Die Dogaressa

Die Herren plaudern in den lichten Säulengängen,

So malte sie des göttlichen Vecellio Hand;

Noch röter leuchtet heut das rote Prachtgewand

Im Glanz der schweren Ketten, die darüber hängen.

Sie blicken in die trübe Flut, die in der engen

Lagune, aus der weiten Adria verbannt,

Vorüberrauscht, sie sehn den Himmel, lachend spannt

Er sich ob buntem Volk, ob fröhlichen Gesängen.

Die stolzen Nobili im purpurfarbenen Kleid,

Mit kaltem Herrenblick und blitzendem Geschmeid

Bewegen ernst sich auf der weißen Marmortreppe.

Die Dame dehnt im Sessel lässig sich und stumm,

Sie dreht sich langsam zu dem kleinen Neger um

Und lächelt. Dieser Wicht trägt die brokatne Schleppe.

Der alte Goldschmied

Trotz manchem Namen, der ins Meisterbuch geschrieben,

Trotz Ruiz, Becerril, Ximenez und Arphee

Hab ich den Stein gefaßt, die Perle, die Kamee,

Der Vase Griff gedreht, ihr Fries herausgetrieben.

Den Märtyrer, der auf dem Roste treu geblieben,

Ihn bildete ich nie, ich malte, Schmach und Weh,

Dionysos im Rausch, den Fall der Danae

Auf Silber und Email, statt meinen Herrn zu lieben.

Ich habe mehr als eine Klinge damasziert,

Bei diesem Teufelswerk, das frecher Stolz gebiert,

Vergaß ich um der Seele Seeligkeit zu werben.

Dem dunkeln Abend neigt sich meines Tages Glanz,

Ich will wie Fra Juan von Segovia sterben,

Mein letztes Werk sei eine goldene Monstranz.