Schlußbetrachtungen.

Hier an meinem Ziele, wo ein weites Feld von Rückerinnerungen sich schließt, kann ich nicht umhin, darüber Rechenschaft abzulegen, wie ich die Reise in den gegenwärtigen Blättern erzählte.

Alles Wesentliche schrieb ich auf der Reise zwischen Triest und Afrika, in Alexandrien und in Kairo, in El-Arysch und in Ramle, in Jerusalem und in Jaffa, in Rhodos und Tschesme (auf dem Meere zwischen Ionien und dem thrazischen Bospor, in Konstantinopel und in Smyrna, auf dem Seewege nach Triest) und im Theresienlazarethe, am meisten jedoch in Kairo, El-Arysch, Jaffa und Triest, und selten blieb ich in bedeutendem Rückstande. Mit dieser Arbeit, ich gestehe es, raubte ich mir manchen ruhigen Genuß; hingegen auch würzte ich damit, zu reichlicher Vergeltung, viele Stunden, zumal von denjenigen, welche in den Quarantäneanstalten vergingen. Im Garten bereitet man dem Rosenstrauche ein Beetchen, und er treibt Blätter und Dornen; aber man pflanzt ihn nicht wegen der Blätter und Dornen, sondern in der Hoffnung, daß mit der Zeit noch duftende Blumen aufquellen, womit die Freude sich einen Kranz winde.

Ich fühle wohl, daß ich hätte zwei Dinge thun können: erstens das Geschichtliche einweben, und zweitens mit Auszügen neuerer Reisebeschreibungen meine ergänzen. Ich wollte weder das Eine, noch das Andere; das Eine nicht, weil auf der Reise zur Seltenheit eine kleine Garbe geerntet wird, sondern weil jeder Unterrichtete die Hauptsache am Schreibpulte ausbeuten kann; das Andere nicht, weil ich die Rolle eines Plünderers verabscheue, und weil ich vermuthe, daß Manche ebenso gerne einen Rundreisenden begleiten, als den Zusammenstoppeler und Erklärer inmitten eines Bücherhaufens. Ich behaupte zwar nicht, daß ich die eben bezeichnete Bahn aufs allerstrengste verfolgte, ohne ausnahmsweise in einen Seitenweg abzuweichen, indem ich glaubte, wenigstens einige, vielleicht nicht mit Gebühr gewürdigte Männer des sechszehnten und siebenzehnten Jahrhundertes, wie sie mir gerade in meiner literarischen Einsamkeit begegneten, in diesen Sprechsaal einladen zu dürfen[14].

Als Lustreisender hätte ich denn auch nicht dem Schulzwange gehorchen mögen, um ein Ebenmaß zu beobachten. Bald ernst, bald scherzhaft, jetzt ausführlich und vielleicht gar gedehnt, dann kurz und abgebrochen, — so schrieb ich je nach meinen Lagen und Launen. Das Wanderbuch ist ein Spiegel verschiedener Gemüthsstimmungen. Wie sollte ich nun am Ende meiner Fahrten, etwa zu Gunsten untergeordneter Rücksichten, das Tagebuch anders zuschneiden, damit das Bild meines Reiselebens erbleiche? Es wäre ein wenig zu hart, wenn man stets nach den Geboten der Schule leben müßte, wie der Karthäuser nach seiner Klosterregel.

Nicht die Städte der Welt sind das Ziel einer Reise, sondern die Wahrheit. Mit Andern will ich in nichts wetteifern, als in dem aufrichtigen Streben, der Wahrheit zu dienen. Das letzte Reiseziel aber ist viel schwieriger zu erreichen, als Alexandrien und Kairo, Jerusalem und Bethlehem. Man gibt wieder, was ein Eingeborener oder ein schon längere Zeit im Morgenlande weilender Franke erzählte; allein es hält nicht immer leicht, den rechten Mann zu finden. Man ist das Werkzeug der öffentlichen Meinung unter den Franken; allein man kann die Ansichten Einzelner mit derselben verwechseln. Man verfaßt es in Schrift, was man selbst durch die Sinne wahrnahm; allein diese werden gerne von Täuschungen getrübt. Mehrmals stellte ich mich vom Schreibpulte aufmerksam auf die Gasse, auf daß ich dann wieder an jenem die Feder sicherer handhabe. Um die körperlichen Eigenthümlichkeiten, so wie die Tracht der Jerusalemer mit möglichster Genauigkeit zu schildern, setzte ich mich im Bassar auf eine steinerne Bank, und schrieb, von den Leuten ungestört, gleich nieder, was mein Auge erspähte. Wenn ich auch nicht die leiseste Neigung hege, den Zweifel deshalb mundtodt zu erklären, so brachte ich nun einmal, was ich vermochte, treulich und ohne Gefährde.

Nützt meine Reisebeschreibung Niemanden, so nützte sie doch mir, mehr aber noch die Reise selbst. Als Wanderer lernte ich Welt und Menschen an einem größeren Maßstabe kennen.

Oft beschmollte ich unsern Schnee, und träumte mich mit Wonnegefühl unter einen lindern, lachenden Himmel. Ich konnte im Egyptenlande während des Wintermonats ahnen, welche Gluth die Sonne des Sommers auf dasselbe aussprühe. Uebrigens frieren die Leute im Winter auch an andern Orten, wie in dem gar sommerheißen Konstantinopel, obschon kürzere Zeit, ohne daß sie durchgängig die bequemen Heizeinrichtungen besitzen, die uns, den von Eis Umringten, jenen lieblichen künstlichen Sommer in die Stube zaubern. Wahrlich, wir stehen nicht schlimmer.

Ich sah jenseit des Mittelmeeres fruchtbarere Gegenden, als in der Schweiz und in Teutschland, als selbst in Frankreich und Italien. Was frommt jedoch dem Bauer die Ergibigkeit der Fluren, wenn er die Bodenerzeugnisse zusammt dem daran klebenden Schweiße dem Machthaber unter die Füße legen muß? Ich sah aber auch viel unfruchtbarere Gegenden, wie in der Nähe von Jerusalem, wo die Menschen Zähne haben müßten, um die Steine zu zermalmen, einen Magen, um sie zu verdauen, eine Werkstätte, um sie in Blut zu verwandeln, falls jene in der Nacktheit ihnen viel nützlicher werden sollten. Wir stehen nicht schlimmer mit unsern grünen Hochweiden, vor denen viele Berge Syriens und Kleinasiens, Thraziens und des peloponnesischen Archipels ihre Häupter ehrerbietig senken würden.

Ich traf tugendsame Menschen, aber auch den schlimmen, den feigen Araber, den schlauen, den treulosen Griechen. Bei uns versüßen mein Leben viel wackere Leute, die zugleich die Träger einer umfassenderen Bildung und Weltaufklärung sind, nicht zu gedenken, daß ich durch die Bande der Sprache, wie der Sitten, der Religion, wie des Vaterlandes und, ich will noch beifügen, der Vorurtheile an sie geknüpft bin. Und wer möchte vom Bande der Familie schweigen? Wir stehen einmal nicht schlimmer.

Ich reisete durch gesunde Gegenden, so Jaffa und Gaza in der pestfreien Zeit, aber auch durch solche, welche, außer der Pest, noch von andern schrecklichen Geißeln der Menschheit geplagt werden. Bei uns fallen wohl zahlreiche Opfer der langsam tödtenden Schwindsucht, aber seit Menschenaltern nimmermehr jenem Ungeheuer. Wir stehen in der That nicht schlimmer.

Nein, wir stehen nicht schlimmer, aber besser. Nichts trug zur Aussöhnung mit den heimathlichen Verhältnissen williger bei, als meine Reise und gerade diese mittlerweile gewonnene Wahrheit. Der Gedanke, daß das Schicksal gegen uns mehr Milde erzeigt, als gegen die Einen, hat jederzeit etwas Tröstliches, mag auch sonst ein herberes Schicksal uns beugen, als Andere. Ich darf die volleste Zufriedenheit mit der Entwerfung und Ausführung meines Reiseplanes ausdrücken.

Soll ich nun Andern die gleiche Reise, insonderheit die Pilgerfahrt nach Jerusalem, wie ich sie angab, rathen? Wem die Wanderlust beinahe im gebieterischen Tone zuspricht, und wem gleichzeitig es nicht an Mitteln ermangelt, dieselbe zu befriedigen, der trete die Reise an mit heiterer Entschlossenheit. Wenn er einerseits freilich einen Kelch voll Bitterkeiten an die Lippen setzt, wenn er vielleicht der Gefahr sich in die offenen Arme stürzt; so werden ihm andererseits der angenehmsten Augenblicke manche vergönnt, und mit einem güldenen Schatze neuer Kenntnisse und Erfahrungen wird er sich bereichern. Geht auch ein kleiner Weltschatz verlustig, dieser wird von den Kleinoden, welche man für Kopf und Herz sammelt, weit aufgewogen.

Ich bin kein Schwärmer. Ich möchte die Erneuerung der Kreuzzüge nach dem jüdischen Lande nicht herbeiwünschen. Es taucht inzwischen aus dem Meere der Weltereignisse die merkwürdige Erscheinung, daß die meisten Gemüther der abendländischen Christen für Jerusalem in seiner örtlichen Bedeutung gleichsam erstorben sind, und daß seit länger, denn einem halben Jahrtausende kein zweiter Petrus von Amiens sich erhob, die Abendwelt für das gelobte Land zu entflammen. Der Mensch liebt bisweilen die Hindernisse, um sich im Kampfe gegen sie zu messen. Je zahlreicher dieselben aus dem Wege geräumt wurden, desto mehr lenkten in der Folge die Abendländer ihre Aufmerksamkeit von Palästina ab. Man möchte bereits beklagen, daß, nach Beseitigung aller Hindernisse, nunmehr der Entschuldigung oder Beschönigung jede Ausflucht abgeschnitten ist.

Immerhin glaube ich, daß die Pilgerfahrt nicht nutzlos wäre für einen Schriftgelehrten. Derjenige, welcher daheim in seinem Stübchen sich an einer Beschreibung von Jerusalem schier preßhaft zerarbeitet, indem er staubbedeckte Schriften gleichsam hungerig durchwühlt, und mit mühsam erborgten Stellen das magere Buch kaum genug ausspicken kann, würde doch nicht übel thun, wenn er hinginge, die Brust in Jerusalem zu durchlüften, und das Auge auf der Wache Zions im Buche der Natur zu erfrischen.

Ich glaube nicht, daß die Pilgerfahrt nutzlos wäre für den Bibelfreund. Sogar der beßte denkgläubige Christ kann die Bibel, zum wenigsten ihren Einschlag örtlicher Beziehungen, weder mit der Klarheit und Lebendigkeit der Vorstellungen, noch mit der Fülle und Tiefe der Gefühle erfassen, wie der Pilgrim, welchem insbesondere das Lesen der Urkunden einen Vollgenuß verheißen muß. Die unübertreffliche Schilderung, wie jener fromme und treue Knecht zu Rebekka kam, wie die holdselige Jungfrau, mit ihrem Wassergefäße auf den Schultern, heranschreitet, wie sie dem Ankömmlinge einen Trunk Wassers anbietet, wie sie für seine Kameele aus dem Brunnen schöpft u. dgl. —, solche Züge mögen Jedermann anmuthen; allein sie erregen wohl einen ganz eigenthümlichen Eindruck im schauenden Pilger, welcher in der seelenvollen Schilderung die heutigen Sitten des Morgenländers als eine Verjüngung der alten bewundert.

Auch glaube ich nicht, daß die Pilgerfahrt nutzlos wäre für manche Mühselige und Beladene, Leichtsinnige und Welttrunkene. In Gaza weht gesunde, eine milde, die herrlichste Luft. Dort und in Jaffa fühlte ich mich, so zu sagen, noch einmal so leicht auf der Brust. Beide Städte befällt die Lungenschwindsucht als eine große Seltenheit. Man darf ebenfalls von der Seereise Heil erwarten, bei gehöriger Behutsamkeit, z. B. vor dem Zuge des Windes. Nach der Rückkehr ins Vaterland stand meine Gesundheit auf besserem Fuße, als vor dem Anbeginne der Reise. Beleuchten wir jetzt die andere Seite. Unsere gnädigen Frauen und Fräulein, so wie ihre ergebenen Herren und Jünkerlein unternehmen im Laufe der günstigeren Jahreszeit glänzende Badereisen zu Wiederherstellung der Gesundheit, viele aber aus Lust zu einem üppigeren Leben, zu Liebe und Spiel, zu Tafel und Tanz, und mehrere von den üppig lebenden, liebenden und spielenden, tafel- und tanzfreudigen Kurgästen wallfahrten vielleicht später reumüthig und bußfertig nach einem winzigen Gnadenorte; nur wollen sie diesen Glanz ihres Ueberflusses an irdischen Gütern und diesen Schatten ihrer Hoffnung auf himmlische Schätze nicht nach ihrem Gnadenorte aller Gnadenorte, nach Golgatha, tragen. Sei es, daß die gewöhnlichen Wallfahrten des Abendländers, selbst im Schoße der Kirche, die sie anordnet, einen übeln Klang haben, es will die Pilgerreise in ein so entferntes Land, wie diejenige nach Jerusalem, wenigstens zum Theile von einem ganz andern Standpunkte aus beurtheilt werden. Große Luftveränderungen sind ein kräftiger Balsam für verzärtelte oder siechende Geschlechter; große Wanderungen sind ein starker Hebel der Kultur und Zivilisazion.


Verbesserungen im zweiten Bande.

S.  50 Z.  1 von oben lies [in der Tiefe zwischen Moriah und Zion ; jenseits am].
 64  3  „  „  „ [wären] für waren.
 80 11  „ unten lösche das ; vor [weiter].
[125] statt 152.
156 Z.  4 von unten lies [heben] für haben.
159  8  „  „  „ [heirathen] für heitathen.
161 10  „ oben  „ [schỏfe] für schṓfe.

Nicht sinnstörende Druckfehler (z. B. 1, 19 Schemmel st. Schemel, 1, 103 Letze st. Letzte, 1, 123 faullenzt st. faulenzt, 1, 181 schlossen st. schloßen, 1, 211 pauckte st. paukte, 1, 303 Regen st. Regnen, 2, 162 [Montag] st. Montags), insbesondere der Interpunkzion, wenigstens im ersten Bande (z. B. S. 8, 26, 28), so wie auch die Ungleichheit in der Rechtschreibung (z. B. Kroazien neben Kroatien, lange Weile neben Langeweile, Pfennige neben Pfenninge, Bogen neben Bögen, Reiß neben Reis) wolle der Leser selbst verbessern.


Inhalt des ersten Bandes.

Seite
Reise nach Triest   1.
Mein Aufenthalt auf dem Eilande Lossin oder Ossero  10.
Fahrt nach Alexandrien  25.
Alexandrien.
Lage  58.
Gebäude  59.
Krankenhäuser  67.
Auch das Observazionsspital oder die Observazionshütten  70.
Die Katakomben und der Pferdestall  78.
Die Nadeln der Kleopatra und der Flohfänger  80.
Die Pompejussäule und die Schandsäule  82.
Die Nachgrabungen  85.
Leute. Bevölkerung  88.
Der Ritt zur Beschneidung  91.
Primarschule  92.
Die Zeichenschule  93.
Weiberhändel  95.
Geld und Geldnoth  97.
Das Schiff der Wüste  99.
Anleitung für den Reisenden 100.
Die Nilfahrt nach Kairo 104.
Kairo.
Lage der Stadt, Strich des Himmels und Gesundheitszustand der Menschen 134.
Die Stadt nach ihrer Bauart 140.
Das Schloß, der Jussufsbrunnen und die Grabmale von Kâyd-Bei 148.
Das Militärkrankenhaus 155.
Die Narrenmenagerie 157.
Die Stadt der Einäugigen und der Blinden 162.
Das öffentliche Bad 163.
Wie die Egypzier im sechszehnten Jahrhundert die Bäder gebrauchten 168.
Der Sklavenmarkt 173.
Das Katzenstift 177.
Gärten 181.
Die Esbekieh 183.
Physiologischer und psychologischer Karakter der Einwohner 184.
Tracht 194.
Speisen und Getränke 198.
Kaffeehäuser 204.
Schneller Justizgang 208.
Der egyptische Tanz 210.
Der Brautzug 213.
Der Leichenzug 216.
Der Straßensänger 218.
Der Versteigerer 219.
Der Barbier 220.
Der Lagerstellenmacher 221.
Der Glaser 222.
Der Schuhmacher 223.
Der Töpferwaarenflicker 224.
Die Missionarien 226.
Die Renegaten 228.
Müsterchen von Europäern in Egypten, oder ein Porträt über Kairo aus Europa 230.
Undank für treue Liebe 233.
Unter österreichischer Protekzion 235.
Meine Wohnung 236.
Meine Nahrung und Getränke 238.
Umgebung von Kairo:
Todtenstadt el-Seydeh Omm Kâsim 242.
Die Wasserleitung 244.
Altkairo und das armenische Kloster 246.
Das griechische Kloster und der Altar der h. Frau im koptischen Kloster 247.
Der Tempel A’mrus 250.
Der Garten Ibrahim-Paschas und der Nilometer auf der Insel Ruda 253.
Ausflug nach Heliopolis und Abusabel 258.
Geschichtlicher Rückflug nach Mattarieh 280.
Abenteuerlicher Ritt nach den Pyramiden von Gizeh 281.
Wegweiser in und um Kairo 295.
Rückblick auf Kairo 297.
Reise durch die Wüste nach El-Arysch 297.
Die Quarantäne in El-Arysch 321.

Nützlichstes und wohlfeiles Geschenk für die Jugend.


Hand- und Hausbuch
für jeden Schweizer
und
zweckmäßigste Anleitung,
die Schweiz zu bereisen.


Bei Orell, Füßli und Comp. ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Die zweite, umgearbeitete Ausgabe
der
Erdkunde
der
Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Von
Gerold Meyer von Knonau.

1ster Band. gr. 8. 872 Seiten, in Umschlag.

1 Rthlr. 16 Gr. — 2 fl. 30 kr.

Der 2te Band, Schluß des Werkes, erscheint Ende Juni 1839.

Herr v. Meyer hat sich schon als Leiter der ausgezeichneten „Gemälde der Schweiz“, die in 22 Bänden die Schweiz schildern sollen, und als Verfasser der Schilderungen der Kantone Zürich und Schwyz einen bleibenden Ruf gesichert.

Original-Abbildung


Fußnoten:

[1] Es kam später ein Engländer von Jerusalem über die reißenden Waldströme des Gebirges Juda mit Lebensgefahr nach Jaffa, und er erzählte mir, daß in jener Stadt ein knietiefer Schnee sich legte, welcher ihm den Besuch mancher Stellen erschwerte.

[2] Markus 15 K. 46 V. Es scheint diese Stelle für ein senkrecht eingehauenes Felsengrab zu sprechen, während andere Stellen und die drei übrigen Evangelisten nicht eigentlich dagegen aussagen. Man bückte sich, um genauer nachzusehen, und man ging ins Grab. Man würde heute noch in ein gewöhnliches Grab steigen, wenn ein Leichnam fehlte, um sich der erstaunlichen Erscheinung recht zu vergewissern.

[3] Es macht mir Mühe, alles Obige stehen zu lassen. Nicht lange nach meiner Abreise, nämlich am Vorabende der Weihnachten, starb der liebens- und ehrwürdige Greis.

[4] Zu einem Theile davon führte er mich in Begleitung eines eingebornen Ortskundigen.

[5] Das Wadengeschwür, welches in Folge dieses Rittes über das Gebirge entstand, heilte erst nach Verlauf von zwei oder drei Wochen.

[6] Ich besprach schon vorläufig den Vertrag mit dem Schiffshauptmanne. Er wäre unerfüllt geblieben, weil das Schiff in Kaifa Bruch litt.

[7] Ich übersprang das Jahr 1828, in welchem die Pest herrschte. Sie allein raffte vom 24. Merz bis zum 30. Mai 19 Menschen hinweg.

[8] Neben dem lateinischen Hospiz gegen Mittag steht, nur durch eine schmale Stiegengasse getrennt, das griechische Kloster. Von unserm Dache sah ich auf dasjenige dieses Klosters hinunter. Ich konnte die Pilger täglich beobachten, wollte sie aber zuerst nicht für Mitchristen halten, weil sie auch des Sonntags arbeiteten. Die Pilgerinnen putzten sich auf dem Dache, als sähe sie Niemand, und als hätten sie einem Lustanlasse beizuwohnen. Eine junge Griechin wollte nicht einmal so viel Rücksicht nehmen, wie die halbschwarze Egypzierin.

[9] Viele wurden ehedem auf dem Landwege nach Jerusalem meuchelmörderisch überfallen. Eine Menge fand schon in dem Abgrunde des Meeres den Tod. In der letzten Sturmeszeit sollen in einem Nachbarhafen 140 Pilger um das Leben gekommen sein.

[10] Es gibt benachbarte Gegenden, wo der schüchterne Jüngling mit Stockprügeln zur Lüftung des Schleiers getrieben werden muß. Risum teneatis, amici. Wie weit weg vom ritterlichen Heldenmuthe.

[11] Diese Männer Gottes verdammen wahrscheinlich nach der Lehre der Schrift: Nolite judicare, ut non judicemini (Urtheilet nicht, damit ihr nicht beurtheilet werdet.)

[12] Wenn man nicht lieber auf dem Dampfboote des österreichischen Lloyd reisen will, welches allemal im Anfange und in der Mitte eines Monats von Triest abfährt (1839).

[13] Wer bequemer reisen will, dem kann ich nicht nachdrücklich genug empfehlen, daß er auf irgend eine Vorrichtung zum Schutze vor den Stechfliegen, den Schlafräubern, denke. Ich verbrachte die erste Nacht in Alexandrien wegen der Stechfliegen sehr unangenehm. Ich betrachtete den Bettvorhang mit nordischen Augen, und glaubte, er sollte das Bett umhüllen. Ich erzählte meine Widerwärtigkeit, und da vernahm ich, daß er ein Fliegenvorhang (Mosquetière) sei. Ich solle, hieß es, vor dem Schlafengehen nur alle Fliegen hinausjagen, und dann das Bett mit dem Vorhang umschließen. Ich that es, und schlief ungestört. In meinem Zimmer brumsete eine solche Menge Fliegen, daß sie meinen Zucker buchstäblich schwärzte. Eine Limonade zu bereiten, kostete viel Mühe, und bei aller Vorsicht konnte ich nicht hindern, daß nicht einige Fliegen in das Getränke fielen. In Abusabel bettete man mir vortrefflich auf dem Diwane; es fehlte aber ein Fliegenvorhang; ich deckte das Gesicht mit einem Tuche; dieses hielt zu warm, und ich mußte es entfernen. Die Fliegenqual gestattete mir wenig Schlaf. Ehe ich bei meinem Freunde in Kairo einzog, machte ich darum auch Schwierigkeiten, weil er keinen Fliegenvorhang besitze. In seinem Hause seien wenig Fliegen, erwiederte er. In der That beunruhigte mich nur selten eine Fliege. Man unterscheidet in Kairo die Häuser in solche, worin es viel, und in andere, worin es wenig oder keine Fliegen gibt, je nachdem ohne Zweifel die Häuser von der Sonne mehr oder minder beschienen werden, und für jene mehr oder minder Köder enthalten. Die letzten, doch nicht viele, Stechfliegen plagten mich in Ramle. In Jaffa sollen sie selbst in der Mitte des Sommers sehr selten schwärmen. Die Bücher englischer Reisender sind überaus erbaulich, wenn sie über die Stechfliegen so gewaltig Lärm schlagen. Von Leuten, die auf eine Reise viel verwenden, sich aber wegen der wichtigen Kleinigkeit nicht vorsehen, wie leicht man sich auch vor den Fliegen schützen könnte, muß man beinahe glauben, daß sie Stoff zu Klagen lieben und suchen.

[14] Die Bemerkungen über die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Bewohner in Syrien übersetzte ich während meiner Wanderung größtentheils aus der vorne [S. 5 des 1. Bandes] genannten italienischen Schrift von Failoni.