Laß mich!

Laß ab von mir, es ist vergebens,

Du prangst im Lenze deines Lebens,

Mir kehrt er nimmermehr zurück!

Kannst du in meinem Gram nicht lesen,

Daß dieser Stirn, die jung gewesen,

Zu lächeln längst vergaß das Glück?

Wenn durch den Winterfrost, den harten,

Die bunte Blumenpracht im Garten

Gebleicht ist und der Baum entlaubt,

Wer gibt dem toten Blatt die Farben

Zurück, die mit dem Sommer starben,

Den Duft, den ihm der Nord geraubt?

Ach, hätte meines Schicksals Gnade

Mich kreuzen lassen deine Pfade,

Da mir noch solche Gunst getaugt,

Ich hätte trunken vor Entzücken

Dein Lächeln kühn gewagt zu pflücken

Und neue Kraft daraus gesaugt.

Heut leuchtest du mir nur von Ferne,

Du junges Blut, dem hellen Sterne

Vergleichbar, der dem Schiffer winkt,

Dess’ schwanken Kahn die List der Wogen,

Wenn schon der Sturm vorbei gezogen,

Zerbricht und mitleidlos verschlingt.

Laß ab von mir, es ist vergebens,

Du prangst im Lenze deines Lebens,

Mir kehrt er nimmermehr zurück!

Läßt diese Stirn, die jung gewesen,

Läßt dich ihr stiller Gram nicht lesen,

Daß nichts mehr sie erhofft vom Glück?