Lied der Bergarbeiter

Woher kommt Ihr, sagt mir’s doch!

In der Erde schwarzem Schlunde

Hausen wir, im finstern Loch,

Auf verderbenschwangerm Grunde.

Da unten strahlt die Sonne nicht,

Im Schatten, bei der Grubenlampe Licht

Entflieht in trübem Einerlei die Stunde.

Das Leben jagt, des Schicksals Kugel rollt,

Wenn es uns auch grollt,

Ist’s dem Reichen hold,

Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.

Warum flieht Ihr, sagt mir’s doch!

Sind dem Tode grad entsprungen,

Unten erntet er im Loch

Und vergiftet uns die Lungen,

Wie schwarze Vögel durch die Nacht

Rauscht das Verderben durch den dunkeln Schacht,

Es rafft dahin die Alten und die Jungen,

Wir fahren täglich ein um kargen Sold.

Wenn das Schicksal grollt,

Ist’s dem Reichen hold,

Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.

Was verdient Ihr, sagt mir’s doch,

Wenn Ihr emsig schafft da drinne?

Unsere Arbeit dort im Loch

Bringt uns Elend zum Gewinne.

Vom Morgen bis der Tag erblaßt

Sitzt an dem Tisch der Hunger uns als Gast,

Die Kinder gehn in Lumpen, Herz und Sinne

Verdorren, unser Schicksal hat’s gewollt!

Wenn es uns auch grollt,

Ist’s dem Reichen hold,

Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.