Der Fremde.

Ohne Sorgfalt, was die Nächsten dächten,
Die er müde nicht mehr fragen hieß,
Ging er wieder fort; verlor, verließ –.
Denn er hing an solchen Reisenächten

Anders als an jeder Liebesnacht.
Wunderbare hatte er durchwacht,
Die mit starken Sternen überzogen
Enge Fernen auseinanderbogen
Und sich wandelten wie eine Schlacht;

Andre, die mit in den Mond gestreuten
Dörfern, wie mit hingehaltnen Beuten,
Sich ergaben, oder durch geschonte
Parke graue Edelsitze zeigten,
Die er gerne in dem hingeneigten
Haupte einen Augenblick bewohnte,
Tiefer wissend, daß man nirgends bleibt;
Und schon sah er bei dem nächsten Biegen
Wieder Wege, Brücken, Länder liegen
Bis an Städte, die man übertreibt.

Und dies alles immer unbegehrend
Hinzulassen, schien ihm mehr als seines
Lebens Lust, Besitz und Ruhm.
Doch auf fremden Plätzen war ihm eines
Täglich ausgetretnen Brunnensteines
Mulde manchmal wie ein Eigentum.


Hugo Salus.

Geboren am 3. August 1866 zu Leipa in Böhmen, studierte Medizin in Prag und lebt daselbst als Frauenarzt. – Gedichte 1897. Neue Gedichte 1899. Ehefrühling 1899. Reigen 1900. Ernte 1903. Neue Garben 1904. Die Blumenschale 1907.