Es kam ein Wind …
Es kam ein Wind von Frühlingsland,
der riß vom Strom das Silberband
und ließ die blauen Schimmerwellen tanzen.
Da fiel der Nebel wie zerschlitzt
ins Uferrohr, das, rot beglitzt,
emporwuchs wie ein Wald von goldnen Lanzen.
Und alle Wiesen wurden wasserfrei,
Alarm beflammte Kuckucksruf und Kiebitzschrei,
bis, losgelassen von den Farmen,
die jungen Pferde Funken schlugen querfeldein,
als müßten sie im Fliegen noch den Stein
vor lauter Blut umarmen.
Stefan Zweig.
Geboren am 28. November 1881 zu Wien. – Gesammelte Gedichte 1921.