7. Die Anbetung der Könige.

Hintere Bühne. Stall. (Thalheimer Spiel.)

Maria.

Joseph, lieber Joseph mein,
zünd mir an ein Feuerlein,
Koch dem Kind ein Breielein.

Joseph.

Maria, Maria, das will ich gern tun,
Dieweil nun schläft der liebe Suhn,
will ich dir machen ein Feuerlein
und kochen dem Kind ein Breielein.
Den Brei koch ich und bück mich hart,
dabei anbrenn ich mir den Bart.
Jetzt kommt die kalte Winterszeit,
so beschwerlich über uns arme Leut,
daß ich fast so erfroren bin,
so dauert mich das liebe Kind.

Die drei Könige.

(Cranzahler Spiel.)

Kasper.

Guten Abend, mein lieber alter Herr!
Ist das der König der Ehren?
Ist das das liebe Kindelein,
welches aller Welt ein Herr soll sein?

Joseph.

Ja, ja, man sagts zu dieser Frist,
daß ein neuer König geboren ist.

Kasper (anbetend.)

Ach, mein herzliebes Jesulein,
nimm an die Verehrung mein,
an rotem Golde zeig ich dir hier,
daß dein Reich ewig soll bestehn!

Balthasar.

Den Weihrauch ich auch opfer dir,
welcher alleine gebühret dir,
weil du von Gott bist hergestellt
zu einem Priester der ganzen Welt.

Melchior.

Nimm hier die Myrrhen, die ich dir schenk.
Ich bitt, du wollst sein mein eingedenk,
mich führen in den Himmel ein,
in deines Vaters Reich allein.

Joseph.

Nun, ihr lieben Herrn, Gott dank euch sehr
für solche Geschenke, Gab und Ehr.

Alle singen. Wiegenlied aus der Neudorfer Engelschar.[21]

Kommet her zu dieser Krippen,
alle, die im Stalle sind,
und belobet mit den Lippen
unser neugebornes Kind!
Stimmt ein! Stimmt mit Maria ein:
Eia, schlaf, schlaf ein, schlaf ein!
Schlaf mein liebes Jesulein, schlaf bald ein!

Kasper. (Thalheimer Spiel.)

Ich bin müd und abgematt,
die Abendzeit uns überschatt,
wir wollen ein wenig schlummern ein,
Gott, Gott wird unser Hüter sein.

(Setzt sich nieder.)

Melchior.

So ruht ihr abgematten Glieder
und genießt der süßen Ruh,
legt euch ohne Sorgen nieder,
Gottes Güte deckt euch zu.

Balthasar.

Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!

Der Engel (zu den Königen.)

Hört ihr drei Weisen aus Morgenland:
Von Gott bin ich zu euch gesandt,
daß ihr sollt euch von dem Weg ablenken,
und nicht wieder nach Herodes lenken,
denn weil Herodes eitel falsche List
erdacht wider den Herrn Jesu Christ.

(verschwindet.)

Balthasar (erwachend.)

Auf, auf, ihr großen Könige mit mir,
ein Engel im Traum erscheinet mir,
daß wir sollen von dem Weg ablenken,
und nicht wieder nach Herodes lenken,
denn weil Herodes eitel falsche List,
erdacht wider den Herrn Jesus Christ.

(Die Könige gehen ab.)

Der Engel (zu Joseph.)

Joseph, mein lieber Joseph mein,
steh auf und nimm das Kindelein
und seine Mutter bei der Hand
und flieh mit ihr nach Aegyptenland,
und bleib allda, bis ich sage dir,
denn es ist Gefahr vorhanden hier,
denn weil Herodes das Kindlein sucht,
damit er es umbringen tut.

Joseph (erwachend.)

Maria, Maria, steh auf und nimm das Kindelein,
daß wirs bringen aus der Gefahr,
dieweil es Herodes beschlossen gar,
das Kindlein umzubringen zur Hand,
so wollen wir wieder ziehen nach Aegyptenland.

(Maria und Joseph rüsten sich zur Abreise.)

Vorhang zu.

Kurze musikalische Ueberleitung.