Die Gräber der Könige.

Außerhalb des Thores von Damaskus (Bab-el-Scham) liegt gleich zur rechten Hand die gegen die Stadt schauende Felsenhöhle, in welcher Jeremias seine Klagelieder gesungen haben soll, und ungefähr in einer halben Viertelstunde davon erreicht man die sogenannten Gräber der Könige. Der Boden zwischen der Stadt und den Gräbern ist mit vielen Steinen übersäet. Darunter zeichnen sich hin und wieder Mosaiksteine aus, an welchen ich den festen Mörtel deutlich unterscheiden konnte. Will man die Gräber besehen, so tritt man durch ein mit Schutt mehr, als bis zur Hälfte gefülltes Thor in einen großen, unbedeckten Raum, welcher, wie dieses, aus dem Kalkfelsen gehauen ist. Der Grund war grün, und diente den Kühen zur Weidung. An der Abendseite dieses Raumes öffnet sich der Eingang zu den Grabhöhlen. Ihn zieren halb erhabene Arbeiten, welche von einem so einfachen, als edeln Geschmacke zeugen. Man kommt, nicht ohne Komplimente zu schneiden, durch den theilweise verwitterten Eingang in einen Vorsaal. Dieser führt in vier Kammern, die sich hinwieder in Nebenkammern verzweigen. Alle sind Hauwerke im Felsen ohne Schmuck und Inschrift. Dagegen tragen die Grabdeckel, hohle Halbwalzen von Stein, auf der einen Seite Verblümungen als Zierath. Die dicken Thüren der Todtenkammern von gleichem Felsen haben auf der einen Fläche einfache Zeichnungen von Vierecken, wie Täfelthüren. Man findet sowohl ganze Thüren, als auch Bruchstücke, keine aber eingehängt. Vor zwei Jahrhunderten liefen dieselben noch in ihren Angeln.

Die Aushöhlung des harten Felsens muß ein mühsames, kostspieliges Werk gewesen und jedenfalls von Vielvermögenden des Landes angeordnet worden sein. Man schreibt jetzt die Todtenkammern den Römern zu. In frühern Zeiten hielt man sie für die Gräber der Könige von Juda.