3. Das Herbergsspiel.

(Wiesaer Spiel)

Hintere Bühne. Links (vom Zuschauer) das Wirtshaus mit charakteristischem Wirtshauszeichen (Stern, Roß, Bär, Traube oder dergl.). Möglichst einige Versatzstücke (Palme, Brunnen). – Der Wirt steht vor der Tür. Maria und Joseph treten auf.

Joseph.

Hörst du, Maria aus Davids Stadt allda,
wir wollen uns beide schätzen la.
Wie könnten wir aber recht erfahren,
wo wir heut Nacht möchten Herberg habn?
Wir sind auf dieser Reis' fürwahr
gewesen in sehr großer Gefahr,
habens Gott zu danken sehr,
daß er uns geholfen bis hierher.
Dort sah ich einen feinen Maa,
und in sein Haus wir wollen gah,
und ihn um Herberg sprechen aa.
Einen schönen guten Abend, mein lieber Herr Wirt!

Wirt.

Habt Dank, mein lieber Alter, wo kommt Ihr jetzt hierher?

Joseph.

Ho, ho, ho! Ihr dürft net schreie halb so sehr,
schreit Ihr doch, als wenn ich gleich aller taub wär.
Ich un das Weibele kommen aus der Stadt
in Galiläa, die heißt Nazareth.
Die Schatzung ist in aller Walt,
Dem Kaiser wollen berichten bald.
Drum bitten wir Euch, als fromme Leut,
Ihr wollt uns aufnehmen zur Herberg heut.

Wirt.

Nein, mein lieber Alter, das kann nicht sein.

Joseph.

I wozu dä?

Wirt.

Es sind bei mir gekehret ein –

Joseph.

Nu wer dä?

Wirt.

Viel tapfere Herren, Frau'n und Mann,
die fast alle gehören daran.

Joseph.

Nu, da rutschen mer aa mit na.

Wirt.

Von Rom, der großen mächtigen Stadt
und von der kaiserlichen Majestat.
Drum traut und glaubt mir,
ihr könnt keine Herberge bekommen allhier,
weil alles ist genommen ein
von kaiserlichen Abgesandten, die allhier sein.

Joseph.

Hörst de, Maria, gieh du naa,
weil ich nischt richten kaa.

Maria.

Herr Wirt, ich bitte Euch durch Gott,
betrachtet meine große Not,
Den Zustand, den es hat mit mir.
Vergönnt mir doch ein Oertlein hier,
ein Oertlein, mir bequem,
damit ich keinen Schaden nehm.

Wirt.

Ich weiß euch anders keinen Rat,
von wegen der kaiserlichen Majestat.
Wollt ihr aber verlieb nehmen mit dem Stall,
so geht hinein,
Derselbe soll euch vergunnet sein.

Maria.

Ach, was soll ich in dem Stall bei dem unvernünftgen Vieh,
und ist zu groß die Kält allhie.

Wirt.

Ihr hört ja wohl, wie sichs verhält,
drum sag ich euch zum letzten Mal,
vergunnet soll euch sein der Stall;
ich kann euch anders helfen nicht,
so helft euch, wie ihr könnt und wißt.

(Ab ins Haus.)

Joseph.

Maria, es ist halt Gottes Geschick,
wir frommen Leut haben halt kein Glück.
Wir wollen uns uf e Winkele machen,
Gott wird schicken alle die Sachen,
er wird uns nehmen in seine Hut
und wird uns halten für recht und gut.

(Sie gehen hinter das Haus ab.)