Jungbrunnen
Juan Ponce de Leon erlag des Teufels Spiel,
Als mit den Jahren er das dichte Haar sah bleichen;
Von alten Schriften voll und kraft geheimer Zeichen
Lenkt nach dem Bronnen ewiger Jugend er den Kiel.
Er kreuzt, des Traumes Knecht, dem all sein Witz verfiel,
Drei Jahre durch die Fluten, die sich endlos gleichen;
Da taucht, vom Licht umrahmt, und alle Nebel weichen,
Ein Märchen, Florida, empor. Er steht am Ziel.
Nun segnet er den Wahn, der ihn hierher geleitet,
Sein Banner pflanzt er auf, die müden Hände breitet
Er nach dem Strande aus, der ihm zum Grabe wird.
Beneidenswerter Greis, Dein Sehnen und Dein Streben
Hat Dir der Tod erfüllt, und ob Du schon geirrt,
Hat er des Ruhmes ewige Jugend Dir gegeben.
Auf eine tote Stadt
Cartagena de Indias, 1533-1585-1697.[4]
Verträumte Stadt, voreinst die Königin der Meere!
Heut tummelt in der Bucht sich ungestraft der Hai,
Die Schatten dehnen sich in ödem Einerlei
Dort wo die Flut gewiegt Galione und Galeere.
Franz Drakes Eisenfaust brach Deine stolze Wehre,
Die Mauer und den Turm schlug Englands Neid entzwei,
Und Wunden klaffen noch, die Spur von Pointis’ Blei,
Ein düsterer Perlenkranz der Trauer und der Ehre.
Die Sonne kocht das Meer, das sich nur träge kräuselt,
Die Königin, sie schläft, vom Windeshauch umsäuselt,
Sie träumt von altem Ruhm und vom Conquistador,
Von ihrem jähen Fall, die Trümmer sieht sie qualmen;
In heißen Nächten schreckt sie angsterfüllt empor ....
Dann schläft sie wieder ein, umrauscht von schlanken Palmen.