Catharina von Medici
Bleich, mit gesenktem Haupt, zerbrochen und zerspaltet
Von Siechtum, das des Arztes spottet, matt und schwach,
Saß Karl der Neunte träumend in dem Prunkgemach,
Die welken Hände über einem Buch gefaltet.
Die Mutter trat herein, die greise Medici,
Mit kaltem Habichtsblick, sie küßt ihn auf die Wangen:
„Wacht auf, mein Sohn, wacht auf, der Mörder ist gefangen,
Gelobt sei Gott, ich habe den Montgomery,
Der Euren Vater, König Heinrich, hat erschlagen!“
Der müde Valois aber, ohne nur zu fragen,
Bat: „Gönne mir den Schlaf, laß mich, o Mutter, laß!“
Die Tränen zwang sie stolz, es zuckten nur die Lippen,
Sie wandte schweigend sich zu den erlauchten Sippen,
Sie dachte: „Weh, er stirbt, er kennt nicht mehr den Haß!“
An eine vierzigjährige Frau
In Deinen großen Augen träumen tief und heiß
Geheime Schmerzen, die das Leben Dir verraten;
Längst schürfte meine Lust mit nimmer sattem Spaten
Nach letzter Wissenschaft, von der sie noch nichts weiß.
Der reifen Früchte Duft berauscht. Ein Zauberkreis
Umschließt mit hartem Zwang mein Fleisch. Mir sind die Saaten
Nicht ausgereift. Im Staub vergangener Tage waten
Gedanken ..., und sie sehn ein unberührtes Reis.
Wie oft schon blickte ich mit neidischem Begehren
Den Schiffen nach, die müd zum Hafen wiederkehren,
Des Abends glitten feierlich sie durch den Schaum.
Auf ihren Masten schien ein hoher Stolz zu wohnen,
Und ihrem Kiele folgte wie ein schwerer Traum
Der heiße Atem ferner, unbekannter Zonen.