Maris stella

Von Tannenholz der Schuh, die Haube weiß wie Schnee,

Aus Wollenstoff das Kleid, die Schürze von Perkale,

Sie liegen auf den Knien, ach, zum wievielten Male,

Am steilen Klippenrand, in Bangen und in Weh.

Die Männer, Väter, Söhne, Brüder sind auf See

Mit denen von Paimpol, Audierne und Cancale,

Im Norden stellen sie dem Hering nach, dem Wale,

Hart ist des Fischers Los und hart war es von je.

Fromm tönet übers Meer, das sich unendlich weitet,

Der Bittgesang zum Stern, der jeden Schiffer leitet,

Und die bewegte See wird mählich wieder still;

Der Abendglocken Ruf läßt alle Häupter neigen,

Sie schallen von Roscoff, vom Turm von Sybiril,

Der Himmel färbt sich rot, sie schwellen an und schweigen.

An Ernesto Rossi

Nach einer Dante-Deklamation.

O Rossi, ich hab Dich gesehn, da Du gelassen

Opheliens Herz zertratst wie eine Blume, Dir

Hab zitternd ich gelauscht, da Du, ein wildes Tier,

Desdemona erwürgt — —, ich konnte es nicht fassen.

Den Macbeth habe ich bewundert und den Lear,

Ich sah Dich letzten, der zu lieben weiß, zu hassen

Auf Italienerart, wie Juliens Mund, den blassen,

Du küßtest. Größer schienst Du eines Abends mir.

Da hab ich es erlebt, erschüttert und begeistert,

Zum ersten Mal, wie die Terzinen Du gemeistert,

Sie schmetterten gleich ehernem Drommetenklang.

Und meine Seele wähnte bebend, voller Grauen,

Umzuckt von roter Lohe Dante selbst zu schauen,

Leibhaftig, wie der Hohe den Inferno sang.