SANDAKO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kosambī[80], im Stiftungsgarten.
Zu dieser Zeit nun hielt sich der Pilger Sandako in der Großen Feigenbaumgrotte auf, in Gesellschaft vieler Pilger, von fünfhundert Pilgern umgeben.
Als nun der ehrwürdige Ānando gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, wandte er sich an die Mönche und sprach:
»Kommt, ihr Brüder, wir wollen nach der Götterkluft[81] gehn und uns die Grotte betrachten.«
»Gern, Bruder!« erwiderten da jene Mönche, dem ehrwürdigen Ānando zustimmend.
Und der ehrwürdige Ānando begab sich nun, von vielen Mönchen begleitet, nach der Götterkluft.
Um diese Zeit aber war Sandako der Pilger, im weiten Kreise der Pilgerschaar sitzend, in lebhaftem Gespräche begriffen; und sie machten lauten Lärm, großen Lärm, und unterhielten sich über allerhand gemeine Dinge, als wie über Könige, über Räuber, über Fürsten und Soldaten, über Krieg und Kampf, über Speise und Trank, über Kleidung und Bett, über Blumen und Düfte, über Verwandte, über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen, über Städte und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen und Märkte, über die Altvorderen und über die Veränderungen, über Volksgeschichten und Seegeschichten, über dies und das und dergleichen mehr.
{514} Und Sandako der Pilger sah den ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen, und als er ihn gesehn mahnte er die Umsitzenden zur Ruhe:
»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben: da kommt ein Jünger des Asketen Gotamo heran, der Asket Ānando! Von jenen Jüngern des Asketen Gotamo, die sich da in Kosambī aufhalten, ist dieser auch einer, der Asket Ānando. Und sie lieben nicht lauten Lärm, diese Ehrwürdigen, Ruhe ist ihnen recht, Ruhe preisen sie; vielleicht mag ihn der Anblick einer lautlosen Versammlung bewegen seine Schritte hierher zu lenken.«
Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und der ehrwürdige Ānando kam näher zu Sandako dem Pilger heran. Und Sandako der Pilger sprach also zum ehrwürdigen Ānando:
»Es komme Herr Ānando, gegrüßt sei Herr Ānando! Lange schon hat Herr Ānando hoffen lassen, mich einmal hier zu besuchen. Möge sich Herr Ānando setzen: dieser Sitz ist bereit.«
Es setzte sich der ehrwürdige Ānando auf den angebotenen Sitz. Sandako aber, der Pilger, nahm einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich an die Seite. Und an Sandako den Pilger, der da beiseite saß, wandte sich nun der ehrwürdige Ānando also:
»Zu welchem Gespräche, Sandako, seid ihr jetzt hier zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
»Sei es, o Ānando, um jenes Gespräch, warum wir hier zusammenkommen: es wird Herrn Ānando schwerlich etwas entgehn, auch wenn er es später vernimmt. Gut wär’ es, fürwahr, wenn es eben Herrn Ānando gefiele ein Gespräch über die Lehre seines Meisters zu halten!«
»Wohlan denn, Sandako, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, Herr!« erwiderte da aufmerksam Sandako der Pilger dem ehrwürdigen Ānando. Der ehrwürdige Ānando sprach also:
»Es sind hier, Sandako, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, vier Arten unächter Asketenschaft gekennzeichnet, und vier Arten unerquicklicher Askese gezeigt worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.«
»Welche vier Arten, o Ānando, mögen es wohl sein, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als unächte Asketenschaft gekennzeichnet worden sind, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird,{515} übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann?«
»Da behauptet, Sandako, ein Meister diese Meinung, diese Ansicht: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden — es ist alles eitel; es giebt keine Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits und Jenseits sind leere Worte; Vater und Mutter und auch geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können. Aus den vier Hauptstoffen hier ist der Mensch entstanden; wann er stirbt geht das Erdige in die Erde ein, in die Erde über, geht das Flüssige in das Wasser ein, in das Wasser über, geht das Feurige in das Feuer ein, in das Feuer über, geht das Luftige in die Luft ein, in die Luft über, in den Raum hinaus wandern die Sinne. Mit der Bahre zufünft schreiten die Leute mit dem Todten hinweg. Bis zur Verbrennung werden Sprüche gesungen. Dann bleichen die Knochen. Opfer werden entflammt, Geschenke ausgetheilt als Almosen. Unsinn, Lüge, Gefasel bringen sie vor, die da behaupten, es gebe etwas. Seien es Thoren, seien es Weise: bei der Auflösung des Körpers zerfallen sie, gehn zugrunde, sind nicht mehr nach dem Tode.‹[82]
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister behauptet eine solche Meinung, eine solche Ansicht. Wenn es wahr ist, was er sagt, so hab’ ich hier ohne zu wirken gewirkt, habe hier ohne zu vollbringen vollbracht. Beide sind wir also hier ohne Unterschied einsgeworden; obzwar ich nicht behaupte, dass wir, bei der Auflösung des Körpers, zerfallen, zugrunde gehn, nicht mehr sein werden nach dem Tode. Ein Uebermaaß ist es daher von diesem lieben Meister, nackt zu gehn, den Scheitel zu scheeren, auf den Fersen zu sitzen, Haar und Bart auszuraufen, wenn ich, der in einem Hause voller Kinder lebt, der Seide und Sandel gebraucht, Schmuck und duftende Salben verwendet, der an Gold und Silber Gefallen hat, künftighin ganz das selbe Loos wie dieser liebe Meister erfahren werde. Was lehrt er mir, was zeigt er mir, dass ich bei diesem Meister ein Asketenleben führen sollte?‹ Und er merkt: ›Es ist unächte Asketenschaft‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als erste Art unächter Asketenschaft gekennzeichnet worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, {516} übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.
»Und wieder, Sandako, behauptet da ein Meister diese Meinung, diese Ansicht: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt[83], Lügen spricht: was einer begeht, er begeht keine Schuld. Und wer da gleich mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei machte, so hat er darum keine Schuld, begeht kein Unrecht. Und wer auch am südlichen Ufer des Ganges verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte und quälen ließe, so hat er darum keine Schuld, begeht kein Unrecht: und wer auch am nördlichen Ufer des Ganges spendend und schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, so hat er darum kein Verdienst, begeht nichts Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt man kein Verdienst, begeht nichts Gutes.‹[84]
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister behauptet eine solche Meinung, eine solche Ansicht. Wenn es wahr ist, was er sagt, so hab’ ich hier ohne zu wirken gewirkt, habe hier ohne zu vollbringen vollbracht. Beide sind wir also hier ohne Unterschied einsgeworden; obzwar ich nicht behaupte, dass wir durch unsere Thaten keine Schuld begehn. Ein Uebermaaß ist es daher von diesem lieben Meister, nackt zu gehn, den Scheitel zu scheeren, auf den Fersen zu sitzen, Haar und Bart auszuraufen, wenn ich, der in einem Hause voller Kinder lebt, der Seide und Sandel gebraucht, Schmuck und duftende Salben verwendet, der an Gold und Silber Gefallen hat, künftighin ganz das selbe Loos wie dieser liebe Meister erfahren werde. Was lehrt er mir, was zeigt er mir, dass ich bei diesem Meister ein Asketenleben führen sollte?‹ Und er merkt: ›Es ist unächte Asketenschaft‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als zweite Art unächter Asketenschaft gekennzeichnet worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.
»Und wieder, Sandako, behauptet da ein Meister diese Meinung, diese Ansicht: ›Es giebt keinen Anlass, es giebt keinen Grund der Verderbniss der Wesen; ohne Anlass, ohne Grund werden die Wesen verderbt. Es giebt keinen Anlass, es giebt keinen Grund der Läuterung der Wesen; ohne Anlass, ohne Grund werden die Wesen lauter. Es giebt keine Macht und keine Kraft, es giebt keine Mannesgewalt und keine Mannestapferkeit. {517} Alle Wesen, alle Lebendigen, alle Gewordenen, alle Geborenen sind willenlos, machtlos, kraftlos. Nothwendig kommen sie zustande und entwickeln sich zur Reife und empfinden je nach den sechs Arten von Dasein Wohl und Wehe.‹[85]
Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister behauptet eine solche Meinung, eine solche Ansicht. Wenn es wahr ist, was er sagt, so hab’ ich hier ohne zu wirken gewirkt, habe hier ohne zu vollbringen vollbracht. Beide sind wir also hier ohne Unterschied einsgeworden; obzwar ich nicht behaupte, dass wir ohne Anlass, ohne Grund lauter werden. Ein Uebermaaß ist es daher von diesem lieben Meister, nackt zu gehn, den Scheitel zu scheeren, auf den Fersen zu sitzen, Haar und Bart auszuraufen, wenn ich, der in einem Hause voller Kinder lebt, der Seide und Sandel gebraucht, Schmuck und duftende Salben verwendet, der an Gold und Silber Gefallen hat, künftighin ganz das selbe Loos wie dieser liebe Meister erfahren werde. Was lehrt er mir, was zeigt er mir, dass ich bei diesem Meister ein Asketenleben führen sollte?‹ Und er merkt: ›Es ist unächte Asketenschaft‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als dritte Art unächter Asketenschaft gekennzeichnet worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.
»Und wieder, Sandako, behauptet da ein Meister diese Meinung, diese Ansicht: ›Sieben Elemente giebt es, Urstoffe, urstoffartig, ungebildet, ungeformt, starr, giebelständig, grundfest gegründet.[86] Sie regen sich nicht, verändern sich nicht, wirken nicht auf einander ein, können sich gegenseitig nicht wohlthun, nicht wehthun, nicht wohl- und wehthun. Welche sieben sind es? Erde, Wasser, Feuer, Luft, Wohl, Wehe und siebentens Leben. Diese sieben Elemente sind Urstoffe, urstoffartig, ungebildet, ungeformt, starr, giebelständig, grundfest gegründet. Sie regen sich nicht, verändern sich nicht, wirken nicht auf einander ein, können sich gegenseitig nicht wohlthun, nicht wehthun, nicht wohl- und wehthun. Da giebt es keinen der mordet oder tödten lässt, keinen der hört oder hören lässt, keinen der weiß oder wissen lässt.[87] Wenn auch einer mit scharfem Schwerdte das Haupt abschlägt, so raubt keiner irgend wem das Leben: nur eben zwischen dem Abstande der sieben Elemente fährt das Schwerdt hindurch. Und es giebt vierzehnmal hunderttausend und sechzigmal hundert und sechsmal hundert besondere Schooße der Entstehung; und der Thaten giebt es fünfmal hundert, und fünf Thaten, und drei Thaten, und eine That, und halbe That; und zweiundsechzig Pfade giebt es, und zweiundsechzig Zwischenalter der Welt; und sechs Arten von Dasein; und es giebt acht Stätten für Menschen, und fünfzig weniger einmal hundert Lebensweisen, und fünfzig weniger einmal hundert Pilgerorden, und fünfzig weniger einmal hundert Schlangenreiche; {518} und zwanzigmal hundert Sinneskräfte, und dreißigmal hundert Höllenwege giebt es; und sechsunddreißig Leidenschaften, und sieben bewusste Gebiete, sieben unbewusste Gebiete, sieben entbundene Gebiete; sieben der Götter, sieben der Menschen, sieben der Gespenster; sieben Seen, sieben Strudel; sieben Felsen, sieben Abgründe; sieben Träume, siebenmal hundert Träume giebt es. Vierundachtzigmal hunderttausend der großen Weltalter müssen die Thoren wie die Weisen durchwandern, durchwandeln, bis sie dem Leiden ein Ende machen werden. Da geht es nicht an: ›Durch solche Uebungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich das noch nicht reif gewordene Werk zur Reife bringen, oder das reif gewordene Werk nach und nach zunichte machen‹: das geht eben nicht. Nach dem Maaße bemessen ist Wohl und Wehe. Die Wandelwelt hat bestimmte Gränzen; und man kann sie nicht mehren und nicht mindern, nicht schwellen und nicht schwinden lassen. Gleichwie sich etwa ein Fadenknäul unten, den man aufwinden muss, nicht heranziehn lässt, ebenso auch müssen die Thoren wie die Weisen die Welt durchwandern und durchwandeln, bis sie dem Leiden ein Ende machen werden.‹[88]
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister behauptet eine solche Meinung, eine solche Ansicht. Wenn es wahr ist, was er sagt, so hab’ ich hier ohne zu wirken gewirkt, habe hier ohne zu vollbringen vollbracht. Beide sind wir also hier ohne Unterschied einsgeworden; obzwar ich nicht behaupte, dass wir die Welt durchwandern und durchwandeln müssen, bis wir dem Leiden ein Ende machen werden. Ein Uebermaaß ist es daher von diesem lieben Meister, nackt zu gehn, den Scheitel zu scheeren, auf den Fersen zu sitzen, Haar und Bart auszuraufen, wenn ich, der in einem Hause voller Kinder lebt, der Seide und Sandel gebraucht, Schmuck und duftende Salben verwendet, der an Gold und Silber Gefallen hat, künftighin ganz das selbe Loos wie dieser liebe Meister erfahren werde. Was lehrt er mir, was zeigt er mir, dass ich bei diesem Meister ein Asketenleben führen sollte?‹ Und er merkt: ›Es ist unächte Asketenschaft‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als vierte Art unächter Asketenschaft gekennzeichnet worden, {519} wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann. Das sind nun, Sandako, die vier Arten, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als unächte Asketenschaft gekennzeichnet worden sind, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.«
»Wunderbar, o Ānando, außerordentlich ist es, o Ānando, wie da von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, die vier Arten wirklich unächter Asketenschaft als unächte Asketenschaft gekennzeichnet worden sind, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann. Wie aber, o Ānando, mögen die vier Arten beschaffen sein, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als unerquickliche Askese gezeigt worden sind, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann?«
»Da giebt es, Sandako, einen Meister, der weiß alles, versteht alles, bekennt unbeschränkte Wissensklarheit: ›Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig.‹[89] Aber er besucht ein Haus wo niemand da ist, aber er bekommt keine Almosenspeise, aber er wird von einem Hunde gebissen, aber er begegnet einem rasenden Elephanten, aber ein scheues Ross rennt ihm entgegen, aber ein wüthender Stier stürzt auf ihn zu; aber er fragt ein Weib und einen Mann um Namen und Stand, aber er fragt nach dem Namen und dem Wege von Dorf und Stadt. Und wenn ihn einer angeht: ›Was ist das?‹, antwortet er: ›Ich sollte in das unbewohnte Haus eintreten, darum bin ich eingetreten; ich sollte keine Almosenspeise bekommen, darum hab’ ich keine bekommen; ich sollte von einem Hunde gebissen werden, darum bin ich gebissen worden; ich sollte einem rasenden Elephanten begegnen, darum bin ich ihm begegnet; es sollte mir ein scheues Ross entgegenrennen, darum ist es mir entgegengerannt; es sollte ein wüthender Stier auf mich zustürzen, darum ist er auf mich zugestürzt; ich sollte ein Weib und einen Mann um Namen und Stand fragen, darum hab’ ich gefragt; ich sollte nach dem Namen und dem Wege von Dorf und Stadt fragen, darum hab’ ich gefragt.‹
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der weiß alles, versteht alles, bekennt unbeschränkte Wissensklarheit: ‚Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig.‘ Aber solches begegnet ihm, aber solche Rede geht von ihm aus.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als erste Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, {520} wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.
»Und wieder, Sandako, giebt es einen Meister, der weiß vom Hörensagen her, hat die Wahrheit vom Hörensagen überkommen; nach dem Hörensagen, auf Treu und Glauben hin, wie ein Korb von Hand zu Hand weitergeht, überliefert er die Lehre.[90] Ein Meister aber, Sandako, der vom Hörensagen her weiß, die Wahrheit vom Hörensagen überkommen hat, der erinnert sich gut und erinnert sich schlecht, berichtet so und berichtet anders.
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der weiß vom Hörensagen her, hat die Wahrheit vom Hörensagen überkommen; nach dem Hörensagen, auf Treu und Glauben hin, wie ein Korb von Hand zu Hand weitergeht, überliefert er die Lehre. Ein Meister aber, der vom Hörensagen her weiß, die Wahrheit vom Hörensagen überkommen hat, der erinnert sich gut und erinnert sich schlecht, berichtet so und berichtet anders.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als zweite Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.
»Und wieder, Sandako, giebt es einen Meister, der ist ein Grübler und ein Forscher; der trägt eine grüblerisch vernagelte Lehre vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat. Ein Meister aber, Sandako, der ein Grübler ist und Forscher, der grübelt gut und grübelt schlecht, berichtet so und berichtet anders.[91]
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der ist ein Grübler und Forscher; der trägt eine grüblerisch vernagelte Lehre vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat. Ein Meister aber, der ein Grübler ist und Forscher, der grübelt gut und grübelt schlecht, berichtet so und berichtet anders.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als dritte Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.
»Und wieder, Sandako, giebt es einen Meister, der ist verstockt und verstört; aus Verstocktheit und Verstörtheit bringt er, um dies oder das befragt, verwickelte Worte vor, eine verwickelte Nabelschnur: {521} ›Dergleichen passt mir nicht, und auch so passt es mir nicht, und auch anders passt es mir nicht, und auch mit nein passt es mir nicht, und auch mit nicht nein passt es mir nicht.‹[92]
»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der ist verstockt und verstört; aus Verstocktheit und Verstörtheit bringt er, um dies oder das befragt, verwickelte Worte vor, eine verwickelte Nabelschnur: ›Dergleichen passt mir nicht, und auch so passt es mir nicht, und auch anders passt es mir nicht, und auch mit nein passt es mir nicht, und auch mit nicht nein passt es mir nicht.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.
»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als vierte Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann. Das sind nun, Sandako, die vier Arten, die von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als unerquickliche Askese gezeigt worden sind, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.«
»Wunderbar, o Ānando, außerordentlich ist es, o Ānando, wie da von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, die vier Arten der eben unerquicklichen Askese als unerquickliche Askese gezeigt worden sind, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann. Was aber, o Ānando, kündigt und zeigt einen Meister an, bei dem ein verständiger Mann sicherlich Askese üben mag, und übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken kann?«
»Da erscheint, Sandako, der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
»Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis {345} oder einen großen Verwandtenkreis verlassen und ist mit geschorenem Haar und Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern: Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er verworfen, keusch lebt er: fern zieht er hin, entrathen der Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande angemessen.
»Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern, fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang, Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche, Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an. Elephanten, Rinder und Rosse nimmt er nicht an. Haus und Feld nimmt er nicht an. Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht. Von Kauf und Verkauf hält er sich fern. Von falschem Maaß und Gewicht hält er sich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung, {346} Täuschung, Niedertracht hält er sich fern. Von Raufereien, Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er sich fern.
»Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch ist der Mönch mit dem Gewande zufrieden, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch wandert, nur damit versehn wandert er.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er ein inneres fleckenloses Glück.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das Gesicht.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,
»Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft,
»Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung,
»Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das Gedenken.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet er ein inneres ungetrübtes Glück.[93]
»Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er hin, blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst entleert er Koth und Harn, klar bewusst geht und steht und sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt er.
»Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. {347} Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz.[94]
»Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, {522} übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.
»Weiter sodann, Sandako: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens gewinnt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.
»Weiter sodann, Sandako: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten Schauung.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.
»Weiter sodann, Sandako: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. So kann er sich an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; {348} da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein‹: so erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. So kann er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt‹: so kann er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß.
»Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.
»Bei einem Meister aber, Sandako, wo der Jünger so ausgezeichnete Eigenschaft erwirbt, da mag ein verständiger Mann sicherlich Askese üben und, übt er sie, Aechtes, heilsames Recht erwirken.«
»Und wer da nun, o Ānando, ein heiliger Mönch ist, ein Wahnversieger, Endiger, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat: mag der Wünsche genießen?«
{523} »Wer da, Sandako, ein heiliger Mönch ist, ein Wahnversieger, Endiger, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, der kann nicht mehr in einen der fünf Fälle gerathen: es kann nicht der wahnversiegte Mönch wissentlich ein Wesen des Lebens berauben; es kann nicht der wahnversiegte Mönch Ungegebenes, was man Diebstahl nennt, sich nehmen; es kann nicht der wahnversiegte Mönch der Paarung pflegen; es kann nicht der wahnversiegte Mönch wissentlich eine Lüge sagen; es kann nicht der wahnversiegte Mönch gemächlich Wünsche genießen wie etwa einst im Hause. Wer da, Sandako, ein heiliger Mönch ist, ein Wahnversieger, Endiger, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, der kann nicht mehr in einen dieser fünf Fälle gerathen.«
»Und wer da nun, o Ānando, ein heiliger Mönch ist, ein Wahnversieger, Endiger, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat: hat der, ob er eben geht oder steht, schläft oder wacht, jederzeit die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig: ›Versiegt ist mein Wahn‹?«
»Da lasse denn, Sandako, ein Gleichniss dir geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer Rede klar. Gleichwie etwa, Sandako, einem Manne, dem Hand und Fuß abgehauen ist, ob er eben geht oder steht, schläft oder wacht, jederzeit wohl Hand und Fuß gänzlich abgehauen ist, aber weil er es da betrachtet weiß er: ›Abgehauen ist mir Hand und Fuß‹: ebenso nun auch, Sandako, ist einem heiligen Mönche, der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat, ob er eben geht oder steht, schläft oder wacht, jederzeit wohl der Wahn gänzlich versiegt, aber weil er es da betrachtet weiß er: ›Versiegt ist mein Wahn.‹«
»Wieviele Vollender giebt es aber, o Ānando, in dieser Lehre und Ordnung?«
»Nicht giebt es. Sandako, nur etwa hundert oder zweihundert oder dreihundert oder vierhundert oder fünfhundert sondern noch mehr der Vollender in dieser Lehre und Ordnung.«
»Wunderbar, o Ānando, außerordentlich ist es, o Ānando, dass da keiner die eigene Lehre anpreisen und die Lehre anderer schmähen mag, in einem Orden wo sich ja so viele Vollender zur Darlegung der Lehre finden lassen, {524} während jene Nackten Büßer sohnloser Mutter Söhne sind[95], sich selber anpreisen und andere schmähen, und doch nur drei Vollender anführen, nämlich Nando Vaccho, Kiso Saṉkicco und Makkhali Gosālo.«
Und nun wandte sich Sandako der Pilger an seine eigene Schaar:
»Gehet, ihr Lieben! Beim Asketen Gotamo ist ächte Asketenschaft. Mir selbst will es jetzt nicht leicht fallen, Almosen, Ehre und Ruhm dahinzugeben.«
Also ermunterte da Sandako der Pilger seine eigene Schaar, beim Erhabenen in Askese zu treten.
77.
Achter Theil
Siebente Rede
SAKULUDĀYĪ
– I –
{S 310 T} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese Zeit nun hielten sich gar viele wohlbekannte, wohlangesehne Pilger im Pilgerhaine auf, am Pfauenhügel[96], und zwar Pilger wie Anubhāro[97], Varataro und Sakuludāyī, und noch andere wohlbekannte, wohlangesehne Pilger. {311} Und der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und wanderte gegen Rājagaham, um Almosenspeise. Und es gedachte der Erhabene: ›Allzu früh ist’s noch, in der Stadt um Almosenspeise zu stehn; wie, wenn ich nun zum Pilgergarten, nach dem Pfauenhügel ginge, Sakuludāyī den Pilger besuchen?‹ Und der Erhabene begab sich zum Pilgergarten, nach dem Pfauenhügel hin.
Um diese Zeit aber war Sakuludāyī der Pilger, im weiten Kreise der Pilgerschaar sitzend, in lebhaftem Gespräche begriffen; und sie machten lauten Lärm, großen Lärm, und unterhielten sich über allerhand gemeine Dinge, als wie über Könige, über Räuber, über Fürsten und Soldaten, über Krieg und Kampf, über Speise und Trank, über Kleidung und Bett, über Blumen und Düfte, über Verwandte, über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen, über Städte und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen und Märkte, über die Altvorderen und über die Veränderungen, über Volksgeschichten und Seegeschichten, über dies und das und dergleichen mehr.
Und Sakuludāyī der Pilger sah den Erhabenen von ferne herankommen, und als er ihn gesehn mahnte er die Umsitzenden zur Ruhe:
»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben: da kommt der Asket Gotamo heran! Und er liebt nicht lauten Lärm, dieser Ehrwürdige, Ruhe preist er; vielleicht mag ihn der Anblick einer lautlosen Versammlung bewegen seine Schritte hierher zu lenken.«
Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und der Erhabene kam näher zu Sakuludāyī dem Pilger heran. Und Sakuludāyī der Pilger sprach also zum Erhabenen:
{312} »Es komme, o Herr, der Erhabene, gegrüßt sei, o Herr, der Erhabene! Lange schon, o Herr, hat der Erhabene hoffen lassen, mich einmal hier zu besuchen. Möge sich, o Herr, der Erhabene setzen: dieser Sitz ist bereit.«
Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz. Sakuludāyī aber, der Pilger, nahm einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich an die Seite. Und zu Sakuludāyī dem Pilger, der an der Seite saß, wandte sich nun der Erhabene mit den Worten:
»Zu welchem Gespräche, Udāyī, seid ihr jetzt hier zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
»Sei es, o Herr, um jenes Gespräch, warum wir hier beisammen sind: schwerlich, o Herr, wird dem Erhabenen etwas entgehn, wenn es auch später zur Sprache kommt. — Die vergangenen Tage, o Herr, vor einiger Zeit, haben sich mancherlei Büßer, Asketen und Priester, in der Volkshalle zu einer Sitzung eingefunden und unter einander also zu reden begonnen: ›Gesegnet, wahrlich, ist Bengālen und Magadhā, hochgesegnet, wahrlich, sein Volk, da diese Asketen und Priester, die von zahlreichen Jüngern und Anhängern umschaarten Häupter der Schulen, die bekannten, gefeierten Bahnbrecher, die viel bei den Leuten gelten, sich entschlossen haben in Rājagaham über die Regenzeit zu bleiben! Da ist ja Pūraṇo Kassapo, den zahlreiche Jünger und Anhänger als Haupt ihrer Schule umschaaren, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt: auch der hat sich entschlossen in Rājagaham über die Regenzeit zu bleiben. Da ist auch Makkhali Gosālo, da ist auch Ajito Kesakambalo, da ist Pakudho Kaccāyano, und Sañjayo Belaṭṭhaputto, und Nigaṇṭho Nāthaputto, {313} da ist auch der Asket Gotamo: ein jeder von zahlreichen Jüngern und Anhängern als Haupt der Schule umschaart, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt, und jeder will in Rājagaham über die Regenzeit bleiben. Welcher von diesen lieben Asketen und Priestern wird da im Kreise der Jünger werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet und geehrt? Und wen[98], den sie werthhalten, hochschätzen, haben sie ihres Vertrauens gewürdigt?‹ Da sagten nun einige: ›Dieser Pūraṇo Kassapo hat zahlreiche Jünger und Anhänger um sich, ist das Haupt einer Schule, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt: aber er wird von den Jüngern nicht werthgehalten, nicht hochgeschätzt, nicht geachtet, nicht geehrt; nicht Pūraṇo Kassapo ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres Vertrauens würdigen. Eines Tages trug Pūraṇo Kassapo einer vielhundertköpfigen Schaar seine Lehre vor. Da ließ sich einer der Jünger Pūraṇo Kassapos also vernehmen: ›Nicht soll, ihr Lieben, Pūraṇo Kassapo darum befragt werden: er weiß das nicht. Wir wissen es: uns mögt ihr darum befragen, wir werden es euch Lieben erklären.‹ Und Pūraṇo Kassapo rang da vergeblich die Hände und rief: ›Beruhigt euch, ihr Lieben! Redet, ihr Lieben, nicht so laut! ihr Lieben seid nicht gefragt worden, uns hat man gefragt! Wir wollen es ihnen klar machen.‹ Und viele der Jünger haben dann {314} Pūraṇo Kassapo das Wort entwunden und sind von ihm abgefallen: ›Nicht du kennst diese Lehre und Ordnung: ich kenne diese Lehre und Ordnung! Was wirst du diese Lehre und Ordnung verstehn? Auf falscher Fährte bist du: ich bin auf rechter Fährte. Mir ist’s gelungen: dir misslungen. Was vorher zu sagen ist hast du nachher gesagt: was nachher zu sagen ist hast du vorher gesagt. Deine Behauptung[99] ist umgestürzt, dein Wort dir entwunden worden: gebändigt bist du, gieb deine Rede verloren, oder widersteh’ wenn du kannst!‹ Und so wird Pūraṇo Kassapo von den Jüngern nicht werthgehalten, nicht hochgeschätzt, nicht geachtet, nicht geehrt; und nicht Pūraṇo Kassapo ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres Vertrauens würdigen. Und erzürnt ist Pūraṇo Kassapo vom Zorn der Lehre.‹ — Andere wieder sagten: ›Da ist auch Makkhali Gosālo, auch Ajito Kesakambalo, auch Pakudho Kaccāyano, und Sañjayo Belaṭṭhaputto, und Niganṭho Nāthaputto: ein jeder hat zahlreiche Jünger und Anhänger um sich, ist das Haupt einer Schule, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt[100]: aber keiner wird von den Jüngern werthgehalten und hochgeschätzt, keiner geachtet und geehrt; {315} und keiner ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres Vertrauens würdigen. Und erzürnt sind sie alle vom Zorn der Lehre.‹ — Wieder andere sagten: ›Dieser Asket Gotamo hat zahlreiche Jünger und Anhänger um sich, ist das Haupt einer Schule, ein bekannter, gefeierter Bahnbrecher, der viel bei den Leuten gilt: und er wird von den Jüngern werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet und geehrt; der Asket Gotamo ist es, den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres Vertrauens würdigen. Eines Tages trug der Asket Gotamo einer vielhundertköpfigen Schaar seine Lehre vor. Da ließ einer der Jünger des Asketen Gotamo ein Räuspern hören. Und einer der Ordensbrüder streifte ihn mit dem Knie an: ›Nicht so laut, Ehrwürdiger, bitte! Möge der Ehrwürdige sich leise verhalten: unser Meister, der Erhabene legt die Lehre dar.‹ {316} Zu einer Zeit wo der Asket Gotamo einer vielhundertköpfigen Schaar die Lehre darlegt, zu einer solchen Zeit hört man eben bei den Jüngern des Asketen Gotamo nicht einmal das Geräusch des Nießens oder Sichräusperns, und die ganze Schaar blickt erwartungsvoll auf zu ihm: ›Was uns der Erhabene wird lehren, dem wollen wir lauschen.‹[101] Gleichwie etwa wenn ein Mann auf dem Hauptplatze Honig, süßen, gereinigten, auspresste, und es stände eine große Schaar Menschen erwartungsvoll rings um ihn her: ebenso nun auch sind sie um den Asketen Gotamo geschaart, wann er vielen Hunderten die Lehre darlegt; und da hört man bei den Jüngern des Asketen Gotamo nicht einmal das Geräusch des Nießens oder Sichräusperns, und die ganze Schaar blickt erwartungsvoll auf zu ihm: ›Was uns der Erhabene wird lehren, dem wollen wir lauschen.‹ Selbst jene Jünger des Asketen Gotamo, die sich den Ordensbrüdern angeschlossen hatten, dann die Askese aufgaben, um zur Gewohnheit zurückzukehren, auch die preisen das Lob des Meisters, preisen das Lob der Lehre, preisen das Lob der Jüngerschaft, tadeln sich selber nur, tadeln nicht andere: ›Wir nur sind unsälig, wir haben Schuld, die wir, in eine also wohlverkündete Lehre und Ordnung eingetreten, nicht imstande waren zeitlebens das vollkommene, vollendete Asketenleben zu führen.‹ Und sie leben auf dem Lande, oder leben als Anhänger, und halten an ihren fünf Grundsätzen fest.[102] So wird der Asket Gotamo von den Jüngern werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet und geehrt; und der Asket Gotamo ist es, {317} den die Jünger werthhalten, hochschätzen, ihres Vertrauens würdigen.‹«
»Was für Eigenschaften aber, Udāyī, merkst du an mir, warum mich die Jünger werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen?«
»Fünf sind es, o Herr, der Eigenschaften, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen: welche fünf? Der Erhabene, o Herr, nimmt karge Nahrung ein und preist das Lob der kargen Ernährung; weil nun, o Herr, der Erhabene karge Nahrung einnimmt und das Lob der kargen Ernährung preist, so ist das, o Herr, die erste Eigenschaft, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.[103] Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene zufrieden mit was immer für einem Gewande und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Gewande; weil nun, o Herr, der Erhabene mit was immer für einem Gewande zufrieden ist und das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Gewande preist, so ist das, o Herr, die zweite Eigenschaft, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen. Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene zufrieden mit was immer für Almosenbissen und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichen Almosenbissen; weil nun, o Herr, der Erhabene mit was immer für Almosenbissen zufrieden ist und das Lob der Zufriedenheit mit jeglichen Almosenbissen preist, so ist das, o Herr, die dritte Eigenschaft, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, {318} hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen. Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene zufrieden mit was immer für Sitz und Lager und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager; weil nun, o Herr, der Erhabene mit was immer für einem Sitz und Lager zufrieden ist und das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager preist, so ist das, o Herr, die vierte Eigenschaft, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen. Weiter sodann, o Herr, ist der Erhabene abgeschieden und preist das Lob der Abgeschiedenheit; weil nun, o Herr, der Erhabene abgeschieden ist und das Lob der Abgeschiedenheit preist, so ist das, o Herr, die fünfte Eigenschaft, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen. Das sind, o Herr, die fünf Eigenschaften, die der Erhabene aufweist, warum die Jünger den Erhabenen werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.«
»‚Karge Nahrung nimmt der Asket Gotamo ein und preist das Lob der kargen Ernährung‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die nur einen Napf, nur einen halben Napf, nur eine Bilva, nur eine halbe Bilva voll Nahrung einnehmen.[104] Ich aber nehme, Udāyī, zuweilen diese Schaale bis zum Rande und über den Rand mit Nahrung gefüllt ein. {319} ‚Karge Nahrung nimmt der Asket Gotamo ein und preist das Lob der kargen Ernährung‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger, die nur einen Napf, nur einen halben Napf, nur eine Bilva, nur eine halbe Bilva voll Nahrung einnehmen, nicht um solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für einem Gewande und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Gewande‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die sich in Fetzen hüllen, rauhe Gewänder anlegen: vom Leichenplatze, vom Kehrichthaufen, vom Tandelmarkte lesen sie Lumpen[105] auf, stücken den Mantel zurecht und tragen ihn. Ich aber trage, Udāyī, zuweilen bürgerliche Gewänder, aus festem rauhen Gewebe[106], wie Kürbissfäden. ‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für einem Gewande und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Gewande‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger, die sich in Fetzen hüllen, rauhe Gewänder anlegen, die vom Leichenplatze, vom Kehrichthaufen, vom Tandelmarkte Lumpen auflesen, den Mantel zurechtstücken und tragen, nicht um solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
{320} »‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für Almosenbissen und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichen Almosenbissen‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die um Almosenbissen ausgehn, von Haus zu Hause hintreten, mit Resten schon befriedigt sind[107], und stehn sie im Hofe des Hauses und werden zum Sitzen eingeladen, nehmen sie es nicht an. Ich aber nehme, Udāyī, zuweilen auch eingeladen Reis zu mir, der gekocht und gesichtet, saftig und würzig bereitet ist. ‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für Almosenbissen und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichen Almosenbissen‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger, die um Almosenbissen ausgehn, von Haus zu Hause hintreten, mit Resten schon befriedigt sind, und, stehn sie im Hofe des Hauses und werden zum Sitzen eingeladen, es nicht annehmen, nicht um solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für Sitz und Lager und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die unter Bäumen leben, in der offenen Ebene leben, die acht Monde kein Obdach aufsuchen.[108] Ich aber wohne, Udāyī, zuweilen auch in Parkhäusern, wo die Wände, Stürmen zu wehren, mit Kalk bestrichen, mit Kalk verstrichen, die Thüren verriegelt, die Fenster verschlossen sind. {321} ‚Zufrieden ist der Asket Gotamo mit was immer für Sitz und Lager und preist das Lob der Zufriedenheit mit jeglichem Sitz und Lager‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger, die unter Bäumen leben, in der offenen Ebene leben, die acht Monde kein Obdach aufsuchen, nicht um solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»‚Abgeschieden ist der Asket Gotamo und preist das Lob der Abgeschiedenheit‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so giebt es da Jünger, Udāyī, bei mir, die Waldeinsiedler, fern abgelegen sind, sich tief im Walde an fern abgelegenen Orten einsam aufhalten, die halbmonatlich hingehn zur Mönchgemeinde, wann die Regel verkündet wird. Ich aber lebe, Udāyī, zuweilen in Gesellschaft der Mönche und Nonnen, der Anhänger und Anhängerinen, des Königs und königlicher Fürsten, der Büßer und büßender Pilger. ‚Abgeschieden ist der Asket Gotamo und preist das Lob der Abgeschiedenheit‘: wenn mich also, Udāyī, die Jünger werthhielten, hochschätzten, achteten und ehrten und auch des Vertrauens würdigten, so möchten jene, Udāyī, meiner Jünger, die Waldeinsiedler, fern abgelegen sind, sich tief im Walde an fern abgelegenen Orten einsam aufhalten, die halbmonatlich hingehn zur Mönchgemeinde, {322} wann die Regel verkündet wird, nicht um solche Eigenschaft mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»Und also, Udāyī, sind es nicht diese fünf Eigenschaften, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen; vielmehr sind es, Udāyī, fünf andere Eigenschaften, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen: welche fünf?
»Da sind mir, Udāyī, die Jünger um Tugend zugethan: ›Tugendächt ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Tugendheit begabt‹; weil mir aber, Udāyī, die Jünger um Tugend zugethan sind: ›Tugendächt ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Tugendheit begabt‹, so ist das, Udāyī, die erste Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»Weiter sodann, Udāyī, sind mir die Jünger um zunehmende Wissensklarheit zugethan: ›Wissend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich weiß es‘, sehend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich seh’ es‘, zum Erkennen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht zum Verkennen, begründet legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unbegründet, erfassbar legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unerfassbar‹;[109] weil mir aber, Udāyī, die Jünger um zunehmende Wissensklarheit zugethan sind: ›Wissend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich weiß es‘, sehend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich seh’ es‘, {323} zum Erkennen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht zum Verkennen, begründet legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unbegründet, erfassbar legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unerfassbar‹, so ist das, Udāyī, die zweite Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»Weiter sodann, Udayī, sind mir die Jünger um Weisthum zugethan: ›Weise ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Weisheit begabt; dass er etwa eine künftige Redeweise nicht vorhersehn, oder eine gegebene Gegenrede nicht mit Recht wohlabgewiesen abweisen könnte, nicht findet sich ein solcher Fall.‹ Was meinst du wohl, Udāyī: möchten da nun meine Jünger, also wissend, also sehend, sich in Zwischenfragen einlassen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Denn ich erwarte, Udāyī, von den Jüngern keine Belehrung, sondern die Jünger erwarten Belehrung von mir. Weil mir aber, Udāyī, die Jünger um Weisthum zugethan sind: ›Weise ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Weisheit begabt; dass er etwa eine künftige Redeweise nicht vorhersehn, oder eine gegebene Gegenrede nicht mit Recht wohlabgewiesen abweisen könnte, nicht findet sich ein solcher Fall‹, so ist das, Udāyī, die dritte Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»Weiter sodann, Udāyī, gehn mir die Jünger, um was sie leiden in Leiden versunken, in Leiden verloren, entgegen und fragen mich um die heilige Wahrheit vom Leiden; {324} und ich geb’ ihnen, um die heilige Wahrheit vom Leiden befragt, die Antwort: und ich erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung. Und sie fragen mich um die heilige Wahrheit von der Leidensentwicklung, von der Leidensauflösung, von dem Pfade, der zur Leidensauflösung führt; und ich geb’ ihnen, also befragt, die Antwort: und ich erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung. Weil mir aber, Udāyī, die Jünger, um was sie leiden in Leiden versunken, in Leiden verloren, entgegengehn und mich um die heilige Wahrheit vom Leiden fragen; und ich geh’ ihnen, um die heilige Wahrheit vom Leiden befragt, die Antwort und erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung, und sie fragen mich um die heilige Wahrheit von der Leidensentwicklung, von der Leidensauflösung, von dem Pfade, der zur Leidensauflösung führt, und ich geb’ ihnen, also befragt, die Antwort und erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung: so ist das, Udāyī, die vierte Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger zu den vier Pfeilern der Einsicht gelangen: da wacht, Udāyī, der Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht beim Gemüthe über das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns. Da haben denn meine Jünger der {325} Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die vier gewaltigen Kämpfe bestehn: da weckt, Udāyī, der Mönch seinen Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich darum muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lasse, er müht sich darum muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern, weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die vier Machtgebiete erobern: da erobert, Udāyī, der Mönch das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Willens gezeugte Machtgebiet; erobert das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung der Kraft gezeugte Machtgebiet; erobert das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Geistes gezeugte Machtgebiet; erobert das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Prüfens gezeugte Machtgebiet. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger fünf der Fähigkeiten erwerben: da wird, Udāyī, der Mönch fähig der Zuversicht, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; {326} fähig der Kraft, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; fähig der Einsicht, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; fähig der Innigkeit, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; fähig der Weisheit, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger fünf der Vermögen erwerben: da wird, Udāyī, der Mönch vermögend an Zuversicht, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; vermögend an Kraft, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; vermögend an Einsicht, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; vermögend an Innigkeit, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt; vermögend an Weisheit, die zur Ebbung führt, zur Erwachung führt. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die sieben Erweckungen wirken: da wirkt, Udāyī, der Mönch der Einsicht Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; wirkt des Tiefsinns Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; wirkt der Kraft Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; wirkt der Heiterkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; wirkt der Lindheit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; wirkt der Innigkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; wirkt des Gleichmuths Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den heiligen achtfältigen Weg gewinnen: da gewinnt, Udāyī, der Mönch rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. {327} Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die acht Freiungen finden. Formhaft ist er und sieht die Formen: das ist die erste Freiung. Innen ohne Formwahrnehmung sieht er außen Formen: das ist die zweite Freiung. Schönheit nur hat er im Sinne: das ist die dritte Freiung. Durch völlige Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt er in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes: das ist die vierte Freiung. Nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre gewinnt er in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins: das ist die fünfte Freiung. Nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt er in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins: das ist die sechste Freiung. Nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre erreicht er die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung: das ist die siebente Freiung. Nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht er die Auflösung der Wahrnehmbarkeit: das ist die achte Freiung. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger acht Grade der Ueberwindung durchschreiten. Innen nimmt er Formen wahr, einig; {328} außen sieht er Formen, wenig, schöne und unschöne; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der erste Grad der Ueberwindung. Innen nimmt er Formen wahr, einig; außen sieht er Formen, unermesslich, schöne und unschöne; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der zweite Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, wenig, schöne und unschöne; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der dritte Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, unermesslich, schöne und unschöne; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der vierte Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, blaue, die blau schimmern, blau scheinen, blau aussehn. Gleichwie etwa eine Hanfblüthe blau ist, blau schimmert, blau scheint, blau aussieht, oder gleichwie etwa ein Seidenstoff, auf beiden Seiten blaugefärbt[110], blau schimmert, blau scheint, blau aussieht: ebenso auch sieht er, innen ohne Formwahrnehmung, einig, außen Formen, blaue, die blau schimmern, blau scheinen, blau aussehn; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der fünfte Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, gelbe, die gelb schimmern, gelb scheinen, gelb aussehn. Gleichwie etwa eine Zimmtblüthe gelb ist, gelb schimmert, gelb scheint, gelb aussieht, oder gleichwie etwa ein Seidenstoff, {329} auf beiden Seiten gelbgefärbt, gelb schimmert, gelb scheint, gelb aussieht: ebenso auch sieht er, innen ohne Formwahrnehmung, einig, außen Formen, gelbe, die gelb schimmern, gelb scheinen, gelb aussehn; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der sechste Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, rothe, die roth schimmern, roth scheinen, roth aussehn. Gleichwie etwa eine Malvenrose roth ist, roth schimmert, roth scheint, roth aussieht, oder gleichwie etwa ein Seidenstoff, auf beiden Seiten rothgefärbt, roth schimmert, roth scheint, roth aussieht: ebenso auch sieht er, innen ohne Formwahrnehmung, einig, außen Formen, rothe, die roth schimmern, roth scheinen, roth aussehn; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der siebente Grad der Ueberwindung. Innen ohne Formwahrnehmung, einig, sieht er außen Formen, weiße, die weiß schimmern, weiß scheinen, weiß aussehn. Gleichwie etwa der Morgenstern weiß ist, weiß schimmert, weiß scheint, weiß aussieht, oder gleichwie etwa ein Seidenstoff, auf beiden Seiten weißgebleicht, weiß schimmert, weiß scheint, weiß aussieht: ebenso auch sieht er, innen ohne Formwahrnehmung, einig, außen Formen, weiße, die weiß schimmern, weiß scheinen, weiß aussehn; solche überwindend sagt er sich ›Ich weiß es, ich seh’ es‹, nimmt es also wahr: das ist der achte Grad der Ueberwindung. {330} Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.[111]
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger zehn Orte der Allheit erkunden. Der Erde Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Wassers Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Feuers Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Der Luft Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Blauen Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Gelben Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Rothen Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Weißen Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Raumes Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Des Bewusstseins Allheit erkennt er, einig, durch und durch, ungetheilt, unermesslich. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die vier Schauungen eingehn. Da gewinnt, Udāyī, der Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, die sinnend gedenkende ruhegeborene sälige Heiterkeit, die Weihe der ersten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt er mit ruhegeborener säliger Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von ruhegeborener säliger Heiterkeit ungesättigt bleibt.
»Gleichwie etwa, Udāyī, ein gewandter Bader oder Badergeselle auf {331} ein erzernes Becken Seifenpulver streut und mit Wasser versetzt, verreibt und vermischt, sodass sein Schaumball völlig durchfeuchtigt, innen und außen mit Feuchtigkeit gesättigt ist und nichts herabträufelt: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit ruhegeborener säliger Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von ruhegeborener säliger Heiterkeit ungesättigt bleibt.[112]
»Weiter sodann, Udāyī: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt er mit der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt bleibt.
»Gleichwie etwa, Udāyī, ein See mit unterirdischer Quelle, in den sich kein Bach von Osten oder Westen, von Norden oder Süden ergösse, keine Wolke von Zeit zu Zeit mit tüchtigem Gusse darüber hinwegzöge, in welchem nur die kühle Quelle des Grundes emporwellte und diesen See völlig durchdränge, durchtränkte, erfüllte und sättigte, sodass nicht der kleinste Theil des Sees von kühlem Wasser ungesättigt bliebe: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt bleibt.
»Weiter sodann, Udāyī: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. {332} Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt er mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.
»Gleichwie etwa, Udāyī, in einem Lotusweiher einzelne blaue oder rothe oder weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser sich entwickeln, unter dem Wasserspiegel bleiben, aus der Wassertiefe Nahrung aufsaugen und ihre Blüthen und ihre Wurzeln von kühlem Wasser durchdrungen, durchtränkt, erfüllt und gesättigt sind, sodass nicht der kleinste Theil jeder blauen oder rothen oder weißen Lotusrose von kühlem Nass ungesättigt bleibt: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.
»Weiter sodann, Udāyī: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Er setzt sich hin und bedeckt diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe, geklärtem, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt bleibt.
»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn sich ein Mann vom Scheitel bis zur Sohle in einen weißen Mantel eingehüllt niedersetzte, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem weißen Mantel unbedeckt bliebe: ebenso nun auch, Udāyī, setzt sich der Mönch nieder und hat diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe, mit geklärtem, überzogen, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, {333} dem geklärten, unbedeckt bleibt.
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger also erkennen: ›Das ist mein Leib, der gestaltet, aus den vier Hauptstoffen entstanden, von Vater und Mutter gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt, dem Vergehn, dem Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der Zerstörung verfallen ist; das hingegen ist mein Bewusstsein, daran gebunden, daran geknüpft.‹
»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da ein Juwel wäre, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, klar, durchsichtig, mit jeder Eigenschaft begabt; und ein Faden wäre daran befestigt, ein blauer, oder ein gelber, ein rother, oder ein weißer, ein grauer Faden; und es hätte ihn ein scharfsehender Mann um die Hand geschlungen und betrachtete ihn: ›Das ist ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, klar, durchsichtig, mit jeder Eigenschaft begabt; und ein Faden ist daran befestigt, ein blauer, oder ein gelber, ein rother, oder ein weißer, ein grauer Faden‹: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger also erkennen: ›Das ist mein Leib, der gestaltet, aus den vier Hauptstoffen entstanden, von Vater und Mutter gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt, dem Vergehn, dem Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der Zerstörung verfallen ist; das hingegen ist mein Bewusstsein, daran gebunden, daran geknüpft.‹
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger aus {334} diesem Körper einen anderen Körper hervorgehn lassen, formhaft, geistig gestaltet, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig. Gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann einem Rohre den Halm auszöge und sich sagte: ›Das ist das Rohr, das ist der Halm, eins ist das Rohr, eins ist der Halm: aus dem Rohre hab’ ich ja den Halm gezogen‹; oder gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann das Schwerdt aus der Scheide zöge und sich sagte: ›Das ist das Schwerdt, das ist die Scheide, eins ist das Schwerdt, eins ist die Scheide: aus der Scheide hab’ ich ja das Schwerdt gezogen‹; oder gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann eine Schlange aus dem Korbe nähme und sich sagte: ›Das ist die Schlange, das ist der Korb, eins ist die Schlange, eins ist der Korb: aus dem Korbe hab’ ich ja die Schlange genommen‹[113]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger aus diesem Körper einen anderen Körper hervorgehn lassen, formhaft, geistig gestaltet, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig.
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger auf manigfaltige Weise Machtentfaltung erfahren mögen: als nur einer etwa vielfach zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein, oder sichtbar und unsichtbar zu werden, auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser, auch auf dem Wasser zu wandeln ohne unterzusinken wie auf der Erde; oder auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, {335} die so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen und zu berühren; etwa gar bis zu den Brahmawelten den Körper in ihrer Gewalt zu haben. Gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Töpfer oder Töpfergeselle was immer auch für Thonsachen er wollte aus wohlbereitetem Thon anfertigen und herstellen könnte; oder gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Drechsler oder Drechslergeselle was immer auch für Elphenbeinsachen er wollte aus wohlbereitetem Elphenbein anfertigen und herstellen könnte; oder gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Goldschmidt oder Goldschmidtgeselle was immer auch für Goldsachen er wollte aus wohlbereitetem Gold anfertigen und herstellen könnte: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger auf manigfaltige Weise Machtentfaltung erfahren mögen.[114]
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, {336} auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hören, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen. Gleichwie etwa, Udāyī, ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten posaunen kann, ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hören, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen.
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger der anderen Wesen, der anderen Personen Herz im Herzen schauen und erkennen, das begehrliche Herz als begehrlich und das begehrlose Herz als begehrlos, das gehässige Herz als gehässig und das hasslose Herz als hasslos, das irrende Herz als irrend und das irrlose Herz als irrlos, das gesammelte Herz als gesammelt und das zerstreute Herz als zerstreut, das hochstrebende Herz als hochstrebend und das niedrig gesinnte Herz als niedrig gesinnt, das edle Herz als edel und das gemeine Herz als gemein, {337} das beruhigte Herz als beruhigt und das ruhelose Herz als ruhelos, das erlöste Herz als erlöst und das gefesselte Herz als gefesselt. Gleichwie etwa, Udāyī, ein Weib oder ein Mann, jung, frisch, gefallsam, in einem Spiegel oder in einer reinen, lauteren, hellen Wasserfläche das Bild des eigenen Antlitzes prüfend betrachten und, ist es nicht sauber, als nicht sauber, und ist es sauber, als sauber erkennen kann: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger der anderen Wesen, der anderen Personen Herz im Herzen schauen und erkennen.
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger sich an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, {338} dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.
»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann von seinem Orte nach einem anderen Orte ginge und von diesem Orte wieder nach einem anderen Orte und von diesem Orte nach seinem eigenen Orte zurückkehrte; der sagte sich nun: ›Ich bin von meinem Orte nach jenem Orte gegangen, dort bin ich also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; von jenem Orte bin ich aber nach diesem Orte gegangen, da bin ich nun also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; dann bin ich von diesem Orte nach meinem eigenen Orte wieder zurückgegangen‹[115]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger sich an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern.
{339} »Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sehn sie mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.
»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da zwei Häuser wären, mit Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und verlassen, kommen und gehn[116]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, {340} gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen. Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da am Ufer eines Alpensees von klarem, durchsichtigem, ungetrübtem Wasser ein scharfsehender Mann stände und hinblickte auf die Muscheln und Schnecken, auf den Kies und Sand und die Fische, wie sie dahingleiten und stillestehn; der sagte sich nun: ›Klar ist diese Wasserfläche, durchsichtig, ungetrübt; ich sehe darunter die Muscheln und Schnecken, den Kies und Sand und die Fische, die dahingleiten oder ruhn‹: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen.
»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.
»Das ist, Udāyī, die fünfte Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.
»Das sind, Udāyī, die fünf Eigenschaften, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.«
{341}Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Sakuludāyī der Pilger über das Wort des Erhabenen.
78.
Achter Theil
Achte Rede