Einige geographische Bemerkungen über Syrien.
Das eigentliche Syrien gränzt im Norden an Kleinasien, im Westen ans Mittelmeer, im Süden an Egypten und im Osten an Arabien, also, daß es mit letzterem umfangsreichen Lande gleichsam eine große Insel bildet, welche vom mittelländischen und rothen Meere, dem Ozean, dem persischen Meerbusen und dem Euphrat umspült wird.
Syrien sticht mehr oder minder schroff ab gegen das Egyptenland, nehme man die Einwohner, den Himmelsstrich oder das Erdreich in Anschlag. Egypten hat einen flachen Boden, der ein Thal mit einem der größten Ströme unseres Erdenrundes vorstellt; Syrien dagegen wird von einer Menge Thäler durchschnitten, woneben Hügel und Berge, am Maßstabe fünf Sechstheile, sich erheben. Eine Gebirgskette zieht durch ganz Syrien, Schritt für Schritt mit der Küste des Mittelmeeres, nur einige Wegstunden davon. Der Libanon (der Weiße) und ihm gegenüber der Antilibanon, der Thabor und der Karmel, der Oelberg und der Hebron, wem sind diese Kuppen des Gebirges nicht bekannt? Der Orontes und der Jordan (el-Arden), die Hauptflüsse Syriens, entspringen auf dem Antilibanon. Denn der und der Libanon schürzen den Knoten des ganzen Gebirges. Von da fließt der Orontes gegen Mitternacht; ihm zur Linken Berg an Berg, zur Rechten theilweise Arabien. So wälzt er seine Gewässer über siebenzig Wegstunden fort und schüttet es in die See, nahe an der Bucht von Antiochien. Der Jordan entquillt keine zwanzig Wegstunden vom Orontes, richtet sich von Mitternacht gegen Mittag und verliert sich im todten Meere oder asphaltischen See (Birket-Luth), welcher von den Jordanquellen bei vierzig Wegstunden abliegt.
In manchen Gegenden von Syrien regnet es ungefähr wie in heißern Gegenden Europas. Das Klima ist im Ganzen sehr gesund. Viele Lagen des Landes sind reizend. In Menge gibt es Berge und Thäler mit zahlreichen Weiden, worauf große Viehherden sich nähren. Man sieht Bäume gar verschiedener Art, vor allem viel Oelbäume. Die christlichen Dorfbewohner, auch die Drusen bereiten vorzüglichen Wein.
Die ganze Statthalterei zerfällt in vier Paschalik: dasjenige von Tripolis und Akre, Aleppo und Damaskus. Zu letzterem gehört das alte heilige Land. Alle Paschalik wurden im Jahre 1833 von Ibrahim-Pascha, dem Stiefsohne des Vizekönigs von Egypten, erobert und demzufolge vom türkischen Kaiser demselben abgetreten.
Haleb und Damask übertreffen an Größe und Wichtigkeit weit alle übrigen Städte Syriens. Am Mittelmeere ist Beirut (Berytus) noch am wichtigsten mit seinem ziemlich sichern und geräumigen Hafen, in den europäische Kauffahrer nicht sehr selten einlaufen.
Beinahe von allen Kriegen des elften, zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, als den blutigen Begleitern der Kreuzzüge, wurde Syrien heimgesucht; am drückendsten die drei Städte Jaffa und Akre und Damaskus. Bis auf den heutigen Tag sind die Spuren von den Waffen und dem Aufenthalte der alten Kreuzfahrer, welcher Jahrhunderte lang dauerte, nicht verwischt.