Das Quarantänegebäude oder Pestlazareth.

So eben baut man über den Ruinen an der Küste und bei den Mauern von Jaffa, gegen Mittag, eine Kontumazanstalt. Sie zerfällt in zwei Abtheilungen. Die obere enthält vierzehn Zimmer oder Häuschen. Jedes Zimmer, geräumig und hoch, hat Läden für das Licht und zwei Thüren, die eine gegen den Hof (Mitternacht) und die andere gegen die Einfangsmauern (Mittag). Es wäre nicht am Platze, die Anstalt weitläufig zu beschreiben. Ich bin überzeugt, daß sie, unter übrigens günstigen Umständen, ihren Zweck nicht verfehlen wird, obschon an ihr Mehreres ausgestellt werden dürfte. So wurde ein Theil des griechischen Leichenackers in den Umfang des Gebäudes gezogen, in welchem wirklich einige Leichensteine hervorragen. Für die Unreinigkeiten sind einige, aber ungenügende Einrichtungen getroffen. Unten besitzt die sonst ziemlich hohe Einfangsmauer Stufen, daß man sie leicht überklimmen kann, wenn man von innen aus Hilfe bekommt. Will man das Quarantänegebäude gleichsam vollpfropfen, so wird es 500 bis 600 Bewohner zählen.

Dir Anstalt soll vorzüglich für die christlichen Pilger bestimmt sein. Ich hörte aus mehr, als einem Munde, daß in Beirut, wohin dieselben sich begeben mußten, die Kontumazirenden sehr schlecht gehalten und himmelschreiend geprellt wurden, und man betheuerte sogar, daß mehrere Pilger in der dasigen Quarantäneanstalt wegen schlechter Verpflegung eine Beute des Todes wurden.

Gott behüte Jeden davor, daß er einen Lebensabschnitt in einem Pestlazareth vergähnen muß. Wirft aber Jemand das unerbittliche Schicksal in dieses Gefängniß, so genießt er doch die Aussicht auf die Stadt und das Meer, und er wird von frischer Luft angeweht. In El-Arysch wäre ich über eine Unterbringung, wie man sie hier erwarten darf, überaus froh gewesen. Das Lazareth wird vorzugsweise demjenigen willkommen sein, der von Egypten aus nach Jaffa zu reisen gedenkt; denn seit der Errichtung einer Quarantäne in Beirut mußte er sich den Umweg über diese Stadt gefallen lassen.

Die pfiffigen Egypzier wußten die noch nicht völlig ausgebaute Quarantäne schon zu einem Nebenzwecke zu benützen. Es rückte ein Bataillon Fußsoldaten, auf ihrem Zuge nach Egypten, in Jaffa ein, und man war nicht verlegen, so viel Mannschaft, als nur thunlich, in der Quarantäne Obdach anzuweisen.