2. Die Verkündigung an Maria.
(Alte Weise.)
Gabriel. Maria. – Vordere Bühne.
Maria in Andacht versunken.
Gabriel.
Ave Maria jungfräuliche Zier!
Du bist voller Gnaden, der Herr ist mit dir!
Eine ganz neue Botschaft, ein unerhörtes Ding
von der himmlischen Hofstatt dir Gabriel mitbringt.
Maria.
Ach mein Gott, was sollen die Wörter immer sein?
Wer will zu mir kommen ins Zimmer herein?
Die Tür ist verschlossen, die Fenster sein zu.
Wer ist es, der mich stört in der nächtlichen Ruh?
Gabriel.
Fürcht dich nicht, Maria! es geschieht dir kein Leid;
ich bin zu dir kommen, verkündgen große Freud,
du sollst den empfangen und tragen einen Sohn,
den die Menschen verlangen viel tausend Jahr schon.
Maria.
Wie soll das geschehen, ich kenn ja keinen Mann?
Ich will lieber eingehn, als tragen einen Sohn.
Ich habe geschworen meine Jungfrauschaft Gott;
ich bin dazu geboren, verbleib bis in den Tod.
Gabriel.
Es liegt nichts im Wege, deine Sorg ist umsunst.
Alle Furcht tu weglegn! bei Gott is keine Kunst,
kann leichte geschehen, auf Gott nur fest bau!
Man wird dich verehren als Mutter und Frau.
Maria.
Ich kanns nicht recht fassen in meinem Verstand,
ich wills Gott überlassen, der göttlichen Hand.
Sein Wille geschehe! wenns Gott so gefällt,
so will ich gern tragen den Heiland der Welt.
Vorhang.
Musikalische Ueberleitung zum Chor (Altkirchliche Weise):
O Bethlehem du edle Stadt,
du meines Geschlechtes Herkommen,
von denen auch der David hat
sein Ursprung hergenommen!
Ach, über mich erbarme dich!
Weil d' Nacht anbricht, verstoß mich nicht!
Ein Zimmerlein vergonne!