Wandlung.

Das Leben, glaubte ich, sei rot von Rosen,
Man brauche nur in sein Gestrüpp zu greifen,
Um hunderte an einem Tag zu streifen …
Wohl griff ich Rosen, mehr noch Herbstzeitlosen.

Die Wünsche warf ich weg; sie narrn mich nimmer.
Ist so mein Herz um manche Hoffnung leerer,
Ist es dafür um eine Weisheit schwerer,
Und mich belebt ein heller, harter Schimmer.

Ich blicke kälter. Doch: schenkt mir im Wandern
Das Leben plötzlich eine Rose wieder,
Dann blicke ich wie trunken auf sie nieder:
Sie glänzt ja röter als die hundert andern.


Walter Calé.

Geboren am 8. Dezember 1881 zu Berlin. Gestorben ebenda am 3. November 1904. – Nachgelassene Schriften 1907.