Ibrahim-Pascha.
Er ist unstreitig der größte jetztlebende Feldherr unter den Osmanen. Das Schicksal verlieh mir die Gunst nicht, ihn zu sehen, obschon er sich in Syrien aufhielt. Ich beschränke mich darauf, Einiges aus ziemlich glaubwürdiger Quelle nachzuerzählen.
Ibrahim besitzt ein sehr fröhliches Gemüth. Er lacht beinahe an Einem fort. Die Franken hat er lieb; wenigstens überhäuft er sie mit Beweisen von Freundlichkeit. Gründliche Kenntnisse im Militärfache gehen ihm gänzlich ab, und Unterrichtetere schreiben das Kriegsglück hauptsächlich dem französischen Abtrünnigen Seve oder Soliman-Pascha zu, welcher selbst von Mehemet-Ali vorgezogen werden soll. Immerhin zeichnen Ibrahim Geistesgegenwart, kluge Benützung der Umstände und persönlicher Muth aus. Voran in Anführung der Schlachten, befeuert er durch seine Erscheinung den Soldaten, an den ihn das Band gegenseitiger Liebe knüpft. Indessen wußte der Feldherr dieses Band bisher nicht so fest zu schürzen, daß er dem Araber höhere Offiziersstellen anvertrauen dürfte, die hinfort von Türken oder Ausländern besetzt werden. Als auf einem Feldzuge eine ziemliche Anzahl Soldaten vor Durst starb, und als ihm dann der Fund jenes unentbehrlichen Lebensmittels glückte, das man beim Mangel nicht minder hochschätzt, als beim Ueberflusse geringschätzt oder verwünscht, so reichte er persönlich den Uebriggebliebenen den Labungstrank.
Diesem milden Zuge reihe ich zwei grausame gegenüber. In Alexandrien erhob sich ein Sturm mit seltener Macht. Eine dort vor Anker liegende Fregatte litt Noth. Der Hauptmann, in der Voraussicht, daß sie auf der Rhede zu Grunde gehen würde, steuerte in den Hafen. Ibrahim beschied den Fregattenhauptmann vor sich. Erst wälzte er den Vorwurf auf ihn, daß er ohne Befehl von der angewiesenen Stelle sich entfernte, dann fügte er hinzu, daß er sich dem Schiffbruche und der Lebensgefahr hätte preisgeben sollen, und auf das hin schlug er sogleich dem Offiziere mit höchsteigener Hand den Kopf ab. Im Abendlande würde freilich Jemand wenig Herzen erobern, wenn man ihm nachsagen müßte, daß er oberster Feldherr und Henker zugleich sei.
Eine andere Handlung legt kein geringeres Gewicht auf den grausamen Karakter Ibrahims. Ein Engländer zeigte ihm in Syrien eine ausgezeichnet schöne Flinte. Ibrahim wollte ihre Güte erproben. Er ließ sie laden, und da eben ein Araber am Hause vorüberging, so trug er kein Bedenken, auf ihn zu zielen. Puff! der Unglückliche fiel todt nieder, und der Pascha ermangelte nicht, die Flinte zu preisen.