Aus den „Liedern an eine Geliebte“.

Nun kam der Abend.

Die Sonne geht ins Meer,
Der Wind ruht im Laub,
Den sanften Weg entlang
Ziehen die Herden heimwärts.

Sieh, wie die milden Berge
In Dunkelheit verhüllt sind –
Im Tal
Blinken Lichter auf.

Wanderer, wohin eilst du?
„Nach Hause.“

Wohin eilst du?

* * * * *

„Die Lüge“ sagst du
Und „Die Wahrheit“
Und redest wie ein Narr.

Sage „Die Liebe“
Und du redest wie ein Weiser.

* * * * *

Ich habe keine Schmerzen:
Aber die Sehnsucht verzehrt mich.

Ich habe keine Sehnsucht:
Aber mein Verlangen macht mich unruhig.

Ich habe kein Verlangen:
Aber meine Schmerzen quälen mich!

* * * * *

Ach, noch immer glaube ich,
Wenn ein Klang die Luft aufweckt,
Daß deine Stimme
Im Zweiggewirr der Bäume,
In Blumen, Gebüsch und Gräsern
Nachzitternd sich gefangenhält.

Ach, noch immer glaube ich,
Wenn ein Duft
Von ungefähr
Auf Windflügeln
Zu mir kommt,

Daß es dein Atem sei.

Ach, noch immer glaube ich,
Daß ich nicht ganz verlassen sei.

* * * * *

Das Glück ist ein leerer Schall;
Und der Schmerz ist ein Name.
Was uns von allem bleibt,
Ist: allein zu sein.
Und ist uns allen ein Los,
Daß wir viele Güter haben
Und darben müssen.