Ganz und gar
Heut morgen, als die Hähne krähten,
Hat der Versucher mich beehrt,
Mit List ist er herangetreten,
Zu wissen hat er schlau begehrt:
„Von allen Reizen, die sie schmücken,
Von Farben, die an ihrem Leib
Dich so bezaubern und berücken,
Sag mir, was ist an diesem Weib
Das süßeste? Laß mich’s erkennen.“
Da sprachst du, liebe Seele mein:
„Ich kann nicht scheiden, kann nicht trennen,
Denn Balsam ist ihr ganzes Sein.
Da alles siegt, mag ich nicht sorgen,
Welch Zauber mich zum Sklaven macht,
Sie leuchtet, wie der helle Morgen,
Sie tröstet, wie die dunkle Nacht.
Wie könnte ich von tausend Liedern,
Die meines Ohres Muschel fing,
Die Harmonieen je zergliedern?
Mein Witz ist dafür zu gering.
Ein Traum erscheint mir ihre Nähe,
Doch welchem Sinn, ich weiß es nicht,
Musik ist alles, was ich sehe,
Ein Blütenhauch ist, was sie spricht.“