Die Todesanzeige.

Als ich erwachte heut morgen aus dumpf bekümmertem Traum,
Schwebte ein leiser Engel im Dunkel durch meinen Raum.
Ich las einer Mutter Wort, wo die Todesberichte sind:
„Mein irrgeleitetes, desto inniger geliebtes Kind.“
Da neigte zu meinem Bette sich viele Trauer hin:
Ich weiß, daß ich auch verirrt, das Kind einer Mutter bin.
Da sah ich den Scheitel des andern, der hilflos ins Elend sank.
Ich sah ihn verliebt, betrunken, von schrecklichem Aussatz krank.
Ist er nicht auch gestanden in Nacht und Vorstadt allein,
Hat aus heißen Augen geweint in den Fluß hinein?
Ist oft durch Gassen geschlichen, wo Rotes und Grünes glüht,
Fröhlich am Abend gezogen, gestorben am Morgen müd.
Mußte in Häusern essen mit Menschen, feindlich und fremd,
Schlafen in kalten Gemächern, frierend, ohne Hemd, –
Die Mutter hat ihm geholfen mit Wäsche und etwas Geld;
Alles ist gut geworden. Sie hat ihn geliebt auf der Welt.
Mein Bruder unter den Sternen: Ich hab deine Armut erkannt.
Begnadet hast du dich zu mir in dieser Stunde gewandt.
Nun strömt dein lächelnder Atem nicht mehr in Gold und Polar,
Nicht mehr im Sturm der Gewitter entzündet sich kindlich dein Haar;
Sieh – in der Todesstunde deiner Mutter ewiges Wort;
Es trägt auf silbernen Flügeln dich aus der Vergessenheit fort.
Eh ich nun öffne die Läden nach schwerer, trauriger Nacht:
Mein Bruder unter den Sternen! Wie hast du mich glücklich gemacht.