6. Das Königsspiel.

Während der letzten Strophen des folgenden Liedes zieht die Königschar ein. Ordnung: Sternträger, die drei Könige, Herodes mit seinem Hofstaat, in einiger Entfernung der Tod.

Chor (hinter der Szene.)

Die heilgen drei Könige mit ihrigem Stern
will ich euch besingen, ihr Fraun und ihr Herrn!
Ihr Stern gab allen den Schein,
ein neues Jahr geht uns herein.

Sie kamen aus ihrem Dörfel hinaus,
Der Melchor der macht gleich den andern voraus,
und beten und singen gar schön
das Kyrieleison.

Sobald als sie kamen zum Dörfel hinaus,
guckt wieder der Stern aus den Wolken heraus,
und führt uns hinab auf das Sträßel
ins Krippel zum Ochsen und Esel.

Schnell zieht König Kasper die Geldbörse raus
St. Melchor, der opfert ein Blumenstrauß,
Der Balzar ein paar Pfund Weihrauch
da lächelt das Kindlein auch.
Die heilgen drei Könige mit ihrigem Stern,
sie essen und trinken und bezahlen nicht gern.
Ihr Stern gab uns allen den Schein,
ein neues Jahr geht uns herein.

Kasper. (Thalheimer Spiel.)

Ich, König Kasper aus Hustitz,
ich besitze zwar großen Verstand und Witz,
wie daß ich aber seh gewiß,
daß der Stern erschienen is!

(Er zeigt hinauf.)

Melchior.

Ich König Melchor aus Griechewitz,
ich besitze zwar großen Verstand und Witz,
wie daß ich aber sah gewiß,
daß der Stern erschienen is.

(Er zeigt hinauf.)

Balthasar.

Ich bin der Schwarze aus Mohrenland,
ich, König Balzar aus Oriant werd ich genannt,
ich sags euch frei nach meinem schlechten Verstand gewiß,
daß der Stern erschienen is.

(Er zeigt hinauf.)

Kasper (Löwenhainer Spiel.)

Ich muß mir doch voritzt von Herzen gratulieren,
da uns der liebe Gott tut so zusammenführen,
die wir in gleicher Gunst einander zugetan;
dazu was zeigt sich dort an jenem Himmelsplan?
Ich habe einen Stern ganz neu und hell ersehn,
daraus ich schließen muß, es sei was Neues geschehn:
Gott hat ein großes Licht uns Heiden angezünd,
die wir voritzo sind gewesen gänzlich blind.

Melchior.

Ich habs auch also absolviert:
Mein Herz befind sich so gerührt,
daß ich schließ draus ohne Heuchelei,
daß ich bekenne froh und frei:
Der Juden König ist geboren,
den Gott hat ewig auserkoren;
Denselben wollen wir beten an,
weil Gott uns solches kundgetan.

Balthasar.

Ihr Herren, ich stimme auch mit ein
zu reden von diesem Sternenschein;
dieweil sein Glanz bestrahlt mein Herz
und sich entzünd wie eine Kerz.
Die Juden werden nicht allein
zu dieser Gnad berufen sein,
die sie vielleicht erkennen nicht,
drum zeigt uns Gott dies Heil und Licht.

Kasper.

Wohlan, ihr Herrn, ich bin bereit
zu schauen diese Herrlichkeit,
die uns der Herr hat kundgetan.
Wer macht sich mit mir auf die Bahn
zu folgen diesem Sterne nach,
bis wir antreffen dies Gemach,
wo dieser König residiert? –
Der Stern uns gewißlich dahin führt!

Melchior.

Kein Geld und Gut mich dauern mag,
ich zieh mit hin bei Nacht und Tag,
bis daß ich finde dieses Heil,
dann geb ich ihm mein Herz zu Teil!

Balthasar.

In Gottes Namen wag ichs mit,
der Engel Gottes uns behüt,
und führ uns zu dem Kindelein,
so wollen wir ihm dankbar sein.

(Sie ziehen ab.)

Vorhang zu.

Die Orgel, bezw. die Musik spielt eine Strophe des heilgen Drei-König-Liedes.

Vordere Bühne. Thronsessel. Gardeson[20] und Laban.

Gardeson.

Meine Herren, schön guten Tag oder Nacht, guten
Abend, weiß ich doch selber nicht, wie ich in der Zeit bin,
so wünsch ich Sie allen insgesamt nach dem neuen
Jahr eine rechte, große, lange, dicke, fette Fastnacht
oder eine Bratworst!

Haben Sie dabei was Gutes zu trinken oder zu essen,
so tun Sie meiner auch nicht vergessen.
Es mag sein Gebratens, Gesottens,
Gekochts, Gepochts, Bier oder Wein –
so will ich allezeit ohne Entgeld ihr Gast mit sein.

Laban.

Solche Narren find man überall.

Gardeson

(fährt ihm mit einem Tuch über den Mund.)

Ein Fuchsschwanz ist kein Nimmerzahl;
nimm du dir einen Pfifferling,
wisch dir dein Maul ab allzumal.

Laban.

Gardeson, du sollst zum König komm!

Gardeson.

Ja, ja! Du hast mich gewiß schon verklagt.

Herodes (tritt auf.)

Gardeson (verneigt sich vor ihm.)

Herr König, ich bin schon da!

Herodes.

Gardeson, wo bist du so lange gewesen?
Ich werde dir den Küchenmeister eine Lektion lassen lesen.

Gardeson.

Geduld, Herr König, ich ging spazieren,
zu sehen was Neues tät passieren
Da fand ich, der Kuckuck sagt es mir,
daß bei einer guten Kanne Bier
man öfters viel erfahren tut –
ich sags Ihnen zwar mit schlechtem Mut:
Herr König, tun Sie mich nicht verraten,
sonst möcht ich kriegen den Kuckuck zum Braten.

Herodes.

Vertrau mir, Gardeson, geschwind,
was hörest du vor neue Find'?

Gardeson.

Herr König, es sind Kundschafter da!

Herodes.

Du bist ein Narr, das weiß ich ja;
du glaubst alles, was man sagt.

Gardeson.

So laß mich forthin unbefragt.

Die Könige treten auf.

(Thalheimer Spiel.)

Balthasar.

Glück und Sieg nach stetem Frieden
sei mit dir, König aus Judäa!

Herodes.

Meinen untertänigsten Dank sagt man den Herren frei,
Sie sind mir willkommen, die Herren alle drei.
Sie sollen mir aber Bescheid tun, wer sie sein,
Denn ihre Gestalt ist fremd, desto wichtiger muß ihre Sache sein.

Balthasar.

König Herodes, wir sind in seiner Gewalt,
und demütigen uns, für seiner Gestalt.
Was aber unsere Verrichtung sei?
Wir wollen fragen, wo der neugeborene König der Juden sei.
Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, weit von fern,
Und sind deswegen gekommen an,
Das liebe Kind zu beten an.

Herodes.

Hu! Ich weiß von keinem König nichts,
ich bin König und kein andrer nicht.
Wär mir ein neuer König geboren,
wär mein ganzes Königreich verloren.
Ich will mir aber balden lassen fordern her
einen Schriftgelehrten, dieser soll ratschlagen,
wo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind.
Hallo! mein Diener Laban fordere mir alsbald einen Schriftgelehrten!

Laban.

Ganz gehorsam, ihre König Majestät!

Geht an die Seite und ruft hinaus:

Der Schriftgelehrte soll alsbald zu Königs Majestät kommen.

Schriftgelehrter.

(Mit großer Brille, Buch, schwarz gekleidet, jüdisch.)

O weih! O weih! wie geschieht mir –
ist etwas beim königlichen Hof vorgegangen?

Laban.

Unfehlbar.

Schriftgelehrter.

Ei Schalom, ei Schalom, mein lieber Herr König,
was ist ihr Bitten und Begehr,
daß Sie mich haben lassen fordern hierher?

Herodes.

Hör, ein groß Wunder kommt mir für Ohren,
welches mir verkünd ist, ein neuer König ist geboren,
Dieweil allda sind zu Hand
Drei Könige aus dem Mohrenland.
Die fragen mich ohn alle Scheu,
wo der neugeborene König der Juden sei.
Drum sag und bericht in der Tat,
wo und in welcher Stadt
zu finden ist ein solches Kind.

Schriftgelehrter.

Soviel ich weiß und befindlich ist,
so schreibt der Prophet Micho
im 5. seiner Kapitel also:
Und du Bethlehem Ephrata,
Die du klein bist unter den Tausenden in Juda,
aus dir soll mir der kommen,
Der über mein Volk ein Herr sei, ein Herr sei!

Herodes (zu den Königen.)

Nun hört, ihr großen Herrn insgemein –
ihr sollt mir aber Bescheid tun, wo euch der Stern erschienen ist.

Kasper.

Wo uns der Stern erschienen ist,
das sagen wir zu dieser Frist:
Er ist uns erschienen im Morgenland,
drum haben wir uns gemacht auf den Weg bald.

Herodes.

Nun hört doch, ihr großen Herrn insgemein,
ziehet nun hin nach Bethlehem fein;
und sucht fleißig, bis daß ihrs find't,
und wenn ihrs dann gefunden habt,
so kommt wieder her in diese Stadt,
und bericht mich auch fein geschwind,
daß ich auch komme und anbete das liebe Kind,
und große Schätze gebe fein,
und mit mir nehme aufs Schloß herein;
ich wollte wünschen, Sie kämen glücklich an den Ort.

Melchior.

So wir das liebe Kind werden treffen an,
so wollen wir ihre König Majestät kund und zu wissen tun.

Kasper (verneigt sich.)

Wir danken vor die Gütigkeit –

Melchior (verneigt sich.)

und sind zu dienen stets bereit.

Balthasar.

Sie leben wohl zu aller Zeit! (verneigt sich.)

Die Könige ab.

Gardeson (Löwenheiner Spiel.)

Das das mögen wohl rechte Narren sein –
ich kann mir es fürwahr nicht anders bilden ein!
Daß ein klein Kind von Bethlehem
soll herrschen zu Jerusalem,
mein Herr gibt das gar schwerlich zu,
es wird sonst da werden die größte Unruh!

Vorhang zu.

Chor (hinter der Szene.)

Dein König, Zion (Schneeberger Mettenlied.)

Dein König, Zion, kommt zu dir.
»Ich komm, im Buche steht von mir!«
Gott, deinen Willen tu ich gern,
gelobt sei, der da kommt im Herrn.

Herr, der du Mensch geboren wirst,
Imanuel und Friedefürst,
auf den die Väter hoffend sahn,
Dich, Gott, Messias, bet ich an!

Du unser Heil und höchstes Gut,
vereinest dich mit Fleisch und Blut,
wirst unser Freund und Bruder hier,
und Gottes Kinder werden wir.