Aus dem Buch „Elysium“.
Sie lassen sich am Ufer nieder,
Sie legen ihre reinen Glieder
Auf leichten Sand.
Entschlummern sie, so ist ihr Träumen
Wie das von Wellen oder Bäumen
Voll Unbestand.
Sie sind so schön, weil sie im Fächeln
Der reinen Lüfte immer lächeln,
Wie ausgesöhnt.
Sie singen auch. – Wer möchte hören,
Was diesen Nachtigallen-Chören
Ganz klar enttönt?
Sie wandeln über sanfte Matten
Ins grüne Dunkel kühler Schatten,
Sie schwinden hin.
– Oh holde Seelen, voll Beglückte,
Ihr nicht Geplagte, nicht Entzückte,
Ihr ohne Sinn!
* * * * *
Wenn sie wandeln, drückt dem Wiesenrain
Sich der schattenhafte Fuß nicht ein.
Wenn sie ruhn, so ist der leichte Gast
Seiner Lagerstätte keine Last.
Wenn sie wünschen, das ist flüchtig auch,
Kaum ein Traum, ein Atemzug, ein Hauch.
Wenn sie lieben, das ist kaum ein Blick,
Kaum ein Gruß. – So leicht ist dort das Glück.
Alles ist ja leicht im untern Reich. –
Leichte Schatten, wir begrüßen euch!
* * * * *
Leise laß sie ihren Reigen führen,
Ohne ihre Schwermut anzurühren.
Laß sie träumend dir vorüber hasten,
Ohne ihre Leere zu belasten.
Sorge nicht, sie heute zu verstehen,
Denn dir wird wie ihnen bald geschehen.
Freue dich, daß sie dich nicht erreichen,
Morgen, morgen bist du ihresgleichen.
Gustav Schüler.
Geboren am 27. Januar 1872 zu Kgl. Reetz im Oderbruch. – Gedichte 1900. Meine grüne Erde 1904. Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes 1908. Mitten in der Brandung 1911. Von Stundenleid und Ewigkeit 1914.
Unterdessen.
Schönheit ist Atem. Aber Brot ist Brot.
Und Tausend hungern. Und die Mühlen mahlen.
Und Königstische wissen nichts von Not.
Und Tausend beten nachts zu ihren Qualen.
Und Mütter fiebern, wie kein Fieber schlägt,
Weil ihre Kinder schwer im Schlafe wimmern.
Die Mütter hören's, daß man Bretter trägt,
Um einen rohen Armensarg zu zimmern.
Und unterdessen lauscht die heilige Nacht,
Und unterdessen wird das Licht erkoren,
Und unterdessen hat die Schönheit acht
Auf jede Perle, die der Tau geboren.