geht man an dem imposanten Seeberg vorüber, der einst ein Schloss getragen. Die Natur ist hier subalpin, auch was die kolossalen Schwemmkegel anlangt, die wir überschreiten müssen. Wir berühren dahin die Orte Hohenofen und Türmaul.

Rothenhaus. Nicht ganz so imposant, doch ähnlich gelegen, wie Eisenberg. Das Erzgebirge hat hier keinen so schroffen Steilhang, dieser ist vielmehr durch Vorberge gedeckter. Fürstl. Thun'sche Besitzung. Fürst Thun treibt auf Rothenhaus Rennpferdezucht. Herrliche Aussicht auf Biela- und Egerthal und das Mittelgebirge. Im Schlossthor Skulpturen, wo unter anderem Holzdiebe dargestellt sind. Das Innere ist nicht zugänglich, auch der sehr schöne Park ist neuerdings nur zeitweilig dem Publikum geöffnet.

Görkau. Am Fuss des Görkauer Schlossbergs gelegen. Beim Schorsch. Weisses Ross. Zum Hirschen. Rest. zur Hütte. Goldn. Kreuz. Rothenhäuser Keller. Am Büschl, Rest. auf der Anhöhe nach Dorf Weingarten zu. 4500 Einw. Die sieben Baumwollenspinnereien sind von Sachsen begründet, die auch eine protestantische Kirche erbauten. 4 Dampfmühlen. Die Gemeinde Görkau zählt zu den wenigen glücklichen Gemeinwesen, die keine Steuern einzufordern brauchen. Waldbesitz. Unter der Stadt ein Riesenkeller mit über 100 Abtheilungen.

Kleine Ausflüge. Ueber Pirken, Schergau und Platten nach Kallich. Bei Platten liegt Quinau mit intr. Wallfahrtskirche. Bei Bernau erhebt sich der 850 m hohe Geisberg, an welchem die Biela entspringt. Im prächtigen Töltzschthal Ruine Neustein. Das Thal, nicht mit dem Töltzschthal unter Kallich zu verwechseln, gehört zu den schönsten Thalzügen des Erzgebirgs. Am besuchtesten ist das 2 km entfernte Dorf Weingarten mit Rest. von A. Proksch. Herrliche Aussicht auf das weite Land.

Kommotau. Hotel Reiter. Scherber. Kronprinz Rudolph. Adler. Rest. zum Schiesshaus. 1 km entfernt am Alaunsee die vielbesuchte Alaunhütte mit Bad und hübschem Garten. 11 500 Einw. Die alte Stadt liegt am reissenden Kommotaubach am Fuss des Erzgebirgs, wo dasselbe weniger steil abfällt. Getreidestapelplatz. Kohlenbergbau. Metallindustrie. Am Markt intr. Laubengänge. In der spät goth. Dechanteikirche ein sehr altes Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten (16. Mai 1421) darstellt. K. K. technische Lehranstalt. Gymnasium. In der goth. Katharinenkirche haben sich jetzt städtische Behörden niedergelassen.

Anmerkung. Für die Rückkehr nach Sachsen empfiehlt sich die Fusswanderung durch den romantischen Kommotauer Grund und später hinauf nach Krima. 11 km. Weiter siehe Routennetz.

33. Chemnitz-Olbernhau (48 km). Rothenthal (4 km). Gabrielenhütten (3 km). Kallich (6 km). Göttersdorf (8 km). Rothenhaus (4 km). Görkau (1 km). Kommotau (6 km).

Bis Olbernhau siehe Routennetz. Von hier über den Weiler, die Pföbe nach Rothenthal. Winklers Gasthof. Sommerfrische. Spielwaarendreherei.

Ein schöner Weg führt von der Pföbe über den Berg (mit Umgehung Rothenthals) nach dem Sophienstein und dann an einer Riesentanne vorüber, die zwar krank ist, aber an Umfang der Kriegwalder Königstanne nichts nachgiebt. In der Nähe liegen der Pilz und der Stösserfelsen. Beides sind Felsbasteien über dem Natzschungsthal oder auch Tölztschthal genannt. Die Blicke hinab in das einsame Felsenthal sind sehr fesselnd und erinnern an Thüringen. Unter dem Felsen im Thalgrund liegt das Töltzscher Wirthshaus, das man von Rothenthal auf bequemer Strasse erreicht. (Gutes Bier.)

Man kann nun im romantischen Töltzschthal fortgehen bis Kallich, doch führt von Gabrielenhütten ab auch eine nähere Strasse über den Berg dahin. In Kallich Nagelschmiederei und grosse Eisenwerke, die von einer böhm. Actiengesellschaft betrieben werden. Das Hochgebirgsdorf zählt 1100 Einw. Von hier beginnt eine lange Waldwanderung auf die Wasserscheide hinauf. Die Strasse steigt auf über 900 m Meereshöhe. Dann hinab nach Göttersdorf. Auf diesem Weg hat man sehr schöne Blicke auf das Böhmerland, die wir nach der langen Wanderung auf dem ziemlich reizlosen Kammplateau um so wärmer begrüssen. Rothenhaus, Görkau, Kommotau siehe Routennetz.

34. Chemnitz-Pockau (38 km). Bahnhof Zöblitz (6 km). Stadt Zöblitz (1½ km) Katzenstein (5 km). Marienberg (6 km). Kniebreche (5 km). Chemnitz (44 km).

Von Chemnitz bis Pockau s. Routennetz. Der Thalzug der Pockau ist auch für Fusswanderung zu empfehlen. Wir berühren die Ruine Lauterstein, die auf isolirtem Gneisfelsen gar malerisch sich erhebt; sie wurde am 14. März 1629 von den Schweden eingeäschert. Bei einem früheren Brand verlor ein 90jähr. Greis, der sich an Tüchern herablassen wollte, sein Leben. Auf einem Felsen gegenüber lag die Burg Oberlauterstein, die schon von den Hussiten zerstört worden ist. (Unfern der Ruine kleines Wirthshaus.)

Am Weg vom Bahnhof Zöblitz nach der Stadt links eine Art Bastei mit hübschem Blick auf den Thalkessel.

Zöblitz. Hirsch. Stadt Wien. 2300 Einw. 857 m ü. M. Zöblitz ist Sitz einer Actiengesellschaft für Zöblitzer Serpentinsteinindustrie; sie betreibt den Abbau der berühmten Zöblitzer Serpentinsteinbrüche und die Bearbeitung des inter. Gesteins. Der Stein wird gesägt wie Holz und gehobelt, gedreht und polirt wie Eisen. In den Bildhauerwerkstätten arbeiten wirkliche Künstler. Ehemals existirte hier eine Steindrechslerzunft, die 40 Innungsmeister zählte, doch fanden die veralteten Formen ihrer Erzeugnisse keinen Anklang mehr und die Brüche kamen zum Erliegen. Erst die Actiengesellschaft, zu deren Zustandekommen Stadtrath Reitz in Chemnitz besonders beigetragen, hat eine neue und umfassendere Ausbeutung der Schätze ermöglicht. Sehenswerthes Lager. Der Abbau geschieht in Tagebrüchen und auch unterirdisch, eine Anfahrt in den Tunnel ist für Mineralogen besonders interessant. In der Kirche Silbermann'sche Orgel und sehenswerthe ältere Serpentinsteinornamente; auch auf dem Kirchhof finden sich alte originelle Serpentinsteindenkmäler.

Die Serpentinsteinbrüche liegen an unserem Weg nach Ansprung (der Bergrücken von Serpentin heisst die Haardt), wir können sie mithin im Vorübergehen besichtigen; es finden sich darin auch Asbest und Granaten. Von hier nach dem Dörfchen Hüttstadt und hinab in den tiefen Pockaugrund. Einige Häuser nennen sich Hintergrund, dabei Gasthof zum Katzenstein. Wir schreiten die neue Strasse aufwärts und wenn wir die Ringmauer (rechts) passirt, stehen wir unter dem steilen

Katzenstein. Der Thalkessel zeigt die wildeste Gegend des Erzgebirgs. Zwischen der Ringmauer und dem Katzensteinfelsen zeigt ein Wegweiser empor auf die wilde Felsbastei, die man, da sie geländerlos ist, nur mit Schauer betritt. (644 m ü. M.) Gegenüber liegt der finstere Kriegwald, dessen vorderste Bergnase der Rabenberg heisst, auf dem sich einst ein altes Raubnest erhoben. In der Tiefe schäumt die Pockau und zur Linken schliesst die Ringmauer das Bild ab. Auf dem Plateau der Felsbastei grosser Steintisch, auf dem öfter fürstl. Jagdpicknicks abgehalten wurden. Die nahen Felsklüfte dienten als Kellereien.

Anmerkung. Ab Katzenstein lassen sich mehrere Touren machen. Die dankbarste ist die Grüne-Grabentour. Man geht rechts am Berghang hinauf zum Grünen Graben, einem Canal, der durch die felsige Wildniss am Berghang des Pockaugrundes gebahnt worden ist. Man geht an seinem Ufer entlang bis vor Kühnhaide, dann durch dieses weitzerstreute Gebirgsdorf nach Reitzenhain. (10 km.) Reitzenhain 761 m hoch, echtes Gebirgsklima. Wird neuerdings als klimatischer Kurort benutzt. Höchste Eisenbahnstation Sachsens. Auf böhmischer Seite Gasthof zum Malzhaus. Man geht von hier entweder die alte Heerstrasse an einem alten inter. Jagddenkmal vorüber nach Marienberg oder benutzt die Bahn (zu Fuss 12, per Bahn 16 km). Auch ist der Weg nach Satzung nicht ohne Reiz. (5 km). Satzung (844 m ü. M.) ist eines der höchstgelegensten Dörfer Sachsens. Die Bewohner ziehen meist als Handelsleute in die Welt hinaus. Von hier durch Gebirgswald nach Steinbach (3 km), Arnsfeld (4 km), Mauersberg (4 km), Streckenwalde (3 km), Wolkenstein (4 km). Von Reitzenhain nach Kommotau Bahn an dem hochgelegenen Sebastiansberg vorüber 28 km, zu Fuss nur 21 km. Näheres s. Routennetz.

Eine andere Tour ist Katzenstein-Töltzschthal-Olbernhau. Mehrere Waldstrassen führen vom Pockaugrund aus hinauf durch den Kriegwald in das einsame Dorf Rübenau. Bald gewinnen wir das Töltzschthal. Prächtige Thalwanderung über Gabrielenhütten (14 km) nach Olbernhau. Näheres s. Routennetz.

Der Tour treu gehen wir vom Katzenstein nach Pobershau. Sobald wir aus dem Wald treten, schöne Blicke auf die nahen Thäler. Der sichtbare Marienberger Thurm zeigt die Richtung unserer Tour an. Pobershau treibt Bergbau auf Zinn und Silber. Bei Schachtelgünther's erhält man aus einem verlassenen Bergstolln, der einen trefflichen Keller abgiebt, ein sehr frisches Glas Bier. Spielwaarenindustrie.

Weiter über Dorf Gebürge und Dörfel mit hübschen Ausblicken nach

Marienberg. Drei Schwanen. Gold. Krenz. Ross. Restaur. zum Rathskeller, im Bahnhof und bei Oschütz. Am Bahnhof 603 m ü. M. 6200 Einw. Die sehr regelmässig erbaute, höchst freundliche Stadt wurde 1521 von Herzog Heinrich dem Frommen gegründet. Reiche Erzgänge waren in der Gegend aufgefunden worden und noch heut ist der Bergbau nicht ohne Bedeutung. Am Rathhaus hübsches Renaissanceportal. Auf dem schönen lindenbepflanzten Marktplatz ist öfter das Wild zusammengetrieben und vom Kurfürsten Johann Georg von den Fenstern des Rathhauses aus abgeschossen worden. Spitzenklöppelei. Feldbesitz. Lebhafter Grenzverkehr. In der Kirchenbibliothek, die leider eine Zeit lang verwahrlost worden ist, befindet sich ein Manuscript von der Hand Adam Riese's: »Rechnung auff der linien vnd Federn in zal, massen und gewicht«. Am Weg nach dem Bahnhof Kriegerdenkmal. 1873 wurde zu Marienberg eine Unteroffiziersschule errichtet, die stark frequentirt ist.

Wir gehen oder fahren mit Dampf durch den Hüttengrund. Vor der Stadt Zöblitz liegt die Kniebreche, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das als Sommerfrische benutzt wird.

35. Chemnitz-Zschopau (29 km). Wolkenstein (13 km). Annaberg (12 km). Buchholz (Bahnhof, 3 km). Weipert (17 km). Kupferberg (17 km). Sonneberg (12 km). Krima (5 km). Domina-Schönlind (7 km). Kommotau (9 km). Klösterle (22 km). Wotsch (9 km). Schlackenwerth (14 km). Karlsbad (12 km).

Bis Erdmannsdorf s. Näheres Routennetz. Bald wird rechts die grosse Witzschdorfer Nähfadenfabrik und später links das grosse Spielwaarendorf Waldkirchen sichtbar. Zu Fuss nach Zschopau geht man die aussichtsreiche Strasse über den Altenhain (15 km).

Zschopau. Stadt Wien. Deutsches Haus. Liebmann's Rest. Lehmann's Gartenwirthschaft. 8500 Einw. 356 m ü. M. Weberei. Spinnerei von Bodemer. In der Kirche die Kanzel und die Altarverzierungen beschaffte Fabrikant Bodemer auf eigene Kosten, auch die Stadtbibliothek ist von demselben begründet und fundirt worden. Schön über dem Zschopauthal gelegenes Seminar.

Der Name Czapowe entstammt dem Sorbischen und bedeutet Passort. Durch Zschopau ging seit grauen Zeiten bis in die Mitte unseres Jahrhunderts die grosse Verkehrsader Prag-Leipzig. Die Erweiterung des Thales war für den Uebergang über dasselbe besonders günstig und so mag wohl sehr früh schon eine Brücke und eine Ansiedelung dabei entstanden sein. Schloss Wildeck, das imposant und trotzig die Stadt überragt, ist wahrscheinlich zur Bewachung der einst wichtigen Zollstätte errichtet worden. Der alte runde Thurm soll bereits von Heinrich dem Finkler erbaut worden sein. August der Starke hielt hier den renitenten Bischof von Posen gefangen. Gegenwärtig sind Gerichts- und Forstbehörden darin untergebracht. Von der sehr hohen Zschopaubrücke aus führen Stufen hinauf zum Markt. Unten liegt der volkreiche Stadttheil, die Zschopense.

Anmerkung. Die Umgebung Zschopaus ist zwar touristisch eine recht dankbare, doch wer im Zschopauthale aufwärts dringt, kann auf die minder schönen Punkte wohl Verzicht leisten. Hier seien nur die vorzüglichsten genannt. Die Bodemerkanzel liegt am linken Zschopauufer, dem Bahnhof gegenüber. Höchst fesselndes Bild auf den Thalkessel mit der Stadt und Burg Wildeck. Sehr lohnend ist auch ein Spaziergang bis zum hochgelegenen Schiesshaus. Man sieht hier bis zum Keilberg hinauf. Auch auf der Marienberger Strasse erreicht man mit wenig Mühe eine Höhe, von der aus die Stadt mit Umgebung anmuthig vor dem Beschauer liegt.

Fussgänger nach Scharfenstein benutzen nicht die Strasse im Thalzug fort, sondern steigen hinter dem Bahnhof links den steilen Berg hinauf, hier läuft ein zweiter Weg mit dem Fluss parallel, von welchem aus man schöne Thalblicke und Fernsichten hinauf ins Centralerzgebirge geniessen kann. Der schönste Punkt nennt sich die Scharfensteiner Kanzel. (Zschopau-Scharfenstein 6 km.)

Unsere Fahrt im romantischen Zschopauthal fortsetzend, gelangen wir nach Scharfenstein. 800 Einw. 7 Stockwerk hohe Spinnerei. Das malerische Schloss Scharfenstein ist im Besitz eines Herrn von Einsiedel, dessen Vorfahren schon im Anfang des 15. Jahrh. Herren der Burg waren. 1632 eroberte sie Herzog Bernhard von Weimar. Sehenswerth sind das Burgverliess, die alten Kellereien und ein alter Wartthurm. Die Lage der Burg auf hohem Felsgrat erhöht ihren landschaftlichen Reiz.

Auch die Weiterfahrt zeigt immer neue anmuthige Thalscenerien. Fussgänger gehen ebenfalls im Thalzug aufwärts bis zum Flossrechen mit Flosshaus, einem Lieblingsplatz der Badegäste im Bad Wolkenstein, das man von hier aus leicht erfragen kann. Von hier auch auf Fusswegen an der Ahner'schen Spinnerei vorüber direct hinauf nach Wolkenstein.

Wolkenstein. Sächsischer Hof. Zur Sonne. Stadt Dresden. »Rest.: Bei der Frau Kirchenvorsteherin Ulbrich«. Schiesshaus an der Strasse nach Marienberg. Gräser's Conditorei. Bahnhof 400 m ü. M. Stadt 490 m ü. M. 2300 Einw. Posamenten. Schuhmacherei. Klöppelei. Ackerbesitz. Der Bergbau ist eingegangen. Inter. Kirche. (An der Eingangsthür zum Thurm St. Georg mit dem Lindwurm. Altarbild: Christus und die Samariterin.) Hübsches Kriegerdenkmal von einem Adler bekrönt. Schloss Wolkenstein, jetzt Sitz von Gerichtsbehörden, war ehemals ein Lieblingssitz Heinrich des Frommen, der in der Gegend nur der gute Heinz genannt wurde. Er unterhielt hier einen Thiergarten und das einsame Lehngut, die Heinzebank, 602 m hoch, an der Zschopau-Marienberger Strasse nennt sich nach ihm, wie auch der nahe Heinzewald. Hier soll Heinrich sich des weiten Rundblicks nach der Jagd im Heinzewald öfter erfreut haben. Vom Gebirgsverein zugänglich gemachte Punkte bei Wolkenstein sind: Die Falkenhorstwand, der Heidelbachfelsen und die Brückenklippe.

Vom Schloss hat man hübsche Thalblicke, am schroffen Berghang finden sich verwegene Bergpfade. Noch schöner ist der Blick von der nahen Villa Maxenstein, dem Buchhändler Spamer gehörig. Unter der Villa Parkanlagen, die von 10 bis 3 Uhr dem Publikum offen gehalten werden.

Warmbad Wolkenstein liegt 2 km von der Stadt im Hüttengrunde. 458 m ü. M. Der schön eingefasste Quell (30° C.) ist der wärmste Sachsens und hat sich besonders bei rheumatischen Leiden bewährt. 125 möblirte Zimmer von 2 bis 12 Mark per Woche. Bäder zu 75 und 50 Pf. Douchen sind extra zu zahlen. Die Badefrequenz betrug 1880 600 Gäste. Concerte ziehen während der Saison öfter die besseren Bewohner der Umgebung herbei. Schöne Waldpromenaden. 4 km von der Stadt, vom Bad 2½ km liegen die »Neuen drei Brüder«, ein verlassenes Bergwerk, über dem Dorf Gehringswalde. Im Huthaus Schenke. Das Auge beherrscht von hier aus so ziemlich alle höheren Berge des Centralerzgebirgs, als Keil- und Fichtelberg, Hassberg, Auersberg und die drei Basaltkegel, Scheibenberg, Bärenstein und Pöhlberg. Auf der Halde zuweilen Krystalle.

Hinter Wolkenstein passirt der Zug den Punkt des Zusammenflusses der Pressnitz und der Zschopau, die von hier aufwärts bedeutend wasserärmer erscheint. Weiter oben wird das Thal freier.

Warmbad Wiesenbad. 434 m ü. M. Die Quelle (21¾° C.) wird schon seit dem 15. Jahrh. für Heilzwecke benutzt. Im Bad gegen 100 Zimmer. 1880 340 Badegäste. Die Quelle gleicht in ihrer chemischen Zusammensetzung den Heilquellen von Pfeffers, Schlangenbad und Gastein. Schöne Waldpromenaden, die zu anmuthigen Punkten führen. Grosse Flachsspinnerei und Bleicherei unfern des Bades.

Hinter der Stat. Wiesa, einem anmuthig gelegenen Kirchdorf, verlässt die Bahn das Zschopauthal und wendet sich dem Thalzug der Sehma zu. Links wird mehrfach der Pöhlberg sichtbar.

Annaberg. Hôtel Museum. Wilder Mann. Goldne Gans (Gutes Mittelgasthaus.) Kronprinz. Tröger's Gasthaus am Bahnhof. Rest. zum Rathskeller. Bahl's Garten- und Tanzlokal vor dem Buchholzer Thor. Badeanstalt von Wolf.

Annaberg, ziemlich abschüssig an den Gehängen des Pöhlberges gelegen, ist die grösste und wichtigste Stadt des Centralerzgebirgs; die Posamenten-Industrie ist sehr bedeutend und vorwiegend für den Export berechnet. 13 000 Einw. Am Markt 601 m, am Bahnhof 539 m ü. M.

Geschichtliches. Der Bergbau am Schreckenberg scheint ziemlich früh schon begonnen zu haben, doch ward er erst Ende des 15. Jahrh. sehr ergiebig; dies veranlasste Herzog Georg den Bärtigen an der sogenannten wilden Ecke am 21. Sept. 1496 eine Stadt zu begründen, die man Neustadt am Schreckenberg benannte. Indess 5 Jahre später tauschte sie ihren Namen in St. Annaberg um und Kaiser Maxmilian bestätigte den Namenwechsel. Die Glanzperiode des Annaberger Bergbaues fällt in das 16. Jahrh., die Schreckenberger Gruben waren damals die silberreichsten Sachsens. Man prägte die Ausbeute in der Münzgasse in die sog. Engelsgroschen um oder brachte sie auch ungemünzt zur Vertheilung. Die Bergherren sollen sehr üppig gelebt und eine Bäuerin soll sogar Bäder in Wein genommen haben. Die Sage schreibt dieser Ueppigkeit den raschen Verfall des Bergbaues zu, die Gruben versagten im 17. Jahrh. mehr und mehr, einzelne kamen zum Erliegen, 1604 suchte ein grosser Brand die damals fast ganz hölzerne Stadt heim. Kloster, Rathhaus und Schule brannte nieder und selbst die Kirche ward ihrer Thürme und ihres Daches beraubt. Der 30-jähr. Krieg that sein Uebriges, die ehemals reiche Bergstadt zu einer Stätte des Elends zu machen. Einen Nothanker in dieser langen schlimmen Zeit bildete die Spitzenklöppelei. Barbara Uttmann, einer Nürnberger Patricierfamilie entsprossen und an einen reichen Annaberger Bergherrn Uttmann verheirathet, erfand, oder wie man nach einer andern Lesart will, erlernte von einer Brabanterin das Spitzenklöppeln und führte es bereits 1561 unter der Bergbevölkerung ein. 1589 gesellte sich die Posamentirerei dazu, eingeführt durch Georg Einenkel. Im Laufe der Zeit haben sich noch eine ganze Reihe anderer Industrien, meist Luxusindustrien, hier heimisch gemacht, so dass aus der Bergstadt die erste und grösste Fabrikstadt des Obererzgebirges geworden ist. Adam Riese lebte in Annaberg als Bergschreiber, Chr. Friedr. Weisse der Kinderfreund und Genosse Lessings wurde 1726 zu Annaberg geboren; eine milde Stiftung ehrt sein Andenken.

Sehenswürdigkeiten. Hier ist voran die Annenkirche zu nennen; sie ist zwar nicht die schönste, aber was Ausschmückung anlangt, die interessanteste des Landes. Von 1499–1525 durch Erasmus Jacob von Schweinfurt erbaut, gehört ihr Styl der Spätgothik an. Der Thurm wurde nach dem Brande 1604 zum Theil erneuert. Am Hauptaltar Stammbaum Christi, der aus der Brust Abrahams herauswächst. Am Bergaltar, von Bergleuten gestiftet, interessiren gute Holzschnitzereien und Oelgemälde auf Holz. Den neuen Altar, der 1834 erneuert wurde, schmückt besonders ein Bild »Tod Mariäs« nach einem Schongauer'schen Kupferstich. Der Münzaltar in der Chorkapelle des rechten Schiffs wurde 1552 von den Münzern gestiftet, als Hauptschmuck sind Schnitzwerke zu nennen: Maria mit dem Jesuskind von Engeln umgeben. Die Gemälde an den äusseren Flügeln, Bartholomäus, Georg, Katharina und Barbara darstellend, erinnern an den jüngeren Holbein. Der Bäckeraltar ist künstlerisch der unbedeutendste. An sonstigen Gemälden ragen hervor Maria mit dem Christuskind auf der Mondsichel stehend, die Ehebrecherin vor Christus von L. Kranach d. J. Der gleichen Hand soll das ausdrucksvolle Bild in der Sakristei, die H. Katharina, entstammen, zweifellos gehört es dieser Schule an. Auf dem Bild »die Verkündigung« fallen die fein ausgeführten Figuren und die klare, kraftvolle Landschaft auf. Der becherförmige Taufstein entstammt der Grünhainer Klosterkirche. An der Kanzel beachtenswerthe Skulpturen. Die Goldene Pforte, aus der Annaberger Franziskanerkirche hierher versetzt, erinnert an Florentiner Meister. Ein spätgoth. Bogen umschliesst die Figuren der H. Dreieinigkeit, über dem Gesims Adam und Eva, an den Seiten Moses und Johannes der Täufer.

Die Hautreliefs an den Emporen mit Erkern geben prächtiges Zeugniss von einer humoristisch-gesunden Lebensauffassung des Mittelalters. Die ersten 20 Reliefs im Chor stellen die 10 Lebensalter beider Geschlechter dar; jeder Figur ist ein Wappenschild beigegeben, auf welchem, nicht sehr höflich aber mit gutem Humor die Embleme den betreffenden Lebensaltern zugetheilt sind. Den männlichen sind folgende beigegeben: 10 Jahr ein Kalb, 20 Jahr ein Bock, 30 Jahr ein Stier, 40 Jahr ein Leu, 50 Jahr ein Fuchs, 60 Jahr ein Wolf, 70 Jahr ein Hund, 80 Jahr ein Kater, 90 Jahr ein Esel, 100 Jahr Todtenkopf eines Ochsen. Das weibliche Geschlecht ist wie folgt bedacht worden: 10 Jahr eine Wachtel, 20 Jahr eine Taube, 30 Jahr eine Elster, 40 Jahr ein Pfau, 50 Jahr eine Henne, 60 Jahr eine Gans, 70 Jahr ein Geier, 80 Jahr eine Eule, 90 Jahr eine Fledermaus. Der 100jährigen Greisin ist ein Vogeltodtenkopf mit stark entwickeltem Schnabel beigegeben. Von den übrigen 80 Reliefs sind 30 der heiligen Geschichte gewidmet. Der Meister dieser Skulpturen ist Theophilus Ehrenfried. An der Sakristeithür reiche Skulpturen nach gothischen und antiken Motiven. (Besonderes Vergnügen macht in der Regel den Beschauern ein kegelschiebender Engel.) Kunstvolle Schlosserarbeit. In der Sakristei zeigt man eine eisenbeschlagene Geldkiste, welche Tetzel während seiner Annaberger Ablasspredigten benutzt haben soll.

Auf dem Gottesacker ist die merkwürdige säulengestützte Linde sehenswerth, die nach einer Sage verkehrt eingepflanzt wurde. (Man nimmt an, der Wind habe sie umgeworfen, wodurch sich die Aeste zu Wurzeln und die Wurzeln zu Aesten umbildeten. Jedenfalls ist der Baum seiner Form nach ein höchst seltsamer.) Das Grabmal der Barbara Uttmann steht im vorderen Theile des Kirchhofs, es trägt folgende Inschrift: Sie ward durch das im Jahre 1561 von ihr erfundene Spitzenklöppeln die Wohlthäterin des Erzgebirgs. Auf der Rückseite steht:

Ein thätiger Geist, eine sinnige Hand,
Sie ziehen den Segen ins Vaterland.

Spaziergänge. Vor dem Buchhölzer Thor links den Zickzackweg hinauf. Hübsche Anlagen. Oben schöne Aussicht auf das Obererzgebirge. Dann an der kath. Kirche vorüber und hinab an das Wolkensteiner Thor. Hier liegt das Seminar; in den Anlagen das Kriegerdenkmal. Von der Strasse hübsche Aussicht nach dem Greifenstein zu. Sehr empfehlenswerth ist die Ersteigung des nahen 832 m hohen Pöhlbergs. Der Basaltkegel ist zwar verwachsen, doch hat man von den Schneussen, die vom Triangulirungsstein auslaufen, schöne Thalbilder auf Annaberg, Buchholz, Königswalde und Mildenau und Fernsichten auf die Berggruppen des Centralgebirgs. Bequemer ist es, den Weg unten rings um den Kegel zu gehen, er gewährt auch freie Aussicht und führt uns an der Geiersdorfer Seite an den sogenannten Butterfässern (gewaltige Basaltsäulen) vorüber.[1] Ueber der Sehma drüben erhebt sich der Schreckenberg, der von einer künstlichen Ruine gekrönt ist, die an Stelle des alten Hochgerichts aufgemauert worden. Ein Besuch lohnt sich durch den prächtigen Anblick, den die Stadt Annaberg am Fuss des Basaltkegels, dem Pöhlberg und geschaart um die grosse Annenkirche, darbietet. Mit dem Ersteigen des Schreckenbergs lässt sich ein Besuch von »Markus Röhling« verbinden. Es ist das ein vielbesuchtes Bergwerk mit Gastwirthschaft.

Buchholz. Schwesterstadt Annabergs, 2 km entfernt. Deutsches Haus. Waldschlösschen. Felsenkeller. Felsenschlösschen. Rest. im Bahnhof oberhalb der Stadt. Am Rathhaus 558 m ü. M. 6600 Einw. Die Industrie gleicht der Annaberger, auch die geschichtliche Entwicklung hat »St. Katharinenberg im Buchholz«, wie sie ehemals hiess, mit Annaberg gemein, und ist jenes mehr Sitz der Spitzenindustrie, dieses mehr Sitz der Posamentirerei gewesen. Eigenartige Industrien sind die Perlenweberei und die Fabrikation von Sargverzierungen, wie auch die Korkschneiderei.

Die von Möckel fast neuerbaute goth. Hauptkirche enthält sehr gute Gemälde aus der Wohlgemuth'schen Schule. Stylvolle Ausstattung, deren Eindruck durch farbige Butzenscheiben erhöht wird. Die Begräbnisskapelle besitzt gleichfalls Bilder aus der Schule Wohlgemuths, denen bergmännische Motive zu Grunde gelegt sind.

Spaziergänge. An der alten Strasse nach Schlettau bieten sich gute Aussichtspunkte ganz in der Nähe der Stadt. Die Strasse steigt 689 m an. Die städtischen Anlagen oberhalb der Stadt über dem Bahnhof gewähren gleichfalls gute Ausblicke. Am Eingang zu den Anlagen Denktafel an die 1870–71 in Frankreich gefallenen Söhne der Stadt.

Nach Weipert zu Fuss 10 km, per Bahn 20 km. Die Strasse, fast immer aussichtsreich, führt am Bärenstein vorüber. (An der Strasse unter dem Berg vielbesuchtes Gasthaus.) Die Bahn bleibt zunächst im Sehmathal, überschreitet in Cranzahl auf sehr hoher Gitterbrücke das Thal und windet sich in weitem Bogen um den Bärenstein nach Weipert. (Sekundärbetrieb.)

Weipert. Grenzstation. Zollvisitation. Zahms Gasthaus. Stadt Leipzig. Zum Rathhaus. Langers Rest. Schwabs Weinstube. Die Stadt liegt an den Thalhängen der Pöhla hart an der Grenze. 6000 Einw. Gewehrfabrikation. (Meist Jagdgewehre, à 70 bis 200 fl., auch Revolver, Pistolen und Scheibenstutzen.) Posamenten.

Bärenstein, auf sächs. Seite, ist ein Marktflecken von 2000 Einw. Billiger Gasthof. Der Bärenstein erhebt sich dicht über dem Ort, ist 896 m hoch und gewährt auf seinem Plateau umfassende Rundblicke auf das ganze Centralerzgebirge mit zahlreichen Städten und Dörfern; er ist unter den 3 gleichartiggeformten Basaltkegeln des Centralerzgebirgs der höchste und der aussichtsreichste, auch seine Abhänge sind steiler und, namentlich nach dem Sehmathal zu grotesker. Am Fusspfad hinauf steht ein Denkstein an König Johann, der den Berg mehrmals besuchte.

Anmerkung. Im Pöhlthal aufwärts sowohl auf sächsischer, als auch über das vielbesuchte Schlössel auf böhmischer Seite gelangt man nach Oberwiesenthal (11 km). Siehe Routennetz. Eine andere Variante ist von Weipert die schöne Waldstrasse über Pleyl nach Pressnitz (9 km). Siehe Routennetz.

Die Bahn ab Weipert (Buschtihrader) windet sich im Pöhlthal auf und strebt bei Schmiedeberg (2800 Einw., Holzdrahtfabrik zu Zündhölzchen) energisch der Kammhöhe zu. Pallisaden und Schneedämme zu beiden Seiten zeigen an, dass wir auf einer echten und gerechten Gebirgsbahn fahren. Auf dieser Höhe liegt ein Tract von 28 km, der durch seine winterlichen Verwehungen berühmt geworden ist.

Bald zeigt sich links der Spitzberg bei Orpus und rechte der ganz unvermittelt in die Landschaft hingesetzte Kupferhügel.

Kupferberg. Deutsches Haus. Post. Rathskeller. Bergners Gasthaus am Kupferhügel. Nachtlager 80 Kr. Weinschank beim Bürgermeister. 1500 Einw. Klöppelei. Posamenten. Der Kupferbergbau ist ganz zum Erliegen gekommen.

Der 926 m hohe Kupferhügel oder Hübl, der von einer Kapelle bekrönt ist, zählt zu den besten Aussichtspunkten auf dem Kamm. Auf diesem selbst erblicken wir den Hassberg, den Spitzberg bei Orpus, Fichtel- und Keilberg, den Hauenstein u. a. Nach Böhmen hinein schweift das Auge frei über die Saazer Ebene hinweg bis zum Weissen Berg bei Prag, ferner sehen wir das Karlsbader und das Teplitzer Mittelgebirge bis zum Millischauer. Auf dem Lysenkamm fällt besonders die Ruine Leskau ins Auge, näher her liegt die Ruine Schönburg. Das schönste aber ist die lachende Saazer Ebene mit dem weithin glitzernden Silberstreifen des Egerflusses.

Anmerkung. Zwei Wege fuhren hinab nach Klösterle. Erstens die Strasse. Links unter der Stadt seltsame Conglomeratfelsen mit herrlicher Fernsicht und schönen Thalblicken. Auch ein Plattensteinbruch ist sehenswerth. An der letzten grossen Strassenkrümmung Fussweg links gehen. Derselbe, zwar steil, lohnt doch durch höchst anmuthige Partien. Weglänge 8 km. Der andere Weg ist 11 km lang, doch um Vieles schöner. Man berührt Steingrün, Kleinthal und Pürstein. (Zum Eisenhammer. Schlossruine.) Von Pürstein an der aussichtsreichen Ruine Schönburg vorüber nach Klösterle. Schluchtige Thalzüge, aussichtsreiche Höhen, Ruinen, hölzerne Häuschen geben originelle Landschaftsbilder, die zuweilen auch an Hochgebirgsthäler erinnern.

Unsere Weiterfahrt ab Kupferberg zeigt uns links in kahler Gegend Reischdorf, wo einst das Grossfuhrwerk in hoher Blüthe stand. Etwas ferner liegt das sang- und klangreiche Pressnitz, vom finstern Hassberg überragt.

Sonneberg. Zum Fassel. 815 m ü. M. Klöppelei. Posamenten. Man pflegt auch hier den Volksgesang, wie in Pressnitz. Die neue stattliche Kirche ist noch tief im Böhmerland sichtbar und gilt dort als eine Art Wahrzeichen des Erzgebirgs. Prächtige Aussicht hinab ins Egerland und auf das Mittelgebirge. (Die nahe, hochintr. Ruine Hassenstein siehe Register.)

Bei Station Krima-Neudorf, wo die Linie von Marienberg-Reitzenhain her einmündet, beginnt in starken Curven die Senkung der Linie nach Kommotau hinab. Links liegt der romantische Kommotauer Grund. Hinter Station Domina-Schönlind herrliche Blicke auf die Ebene und Erz- und Mittelgebirge. Mit jeder Curve verändert und verschiebt sich die grossartige Scenerie zu neuen fesselnden Bildern. (Gefäll 1 zu 50.)

Kommotau. Vom Bahnhof zur Stadt 2 km. Omnibus 20 Kr. Kommotau siehe [Seite 85].

Die Weiterfahrt interessirt besonders durch Blicke auf den Steilhang des Erzgebirgs. Hoch oben fällt Station Domina-Schönlind besonders auf. Brunnersdorf ist zugleich Station für Kaaden (siehe [Seite 105]). Von hier ab verengert sich das Egerthal und hochromantische Thalbilder thuen sich auf.

Klösterle. Rathhaus am Markt. Am Weg zum Bahnhof »Zum Brauhaus«. (Schöne Aussicht vom Garten auf Schloss und Stadt. Das Brauhaus ist neuerdings zu einer Art tourist. Standquartier erhoben worden.) 2500 Einw. 269 m ü. M. Die Stadt mit ihrem gräfl. Thun'schen Schloss erfreut sich einer hochromantischen Lage. Schlossgarten. Auf dem Markt Mariensäule und Bassin mit schlechten Figuren, welche die Erdtheile darstellen sollen.

Kleine Ausflüge ab Klösterle. Nach Roschwitz und Ruine Leskau. Man geht Egerabwärts bis zur Fähre bei Kirchdorf Roschwitz (3 km) und setzt hier über. (Der Fährmeister hält den Schlüssel zur Ruine Felixburg in Verwahrung.) Ueberreste von alten Freskogemälden. Gute Aussicht auf Klösterle, Ruine Leskau, Schönburg, den Lysenkamm, wie auf den Steilhang des Erzgebirgs. Nun nach Dorf Leskau, 1½ km, durchs Dorf Roschwitz aufwärts. Besuch der malerisch gelegenen Ruine.

Eine zweite dankbare Partie führt direct nach Kupferberg, 9 km, oder über Pürstein und Kleinthal, 11 km. Siehe Näheres unter Kupferberg.

13 km ober Klösterle liegt Station Warta. (Zur Sonne.) 3½ km von hier im herrlichen Thalkessel

Schloss Hauenstein. Man geht dahin über das sogenannte Paraplui. Ein lohnender, freilich weiterer Weg führt über Ruine Himmelstein auf hochragendem Basaltfels. Herrliche Umschau auf die groteske, vulkanische Bergwelt mit ihren steilen Gipfeln und tiefen Thälern. Wir sehen den Herrgottsstuhlberg, den Eichleithenberg, den Hengstberg und den Koppenberg als die hervorragendsten. Das schluchtartige Egerthal und das Höllthal mit dem Dorfe Höll fesseln nicht minder die Blicke. Energischer wird die Terrainbewegung weit und breit nicht zu finden sein. Von der Ruine sind nur noch Mauerreste übrig. Man geht von hier hinab nach Dorf Höll, Gesmesgrün und nach Schloss Hauenstein. Das Schloss gehört zur Herrschaft Pressnitz. Um die hochgelegene Kapelle schöne Anlagen, die zum Eichelberg hinaufführen. Hier schöne Aussicht auf das Egerland, das Fichtel- und Erzgebirge, sowie auf die Burgruinen Engelhaus und Himmelstein, wie auf das nahe Egerthal. Rest. in gefälligem Fachwerkbau.

Man kehrt nun direct zur Station Wickwitz oder an die Eger zurück. Hier verlässt die Bahn den Fluss und strebt am Wickwitzbach aufwärts nach

Schlackenwerth. Elephant. Altes Rathhaus. Stadt Karlsbad. 2200 Einw. 425 m ü. M. Das Schlackenwerther Schloss ist eine Besitzung des Grossherzogs von Toskana. Im Park treffliche Restauration. Zinnbergbau. (Schlackenwerther Bier.) Schöne Blicke auf das nahe, hier sehr imposante Erzgebirge, dessen höchster Berg, der Keilberg, seine bewaldeten Gipfel über den langen Kammzug erhebt.

Auf weiten Kurven erreichen wir das Egerthal wieder und damit die Stadt Karlsbad. Links der Bahn vor Karlsbad liegt Dallwitz mit Schloss und Porzellanfabrik und seinen uralten Linden, welche von Theodor Körner besungen wurden. Um die stärkste zu umfassen, bedarf es 7 Personen. Von Dallwitz zu Fuss nach Karlsbad geht man über Thranitz, wo die Eger zu passieren ist.

Karlsbad. 4 km vom Bahnhof. Droschke 1 bis 2 fl. Omnibus 30 Kr. Am Bahnhof Passantenhotel. (Bett 1 fl.) Für Touristen eignen sich noch: Sächs. Hof, Bahnhofsrest. Zum Paradies. Drei Fasanen. Goldn. Schild. Hotel Wagner. Rheinischer Hof. Stadt Schneeberg. Rest. zum Hopfenstock. Blauer Stern. Rother Ochse.

Cafés. Pupps Café an der alten Wiese. Salle de Saxe. Sanssouci. Grosse Gartenwirthschaften sind der Posthof, Freundschaftssaal und Schweizersaal.

Concerte, früh am Sprudel sowie in der Kurhalle, Nachmittags in den Cafés und in den zahlreichen Sommergärten. Theatervorstellungen sowohl im Stadttheater als in Suttners Sommertheater.

Karlsbad würde auch, wenn es kein Weltbad wäre, schon durch seine einzig schöne Lage im engen, gekrümmten Thalzug der Tepl die Aufmerksamkeit der Touristen verdienen. Die ständige Einwohnerschaft mag sich auf 11 000 belaufen.

Geschichtliches. Der Begründer des Bades ist Kaiser Karl IV. Die Sage erzählt, er habe einen Hirsch verfolgt, dabei sei eine seiner Rüden in den heissen Sprudel gerathen und so sei die Quelle entdeckt worden. Die Entdeckung ist jedoch in viel frühere Zeiten zu verlegen. Karlsbad erfreute sich von Anfang an grossen Zuspruchs, seine alten Badelisten weisen viele weltberühmte Männer auf, darunter Schiller und Göthe. Der Letztere brauchte die Quellen 12 Jahre durch. 1819 wurden zu Karlsbad unter Metternich die vielangefeindeten Karlsbader Beschlüsse gefasst. In das Jahr 1858 fiel das 500 jähr. Jubiläum der Begründung. Seit dieser Zeit sind grossartige Bauten und Anlagen entstanden, darunter die monumentalen Mühlbrunnen- und Sprudelcolonaden. Gegen 20 000 Badegäste und 50 000 Passanten verkehren jährlich in Karlsbad, in dem sich gegenwärtig 52 Badeärzte niedergelassen haben. Karlsbad ist das frequentirteste Bad in Europa geworden.

Der Sprudel. Der mächtige, geyserartig aufstossende heisse Quell hat seinen natürlichen Ausfluss im Teplbett, eine grosse Quaderfassung zwingt ihn jedoch, neben der Tepl unter einer Halle zum Ausfluss; mehrfach hat er schon seine Fesseln durchbrochen und noch ist es nicht gelungen, ihn für die Dauer zu bändigen; er ist der Urquell aller übrigen, minder heissen Karlsbader Quellen. Schon von Weitem verräth er sich durch seine Dampfsäulen, die namentlich im Winter bei Frosttagen häuserhoch aufsteigen. Schmucke Egerländerinnen in Nationaltracht stehen dabei, halten lange Stäbe mit Bechern hinein und kredenzen das heisse Wasser den zahlreich Harrenden. Das Wasser mit einer natürlichen Wärme von 59° R., enthält schwefelsaure Salze und kohlensaures Natron, sein Geschmack erinnert an dünne Hühnerbrühe. Gegenstände, die man hineinhält, überziehen sich sehr bald mit einer harten Kalksinterkruste und auf diese Eigenschaft hin hat sich eine nicht unbedeutende Industrie entwickelt. Man bietet allerhand incrustierte Spielereien zum Verkauf aus und fertigt auch Schmuckgegenstände aus dem in allen Farben spielenden Sprudelstein.

Zur Gewinnung des Karlsbader Salzes benutzt man den Sprudel doppelt. Einmal liefert er das Wasser, aus dem dasselbe abgedampft wird und dann lässt man ihn durch seine Wärme den Abdampfungsprocess selbst besorgen, indem er, unter den Abdampfungsgefässen hinweggeleitet, dieselben heizen muss.

Die anderen Quellen kommen dem Sprudel mehr oder weniger nahe, sie wirken weniger intensiv und darum werden einige davon von den Aerzten mit Vorliebe empfohlen. Die Wärme stellt sich wie folgt: Bernhardsbrunnen 53, Neubrunnen 49, Felsenkeller 48, Mühlbrunnen 46, Marktbrunnen 36 und Schlossbrunnen 27° R. Während des Erdbebens zu Lissabon 1755 wurden auch die Karlsbader Quellen und besonders der Sprudel in Mitleidenschaft gezogen. Dieser blieb 3 Tage lang völlig aus, um dann mit verstärkter Kraft wieder hervorzubrechen. Die Quellen bewirken im Allgemeinen Regeneration der Säfte und erweisen sich bei Leberleiden besonders von unabschätzbarer hygienischer Bedeutung.

Das Badeleben. Am Besten lässt sich das Treiben der Gäste des Morgens an den Quellen (Sprudel und Mühlbrunnen) beobachten. Vertreter aller Nationen, darunter Orientalen in Nationaltrachten, schreiten in langen Reihen, den Becher am Riemen, den Quellen zu, trinken hier ihr vorgeschriebenes Mass und promeniren dann neben oder in den schönen säulengetragenen Colonaden, während Musikchöre heitere Weisen spielen. ½ Stunde nach der Trinkzeit beleben sich die Cafés und um Mittag die Speisehäuser, in denen der Speisezettel unter ärztlicher Controlle steht und auf die Kurdiät zugeschnitten wird; doch sei bemerkt, dass dieselbe auch für verwöhnte Gaumen noch ganz erträglich ist. Um 4 Uhr wiederholt sich das Schauspiel an den Quellen; im Uebrigen gehört der Nachmittag den geselligen Freuden an. In den schönen Sommergärten spielen wohlgeschulte Kapellen und locken die feine Welt dahin, oder diese unternimmt Ausflüge in die hochromantische Umgebung.

Sehenswürdigkeiten. Ausser den Quellen und Colonaden besichtige man die Kirchen. Russen, Anglikaner, Israeliten, Protestanten und natürlich auch die kath. Einwohner und Badegäste haben eigene Kirchen. Dem Kaiser Karl IV., dem Begründer des Bades, sind zwei Denkmäler gewidmet, eins steht im Stadtpark, das andere am Rathhaus. Auf der Göthewiese das neue Göthedenkmal von Prof. Zumbusch. Eine Büste David Bechers (1792 verstorben, sehr verdient um Karlsbad), ferner der Schwarzenberg-Obelisk, die König Otto-Säule auf der König Otto-Höhe und die Erinnerungstafeln an Schiller und Göthe an den Häusern zum Weissen Schwan und Zum Mohren verdienen Beachtung. In der Kapelle des Militärbadehauses finden sich gute Freskomalereien, welche die Sage der Entdeckung des Sprudels darstellen. Im grossartigen Kurhaus luxuriöse Lese- und Restaurationszimmer und ein geologisches und geognostisches Museum von besonderem Interesse für lokale Studien.

Spaziergänge. Das Promenadennetz in der herrlichen Umgebung ist ein so dichtes und verschlungenes, dass für nur einigen Aufenthalt die Beschaffung eines Franeck'schen Promenadenplans dringend zu empfehlen ist. (10 Kr.) Die beliebtesten Punkte sind der Hirschensprung über der Stadt, die Josephshöhe mit Thurm und herrlicher Aussicht auf Karlsbad, Egerthal und Erzgebirge. Sodann ist der Dreikreuzberg zu nennen mit Camera obscura. Nicht weit davon liegt die 667 m hohe König Ottos-Höhe mit Säule, 1½ km weiter ganz auf dem Gipfel ist ein Punkt, das Ewige Leben genannt, der eine grossartige Rundsicht auf Erz- und Mittelgebirge und auf das Egerthal gewährt.

Diese sämmtlichen Punkte erfordern Steigung. Bequemer liegen die Spaziergänge Teplaufwärts bis nach Pirkenhammer (3½ km). Hotel Habsburg. Leipolds Garten. Omnibus bis Pirkhammer 50 Kr. Grosse Porzellanfabrik; in derselben Ausstellungssaal. Der Portier übernimmt die Führung. Von Pirkhammer aus ersteigt man die Mecsery-Höhe (616 m), von der man das Karlsbader- und Erzgebirge überschaut. Auf Ersterem dominirt besonders die Ruine Engelhaus.

Kleine Ausflüge. Nach dem Aberg und Aich (5½ km). Man kann über die Franz-Josephs-Höhe nach dem Aberg gehen. 609 m Seehöhe. Sommerrest. (Kein Bier.) Die Aussicht vom Thurm ist frei und grossartig. Man übersieht das Karlsbader Gebirge mit der Ruine Engelhaus, das Egerthal, in dem besonders Maria-Kulm auffällt, und Erz- und Fichtelgebirge. Nun hinab an die Eger zum Hans Heilingfelsen. Sommerrest. Die Felsengruppen am linken Egerufer nennen sich Heilingfelsen der Sage zu Ehren vom Hans Heiling, die durch Musik und Dichtung hinreichend bekannt sein dürfte. Zurück nach Karlsbad über Aich und Donitz 8 km.

Nach Ruine Engelhaus, 8 km. Man geht dahin auf der vielgewundenen Prager Strasse. Das Städtchen Engelhaus (zum Rathhaus) ist an sich klein und ärmlich. Die imposante Ruine liegt über dem Städtchen auf einem 612 m hohen Basaltfelsen; sie gehört dem Grafen Czerin, der auch die Herrschaft Giesshübel besitzt. Die Sage erzählt, ein englischer Edelmann habe die Tochter seines Königs verführt und sei mit dieser in das wilde Gebirge geflohen und habe hier für seinen »Engel« die Burg Engelhaus errichtet. 1448 erstürmten die Eger'schen Bürger die Veste, in der sich Raubritter eingenistet hatten. Die jetzigen Ruinen sind im 30jähr. Krieg durch die Schweden entstanden. Mächtige Ringmauern und verwitterte Thürme heben sich keck und höchst malerisch in die Lüfte. Herrliche Fernsicht auf Erz- und Mittelgebirge und auf das Egerthal. Man kann von hier über Eichenhof nach dem Giesshübler Sauerbrunnen bei Rodisfort gehen. 7 km.

Nach dem Giesshübler Sauerbrunnen. Ueber Drahowitz, Satteles und Eichenhof. 11 km. Herrliche Thalwanderung, die Eger in der Tiefe zur Linken. Täglich mehrere Omnibusse ab Karlsbad. Der Giesshübler Säuerling giebt mit Wein und Zucker vermischt, ein prickelndes und sehr erfrischendes Getränk. Hotel zum Sauerbrunnen. (Bett 1 fl.) Vom Thurm der Weberhöhe sehr schöne Thalbilder. Curhaus. Die Otto-Quelle nennt sich nach dem König Otto von Griechenland, welcher öfter hier verweilte.

36. Chemnitz-Kommotau (125 km). Seestadtl (12 km). Brüx (9 km). Dux (11 km). Teplitz (8 km).

Bis Kommotau siehe Tour 35. Wir überschreiten ab Kommotau die kleine Terrainwelle, die die Biela von der Eger fernhält und zum selbstständigen Lauf in die Elbe zwingt.

Seestadtl. Kleines Städtchen mit freiem Ueberblick auf Erz- und Mittelgebirge; zu seinen Füssen breitet sich eine grosse Ebene, die Seewiesen genannt, aus; die ganze Fläche war ehemals ein See.

Die Weiterfahrt zeigt uns rechts den Rösselberg und den Brüxer Schlossberg.

Brüx. Ross. Hotel Burkhardt. Gutes Rest. im Bahnhof. Am Schlossberg beim Felgenhauer. Brüx ist eines des reichsten Gemeinwesen, es liegt am Knotenpunkt von 3 Bahnen und zählt gegen 8000 Einw., Land-, Kohlenfelder- und Waldbesitz. Zahlreiche Kirchen überragen die Stadt, welche drei Klöster beherbergt. Schöne Märkte, anmuthige Promenaden. Inter. altes Rathhaus. 4 km von der Stadt auf städtischem Gebiet brach 1877 ein neuer, warmer (20° R.) Sprudel hervor, der den Emser Wässern nahe kommen soll, ohne dass er bis jetzt hygienisch sehr ausgenutzt worden wäre. Lohnende, aussichtreiche Ausflüge nach dem Schloss- und Rösselberg und auf die vulkanischen Bergkegel gegen Bilin hin. (Touristisch noch wenig beachtet.)

Auf der Weiterfahrt durchschneiden wir die grossen Kohlenfelder. Rechts zeigt sich der seltsame Borcen, links Kloster Ossegg. Weiteres siehe Routennetz.

37. Chemnitz-Annaberg (53 km). Jöhstadt (11 km). Pressnitz (6½ km). Sonnenberg (8 km). Ruine Hassenstein (4 km). Kaaden (7 km). Klösterle (7 km). Schlackenwerth (23 km). Karlsbad (12 km).

Bis Annaberg siehe Tour 35. Mit der Wanderung von hier ab nach Königswalde lässt sich ein Besuch des Pöhlbergs verbinden. Nachdem wir das lange Königswalde passirt, steigt die Strasse auf das Kammplateau hinauf. (Vor Jöhstadt am Schiesshaus liegt die Strasse 807 m hoch.)

Jöhstadt. Stadt Leipzig. Stadt Prag. 2300 Einw. 789 m ü. M. Die Stadt hiess eigentlich Josephsstadt, sie ist eine jener 4 Bergstädte, die ihre Namen der heiligen Familie entlehnten. (Marienberg, Annaberg, Joachimsthal und Josephsstadt; Anna und Joachim waren bekanntlich Christi Grosseltern.) Spitzenklöppelei. Posamenten. Weisswaaren. Fabrikation künstlicher Blumen. Jöhstadt ist Wohnsitz einer grossen Zahl Hausirer. Zu Jöhstadt ward der Theolog und Dichter frommer Lieder, Johann Andreas Kramer geboren, der 1788 als Kanzler der Universität Kiel verstarb. Die Stadt, fast neu erbaut, macht einen freundlichen Eindruck, liegt aber auf unwirthlicher Höhe.

Weiter führt der Weg über Dürrenberg und Hegerhaus nach Pressnitz am finsteren basaltischen Hassberg vorüber. Der Kegel erhebt sich 990 m ü. M. und gewährt, seit er mehr abgeholzt ist, umfassende Blicke auf das ganze Centralgebirge vom Keilberg herab bis zu der norddeutschen Tiefebene. Das Kammplateau liegt auf eine weite Strecke frei vor dem Beschauer, leider deckt es das nahe böhmische Tiefland. Zeitaufwand 1½ bis 2 Std. Führer unnöthig.

Pressnitz. Zum Herrenhaus. Rössel. Thierfelders Rest. Am Markt das grössere Gebäude heisst das Schlösschen und gehört zur Herrschaft Pressnitz. Die Stadt ist Wohnsitz jener fahrenden Völkchen, welche mit Geige, Harfe und Guitarre aller Herren Länder durchziehen und die ihre Volksgesänge ertönen lassen im weiten Morgenlande wie auch im fernen Westen, bis in die Minenregionen Nevadas hinaus. Am häufigsten gehen sie nach Russland und in die Türkei. Die Pressnitzer sind ein gar gewecktes Völkchen von vieler Weltkenntniss; sie bilden Gruppen und ziehen unter einem Führer, der bei der Theilung der ersungenen Kupferschätze gewöhnlich für zwei gilt, hinaus, sie halten fest zusammen, sind verträglich und rivalisiren auch in ihren Kunstleistungen nicht mit einander, was freilich ihrer Kunst nicht sonderlich förderlich ist.

Das nahe Reischdorf, das wir nun passiren, zählt 2500 Einw., darunter viele Handelsleute. Das ehemals bedeutende Grossfuhrwerk ist seit Einführung der Eisenbahnen sehr zurückgegangen. Man erzählt sich von den unternehmenden Reischdörfern im Gebirg viel lustige Schwänke. Am Weg nach Sonneberg liegt der 908 m hohe Reischberg. (Sonneberg s. oben.) Von hier gehen wir über Dorf Platz nach der

Ruine Hassenstein, die grossartigste Ruine im Erzgebirge; sie soll auf einer alten heidnischen Opferstätte liegen. Hassenstein gehörte im 14. Jahrh. einem sächs. Edelmanne aus dem Geschlecht der Schönberge, welcher durch eine Verschwörung gegen Wenzel IV., wie böhm. Chroniken berichten, des Besitzes verlustig ging. Ein Nicolaus von Lobkowitz, der mit Vertreibung Schönbergs beauftragt war, erhielt die Burg zu Lohn und Lehn. Colossale Mauern und Thürme, grosse verfallene Burghöfe, alte Architekturstücke in Fenstern und Thüren und eine reizende Lage machen Hassenstein zu einer höchst inter. Ruinenstätte im Böhmerland.

Der Weiterweg führt uns durch das 4 km lange Brunnersdorf. (An der Kirche Fischer's Gasth.) Bahnstat.

Kaaden an der Eger. Sonne. Grüner Baum. Zur Klosterbrauerei. 5000 Einw. Uralte Stadt von schönen Anlagen umgeben. Franziskaner- und Ursulinerinnenkloster. Man besichtige das alte Rathhaus mit seinen Lauben und das sehr alte Stadtthor. Reiche Ackerbaugegend, wohlhabende Bevölkerung.

Ein schöner Fussweg führt der Eger entlang hinauf nach Klösterle. Unterwegs liegt Roschwitz (Fähre. Ruine Leskau). Näheres siehe unter Klösterle.

38. Chemnitz-Annaberg (53 km). Oberwiesenthal (20 km). Gottesgab (4 km). Joachimsthal (6 km). Schlackenwerth (6 km). Karlsbad (12 km).

Bis Annaberg und Cranzahl s. Tour 35. Von hier an der Sehma aufwärts nach Neudorf. Gasth. unfern der Kirche. Bei der obersten Mühle geht der sogenannte Vierensteig ab. (Die Forstabtheilung ist Nr. 4.) Dunkle Waldungen nehmen uns auf. Starke Steigung. An der höchsten Stelle der Strasse treten wir plötzlich ins Freie. Hier links die Rothe Vorwerk-Schenke, rechts führt eine Waldschneusse direct hinauf zum Thurm des Fichtelberges. Wer sich noch frisch fühlt, benutze die einmal gewonnene Höhe, denn Wiesenthal liegt vom Fichtelbergthurm entfernter.

Oberwiesenthal. 918 m ü. M. Deutscher Kaiser. Rathhaus. Stadt Karlsbad. 2000 Einw. Unterwiesenthal 900 Einw. Böhmisch Wiesenthal 1000 Einw. Alle drei aneinander liegenden Orte besitzen Stadtgerechtigkeit. Oberwiesenthal, das 1851, 62 und 77 von starken Bränden heimgesucht wurde, ist fast neuerbaut. Stattliche Kirche. Posamenten. Stecknadelfabrikation. Klöppelei feiner Spitzen. Oberwiesenthal ist die höchste Stadt in Sachsen und im Reich. Näheres siehe des Verfassers Aufsatz Gartenlaube 1879 Nr. 11.

Der Fichtelberg. Sachsens höchster Berg erhebt sich 1213 m ü. M. (mit Thurm 1220 m), ist mithin 56 m höher wie der Brocken. Zu seinen Füssen liegt Wiesenthal im Pöhlthal und auf der anderen Seite das einsame Dorf Tellerhäuser. Der Thurm ist auch ohne Schlüssel besteigbar, da die Treppe dankenswerther Weise aussen angebracht ist. Die Ausschau auf die nördliche Abdachung des Gebirges ist fast unbeschränkt. Die Grenzen bilden das Fichtelgebirge bei Waldsassen, die Thüringer Vorberge, die Hohburger Schweiz bei Wurzen, im Nord-Osten liegen die Höhen des östl. Erzgebirgs und im Osten und Südosten taucht das Mittelgebirge mit dem Millischauer auf. Der Süden ist leider von dem mächtigen Rivalen Keilberg gedeckt. Frei aber liegt so ziemlich der ganze Kamm des Erzgebirgs mit seinen gewaltigen Bastionen. Der Doppelrücken des Berges, ehedem ganz kahl, ist mit ungeheueren Mühen wieder beforstet worden; freilich sind viele der kleinen Bäumchen schon über 20 Jahre alt. An den Gehängen des Berges entspringt die Zschopau, das Schwarzwasser, die Sehma und die Pöhl. Gasthaus mit meteorologischer Stat. wie auf dem Brocken wäre höchst wünschenswerth.

Wer nach Gottesgabe will, steigt am südlichen Gehäng nieder nach dem Neuen Haus an der Strasse Oberwiesenthal-Gottesgab. Dasselbe liegt 1092 m ü. M. und unfern der Grenze. Es nennt sich jetzt Gasthaus am Fichtelberg und sein Besitzer wurde dem König Albert gelegentlich einer Königsreise als »allerhöchster Unterthan« vorgestellt.

Gottesgab. Zum grünen Baum. 1700 Einw. Spitzenklöppelei. Tüllnäherei. Damenschuhstickerei auf Glanz- und Saffianleder. Gottesgabe entsendet viele der bekannten böhm. Musikanten auf Messen und Jahrmärkte, es ist die höchste Stadt Böhmens (erst seit 1547 böhmisch geworden) und liegt in überaus rauher Lage, welche selbst Hafer- und Kartoffelbau häufig unmöglich macht.

Anmerkung. Der höchste Berg des Erzgebirgs, der 1238 m hohe Keilberg, ist gegenwärtig verwachsen. Von dem Thurme, der sich einst hier erhoben, stehen nur noch die Grundmauern, der Holzbau ist von böswilliger Hand in Asche gelegt worden. Eine Besteigung lohnt sich mithin vorläufig nicht. Für den Fall, dass der grossartige Aussichtspunkt wieder der Touristik zu Diensten gestellt wird, sei folgende Tour in Vorschlag gebracht: Man geht vom Weissen Haus oder von Gottesgabe aus auf die Sonnenwirbelhäuser, welche 1134 m hoch liegen und die höchste Ansiedelung in Böhmen und im Erzgebirge sind. (Rothe Nasenspitzen sind hier selbst im Hochsommer nichts Seltenes.) Von hier zum Gipfel des Keilbergs 3½ km.

Beide Berge, Fichtel- und Keilberg, ergänzten sich früher, als noch der Thurm auf letzterem nicht abgebrannt war. Der Norden ist zwar durch den Fichtelberg gedeckt, dafür liegt aber der Süden um so freier. Das Egerthal auf viele Meilen, das Fichtelgebirge, das Karlsbader und Duppauer Gebirge, der ferne Böhmerwald, das Teplitzer Mittelgebirge, die Ebene von Saaz, der lange Kammrücken des Gebirges selbst, die colossalen Waldregionen im Westen und das östl. Erzgebirge waren sichtbar. In südöstlicher Richtung sah man die Hauensteine, die als nächstes Ziel galten. Am Weg nach den Hauensteinen, die noch heute eine herrliche Fernsicht gewähren, liegt an der Strasse Gottesgabe-Kupferberg der sogen. Reitförster mit einem Mauthhaus, in welchem auch Schank betrieben wird. (Man nennt die Hauensteine auch Wirbelsteine.) Die Felsengruppe ist unschwer zu finden; man besteige die südöstl. Ecke, welche die gleichen Gegenden wie der Keilberg zeigt, nur sind die Landschaftsbilder abgeschlossener, wenn auch bei Weitem nicht so umfassende. Man geht von hier über Hitmesgrün nach Schloss Hauenstein hinab (5 km). Mit Führer lässt sich von den Hauensteinen eine inter. Tour über Bocksgrün nach der Ruine Himmelstein unternehmen. Man berührt dabei das sogenannte steinerne Meer. Groteske, subalpine Naturbilder.

Zum Schluss sei der Keilberg, der vornehmste Aussichtspunkt des Erzgebirges, den sächsischen wie den böhmischen Gebirgsvereinen für das Erzgebirge zur erneuerten Aufschliessung dringend empfohlen![2]

Von Gottesgabe nach Joachimsthal senkt sich die Strasse rasch. Die Ebereschen, die Wahrzeichen rauher Höhen, werden schon hier und da von Rosskastanien abgelöst.

Joachimsthal. Stadt Dresden. Wilder Mann. 6000 Einw. 721 m ü. M. Die Stadt liegt trotz ihrer Höhe mild, da das Thal nach Süden offen ist. Nicht unbedeutender Bergbau auf Uran- und Silbererze, deren jährlicher Werth sich auf 80 000 resp. 17 000 fl. beläuft und die sämmtlich in Freiberg zur Verhüttung gelangen. Grosse k. k. Cigarrenfabrik, welche 700 Personen beschäftigt und gegen 10 000 Ctr. Tabake verarbeitet. Klöppelei. Handschuhfabriken. Korkschneiderei.

Joachimsthal war einst ein Hort der Reformation. Mathesius lebte hier als Pfarrer, Melanchthon besuchte zum Oefteren die Bergstadt, wobei die Joachimsthaler Lateinschüler classische Komödien vor ihm aufführten. Die Thaler, die sich trotz der Mark hartnäckig behaupten, verdanken ihren Namen der Stadt; sie hiessen früher Jochimsthaler. In der Nähe der Stadt liegt die Burg Freudenstein, wo einst die Grafen Schlick »freudige Residenz« hielten. Am 31. März 1873 suchte ein furchtbarer Brand die Stadt heim, der auch die alte sehr inter. Bergkirche in Asche legte und werthvolle Gemälde von Kranach und Dürer mit verzehrte. Die Kirchenbibliothek mit künstlerisch ausgeführten Incunabeln wurde gerettet. Seit dieser Zeit ist die Stadt zum grössten Theile neu erstanden. Der böhm. Dichter Ritter von Hansgirg lebte hier als Bezirkshauptmann. (1877 verstorben.) Man besuche das idyllische Grab dieses edlen Humanisten und trefflichen Poeten.

Die Strasse verlässt das Gebirge unterhalb Joachimsthal, ohne umfassende Blicke auf Böhmen gewährt zu haben. Schlackenwerth und weiter s. [S. 98].

39. Chemnitz-Burkhardsdorf (über Harthau 13 km, per Bahn 19½ km). Thum (8 km). Greifenstein (3½ km). Geyer (4 km). Annaberg (8½ km).

Bis Burkhardsdorf siehe Routennetz. Ab Burkersdorf steigt die Strasse energisch und erreicht am Gelenauer Gasthof 609 m Seehöhe. Gelenau, das wir nur im oberen Theile berühren, zählt 6000 Einw. Spitzenklöppelei, Strumpfwirkerei. Am Forsthaus an der Strasse schöne Fernsicht hinauf nach dem Obererzgebirge und auf den nahen Greifenstein.

Thum. Rathskeller. Thierfelders Rest. Schiesshaus. 3700 Einw. Am Pfarrhaus 512 m ü. M. Strumpfindustrie auf Strickmaschinen. Posamenten. Feldbau. Neben Arsenkies im Glimmer findet man hier ein Mineral, den Thumit, von dem ein zweiter Fundort bis jetzt nicht bekannt ist. In der Nähe der Stadt fand am 25. Jan. 1648 ein lebhaftes Gefecht statt, das letzte des 30-jähr. Krieges auf sächs. Erde. Ein Denkmal an der Strasse nach Ehrenfriedersdorf erinnert daran. Im Volksmund heisst der benachbarte Wiesenzug hinab nach Herold »das Elen«, eine Bezeichnung, die man mit jenem Gefecht in Verbindung bringt, doch scheint es nicht unmöglich, dass sie keltischen Ursprungs ist. Im sog. Hofbusch über dem »Elen« Felsgruppen, die durch Wege zugänglich gemacht sind.

Der directe Weg auf den Greifenstein führt an einigen Bergzechen vorüber, man kann auch die Strasse nach Geyer durch Jahnsbach gehen. Im Wald zeigt links ein Wegweiser hinauf.

Der Greifenstein oder die Greifensteine erheben sich 731 m ü. M., es sind bizarr geformte Granitkegel, die ziemlich unvermittelt auf einem Gneisrücken aufsitzen, sie nähern sich in ihrer Erscheinung den Sandsteinbildungen der Sächs. Schweiz, Quader ruht senkrecht auf Quader, einige hängen sogar über. Zwei sind ersteigbar und oben durch Brücke verbunden. Triangulirungsstat. Am Fuss Gasthaus. Die Aussicht ist auf dem Nordabhang des Erzgebirges die umfassendste. Wir überschauen den Kamm mit dem Fichtel-, Keil- und Hassberg. Näher liegen der Scheibenberg, der Pöhlberg und der Bärenstein. Im Norden liegt der Hohensteiner Kapellenberg, die Wüstenbrander Höhen mit der Kirche des Dorfes, der Rochlitzer Berg, der Kolmberg bei Oschatz und der Hengstberg, auch die Thürme von Oschatz sind sichtbar. Ferner sehen wir die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte Oederan, Thum, Schlettau, Annaberg, Scheibenberg, Hohenstein und eine grosse Zahl Dörfer; von Sayda, Marienberg und dem nahen Geyer sind wenigstens die Thürme sichtbar. An den Felsen wächst Leparia Jolinthus, die Veilchenflechte, die durch Anfeuchten wohlriechend wird. In der Nähe Steinbrüche, in denen der Granit zu Werkstücken verarbeitet wird.

Ein hübscher Waldweg führt hinab nach Geyer. Links liegt Walthers Höhe, ein Rest. auf dem 698 m hohen Schlegelberg. Schöne Aussicht auf das Obererzgebirge, doch nicht so umfassend wie vom Greifenstein.

Geyer. Rathhaus. Weisses Ross. 4900 Einw. 494 m ü. M. Posamenten. Strumpfindustrie. Hausirhandel. Der früher blühende Bergbau auf Silber ist ganz zum Erliegen gekommen. (Der Zinnbergbau soll wieder aufgenommen werden.) Am 11. Mai 1802 entstand dicht vor der Stadt eine 40 m tiefe Binge, die grösste nach der Altenberger. (Amethistkrystalle.) Die Geyersche Glocke sprang während des Sturmläutens beim Prinzenraub, worauf sie Friedrich der Sanftmüthige umgiessen und mit der Darstellung des Prinzenraubes schmücken liess. Grosse Brände 1854, 1862 und 63 haben die Stadt fast ganz eingeäschert, daher nur neue Gebäude sichtbar sind. Hübsches Rathhaus.

Wir gehen an der Binge vorüber hinab nach Siebenhöhen zu. (Die alte Spinnerei mit ihren grossen Ecksäulen erbaute Eli Evans, ein Engländer, der sich um Sachsens Baumwollenindustrie Verdienste erworben.) Beim Tanneberger Rittergut links alte Thurmruine von Wasser umgeben. Ueber den Berg am Sauwaldgut vorüber ist der Weg nach Annaberg näher, bequemer geht man im Thale fort. Annaberg s. [S. 91].

40. Chemnitz-Dittersdorf (13½ km). Herold (9 km). Ehrenfriedersdorf (4 km). Annaberg (9½ km).

Bis Dittersdorf siehe Routennetz. Von hier steigt die Strasse (am Dittersdorfer Schloss vorüber) bis zur Weisbacher Schenke, um sich dann ins Wiltzschthal hinabzusenken. Hier liegt Untergelenau (Gasth. zur Katze). Im Herolder Thalzug weiter durch das industrielle Herold (Kalkbrüche) am vielbesuchten Waldschlösschen vorüber.

Ehrenfriedersdorf. Rathskeller. Deutscher Kaiser. Stadtgemeinde von 3900 Einw. Posamenten. Klöppelei. Früher starker Bergbau auf Zinn und Silber, jetzt nur auf Zinn und Arsenkies. Grossartige Halden an dem stark durchwühlten Sauberg zeugen von der Bedeutung des alten Bergbaues (Krystalle). 1568 fand man in einem Schacht die wohlerhaltene Leiche eines Bergmannes, der 1407 verschüttet worden war. Die Reformation war inzwischen eingeführt worden und so beerdigte man den katholischen Bergmann nach luth. Ritus. Das Andenken an diese lange Schicht wird alljährlich Montag nach Ostern durch eine bergmännisch-kirchliche Feier wach erhalten. Die Stadt ist nach dem Brande 1866 fast neu erbaut worden.

Die Strasse steigt nun am Kegelberg hinauf (am Strassenkreuz 600 m ü. M.). Wo sie sich nach Schönfeld hinab senkt, schöne Aussicht auf das Zschopau- und das Sehmathal und auf Annaberg mit dem Pöhlberg. In Schönfeld Gasthaus. Beim Herrenhaus des Rittergutes Anlagen. Das weite grüne Thal ist ein liebliches Idyll. Nachdem der Thalzug am Zusammenfluss der Sehma und der Zschopau passirt, hebt sich die Strasse sehr stark. Von der 596 m hohen Stelle, wo wir die Wolkenstein-Annaberger Strasse erreichen, liegt links 1 km entfernt die Riesenburg, ein Gut, welches ehemals dem Rechenmeister Adam Riese zugehörte.

41. Chemnitz-Geyer (35 km). Elterlein (7 km). Grünhain (4½ km). Schwarzenberg (über den Fürstenberg 8 km).

Von Chemnitz nach Geyer siehe Tour 39. Eine hochgelegene Chaussee führt von Geyer an dem 684 m hohen Fuchsstein und an dem düsteren, mit rostbraunem Wasser gefüllten Grosseteich vorüber nach

Elterlein. Sonne. Rathskeller. 610 m ü. M. 2400 Einw. Nägel- und Blechlöffelfabr. Klöppelei. Gerberei. Hausirhandel. Im Nordwest (3 km) liegt der 763 m hohe Schatzenstein, ein ziemlich isolirter Fels mit umfassender Aussicht auf das ganze Centralgebirge.

Aehnliche Aussicht wie der Schatzenstein gewährt ein Ausläufer des Glasbergs (nur 1 km von der Stadt) und auch schon der Strassentract, der bis 689 m ansteigt und den wir nach Grünhain benutzen.

Grünhain. Rathskeller. Löwe. Rest. zur Klostermühle. An der Kirche 631 m ü. M. 2000 Einw. Klöppelei. Schmiedereien für Fensterbeschläge und Löffel. Blechspielzeug. Correctionsanstalt für Frauen. In der alten Klosterstadt Grünhain hausten bis 1553 Cistercienser, ihr Kloster war 1236 gestiftet. Ausser den Umfassungsmauern sind nur noch karge Ueberreste davon vorhanden, so die unteren Geschosse des Fuchsthurmes. Einiges Gemäuer im Klosterwäldchen erinnert an die ehemalige Klosterkirche. Im Fuchsthurm soll Abt Liberius den Prinzenräuber nach seiner Gefangennahme inhaftirt haben. Der befreite Prinz Albrecht wohnte in der Schösserwohnung. Der Abbruch des Klosters geschah nach der Zerstörung Grünhains 1632 durch General Holke, indem die Bürger die inter. Ruinenstätte als Steinbruch benützten.

Nahe der Stadt im Südwest liegt der 727 m hohe Spiegelwald, einer der besten Aussichtspunkte auf dem nördl. Abdachungsgebiete des Gebirges. Die Section Schwarzenberg des Erzgeb. V. errichtete hier ein Schaugerüst, das durch einen Thurm thunlichst bald ersetzt werden soll. Die Aussicht umfasst den Kamm des Gebirges, mehrere tief eingeschnittene Thalzüge, sämmtliche Höhen des Centralgebirges und die Abdachung bis hinab zum Rochlitzer Berg. König Albert sprach hier gelegentlich einer Königsreise 1880 die denkwürdigen Worte: Möge der Wanderer sich recht oft von dieser Stätte aus der Werke der herrlichen Gottesnatur erfreuen und möge er stets dabei auf ein glückliches und zufriedenes Land schauen.

Anmerkung. Auch die Strassen über Bernbach oder auch über Beierfeld gewähren höchst überraschende Thalbilder. (Schwarzwasserthal.)

Wir gehen nun den Vörtelsweg am Loreleifelsen vorüber nach dem historisch berühmten

Fürstenberg (liegt von Waschleithe nach Haide rechts). Dieser Berg wird als die Stelle bezeichnet, wo am 8. Juli 1455 der Köhler den Prinzen Albrecht befreite und Kunz von Kauffungen gefangen nahm. Ein Granitobelisk über dem Fürstenbrunnen von 9½ m Höhe verewigt die Begebenheit. (1822 errichtet.) Am Fürstenberg wird Marmor gebrochen, den man zu Kalk verwendet. Am südl. Abhang der Graul, der mit seinen Halden und Kauen ein echtes Bergbild darbietet. Im Thal beim Dörfchen Haide liegen die spärlichen Ruinen der Oswaldskirche (Dudelskirche). Die Sage erzählt, ein Bergherr, Casper Klinger, habe sie zur Entsühnung eines Brudermordes erbauen wollen, der Böse sei jedoch dagegen gewesen und habe stets zur Nachtzeit das Aufgemauerte wieder abgebrochen.

Ein schöner Weg durch Wälder bringt uns nach Wildenau und Schwarzenberg. (4 km.) Siehe Routennetz.

42. Chemnitz-Annaberg-Buchholz (58 km). Schlettau (alte Strasse, 3½ km). Scheibenberg (4 km). Raschau (6½ km). Schwarzenberg (4 km).

Bis Buchholz siehe Tour 35. Die neue Strasse nach Schlettau weniger aussichtsreich ist 1½ km länger, wie die alte.

Schlettau. Rathhaus. Goldner Bock. Rest. zum Schützenhaus. Das freundliche Städtchen, eine alte slavische Ansiedlung, liegt 563 m hoch im breiten Thalkessel der hier noch jugendlichen Zschopau. 2500 Einw. Feldbesitz. Posamenten. Flachsbereitungsanstalt. Das Schlettauer Schloss ist ein wenig imposanter Bau.

Nun stark bergauf nach Scheibenberg.

Scheibenberg. Rathskeller. Zum Reichsadler. Rest. Schiesshaus. 2400 Einw. 673 m ü. M. Das regelmässige gebaute Städtchen liegt am Fusse eines Basaltkegels, Scheibenberger Hübl genannt und wurde 1522 in Folge reicher Silber- und Kobalterz-Funde gegründet. Der Bergbau wird indess nur noch schwach betrieben. Posamenten. Klöppelei. Cigarren- und Schwefelholzfabrikation. Der 805 m hohe Scheibenberg, der leicht zu ersteigen ist, öffnet das ganze Centralgebirge den Blicken. Imposant erscheinen besonders von hier aus der Fichtelberg, die grossen Crottendorfer, Johanngeorgenstädter und Schwarzenberger Waldregionen. (Am Berg Basaltbrüche.)

Anmerkung. Eine inter. Tour (mit Spezialkarte) ist über Crottendorf die alte Joachimsthaler Strasse nach dem Fichtelberg (17 km). In Crottendorf Marmorbrüche, welche Bildhauer Nosseni unter Christian I. zuerst benutzte. Weiter hinauf echte und gerechte Gebirgswälder, die sich links und rechts unabsehbar ausbreiten. (Man kann vom Gipfel des Scheibenberges direct auf Crottendorf zugehen.)

Von Scheibenberg ab senkt sich die Strasse nach dem starkbesiedelten Raschauer Grund, der in Folge seiner geschützten Tieflage das mildeste Klima des Obererzgebirges aufzuweisen hat. Wir berühren Ober- und Niederscheibe, Markersbach, Mittweida und Raschau. Hier mündet das Pöhlathal von Rittersgrün her. 2300 Einw. Bad Raschau. Raabe's Gasth. (Schwarzenberg, siehe Routennetz.)

43. Chemnitz-Thalheim (27 km). Zwönitz (9 km). Aue (14 km). (Bahnroute.)

Bis Burkhardsdorf siehe Routennetz. Auch hinter Burkhardsdorf bleiben wir im Thal der Zwönitz, berühren Meinersdorf, das grosse hübschgelegene Thalheim und Dorfchemnitz.

Anmerkung. Von Station Dorfchemnitz lässt sich bequem eine Tour durch den Geyer'schen Wald nach dem Greifenstein unternehmen (8 km). Man geht mit Spezialkarte am Rothen Ochsen (war abgebrannt) und dem Freiwaldgut vorüber. Greifenstein siehe [Seite 109].

Von Station Dorfchemnitz starke Steigung (1 zu 50) auf die Höhenzüge bei Zwönitz. (Bahnhof von der Stadt 1 km.)

Zwönitz. Viehwegs Gasth. Blauer Engel. Ross. Rest. zum Feldschlösschen. Schiesshaus. (Am Schulhaus 527 m ü. M.) 2800 Einw. Schuhmacherstadt. Klöppelei. Klempnerei. Weberei. Pressspahnfabrik. Sehenswerthes Kriegerdenkmal.

In weiten Curven windet sich die Bahn, von der aus man schöne Aussicht auf die Höhen bei Schwarzenberg und Schneeberg, und auf das Lössnitzthal geniesst, hinab nach Lössnitz. Diese Strecke nennt man den Sächsischen Semmering. Fall 1 zu 40.

Lössnitz. Deutsches Haus. Rathhaus. Anker. Schiff. 5800 Einw. 421 m ü. M. Die Stadt gehört zu den ältesten slavischen Ansiedlungen im Erzgebirge und steht unter der Herrschaft Hartenstein. Tuch-, Seiden- und Baumwollenweberei. Klöppelei und Stickerei. Grosse Stadtkirche, goth. Hospitalkirche, die aus den Erträgnissen des städtischen »Gotteswaldes« erbaut wurden. Kriegerdenkmal. In der Nähe grosse Dachschieferbrüche, die einer Actiengesellschaft gehören. (150 Steinbrecher.) Vom hochgelegenen Schiesshaus prächtige Aussicht auf das Obererzgebirge.

Anmerkung. Die Lössnitzer Section des Erzgeb. Vereins empfiehlt ab Lössnitz dankbare kleine Ausflüge. (Tafeln in den Gasthöfen und im Bahnhof.) Die Prinzenhöhle liegt 5 km von hier, man geht dahin über Alberode. Siehe [Seite 120].

Der Bahnkörper, wirklich inter. angelegt, überwindet den starken Fall (1 zu 40) in weiten Curven, geht an den Schieferbrüchen vorüber, und gewinnt durch einen anmuthigen Grund das Muldenthal. Aue siehe Routennetz.

44. Chemnitz-Stollberg (19 km). Thierfeld (8 km). Hartenstein (2 km). Stein (1½ km).

Man geht die aussichtsreiche Strasse über das Eichhörnchen oder durch Harthau an Schloss Neukirchen vorüber. Siehe Routennetz. Stollberg siehe [Seite 67]. Ab Stollberg über Höhen nach Neuwiese, Neuwittendorf und Thierfeld. Auf dem Gottesacker dieses Dorfes besuche man das inter. Denkmal eines Reiteroffiziers, der unglaublich viel erlebt hat. (Näheres besagen die Inschriften. Das auffällige Denkmal steht in einer Ecke an der Gottesackermauer.)

Hartenstein. Weisses Ross. Zum Rathskeller. Schiesshaus. 2700 Einw. 339 m ü. M. Weberei. Strumpfindustrie. Ackerbesitz. Im fürstl. Schönburg'schen Schloss, das ein ziemlich einfacher Bau ist, inter. Ahnensaal mit Bildnissen. Hartenstein ist Hauptort der gleichnamigen Herrschaft, die sich in früheren Jahrhunderten bis Böhmen erstreckte; sie gehörte den Burggrafen von Meissen und kam durch Heirath an das Haus Schönburg. Am 17. Oct. 1609 wurde im Pfarrhaus Paul Flemming, der Dichter und Weltreisende geboren. (Gest. 1693 in Hamburg.) Sein Geburtshaus schmückt eine Denktafel.

Nun im Thalzug hinab ins Muldenthal nach Stein. Weiter siehe Routennetz.

45. Chemnitz-Hohenstein (19 km). Glauchau (15 km). Zwickau (16 km).

Diese Bahnroute fand bis St. Egidien bereits Beschreibung. S. Routennetz.

Glauchau. Deutsches Haus. Stadt Hamburg. Stadt Dresden. Rest. Jänichen. Felsenkeller. Actienbrauerei. Kretzschmar. 21 363 Einw. Am Bahnhof 246 m ü. M. Die Stadt zeigte 1880 abermals eine geringe Abnahme ihrer Bevölkerung, was man der Annection des Elsasses zuschiebt, weil dadurch ähnliche Industrien in Deutschland einbezirkt worden sind. Der Hauptort der Schönburg'schen Recessherrschaften liegt auf einer Anhöhe über der Mulde, auf der auch zwei Schönburg'sche Schlösser, Vorder- und Hinterglauchau thronen. Hübsche städt. Anlagen. In der Kirche Silbermann'sche Orgel. Georg Agricola wurde 1494 hier geboren. Die Gewerbthätigkeit Glauchau's und Meerane's, der nahen, fast gleichgrossen Schwesterstadt, erstreckt sich hauptsächlich auf die Textilbranchen. Man webt Kleider- und Mäntelstoffe. Färberei. Druckerei. Bleicherei. Eigenartig ist die Korbflechterei, welche sich auf die grossen Weidenplantagen, die »Zennen«, in der Muldenniederung stützt. (Kinderwagen, Rohrmöbel, Tragkörbe.) In der Kirche zu Jerisau (2 km) hängt ein Portrait Kaiser Karls V., welches der Kaiser selbst in Anlass einer Uebernachtung im Pfarrhaus 1547 dem Pfarrer schenkte.

Die Bahn gewinnt bei Glauchau das weite, anmuthige Muldenthal, lässt jedoch den Fluss weit links und geht an Mosel vorüber.

Zwickau. Zur Post. Grüne Tanne. Deutscher Kaiser. Goldner Löwe. Hotel Wagner. Weintraube (billig). Rest.: Zur Quetsche. Zur Bleibe. Schwan. Bierhalle. Centralhalle.

Sommerwirthschaften. Schwanenschlösschen über dem Schwanenteich mit aussichtsreicher Terrasse. Concertgarten Gambrinus. Zum Badegarten. Bergkeller an der Mulde. Bergschlösschen auf dem Brückenberg mit trefflicher Aussicht.

Cafés. Café Germania (sehr grossstädtisch). Café Carola. Adam. Buschbeck. Stephan. Metzner's Weinstube. Stadttheater im Gewandhaus. Victoriatheater im deutschen Kaiser.

Omnibus vom Bahnhof 20 Pf., nach Kainsdorf 20 Pf.

35 135 Einw. 267 m ü. M. Die »Schwanenstadt« liegt im Muldenthal, dessen rechtsseitige Gehänge steil sind und dadurch der Landschaft besondere Anmuth verleihen; Zwickau ist Kreishauptstadt und Sitz eines Appellationsgerichts; ihre hohe wirthschaftliche Bedeutung verdankt sie in der Hauptsache den vortrefflichen Kohlenflötzen, welche sich in der Vorzeit hinter dem Durchbruch der Mulde durch das Gebirge abgelagert haben. Das Gemeinwesen besitzt selbst Kohlenwerke und ist dadurch ein sehr wohlhabendes geworden. Die Mächtigkeit der Flötze steigt bis zu 24 m und auf sie stützt sich die grossartige Industrie im ganzen westl. Sachsen. In Zwickau selbst sind neben dem Bergbau zahllose Etablissements, darunter Ziegeleien, Koaxbrennereien, Maschinenfabriken, Giessereien, Porzellan-, Papier- und Glasfabriken entstanden, die der Kohlen halber hier Boden fassten. Man fördert gegenwärtig circa 42 Millionen Centner im Jahr. Die Schachttiefen reichen bis zu 760 m. 5000 Pferdekräfte im Dampf, 400 Beamte und 9000 Bergleute halten die Schächte im Betrieb. Gegen 60 Kohlenzüge verlassen täglich den Zwickauer Bahnhof, dessen Gleisanlagen mehrere deutsche Meilen lang sein würden, wenn sie nicht nebeneinander lägen.

Geschichtliches. Zwickau ist eine sehr alte sorbische Ansiedlung. (Zwickowa.) 1118 erhielt es die Gräfin Bertha von Groitzsch zu Lehen, von dieser vererbte es auf ein Mitglied der Fürstenfamilie Wettin. 1290 ward die Stadt reichsunmittelbar. 1348 gelangte sie abermals in den Besitz der meissnischen Markgrafen. Als der Schneeberger Bergbau in Aufnahme kam, wurden die Erze von dort zumeist in Zwickau verhüttet, auch betheiligten sich Zwickauer Bürger an den Silberbergwerken und gelangten zu grossem Reichthum. 1520 bis 22 lebte Thomas Münzer hier als Pfarrer, und Luther selbst musste herbei, um die durch den »Schwarmgeist« erregte Menge zu beruhigen. Im 30jähr. Krieg sank die Stadt von 10 000 Einw. auf 4000 herab und sie blieb bis vor circa 60 Jahren unbedeutend, bis das Zeitalter der Dampfkessel hereinbrach und den Werth der »Schwarzen Diamanten« und damit die Bedeutung Zwickau so ausserordentlich steigerte.

Sehenswürdigkeiten. Die gothische Marienkirche, schon 1118 fertig gestellt, ist wiederholt abgebrannt, so dass verschiedene Jahrhunderte sich daran versucht und sich zum Theil versündigt haben. Von den 24 Altären aus der Zeit vor der Reformation ist nur einer übrig, ein sehr schöner Flügelaltar mit Gemälden und Schnitzereien aus der Wohlgemuth'schen Schule. In der Taufhalle ein Kranach. Inter. Glasmalereien in dem Erbbegräbniss der Familie von Bose. In der Sakristei kunstvoll geschnitztes heiliges Grab von Veit Stoss (1507). Ferner originelle Doppeltreppe von Stein. Unter den älteren Grabmälern verdient das des Bergherrn Martin Römer Beachtung. In der sogenannten Götzenkammer neben der Orgel (eine Art Alterthumskabinet) mancherlei Sehenswerthes.

Die goth. Katharinenkirche besitzt gleichfalls Kranach'sche Bilder. Alterthümliche Bauten sind das Rathhaus und Gewandhaus, sowie das Gymnasium mit sehenswerther Aula. (Grosse Bibliothek, 20 000 Bände, 1857 entdeckte man eine Hans Sachs'sche Handschrift seiner Gedichte, ferner liegt hier werthvolles Material für die Reformationsgeschichte aufgestapelt, das der Hebung harrt.)

Die Richterstiftung, innere Dresdner Str. 2, besitzt eine reiche Sammlung einheimischer Mineralien, darunter seltene Versteinerungen aus den Zwickauer Kohlenflötzen. Sonntags geöffnet von 11–½1 Uhr. Im Kunstvereinsgebäude, Marienkirchhof 2, kunstgewerbliche Sammlungen. In den oberen Sälen Oelgemälde, Kupfer- und Stahlstiche. Eintritt 50 Pf. sofern man nicht durch Mitglieder eingeführt wird. Das hübsche Kriegerdenkmal steht vor dem Gymnasium; am Markt 5 ein Medaillonbild Robert Schumanns, des Componisten, der in diesem Hause geboren ward. Das Medaillonportrait Dr. Ungers am Kreiskrankenstift entwarf Prof. Johannes Schilling.

Das alte Schloss Osterstein ist als Landesgefängniss eingerichtet, es beherbergt etwa 1500 Correctionäre und ist darum schwer zugänglich.

Spaziergänge. Die alten Festungswälle rings um die Stadt sind in schöne Anlagen umgewandelt worden. Der schönste Spaziergang ist indess derjenige nach dem Schwanenteich und Schwanenschlösschen. Der Teich hält 17 Hectare Grundfläche, ist mit herrlichen Anlagen umgeben, von vielen eleganten Gondeln und sogar von einem kleinen Dampfboot, wie auch von einer grossen Zahl fremder und einheimischer Wasservögel belebt. Vom hochgelegenen Schwanenschlösschen schöne Aussicht auf Stadt und Umgebung.

Ferner sind zu nennen: Promenade am rechten Muldenufer bis zur Pölbitzer Brauerei (3½ km). Nach dem Windberg an der Strasse nach Werdau (349 m). Schöner Blick auf Stadt und Umgebung. Nach Bellevue und Pöhlau. Nach der Heringsbrauerei, rechts an der Mulde gelegen (nur 1½ km). Nach den Bergkellern, dann durch den Amselgrund nach Eckersbach. Hier hübsche Anlagen und das Trillergut, das der wackere Köhler Triller vom Landesherrn als Freigut für die Rettung des Prinzen Albrecht erhielt. Zurück geht man über den 335 m hohen Brückenberg. (Hin und zurück 5 km.)

Ausflug nach der Marienhütte (4 km). Kainsdorf, zu welchem die Marienhütte gehört, zählt 2860 Einw. Die Hüttenwerke zählen zu den grössten Deutschlands. 80 Beamte. 1700 Hüttenarbeiter. 400 Kohlenbergleute. Die Frachtenbewegung ersteigt die Riesenziffer von 250 000 000 Kilo. Man verladet und empfängt pro Woche etwa 1000 Waggons und Lowrys. Besonders interessant ist die Schienenfabrikation und die Bessemerstahlbereitung. Von der Marienhütte wandert man nach Planitz. 10 000 Einw. Hier ist ein Kohlenflötz seit Jahrhunderten in Brand, d. h. es schweelt im Erdinnern. Zuweilen steigen Dämpfe auf. Schnee bleibt auch bei strenger Kälte auf der immergrünen Rasendecke nicht liegen. In den Treibhäusern des Rittergutes benützt man diese natürliche tropische Wärme zur Erzeugung einer herrlichen Flora. Bockwa, dicht an Kainsdorf gelegen, dürfte wohl das reichste Dorf Deutschlands sein. Die Bauern, durch die Kohlenschächte reich geworden, wohnen in prächtigen Villen, Gas erleuchtet die Dorfgassen und die stattliche neue Kirche würde einer grösseren Mittelstadt zur Ehre gereichen. Auch Schedewitz und Hohnsdorf sind reiche Kohlendörfer.