Kleinere Touren ab Chemnitz.

15. Nach der Engelshalde (4 km) und dem Beutenberg (1 km).

Die Engelshalde nennt sich ein Schuttberg neben der Dresdner Strasse hinter dem Waldschlösschen, der von dem Abraume der grossartigen Porphirbrüche (zu seinen Füssen) aufgethürmt worden ist. Diese Halde bietet eine treffliche Aussicht auf die dampfessengespickte Stadt und die umliegenden Anhöhen. Der Beutenberg ist eine 418 m hohe Triangulirungsstation im Südostost von der Engelshalde. Schöne Blicke über den Zeisigwald und die weitere Umgebung, in welcher die drei Schlösser Lichtenwalde, Augustusburg und Sachsenburg sichtbar sind.

16. Nach dem Adelsberg (7 km) und nach Erdmannsdorf (5½ km, Fusspartie).

Man geht durch das volkreiche Dorf Gablenz (Apfeldorf) auf aussichtsreicher Strasse nach dem Adelsberg hinauf (Schenke). Prächtige Aussicht auf Chemnitz und Umgebung (431 m ü. M.). Beim Weiterwandern wird Augustusburg sichtbar, ein überraschender Anblick. Kurz vor Erdmannsdorf anmuthige Landschaft, hoch oben die stolze Burg, zu ihren Füssen das idyllische Erdmannsdorf mit dem anmuthigen Schlösschen des Ministers von Könneritz. Näheres siehe unter Erdmannsdorf.

17. Nach Einsiedel (ab Altchemnitzer Bahnhof 8 km). Dittersdorfer Höhe (3 km).

Wer nicht mit Bahn fährt, geht über das Jägerschlösschen nach Erfenschlag und Einsiedel. Schöner ist der Fussweg nach Bernsdorf, Reichenhain und dann den Fussweg am 420 m hohen Pfaffenstein vorüber nach der Einsiedler Papierfabrik hinab.

Einsiedel, schönes Kirchdorf. 2000 Einw. Anmuthige Lage im Zwönitzthal. Staake's Gasthaus. Zum Kaiserhof. Im Oberdorf Rest. zum Schieferwinkel. Grosse Papierfabrik. Edelfischzucht, im Monat November während der Laichzeit und in den ersten Wintermonaten hochintr.

Hinter Staakes Gasthaus führt der Fussweg hinauf nach der Dittersdorfer Höhe (506 m). Triangulirungsstation. Umfassender Blick auf das Centralerzgebirge mit den Bärenstein, Pöhl- und Scheibenberg und dem Fichtel- und Keilberg. Das Rest. ist jetzt ohne Wirth. Zurück nach Chemnitz empfiehlt sich der Weg über den Altenhahn, an der Zschopauerstrasse. Guter Landgasthof. An derselben Strasse bei den neuen Schenken gute Aussicht auf Chemnitz und Umgebung.

Anmerkung. Von Altenhain intr. Partie durch Altenhain, Olbersdorf nach der Sternmühle und nach Erdmannsdorf. Sehr idyllischer Thalzug (8 km). Sternmühle ist Restaurant.

18. Chemnitz-Klaffenbach (10 km). Burkhardsdorf (3 km). Dittersdorf (4 km). Einsiedel (3 km). Chemnitz (8 km).

Mit Dampf bis Station Erfenschlag oder zu Fuss den Altchemnitzer Wiesenzug aufwärts. (Die Güter zur Linken lassend.) Harthau, Kirchdorf im engen Würschnitzthal. Grosse Kammgarnspinnerei. Die Strasse windet sich in Serpentinen, die sich durch Fusswege abschneiden lassen, den Berg hinauf nach der Klaffenbacher Bergschenke. Kurz vor der Schenke treffliche Aussicht auf Chemnitz und seine weitere Umgebung. Ein sehr altes Kreuz bei dem Dorfe Klaffenbach soll die Stelle bezeichnen, an der 892 Bischof Arno von Würzburg erschlagen wurde von den ergrimmten heidnischen Sorben. In der Nähe der Bergschenke erhebt sich der Geyersberg (493 m). Die erste Bergkuppe im Erzgebirge südlich von Chemnitz. Schöne Rundsicht besonders auf Chemnitz und das Zwönitzthal.

Burkhardsdorf ist ein Marktflecken mit 3300 Einw. Gasthof zur Gold. Aue. Bahnhofsrest. Strumpfwirkerei. Liegt im Thalzug der Zwönitz.

Zwönitz abwärts gelangen wir nach Kemptau. (Wahrscheinlich entstand der Name aus den slav. Camenowe, »Steinau«, von den Kemptauer Steinen, die oberhalb des Dorfes imposante Felsgruppen darstellen. 484 m). Eine Strasse führt am Thalgehäng hoch über dem Zwönitzfluss an einem Kalkofen vorüber in weitem Bogen nach Dittersdorf. Geräder, doch nicht so intr. ist der Weg im Thalzug. Dittersdorf ist Eisenbahnstation. Einsiedel, siehe [Seite 61].

19. Von Chemnitz nach der Pelzmühle (9 km). Oberrabenstein (2 km).

Man fährt mit Dampf bis Stat. Siegmar oder wandert durch die Industriedörfer Kappel und Schönau dahin ununterbrochen in fast geschlossener Gasse. Die Pelzmühle am grossen Pelzteich ist ein vielbesuchtes Rest. mit schönem Garten und soll ihren seltsamen Namen schon den Kelten zu verdanken haben. Auf dem Teiche Kähne zu Wasserpartien. Oberrabenstein hat eine alte finstere Burgruine, welche früher Sitz der Kaiserlichen Voigte war, ehe die Rabensteiner Herrschaft an das Chemnitzer Benedictinerkloster verkauft wurde. Kalkbrüche mit vielen Feldspathkrystallen. In Niederrabenstein hübsche goth. Kirche. Von Städtern vielbesuchter Gasthof mit Tanzsaal (zu Fuss über Ruttlof nach Chemnitz zurück 7 km).

20. Chemnitz-Limbach (per Bahn 18 km, zu Fuss über Rabenstein 12 km). Wüstenbrand (7 km). Chemnitz (15 km).

Mit Dampf fährt man an dem grossen Strumpfwirkerdorfe Wittgensdorf vorüber. 3600 Einw. Zu Fuss geht man über Ruttlof und Rabenstein durch den Rabensteiner Wald. (Rechts der Strasse ein Denkstein, Näheres siehe Inschrift.) Ein schöner Waldweg führt von Rabenstein direct nach Wüstenbrand (6 km).

Limbach. Zum Hirsch. 7000 Einw. Städtisch angelegtes Dorf. Hier erbaute David Esche Anfang des 17. Jahrhunderts den ersten Strumpfwirkerstuhl und ward so nicht nur Begründer des grossen Strumpfhauses Esche, sondern führte die Strumpfwirkerei überhaupt in der Gegend ein. In Limbach besteht eine Strumpfwirkerschule.

Auf der Strasse nach Wüstenbrand freie Blicke über Limbachs Umgebung. In Wüstenbrand unfern der 482 m hoch gelegenen Kirche umfassender Blick auf das Obererzgebirge mit dem Auersberg und Fichtelberg. Näher her das Lugau-Oelsnitzer Kohlenschachtrevier. Am Bahnhof mündet die Lugauer Kohlenbahn. Bei der Rückfahrt nach Chemnitz passiren wir Stat. Siegmar, in deren Nähe die Eisenbahnbrücke 1866 von einer fliegenden preuss. Colonne gesprengt wurde. In einem offenen Schuppen am Bahnhof Rudera von der Sprengung.

21. Chemnitz-Auerswalde (9 km). Schweizerthal (5½ km). Burgstädt (4 km). Chemnitz (Bahn 15 km).

Man geht über Furth immer in der Nähe des in der Stadt arg getrübten Chemnitzflusses nach Blankenau-Glösa. In Blankenau stand ehemals am Fluss eine Burg, die Blankenburg, deren letzte Spuren leider vor wenigen Jahren völlig beseitigt worden sind. (Von dem hochgelegenen Kirchlein hübsche Thalblicke.) Die Auerswalder Mühle (Schenke) ist ein Thalidyll von höchst anmuthigem Charakter. Schweizerthal nennt sich die grosse Tetzner'sche Strickgarnfabrik. Schön gelegen.

Anmerkung. Passionirte Touristen suchen wohl in dem prächtigen Chemnitzthal bis an die Mündung in die Mulde vorzudringen. Die Thalbilder sind in hohem Grade anmuthend. In der Nähe der Mündung liegen sehr grosse Rollblöcke im Fluss, die ihm wahrscheinlich den Namen Camenice (Steinbach oder Steinfluss) verschafften. In vielen dieser Gneisblöcke finden sich sogenannte Strudellöcher (Riesentöpfe), durch die Kraft des Wassers mit Hilfe von Geröllen eingegraben.

Burgstädt. Deutsches Haus. 5296 Einw. Altes intr. Rathhaus mit Rest. Weberei. Schuhmacherei. Leicht zu ersteigen und sehr dankbar ist der nahe 340 m hohe Taurastein, eine Felsgruppe, die, ähnlich wie der Rochlitzer Berg, eine weite Rundschau über das Granulitgebiet bis hinauf nach der Augustusburg gewährt (zurück benutzt man die Bahn).

22. Chemnitz-Lichtenwalde (12 km). Frankenberg (5 km) und zurück per Dampf (17 km).

Am Besten benutzt man die Bahn nur bis Wiesa, da der Weg von hier durch den Wald an die Zschopau hinab und zum Schlosspark empor ein sehr anmuthiger ist (Weglänge ab Wiesa 2½ km). Die Station Braunsdorf liegt dicht unter dem Lichtenwalder Schloss.

Zu Fuss nach Lichtenwalde geht man über Hilbersdorf und Ebersdorf. Auf Hilbersdorfer Flur grosse Porphyrsteinbrüche. Versteinerte Coniferen. Höchst seltene Staarsteine. Die Ebersd. Kirche war ehedem Wallfahrtskirche. Friedrich der Sanftmüthige wallfahrtete nach dem vereitelten Prinzenraub hierher und liess die Kleider des Prinzen und die Köhlerkutte des Köhlers Triller hier aufhängen, die noch unter Glas zu sehen sind. Holzschnitzereien. Altes Altargemälde. In dieser Kirche liegt auch Ritter Harras, der kühne Springer, begraben. Ein grosses Hufeisen soll von seinem Ross herrühren (Weglänge von Chemnitz nach Lichtenwalde 9 km).

Lichtenwalde. Schloss mit herrlichen Parkanlagen, ein Majorat der gräfl. Familie Vitzthum von Eckstädt. Im Dörfchen Schlossschenke. An der Strasse nach Chemnitz steht das Denkmal des vorigen Majoratsherrn, der beim Ueberfall zu Etrepagny 1870 getödtet wurde. Im Park sehr schöne Anlagen mit Statuen, Gruppen etc. Die berühmten Wasserkünste, die von der Schlossmühle aus durch Druckwerk gespeist werden, locken zu Festzeiten grosse Menschenmengen hierher. Schelmisch unter Treppenstufen etc. verborgen, geben dieselben zuweilen zu grosser Heiterkeit Veranlassung. Sonntags öfter Concerte. Im Privatgarten der Herrschaft grosse Treibhäuser, Teppichbeete, Taxuswände etc. Im Schloss, das für gewöhnlich nicht zugänglich ist, gute Gemälde niederländischer Meister. In ein chines. ausgestattetes Zimmer hat man vom Söller aus Einblicke. Schöner Spaziergang an der Schlossmühle vorüber nach dem Harrasdenkmal, das am linken Ufer der Zschopau dem Harrasfelsen gegenüber steht. Wenige Schritte vom Denkmal eine wenig hohe aber sehr starke Eiche.

Nach Frankenberg gehen wir bei der Schlossmühle über den Mühlsteg und vor dem Harrasfelsen unter der Bahn weg am Bahnwärterhäuschen empor auf den Hauenstein, den Harrasfelsen. Zu Ehren der Sage oder wohl mehr des Körner'schen Gedichtes »Harras, der kühne Springer« steht ein eisernes Kreuz. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass ein Sprung in die Zschopau von hier aus ganz unmöglich ist; so schroff der Felsen auch erscheint, so ist doch das Wasser zu fern. Reiter und Pferd würde nicht im Wasser, wohl aber am Felshang zerschmettert sein. Ein Fusspfad gegen Osten führt an die Strasse nach Frankenberg.

Frankenberg. Schwarzes Ross. Deutsches Haus. Stadt Dresden. Rest. Rathskeller. Reichsseidelei. Bürgergarten. Hochwarte. In Cunnersdorf (1½ km) Nerge's vielbesuchtes Gartenrest. 11,000 Einw. Sehr gewerbthätige Stadt. Weberei in Halbwolle und Halbseide. Druckerei. Cigarrenfabrikation. 1½ km entfernt an der Bahn nach Hainichen in der Nähe des stattlichen Lützelthalviaductes liegen die höchst anmuthigen städtischen Anlagen.

Anmerkung. Zurück nach Chemnitz benutzt man am Besten die Bahn. Wer die Partie nach der Mittweidaer Schweiz ausdehnen will, geht auf schönem Wiesenpfad am rechten Zschopauufer nach Sachsenburg. Das hochgelegene Schloss ist jetzt Correctionsanstalt für jugendliche Verbrecher (60 Insassen). Gothische Kapelle. Das Schloss, 1488 von einem Herrn von Schönberg fertig gestellt, ist architektonisch nicht ohne Bedeutung. Das nahe Dorf Sachsenburg war früher Wallfahrtsort. Von hier aus ersteigt man den 350 m hohen Treppenhauer Berg, der früher eine Burg Gozne getragen haben soll. An freien Stellen Blicke auf das Obererzgebirge mit dem Fichtel- und Keilberg. Am Fusse des Schlosses liegt die beliebte Fischerschenke. Man geht nun die Strasse im Thalzug fort nach Krumbach, fährt bei der Spinnerei über und verfolgt einen romantischen Fusspfad erst am Fluss fort und bei einem Bergwasserausfluss hinauf nach Schönborn. Grosses Bergwerk. Beim Obersteiger Erfrischungen. (Inter. Erzstufen.) Von hier die Strasse am Erzpochwerk und an der idyllisch gelegenen Flossschenke vorüber nach Neudörfchen und Mittweida. (Von Frankenberg bis Mittweida 10 km.) Mittweida s. [S. 68].

23. Chemnitz-Flöha (12 km). Erdmannsdorf (6½ km). Cunnersstein (2½ km). Augustusburg (2 km) und zurück nach Erdmannsdorf (2 km).

Am Besten mit Dampf bis Flöha oder Erdmannsdorf (Flöha s. [S. 55]). Erdmannsdorf ist eine beliebte Sommerfrische der Chemnitzer. Bahnhofsrest. Gasthof an der Zschopaubrücke. Hübsche Prommenadenwege am Fluss aufwärts. Schlösschen und Rittergut des Ministers von Könneritz. Der Vogelheerd (1 km), 376 m hoch gelegene Baumgruppe, gewährt hübsche Blicke hinauf ins Centralerzgebirge. Schöne Waldwege (Wegweiser) führen nach dem Cunnersstein, einer imposanten Felsbastei über dem Zschopauthal mit beliebtem Bergrest. Die Fernsicht ist beschränkt, doch hat man sehr fesselnde Thalblicke. Nach Augustusburg sind die Wege gleichfalls markirt.

Schellenberg. Hirsch. Erbgericht. Schlossrest. auf dem Schloss. 1922 Einw. 503 m ü. M. Neuere Stadtkirche mit seltsamem Thurm. Altarbild von Gonne, »Die Jünger in Emmaus«. Dicht über der Stadt ragt auf steilem Porphyrfels die stolze Augustusburg empor, die weithin leuchtende Warte des Erzgebirges. Aeltere Abbildungen zeigen die jetzt ziemlich kahlen Aussenseiten mit hohem Dachstuhl und malerischen Erkern und Galerien. 1568–92 erbaut. Ehemals sah die Burg glänzende Hoffeste, jetzt sind in einigen Gebäuden Gerichtsbehörden untergebracht. August der Starke hielt Bären hier. Der Kopf des letzten Insassen des Bärenzwingers schmückt das Thorhaus: er hatte sich befreit und stattete dem nahen Städtchen einen sehr bedenklichen Besuch ab. In der Capelle befindet sich eine Silbermann'sche Orgel und ein Altargemälde von Kranach d. J., welches die zahlreiche Familie des Kurfürsten Vater August in der bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Vom nordöstl. Thurme, auf welchen der Castellan gegen ein kleines Trinkgeld die Fremden gewöhnlich führt, hat man umfassende Blicke auf das Centralerzgebirge und über das Granulitgebirge hinweg nach der norddeutschen Tiefebene, aus der der Oschatzer Colmberg hervorragt. Im Schlossgarten uralte Linde, die der Sage nach verkehrt eingepflanzt wurde, im hinteren Schlosshof liegt der 190 m tiefe Schlossbrunnen, welcher nicht mehr gezeigt wird, seit sich 1876 eine Dame hinabstürzte. (Hinabgegossenes Wasser hörte man nach 21 Secunden fallen.)

Anmerkung. Nach Erdmannsdorf hinab lassen sich die Krümmungen der Strasse durch Fusswege kürzen. Eine dankbare Variante ist folgender Weg: Man geht von Schellenberg hinab nach Hohenfichte (3 km), wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. Von hier am rechten Ufer der Flöha nach der sogenannten Hetzdorfer Schweiz, einer Felsgruppe mit Aussicht auf den nahen Hetzdorfer Viaduct und auf das Flöhathal. Dann geht man über Falkenau nach dem Flöhaer Bahnhof. (Von Hohenfichte ab bis Flöha 11 km.)

Ein stiller, einsamer, waldfrischer Thalzug ist der Lössnitzgrund. Von Hohenfichte bis zur reizend gelegenen Hammermühle (Schenke) hinauf 4 km.