Der Mensch und das Meer

O Mensch, du liebst das Meer, wie trotzig, frei und groß

Liegt es zu Füßen dir! in seinen Wellenhügeln,

In seinen Tälern siehst du sich die Seele spiegeln,

Die in dir wohnt, gleich ihm unendlich, ruhelos.

Du suchst in Not und Qual, o Mensch, dein eigen Bildnis,

Du hältst es in der Hand, dein scharfes Ohr, es lauscht

Der Flut, die in dir selber wogt und schäumt und rauscht,

Dem ungestillten Schmerz in dieser grausen Wildnis.

Was ihr nicht zeigen wollt, das ruht in guter Hut,

Ihr seid ja alle beide finster und verschwiegen!

Du hüllst die Schätze ein, die in der Tiefe liegen,

Und du verbirgst, was tief dir in der Seele ruht.

Trotzdem bekämpft ihr euch seit Anbeginn der Zeiten,

Ihr, die ihr doch so ganz einander ähnlich seid,

Gemetzel liebt ihr, Mord und grimmen Haß und Neid,

Geschwister eines Bluts, müßt ihr denn ewig streiten?

Klage eines Icarus

Wer klug ist, muß die Liebe kaufen,

Dann weiß er sicher, was er hat;

Was mich betrifft, bin ich es satt,

Den leeren Schatten nachzulaufen.

Dank wenigen Sternen hell und klar,

Die mir das Auge einst geblendet,

Wird heut der Blick, zurück gewendet,

Nur Sonnen überall gewahr.

Vergebens wollt empor ich dringen,

Im Flug durchmessen Zeit und Raum,

Ein heißes Auge streift mich kaum,

Und schon sind mir gelähmt die Schwingen.

Versengt hat mich der Schönheit Glut,

Ihr Flammenstrahl hat mich erschlagen,

Ach, nie wird meinen Namen tragen

Der Abgrund, wo mein Leichnam ruht!